Forum: Politik
Gewalt gegen Flüchtlinge: Der Faschismus lebt

Enttäuschung, Lüge, Hass, Gewalt - wenn aus diesen Zutaten Politik wird, entsteht Faschismus. In Deutschland ist es wieder so weit. Leider scheut sich die Nation, bei der Ursachenforschung tief genug zu graben.

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johannes.gebhart 26.10.2015, 13:24
1. Ja,

in der Technokratie kommen die Worte "Mehr Wohlstand für Alle" ja vor. Allerdings geht das nur und ausschließlich über das Argument "Geld". Alle wissen, dass das nur für einige Reicht, aber die Chance will nun jeder haben. Diejenigen, die sich "unten" festgebissen haben, verteidigen das wenige mit Haut und Haaren. So wird es sein, so wird es kommen - oder: es ist schon so. Und es wird mehr werden. Und ja: weil die Politik ihre Augen verschließt.

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allradfamulus 26.10.2015, 13:24
2. Dieser Absatz reicht doch

um zu verstehen warum so viele Menschen diese Massen-Migrationswelle nicht gutheißen: ------------------ Zitat:"Bude beschreibt eine neue gesellschaftliche Klasse: das Dienstleistungsproletariat. Es sind die Leute, die die Pakete packen, die in der Auslieferung arbeiten, die Häuser und Züge reinigen, in den Supermärkten die Regale füllen und an der Kasse sitzen. Sie arbeiten vierzig, fünfzig Stunden die Woche und haben dafür 900 Euro, vielleicht 1100 in der Tasche. In Deutschland sind das zwölf bis fünfzehn Prozent der Erwerbstätigen, fünf, sechs Millionen Menschen. Sie machen den anderen das Leben leichter, jenen, die in der globalisierten Wirtschaft mithalten können. Aber ihnen selbst nützt keine Globalisierung, kein Wirtschaftswachstum und kein Mindestlohn.

Für diese Menschen sind die Flüchtlinge, die jetzt zu Hunderttausenden nach Deutschland kommen, nicht nur eine ausgedachte Bedrohung sondern eine reale - eine Reservearmee, stets bereit, sie zu ersetzen."
Zitat Ende ------------------- Die Menschen haben schlichtweg Angst! Und wenn Ihnen dann wieder die gut - bis sehr gut verdienenden sagen sie haben keine Ahnung und sollen die Füße still halten dann wird das auf Dauer nicht funktionieren. Wir sitzen auf einem Pulverfass. Die Frage ist noch ob gezündet wird sondern nur wann und was der auslösende Funken sein wird. Ich hätte nicht gedacht das es so schnell abwärts gehen kann mit Deutschland.

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tobiash 26.10.2015, 13:24
3. Realitätsverlust!

Es gibt eben neben den von Augstein zitierten Menschengruppen noch eine andere Gruppe von ungefähr 20 Millionen Menschen: Diejenigen, die keine Existenzangst haben, die gut ausgebildet sind und mit beiden beinen im Leben stehen. Die eine eigene, sehr gefestigte Wertevorstellung haben und diese Werte jeden Tag aufs neue genießen. Die jeden Tag miterleben, wie andere Gesellschaften eben ganz andere Werte haben und dies auch akzeptieren. Die erkannt haben, dass sich Werte nicht innerhalb von Tagen ändern, dass sich Werte nicht ändern, weil 2.000km zwischen den Gesellschaften liegen. Und, lieber Herr Augstein, innerhalb dieser Gruppe gibt es Menschen, die bereit sind, ihre Werte zu verteidigen. Ich gehöre dazu!

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janowitsch 26.10.2015, 13:25
4. Sehr gute Analyse

Sehr gute Analyse, Herr Augstein. Aber anstatt die Leute, die zu Pegida gehen, zu beschimpfen, muss die Gesellschaft sie zurückholen, ihnen etwas bieten. Die Flüchtlinge bedrohen die Existenz vieler Menschen in der Unterschicht. Jedenfalls glauben diese an die kommende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, dem Wohnungsmarkt und bei den Ausbildungsmöglichkeiten. Millionen Kinder leben in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze. Gebt ihnen Perspektive und Phänomene wie Pegida verschwinden.

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bruderlaurentius 26.10.2015, 13:26
5. Von Faschismus zu reden

ist für mich, mit Verlaub, völlig überzogen!

Das Problem ist doch, dass in der Öffentlichkeit derzeit kein sachlicher Diskurs - auch unter der Einbeziehung von Soziologen, Wirtschafts- und Nachhaltigkeitsforschern - erlaubt ist. Das ist die traurige Wahrheit im aufgeklärten 21. Jahrhundert! Wo bleibt hier der Rechtsstaat und die Demokratie?

Der Satz "Wir schaffen das" war, ist und bleibt purer Unfug. Und weil inzwischen die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung gegen Merkels Flüchtlingspolitik ist, werden unsere rechtsdemokratischen Parteien ebenfalls (wie in allen anderen EU-Mitgliedsstaaten) eine Renaissance erleben. Allen voran die AfD, weil die CSU nicht auf Bundesebene gewählt werden kann..

Adenauer sagte einst: "Wir müssen die Menschen so nehmen wie sie sind, andere haben wir nicht". Merkel sagt "Wir schaffen das" und tritt die Meinung des eigenen Volks mit Füßen.

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jdnissen 26.10.2015, 13:27
6. Geförderter Faschismus

Es gibt eine Politik die auf die Befindlichkeiten der Bevölkerung keine Rücksicht nimmt und eine mit dieser Politik sympathisierende Form des Journalismus, der die Objektivität scheut - beide fördern den Faschismus, wenn man die bisweilen schräge Artikulierung des Bürgerfrusts denn unbedingt so nennen will. Der neue Faschismus ist die Pflanze einer Saat, die nicht die Faschisten ausgestreut haben...

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lemmy 26.10.2015, 13:27
7. Neoliberale Variante

Erstklassig "seziert", Herr Augstein. So ähnlich schrieben Sie schon vor wenigen Wochen über die Angst und Unzufriedenheit in diesem Land und deren Ursachen. Chapeau.
Aber ich würde noch weiter gehen. Für mich ist das in diesem Land nicht mehr nur eine neoliberale "Variante" der Demokratie. Für mich ist das die Diktatur der Märkte und der Wirtschaft, unterstützt durch eine flexible Regierungstruppe, die von Think-Tanks wie der Atlantikbrücke, INSM & Co. dirigiert wird wie ein Hampelmann bei der Augsburger Puppenkiste.
Und im Moment werden uns politische, wirtschaftlichen soziale Entscheidungen aufgezwungen, die nicht mal vom Bundestag oder Bundesrat abgesegnet wurden, geschweige denn von der Bevölkerung in diesem Land. Getragen von einem merkwürdigen und gefährlichen Konsens der Unvernunft und Verantwortungslosigkeit. Und das tatsächlich völlig alternativlos und ohnmächtig. Oder doch nicht ?

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Charlie Hebdo 26.10.2015, 13:28
8. Von Woche zu Woche gefällt mir Augstein besser

und dabei war ich vorher nie mit ihm einer Meinung.

Vielleicht liegt es daran, dass ich eingesehen habe, dass pragmatische Flüchtlingspolitik humanitär ist und nicht anti-deutsch.

Allerdings gehöre ich auch zu denen, die nicht mit gebliebenen Asylbewerbern um Arbeit, Nahrung, Kleidung, Wohnung und Anerkennung konkurieren.

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Demandred 26.10.2015, 13:29
9. Faschismus

Sehr geehrter Herr Augstein, Sie schreiben:

...."Wir sehen gerade, wie ein Stück dieser Geschichte lebendig wird: der Faschismus. Nichts anderes ist es, wenn Enttäuschung, Lüge, Hass und Gewalt zu Politik werden: Faschismus."

Wikipedia schreibt:

"Faschismus war zunächst die Eigenbezeichnung einer politischen Bewegung, die unter Führung von Benito Mussolini in Italien von 1922 bis 1943/45 die beherrschende politische Macht war und ein diktatorisches Regierungssystem trug (siehe Italienischer Faschismus).

Ab den 1920er Jahren wurde der Begriff für alle extrem nationalistischen, nach dem Führerprinzip organisierten antiliberalen und antimarxistischen Bewegungen, Ideologien oder Herrschaftsysteme verwendet, die seit dem Ersten Weltkrieg die parlamentarischen Demokratien abzulösen suchten. Die Verallgemeinerung des Faschismus-Begriffs von einer zeitlich und national begrenzten Eigenbezeichnung zur Gattungsbezeichnung einer bestimmten Herrschaftsart ist umstritten, besonders für den Nationalsozialismus in Deutschland."

Sind Sie wirklich der Meinung, dass der von Ihnen in Ihrer Kolumne angesprochene Personenkreis faschistisch ist?

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