Forum: Politik
Gewaltfreie Erziehung: Aua, Papa!

30 Prozent der Legobaukästen enthalten Waffen, hat eine Studie ergeben. Wenn schon Lego als Kriegsspielzeug gilt, hat der Pazifismus endgültig gesiegt.

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Leser161 30.05.2016, 12:30
1. Interessant

Ja sehr interessant. Das ganze ist ein schmaler Grad in der Kindererziehung und auch andererorten. Gewalt ist nicht das erste Problemlösungsmittel* einerseits, andererseits sollte es nicht soweit gehen, dass man einfach dasteht und Opfer von Gewalt wird.
Entweder Wehren oder Weglaufen sollte die Devise sein (Zweiteres halte ich für die bessere Variante)
*Wenn es gar keins ist, warum haben wir dannn Serbien bombardiert?

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gretchen2.0 30.05.2016, 12:31
2. klarer Unterschied

Ich finde hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.Das Kinderspielzeug mittlerweile ein umfassendes Waffenarsenal beinhaltet (inklusive pinker Modelle damit auch Mädchen Spaß daran haben) und man zur Faschingszeit sein Kind als deutscher oder US-Soldat verkleiden kann, finde ich persönlich geradezu abartig. mit welcher selbstverständlichkeit unseren Kindern Krieg als lustiges Spiel verkauft wird und das in Zeiten in denen Tausender Kinder leider echte Waffen in den Händen halten oder vor Terror fliehen müssen!
ich habe nichts gegen Cowboy Kostüm oder ähnliches, aber wenn ich im Spielwarenladen zwischen nachgebauter walter und Maschinengewehr wählen kann,ist das für mich abstumpfung der übelsten Art.
das man sich im Falle eines Angriffes mit Händen und Füßen wehrt, sowie einschreitet wenn jemand belästigt wird, hat was mit Selbstverteidigung und sozialer Verantwortung zu tun.das ist was völlig anderes als vierjährigen zu erklären wie er sein Maschinengewehr zu halten hat damit er auch wirklich den Sandkastennachbarn trifft!

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murksdoc 30.05.2016, 12:33
3. Welpenschutz

Als "grösserer" Bruder mit etwa 15 Monaten Abstand zum nächstjüngeren, kann ich aus Erfahrung sagen, dass es schwierig ist, einem 15 Monate alten Baby, das gerade erst Laufen gelernt und im Gegensatz zu einem selbst noch die Windeln anhat, einfach so die Fresse zu polieren, vor allem wenn dessen Erzeuger und Erzeugerinnen, die in einer 10-fach höheren Gewichtsklasse kämpfen als man selbst, in Sicht-, Ruf- und Greifreichweite sind. Das ändert sich aber ganz schnell. Spätestens ab dem Tag, wo man den kleinen Kronprinzen auch noch babysitten muss, wird Rache seinen fürderhinnen trostlosen Alltag bestimmen, solange, bis er die hübscheren Instant-Lebensgefährtinnen mit nach Hause geschleppt bekommt, denn die haben oft ja auch Schwestern oder gutaussehende beste Freundinnen und da drückt man beim Altersunterschied dann gerne mal ein Auge zu. Rein optisch will man den kleinen Köder (nicht, "Köter", aber fast) dann nicht mehr beschädigen. Das ganze nennt man "infantile Diplomatie", die unter anderem dadurch gekennzeichnet ist, den demnächst senilen Alten vorzugaukeln, man lebe die gewünschte totale Gewaltfreiheit.

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spon-facebook-10000361426 30.05.2016, 12:33
4.

Was, frage ich mich, tun wir eigentlich, wenn wir doch nicht unseren Traum einer friedlichen Welt verwirklichen können und ein Agressor und angreift?
Was tun wir, wenn wir des Nachts in einer dunklen Gasse (ohne Rettung in der Nähe) eine schwerste Körperverletzung erleben.
Was tue ich, in meiner Freizeit Veranstalter von öffentlichen Parties, wenn eine Frau vor meiner Nase vom Freund so fest am Schal gezogen bekommt, dass Sie nach hinten gerissen wird?

Ich sage Ihnen, was ich getan habe, ich habe dem Herren freundlich bestimmt von hinten an die Brust gefasst und ihn festgehalten. Das Thema war sogleich deskaliert und der Kollege der definitiv einen Zuviel im Tee hatte war ganz schnell wieder Brav. Dafür brauchte es nicht mal gewalt, dafür reichte ein selbstsicheres Auftreten und der Mumm im Zweifelsfall auch "eine" zu kassieren.

Ich bin kein Schläger, ich kanns auch nicht. Aber wenn ich so gewaltfrei wäre, wie man das heute von uns wünscht, dann wäre ich mit der Situation überfordert gewesen.

Vielleicht wäre eine Erziehung die aufzeigt, dass Gewalt nur eine Ultima Ration sein kann, ein manchmal nicht mehr zu vermeidendes Mittel um größeren Schaden abzuwenden, wesentlich besser als unseren Kindern immer zu erzählen, dass Gewalt überhaupt nicht akzeptabel ist. In jeder Lebenslage. Daraus werden auch keine Menschen mit Zivilcourage, da entstehen nur passive Handyfilmer und wenn ich so einen sehe, dann weiß ich nicht ob ich der Person nicht das Handy aus der Hand schlage und ihn sehr direkt auffordere mit mir EINZUGREIFEN!

Was ein armes Land, aber Hauptsache alle Menschen sind gut und gewalt ist nie gut... Oder vielleicht manchmal doch? Just think about it!

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jojack 30.05.2016, 12:33
5. Das Fazit

...muss doch leider lauten: wir können unseren Kindern die Gewalt aberziehen, so viel wir wollen. Es wird immer jemanden geben, der sich nicht daran hält. Und dann sollte ein Kind, ebenso wie später ein Erwachsener sich auch körperlich wehren können. Wer glaubt, dass immer Staat und Polizei zu Hilfe eilen, dürfte spätestens nach Köln eines Besseren belehrt sein. Also statt unseren Kindern - insbesondere den Jungen - die ihnen angeborene Bereitschaft zum Kampf auf Biegen und Brechen abzuerziehen, sollten wir sie eher dazu erziehen, dass Gewalt immer das letzte Mittel ist, es aber Situationen gibt, in denen man sich wehren muss.

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stammtischschreck 30.05.2016, 12:36
6. Kriegsspielzeug von Lego? Aber ja!

Sehr geehrter Herr Fleischhauer,
schauen Sie sich mal bei Lego und Playmobil die Sonderserien an (bei Lego explizit: Nexo Knights, Star Wars, Ninjago) und Sie werden sehen, dass das mit dem, was früher so erhältlich war, nicht vergleichbar ist. Mein Sohn (8) fährt leider voll darauf ab, inklusive der Online-Spiele und -Filmchen. Das IST Kriegsspielzeug!

Unabhängig davon teile ich Ihre Ansicht, dass eine gesunde Sozialisierung, bei der auf dem Spielplatz (natürlich nicht von Seiten der Eltern!) auch mal eine blutige Nase zeigt, wo die Grenze ist(...gewesen wäre...), heute häufig fehlt. Das Problem ist aber, dass man als jemand, der versucht, das so zu handhaben wie man es aus der eigenen Jugend kannte, heute so derart in der Minderheit ist, dass man, wie Sie ja festgestellt haben, häufig nicht mehr "kompatibel" ist. Ich wünsche Ihnen jedenfalls auf Ihrem (Erziehungs-)Weg viel Erfolg und starke Nerven, wenn in der KiTa, beim Kleinkindschwimmen oder im Babyturnen "Erster sein" anfängt Spaß zu machen...zumindest IHREM Sohn...

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masselquuu 30.05.2016, 12:37
7. GfK

zu Ihrer These, dass Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung manchmal nicht zu vermeiden sei: Die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg, die darauf aufgebaut ist, dass jeder Mensch nach Harmonie strebt, zeigt, dass eine diplomatische Lösung der Konflikte immer möglich ist, solange einer diese Gesprächsstrategien beherrscht und ausführen kann.
Natürlich funktioniert das nicht, wenn man irgendwo auf offener Straße überfallen oder geschlagen oder begrapscht wird. Aber das ist auch kein Konflikt, das ist ein Überfall!
Wenn wir wirklich unseren Kindern Strategien der Selbstverteidigung beibringen wollen, für Situationen wie Sylvester in Köln, dann müssen wir sie regelmäßig von fremden Menschen grundlos überfallen lassen und ihre Reaktion darauf trainieren.

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Tiananmen 30.05.2016, 12:38
8.

Habe ich den Artikel jetzt richtig verstanden? Weil Herrn Fleischhauers Sohn erziehungsresistent ist und zur Gewalttätigkeit neigt soll der hehre Gral des Pazifismus geopfert werden? Das nennt man Charakterstärke! Dann sitzen die stolzen Eltern "immer in Sprungbereitschaft, um rechtzeitig eingreifen zu können", weil sie sich ihres missratenen Balgs schämen, der sich benimmt, wie sich Buben halt manchmal benehmen - hätte man früher gesagt. Nein, erklärter Wunsch ist der andere Bub, der dasteht und "Aua Papa" schreit. Damit ist das Ziel der Genderdiskussion erreicht: es gibt keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern mehr. Nicht, weil sich toughe Frauen Männerrechte erkämpft haben (die sie bewundern und erstreben), sondern weil von sozial desorientierten Müttern Knaben "erzogen" werden, die so gesoftet sind, wie es eine Gesellschaft verdient hat, deren Lebensstil Langeweile ist.

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curiosus_ 30.05.2016, 12:39
9. Mal wieder eine Fleischhauer-Kolumne, der ich ...

... zustimmen kann. Der Kontrapunkt zu der Kolumne von Frau Margarete Stokowski von letzter Woche, auf die ich so reagiert habe:
Außer Frage steht doch wohl, dass ...
... Gewaltanwendung als Mittel der Wahl auch heute noch unverzichtbar ist. Und sein wird solange auch nur einer/eine bereit ist zur Durchsetzung der eigenen Interessen Gewalt einzusetzen. Da hilft eben nur Gegengewalt.

Und ob die institutionalisiert ist (Polizei, Militär) oder individualisiert ("Haben die deutschen Männer verlernt, zuzuschlagen") ist situationsabhängig.
Wenn keine institutionalisierte Gegengewalt zur Gefahrenabwehr verfügbar ist hilft eben nur die individuelle Gewaltanwendung.
Was denn sonst? Das wurde selbst mir, als Kriegsdienstverweigerer in den 70ern, in meiner Verhandlung vor dem Prüfungsausschuss beim Kreiswehrersatzamt zugestanden. Zur Nothilfe und Notwehr durfte sich selbst ein Kriegsdienstverweigerer bekennen ohne zu riskieren abgelehnt zu werden. Notfalls sogar mit der Waffe.

Und dass Männer ggü. Frauen bzgl. den körperlichen Voraussetzungen zum "Zuschlagen" im Mittel priveligiert sind dürfte auch unstrittig sein.

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