Forum: Politik
Gewaltfreie Erziehung: Aua, Papa!

30 Prozent der Legobaukästen enthalten Waffen, hat eine Studie ergeben. Wenn schon Lego als Kriegsspielzeug gilt, hat der Pazifismus endgültig gesiegt.

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vera gehlkiel 30.05.2016, 14:36
80.

Ich bin als Mädchen viel mit Jungens zusammen gewesen, und hab Fussball gespielt und sowas. Ich hab Männer (hier wohl besser: Jungens) in der Gruppe früh kennen gelernt. Ich wurde, auch wenn ich das einzige Mädchen weit und breit war, das Fussball spielte, und ein denkbar mageres kleines Ding, vollständig akzeptiert. Und zwar, weil ich zuerst strebsam und dann sogar gut war, und weil sie mich kennen lernen konnten. Die Nähe zu Jungens, und auch der "harte" Sport, hat mich nicht unweiblicher gemacht, im Gegenteil. Die Jungens respektierten mich vollständig, es gab auch, als die Pubertät einsetzte, niemals sexuell aufgeladene Konflikte, und diese jungen Männer hätten mich vor allem und jedem beschützt, wenn es nötig geworden wäre. Ich glaube, aus diesen persönlichen Erfahrungen resultierend, dass es darum gehen muss, dass man sich wirklich kennen lernen darf, und zwar als Kind möglichst so, dass nicht beständig Eltern dabei sind. Das Problem mangelnd ausdifferenzierter Handlungskompetenz im Konfliktfall resultiert also, wie ich das sehe, gar nicht daraus, dass die Erziehung zu gewaltfrei ist, sondern daraus, dass sie zu sehr auf das Kind als von den Eltern überidealisiertes Einzelwesen abgestellt ist. Dass die Kinder heute niemals mehr Kernerfahrungen machen, ohne dass Erwachsene danebenstehen, oder ganz in der Nähe sind. Dies haben "unsere" Kinder letztendlich mit Menschen aus autoritär fixierten Gesellschaften gemeinsam; auch dort wird natürlichen Bedürfnissen, etwas zu erkunden, und sich dabei frei zu fühlen, viel zu früh und zu umfassend eine starke Hemmung auferlegt. Hier wie in Nordafrika sind Kinder, besonders Jungs, eben oft eher Ideen- respektive Hoffnungsträger, und damit Objekte elterlicher (väterlicher) Glorifizierung, statt eigenständige kleine, subjektive Menschen.

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boingdil 30.05.2016, 14:38
81. sehr weiter - und falscher - Bogen

Das es in Lego immer mehr Waffen gibt stimmt. Das ist aber eine Folge dessen, dass es da immer mehr Star Wars, Ninjago etc. gibt und der Anteil an "klassischem" Lego, etwa Lego City, sinkt. Bei letzterem haben - von Sondersets vielleicht mal abgesehen - nicht einmal die Polizisten eine Dienstwaffe. Die "Militiarisierung" von Lego ist eher eine durchaus bedauernswerte Veränderung im Produkt, weg vom Kreativen zum Kommerziellen. Da aber den Bogen hinzukriegen dass Kinder nicht einmal zurückschubsen... besagter Dreijähriger ist mangels Geschwister wahrscheinlich noch nie geschubst worden und wusste schlicht nicht wie er reagieren soll. Wird sich im Kindergarten und in der Schule ändern - allen pazifistisch motivierten Erzieher_innen zum Trotz. Das Problem ist eher das viele Kinder mangels Geschwister oder anderer frühkindlicher Kontakte wesentlich länger brauchen, um eine "Street Smartness" aufzubauen. Wozu eben Umgangsformen mit anderen gehören, die sich nicht wie die eigenen Eltern/Erzieher immer wohlwollend und verständnisvoll geben. Davon dann aber einen Bogen bis Köln zu spannen... naja.

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rmuekno 30.05.2016, 14:45
82. Oh Gott Herr Fleischauer

da haben Sie den 15 monatigen schon zum Gewalttäter herangezogen. Wie muss das erst sein wenn der 15 Jahre ist. Und das wo ich Sie immer für einen gesitteten Mitteleuropäer gehalten habe.
Nein im Ernst, nicht dass ich für Gewalt oder ein gewalttätiger Mensch wäre aber was heutzutage in unserer Gesellschaft so abgeht bezüglich Gewalt im weitesten Sinn bis hin zu den ganz Gendermist etc. ist doch tiefste Dekadenz.

Wenn mich einer angreift, gibt es zwei Möglichkeiten, einschätzen welche Chance ich habe und dann entweder nichts wie weg oder demjenigen so eine auf die Schnauze, dass er es sich überlegt so was je wieder zu probieren.
Ich bin auch dagegen Kinder zu schlagen, aber mir 67 hat die eine oder andere Watschen sicher nicht geschadet, eher im Gegenteil.

Und um auf Ihren Sandkasten zurückzukommen, zu einer sozialen Entwicklung gehört auch, dass man sich mal durchsetzt, notfalls auch mit sanfter Gewalt, anders wird nur ein Duckmäusertum gefördert, wie heute in D leider zu oft anzutreffen ist. Der Erfolg, dass immer mehr Menschen mit mehr oder weniger Skrupel bis hin zu kriminalistischen Zügen das sagen haben. Würden sich mehr Leute wehren, würden jugendliche Schlägerbanden und Gewalt nicht zunehmend alltäglich. Viele dieser jugendlichen Gewalttäter hätte möglicherweise eine Watschen mal ganz gut getan, vom Legosoldaten kommt diese Gewalt sicher nicht und auch nicht von den Videospielen,eher von schlechter Sozialisierung während der Erziehung.

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haviii 30.05.2016, 14:48
83. Gewalt ist doch ...

... überhaupt nichts schlimmes? Für mich liegt der Fall klipp und klar. Kinder muss man dazu erziehen, dass sie nicht als erstes schlagen / schupsen / provozieren etc.
Kinder muss man auch dazu erziehen, dass man erst nach Lösungen sucht die keine Gewalt enthalten. So weit hier auch im Forum wohl "mainstream".

Ich bringe meinen Kindern aber auch noch bei: wenn du gezwungen bist Gewalt einzusetzen: mach es richtig. Ich bringe meinen Kindern bei, wenn z. B. ein gleichaltriges Kinder oder sogar ein Kind aus einer höheren Klasse sie schlägt demjenigen mit aller ihnen zur Verfügung stehen Gewalt einzuschenken. Ob man am Ende gewinnt oder verliert spielt keine Rolle. Eine gebrochenes Jochbein und ein blaues Auge heilt. Das Gefühl Opfer zu sein frisst hingegen Seelen auf.

Wölfe / Schäferhunde / Schafe. Was anderes gibt es nicht auf der Welt. So einfach ist das.

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Reziprozität 30.05.2016, 14:51
84. Autsch!

"...Während jemand seine Freundin an Po und Busen packt, steht der Freund daneben und hält den Vorgang mit dem Telefon fest, um ihr anschließend stolz die Beweismittel präsentieren zu können? Kein Wunder, dass zwischenzeitlich das Pfefferspray ausverkauft war. ..."

Auf den Punkt gebracht, Herr Fleischhauer! Nomen est omen ...

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grifter2012 30.05.2016, 14:51
85. Es geht hier doch nicht um ...

generelle Gewaltbereitschaft. Es geht um die Fähigkeit sich zu wehren. Nein, der Mensch ist noch kein astrales Lichtwesen. Wir haben immer noch unsere Instinkte, die uns die paar Jahrtausende, die es uns gibt beim Überleben halfen. Man kann jetzt lachen aber sogar unsere süße Miezekatze sträubt die Haare und faucht wenn sie sich angegriffen fühlt, und man lässt sie dann lieber in Ruhe. Lieber diese Instinkte rechtzeitig umlenken in zielführendes Verhalten. Wenn man einem unangenehmen Zeitgenossen glaubhaft vermitteln kann, das er sich evtl. ein blaues Auge einfängt ist schon einiges gewonnen.

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igelchen 30.05.2016, 14:56
86. Moment mal

Hab' ich recht verstanden, dass sich Herr Fleischhauer darüber beschwert, dass niemand seinem Sohn auf dem Spielplatz eine verpasst wenn er mal losprügelt? Ich rekapituliere:
"Leider hat er die Angewohnheit, andere Kinder manchmal zu schubsen oder sie [..] zu boxen, wenn ihm etwas nicht passt." - Bitte was? Vielleicht sollte man mal mit dem Kind reden, und zwar nicht nach dem Motto "die Andern sind bloß Heulsusen!" wie's im Artikel rüberkommt. Vielleicht sollte man mal bei den eigenen Kindern anfagen, die Welt zu verbessern, statt "heult doch, ihr Pazifisten" zu publizieren? Dann gibt es vielleicht auch weniger Menschen, die leider die Angewohnheit haben, sich an Frauen zu vergreifen, wenn ihnen etwas nicht passt.

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l.augenstein 30.05.2016, 14:56
87. Ich halte die Versuche,

Kinder gewaltfrei bzw. pazifistisch zu erziehen, für falsch.
Kinder müssen lernen, sich durchzusetzen und zu wehren, wenn es die Situation erfordert.
Das heißt noch lange nicht, dass man Kinder zu Schlägern erziehen soll. Aber das Gegenteil davon halte ich für genauso falsch.

Kinder, denen man verbietet, ihrem Ärger und Frust Luft zu machen, stauen Aggressionen auf, die irgendwann unkontrolliert explodieren. Das kann niemand wollen.

Und wenn in Kinderspielsachen Waffen zum Teil des Spielzeugs gehören, ist das auch in Ordnung. Ich habe noch nie gehört, dass aus Kindern, die mit Spielzeugwaffen spielen, später Mörder werden.

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josch@sapo.pt 30.05.2016, 14:56
88.

... dann hat die Waffenindustrie gesiegt, denn die hat schon den Fuss im Lego!

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hman2 30.05.2016, 14:56
89.

Zitat von nils1966
Es ist durchaus wissenschaftlich erwiesen, das vollkommen Friedfertige aus einem Elfenbeinturm des Friedens und der Harmonie bösartigen Gedanken frönen bzw. auch ausführen, wenn die unvorbereitet im wahren Leben irgendwelchen Konfliktsituationen ausgesetzt sind. Man kann es auch anders sagen: Auch Entwicklungshelfer, die in ihrer Kindheit friedfertigst erzogen wurden, ... in Afrika lernen die sehr schnell, daß man sich eindeutig wohler fühlt, wenn man französische Fremdenlegionäre in der Nähe hat...
Den "wissenschaftlichen" Nachweis möchte ich gern mal sehen.

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