Forum: Politik
Glaubwürdigkeit: Die Medien und der böse Wulff

Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik. Die Profiteure sind Politakrobaten wie Guttenberg und der Bundespräsident.

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suedbaden6 12.01.2012, 15:26
220. Gratulation!

Tja, Herr Augstein, so ist das wohl, wenn man aus dem Blutrausch erwacht und feststellt, dass die hechelnd gejagte Beute nur eine mäßig nahrhafte Blutwurst war.

Aber immerhin: Ihr Artikel sichert Ihnen die Gnade des (mäßig) frühen Erwachens. Vielleicht verarbeiten Sie das Ganze ja auch noch funktional und lernen daraus, wie man vermeidet, sich in Kampagnen einspannen zu lassen.

Nicht jeder Pappkamerad lohnt einen Krieg. Weder unter den Politikern noch gar unter den Journalisten. Da hilft es auch nichts, wenn man in Talkshows Herrn Dieckmann, dieses Sinn-Bild eines berufenen Moralrichters unter dem Tisch versteckt und Nikolaus B. an seinen Strippen den Kriminal-Tango tanzen lässt.
Jeder weiß doch in diesem Theater: Kasperle ist es, das unbedingt gewinnen will. Und irgendwie ist es im Journalismus fast wie im richtigen Leben: Ein falsches soziales Umfeld diskreditiert.
Dumm gelaufen! Aber persönlich vielleicht noch gerade rechtzeitig abgebogen. Gratulation!

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genewolfe 12.01.2012, 15:27
221. Echte Affäre

Zitat von charlesamannub
Als seinerzeit ein baden-würtembergischer Ministerpräsident Anwürfe gegen seine Tätigkeit als Marinerichter, gegen Ende der Nazizeit, als ein Kampagne bezeichnet hat, war sich die Republik in weiten Teilen einig, daß dieser Herr sich politisch überlebt hatte. Im Zusammenhang mit der Bildzeitungskampagne gegen die inzwischen zur politischen Unperson mutierten Figur des Noch-Bundespräsidenten Wulff, ist das ähnlich.
Schönes Besipiel da sieht man den Unterschied :
ECHTE Affäre : Filbinger hat als Marinerichter ein Todesurteil gesprochen. Der arme Mensch wurde n a c h Kriegsende hingerichtet. Keine Medienkampagne.
FALSCHE Affäre : Wulff hat sich Geld geliehen, vor dem Landtag die Wahrheit gesagt und auf eine Mailbox geschimpft. Medienkampagne.

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trebsleg 12.01.2012, 15:29
222.

Zitat von Berlinalko
Wenn Wulff jetzt zurücktritt, hängt er die Messlatte für Politiker so hoch, dass keiner mehr drüber springen kann.
Nein, Wulff HAT die Messlatte bereits so hoch gelegt, als er 1999/2000 physische Schmerzen wegen BP Rau empfunde haben wollte und Herrn Glogowski, der als niedersächsischr MP wegen geringerer Verfehlungen gehen musste als sie Wulff jetzt beging, die Pensionsansprüche kürzen wollte.

Diese Heuchelei, diese unglaubliche Scheinheiligkeit des jetzigen Bundespräsidenten ist eine entscheidende Triebfeder für die Empörung, die sein dummdreister Umgang mit der Wahrheit jetzt hervorruft.

Damit ist die Rolle von BLÖD gar nicht tangiert; die hält sich jetzt ja auch, abgesehen von den bekannten scheinheiligen Erklärungen und Aufforderungen, ziemlich zurück. Es gibt keine dicken Schlagzeilen zu Wulff, das Thema wird auf die hinteren Seiten verbannt.

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bernhardfischer 12.01.2012, 15:29
223.

Zitat von nwj
Eine solche Umfrage kenne ich nicht. Mit seinen öffentlichen Ankündingen Transparenz zu schaffen, hat Herr Wulff eine Bringeschuld. Immerhin ist Herr Wulff Jurist und hätte die Tragweite seiner Ankündigung kennen müssen. Nun sitzt er in der Falle, was mit den Medien nichts zu tun hat. Auch war es Herr Wulff, der die Bildzeitung bedroht hat und nicht umgekehrt. Ohne Zutun der Medien .....
Und gerade wird die nächste Ebene eröffnet:
"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann bot Wulff an, alle Anfragen seiner Zeitung sowie die Antworten im Internet zu veröffentlichen. Hintergrund dieser Entwicklung ist eine Stellungnahme von Wulffs Anwalt Gernot Lehr.Lehr hatte hatte am Mittwoch eine zusammenfassende Darstellung des relevanten Sachverhaltes mit den Worten begründet: "Eine Veröffentlichung der an uns gestellten Journalistenfragen würde das Recht der jeweils anfragenden Journalistinnen und Journalisten am eigenen Wort und an dem Schutz ihrer Rechercheergebnisse oder -ziele verletzen." Dieses Recht am eigenen Wort hat Diekmann nun an den Bundespräsidenten abgetreten. Damit ist Wulff nun an der Reihe zu entscheiden, ob er die Fragen und Antworten der "Bild"-Zeitung veröffentlicht. Ein Sprecher des Springer-Verlags forderte die Journalisten auf, "unserem Beispiel zu folgen". Die "Berliner Zeitung" und die "Frankfurter Rundschau" folgten umgehend. ntv

Berliner und fr - typische Springerkonzernmedien - gehören in die Tonne gekloppt...oder irre ich mich da i?

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Der Pragmatist 12.01.2012, 15:29
224. Unwahrheit oder reine Luege?

Zitat von sysop
Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik. Die Profiteure sind Politakrobaten wie Guttenberg und der Bundespräsident.
Ist es ein Wunder, dass denkende Leute den Medien nicht mehr vertrauen? Wenn Medien, der SPIEGEL eingeschlossen, nicht nur Unwahrheiten, sondern reine Luegen verbreiten, die der denkende Leser sofort als solche erkennt, dann sinkt das Vertrauen der Leser schlussendlich auf den Nullpunkt.
DER SPIEGEL scheint es sich zur Aufgabe gemacht haben, jeden Tag falsche Berichte, besonders ueber die USA, in die Welt zu setzten. Es sind nicht nur Misinformationen, sondern reine Luegen, denn die SPIEGEL Reporter und Redakteure kennen sicherlich die Wahrheit, aber schreiben sie nicht. Die Foristen ergoetzen sich dann daran, glauben diesen Unsinn und verbreiten ihn als angebliche Wahrheit weiter.

Groteskes Beispiel:
Die Ausgabe 44/2010 hatte die Titelgeschichte "Good night, America". Da stand dann ploetzlich folgender Satz: ".....an diejenigen, deren Einkommen in einem Land ohne staatliche Rente von Ersparnissen und den Finanzmärkten abhängt".
Wenn ich dann in Deutschland mit Leuten spreche und man kommt auf das Thema Rente zu sprechen, bedauert man mich sofort, "da es ja in den USA keine staatliche Rente gibt". Dann merkt man sofort, woher die Leute ihre Wissen bekommen, naemlich aus dem SPIEGEL oder aehnlichen Medien.
Wenn ich ihnen dann erklaere, dass jeder US Buerger im Alter eine staaliche Rente bekommt und sie feststellen muessen, dass meine Rente hoeher liegt als die meiner deutschen Kollegen, sind sie so verbluefft und fuehlen sich tatasaechlich von den deutschen Medien, dem SPIEGEL eingeschlossen, betrogen. Man hat sie jahrelang bewusst belogen.

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mackeldei 12.01.2012, 15:29
225. mal ehrlich

Zitat von sysop
Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik. Die Profiteure sind Politakrobaten wie Guttenberg und der Bundespräsident.
Mal ehrlich! Weshalb ist die SPD wohl über der Madsack Medienkonzern finanziell an so vielen Zeitungen und Privatsendern beteiligt? Irgend eine Absicht muss doch wohl dahinterstecken . Und deshalb glaube ich , wie viele in der Bevölkerung auch ,den Journalisten noch weniger , als den Politikern.
Ich glaube z.B auch , dass Guttenberg noch unbehelligt seinen Doktortitel führen würde , wenn er das SPD Parteibuch gehabt hätte.

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warzenmeissel 12.01.2012, 15:29
226. Warum

Zitat von MrStoneStupid
Ich habe den Eindruck, dass die Medien den US-Imperialismus fördern. Einige Journalisten täuschen das deutsche Volk. Hier ein paar Diskussionen mit alternativen .....
soll uns der Spiegel mit solch abstrusem Kram belästigen?

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imagomota 12.01.2012, 15:32
227. Geld regiert die Welt

Zitat von Sapientia
Die geneigten Leser sollen "klicken" oder kaufen, auf das Lesen, Begreifen, Reflektieren kommt es nicht an. Es ist viel einfacher. Der Rubel soll rollen bei denen im Moment nicht so rosig dastehenden Verlagshäusern; also wird jeder "Schrott" gedruckt, Hauptsache: es macht hinreichend klick. Wie schön, daß die Bevölkerung bei allem Theater noch normal geblieben ist und die Pressequalität bewußt kritisch betrachtet.
Es stimmt wirklich, dass auch Qualitätsmedien wie Spiegel und andere große Verlage vermehrt auf die größte Zielgruppe der mutmaßlich tumben Masse setzen: Möglichst reißerisch, möglichst unsachlich, Hauptsache "Emotion". Vor allem online gelten hier härtere Gesetze als im Printbereich.
Es stimmt auch, dass die Jagd nach dem niedrigsten Niveau nicht automatisch mehr Gewinn einfährt. Das müssen die Verlage noch lernen.
Trotzdem sind weniger die Verfehlungen Wulffs, sondern vielmehr sein Umgang damit der Grund, weshalb er sofor zurücktreten sollte.
Einen Lügner und Feigling brauchen wir nicht als Bundespräsident.

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fthoe 12.01.2012, 15:33
228.

Dadurch dass immer wieder neue, kleinere und für sich genommenen Details hervorgebracht werden, entsteht natürlich der Eindruck einer Kampagne. Immer wieder wird etwas nachgeschoben, aufgebauscht, als wer weiß was hingestellt. Dabei sind die aufgezeigten Fakten einzeln und für sich genommen, lässliche kleinere „Sünden“. Was aber nur sehr verschämt thematisiert wird, ist die Frage, welche Schlüsse hieraus auf die Person des Bundespräsidenten zu ziehen sind. Was heißt es, dass der oberste Repräsentant dieses Staates doch mit gewissem Verve versucht eine Presseberichterstattung zu beeinflussen? Egal ob es dabei um Verschiebung oder Verhinderung geht. Welches Verständnis hat dieser Mann von der Pressefreiheit? Immerhin einem Recht, auf dem die Funktion unseres politischen Systems, des demokratischen Systems beruht. Was sagt dieses Verhalten über einen Menschen aus, der in seinem Amtseid als oberster Repräsentant dieses Staates geschworen hat, die Verfassung zu achten und zu schützen? Was sagt der Hang zur Annahme kleinerer Vergünstigungen und jede Menge Nebengeschäfte zu tätigen, über die Unabhängigkeit dieses Menschen in seinen politischen Entscheidungen aus? Dabei ist es doch völlig unerheblich ob konkrete Entscheidungen beeinflusst wurden oder nicht. Was kann aus der Tatsache geschlossen werden, dass vor einem Millionenpublikum die Offenlegung von Informationen versprochen wird, um dann 24 Stunden später vom Tisch gewischt zu werden? Welches Selbstverständnis der Mensch Wulff, wenn er nicht um Entschuldigung bittet, sondern diese sich quasi selbst gewährt (Ich entschuldige mich dafür…)? Was heißt es, wenn ein Mann im Alter von 52 Jahren, der Bundespräsident und Jurist ist, erst jetzt erkennt, dass „nicht alles was rechtens ist auch richtig ist“? All diese Fragen werden nur sehr verschleiert, sehr verschämt thematisiert. Statt dessen werden alle paar Tage einige Faktenhäppchen nachgeschoben und als „Affäre Wulff“ dargestellt. Für mich hat das nicht die Dimension einer Affäre sondern zeigt lediglich, dass die falsche Person Bundespräsident ist, da er charakterliche Schwächen sichtbar werden lässt, die ein Bundespräsident nicht haben sollte. Dies nicht wirklich klar und deutlich zu thematisieren ist das Versäumnis der Medien hier und zehrt an deren Glaubwürdigkeit.

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pimann 12.01.2012, 15:33
229. Wie in Ostblockstaaten vor 1989

"Einem solchen Leser dämmert das Gefühl, dass Medien und Politik in Wahrheit eine Einheit bilden, dass Journalisten alles andere als "Fremde" sind, wie der amerikanische Reporter Gay Talese sein Ideal beschrieben hat. Mit ihrer Glaubwürdigkeit verlieren die Medien aber die Möglichkeit, ihre Funktion als Kontrolleure der Macht wahrzunehmen".

In der Tat, es ist so schon seit mindestens 20 Jahren? Habt es Herr Augstein noch nicht bemerkt? Über den in Deutschland weit verbreiten Begrief "Meinungsmacher" nichts gehört? Zurzeit spüre ich in Deutschland und in den ganzen Westen das ähnliche Klima, wie in Polen vor 25 Jahren. Keiner glaubte mehr an die Überlebensfähigkeit des politischen System, inclusive die Politiker und ihre Knechten- Jurnalisten.
Deja vue der Geschichte?

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