Forum: Politik
Glaubwürdigkeit: Die Medien und der böse Wulff

Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik. Die Profiteure sind Politakrobaten wie Guttenberg und der Bundespräsident.

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DerZitator 12.01.2012, 18:34
340. Besonders ärgerlich...

Zitat von sysop
Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik. Die Profiteure sind Politakrobaten wie Guttenberg und der Bundespräsident.
...finde ich den Umstand, dass die gescholtenen Medien einen Präsidenten, welcher nach Kräften versucht, die Leistungen zu erbringen, die wir in seinem Amt, als Mindesterfüllung fordern müssen, durch ihre sich überschlagende Berichterstattung aus der Schlinge entkommen ließen.
Die Arbeitsqualität der Journalisten entsprach zwar meistens den Anforderungen und sie bemühten sich ja auch um eine zuverlässige Arbeitsweise, dennoch gelang es ihnen nicht, einen mit dem Versuch seine Fähigkeiten der Situation anzupassen, beschäftigten Präsidenten, durch ihre stets bemühte Arbeitsweise zu überführen.

Das persönliche Verhalten des Herrn Wullf ist ja im wesentlichen tadellos und er zeigt für seine Arbeit ja auch Verständnis und Interesse, doch war sein Hang zu seinen Freunden ein besseres Verhältnis zu pflegen, als zu seinen Arbeitgebern, den Bürgern des Staates nämlich, letztlich von beeindruckendem Selbstvertrauen geprägt.
In diesem Selbstbewustsein koordinierte er die Arbeit seiner Mitarbeiter und gab klare Anweisungen, welche er durch eindeutige Formulierungen auch auf die Vertreter der Medien auszuweiten suchte.
Das die genannten Vertreter daraufhin, mit sehr großem Ehrgeiz ihrer Aufgabe zur Berichterstattung widmeten, registrierten wir mit Respekt und wünschen ihnen dabei in Zukunft den erwarteten Erfolg.
Auch dem amtierenden Bundespräsidenten wünschen wir alles nur erdenklich Gute, insbesondere auch Erfolg bei den weiteren Bemühungen ein, seinen Fähigkeiten angemessenes, Amt zu finden.

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bernhardfischer 12.01.2012, 18:35
341.

Zitat von Robert_Rostock
Man kann es aber auch andersrum sehen: Ja, hier steht ein BP im Raum, der womöglich Korruption betrieben hat und der, weil ihm ein Artikel nicht gfallen hat, wutschnaubend bei der "Bild" angerufen hat. Und manche, auch in der Presse, reden über ihn, als wäre er der schlimmste Verbrecher aller Zeiten, vor dem selbst die schlimmsten Diktatoren verblassen. Als hätte er per Präsidentendekret sämtliche Zeitungen und Rundfunksender verboten, die Bundeswehr mit Leopard-Panzern vor der Springer-Zentrale in der Rudi-Dutschke-Straße auffahren lassen, die Bundesmarine in Richtung Hamburg-Speicherstadt in Marsch gesetzt und Fernsehstudios bombardieren lassen.
Nette Geschichte mit rhetorischer Übertreibung a la Stahlgewitter erzählen Sie da:

An Wulff wurden Fragen gestellt, diese von seinem langjährigen Pressereferent beantwortet - W. bekommt dies spitz, läßt die Antwort zurückziehen und ruft dann D. an - wobei bei Nichterreichen diverse Sätze auf den AB gesprochen werden, die Sie langsam zusammengesetzt auf Wulffplag nachlesen können - wobei die versprochene Offenlegung seitens W. ausbleibt.
Der Pressereferent wird kurze Zeit später entlassen...

Und 1 Monat später herrscht immer noch keine Klarheit, worüber die gesamte Presse + Medien sich aufregen- und nicht nur spon + bild!

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manometer 12.01.2012, 18:36
342. dem kann ich mich anschließen: geht mir auch so!

Zitat von wibu43
Viele meiner kritischen Berichte sind auch nicht freigeschaltet worden, ohne dass in irgendeiner Form Beleidigungen, Verunglimpfungen etc. stattgefunden haben. Die Wortwahl und Bilder der Medien, auch des SPON, waren in vielfacher Hinsicht krasser und trugen nicht unbedingt zur Sachlichkeit bei.
Wobei SPON noch Gold ist. Da werden die Beiträge unliebsamer Meinung einfach weggelassen. Mit grimmigen Vergnügen beobachte ich dabei, wie stattdessen das Niveau vieler Zuschriften ins Unterirdische steigt.

Unerträglich dagegen geht's auf ZO zu. Die sind zensurmäßig nicht zu toppen. Wobei man sich dort die anmaßend-dümmlichen Kommentare der Zensoren anhören muss. Viele gute, treffliche Kommentatoren werden dort gleich ganz gesperrt, weshalb ich diese Seite meinerseits gelöscht habe.

Bei SPON dauert's auch nicht mehr lange ... Immerhin erscheint hier eine selbstreflexiver Beitrag von Augstein, der die Ausnahme von der Regel darstellt, daß sich das Medium selbst nie in Frage stellt (von McLuhan, glaube ich).

Gruß

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henniman 12.01.2012, 18:38
343. Paradigmenwechsel

Ich denke auch, es ist ein Paradigmenwechsel passiert, den die etablierten Medien noch nicht verarbeitet haben.

Sie haben kein Nachrichtenmonopol mehr und auch kein Meinungsmonopol. Wer ein wenig gräbt, findet schnell Widersprüche und Einseitigkeit in der Berichterstattung unserer Leitmedien.

Noch haben sie keinen Weg für sich gefunden, damit umzugehen. Auf die uninteressierte Reaktion des Publikums waren sie nicht vorbereitet, weswegen sie jetzt weiterkritteln wie bisher.... und machen es nur schlimmer, weil sie den Verdacht der Kampagne damit bestätigen.

Käme jetzt noch eine echte Verfehlung Wulffs - ein echter Scoop - heraus, es würde schlicht keiner mehr wahr und ernst nehmen.

Das gleicht alles sehr der Musikindustrie, die den Musikpiraten anfangs nur mit Klagen antwortete...und unterging. Bis sie von Apple errettet wurde, dafür aber nur mehr ein reiner Zulieferer mit gestutzten Margen und ohne Endkundenkontakt war.

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JorgeX1202 12.01.2012, 18:42
344. SPON-Zensoren sind

Zitat von warzenmeissel
ja, für diese "Zensur" hätte ich in gewisser Weise Verständnis. Mit "Systemmedien" outet sich gewöhnlich die rechtsradikale Ecke.
unterschiedlichster Art und mit einer ziemlich unkontrollierten "Macht" ausgestattet, so dass sich schon die alte Frage stellt: "Wer kontrolliert die Kontrolleure?".

Wenn Sie einem Zensor "nicht gefallen", werden Sie feststellen können, dass manchmal selbst die harmlosesten Postings von Ihnen nicht "durchkommen" (dann haben Sie einen von denen, die Sie auf dem "Kieker" haben, erwischt), während manchmal ausgesprochen scharfe Postings, bei denen Sie wg. der Wortwahl schon mit "Daumen runter" gerechnet haben, problemlos durchgehen.

JorgeX

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rundertischdgf 12.01.2012, 18:44
345. Journalisten manipulieren gewaltig

Zitat von sysop
Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik. Die Profiteure sind Politakrobaten wie Guttenberg und der Bundespräsident.
In der Nachbetrachtung zum Wulff Interview wurde bei Buhrow/ARD ganz deutlich gesagt, es kommt nicht auf den Inhalt der Nachricht an, sondern ob die richtige Krawatte wirkt. Es kommt nur noch auf die Performance an, mit der lenken wir den Zuschauer, ob er nun vor der Glotze sitzt oder eine Zeitung liest. Der Spiegel macht da keine Ausnahme, z.B. hämmert er und alle anderen Gazetten seit 20 Jahren dem Leser bei jeder Gelegenheit Springerstiefel und Glatzen ins Gehirn, damit der Leser sich vor dem Rechtsextremismus graust. Möglicherweise kommen die aber anders daher und werden deshalb nicht erkannt.

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c++ 12.01.2012, 18:45
346. .

Zitat von spiegel_online_leser_1000
kann es sein, dass der Casus Wulff ein ähnliches Desaster für den Spiegel darstellen wird als damals der Fall mit den "Hitlertagebüchern" für den Stern?
Absurder Vergleich. Die Hitlertagebücher waren gefälscht, die Vorwürfe gegen Wulff sind alle bestätigt und niemand behauptet, dass sie nicht zutreffend sind. Allenfalls in der Bewertung kann man unterschiedlicher Meinung sein.

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Diotima 12.01.2012, 18:51
347. Medien und Politik

Nachdem wir nun seit mehreren Wochen erleben, wie die Medien bemüht sind, die causa Wulff am Köcheln zu halten, ist es in der Tat fällig, über das Verhältnis von Medien und Politik nachzudenken. Um nicht missverstanden zu werden: ich halte Wulff für einen „Schnorrer“ (Handelsblatt) und seinen Umgang mit den öffentlich erhobenen Vorwürfen für nicht akzeptabel.
Allerdings lohnt es, neben diesem gravierenden Fehlverhalten, die strukturellen Veränderungen im Verhältnis der Medien zur Politik zu werten. Ganz Wesentlich für den schleichenden Niedergang der parlamentarischen Parteiendemokratie, den wir seit mehreren Jahrzehnten beobachten, ist der Strukturwandel der Öffentlichkeit, der durch die Medien vorangetrieben worden ist. Die Politik und ihre Repräsentanten sind heute gnadenlos den Mechanismen des Marktes ausgeliefert. Angetrieben durch Konkurrenzdruck (Quote, Auflage) hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine beispiellose Transformation des öffentlichen Raumes stattgefunden, indem die Beziehung zwischen Volk und Politikern durch die Medien systematisch delegitimiert wird. Es sind nicht immer die Skandale der Politiker, die zum schlechten Ruf beim Wahlvolk beigetragen haben, sondern auch deren Inszenierung. Unter dem vermeintlichen Signum der Transparenz und der Pressefreiheit wurden die politischen Repräsentanten zu einem Spielball der Medieninteressen. Jacques Derrida hat in diesem Zusammenhang davon gesprochen, dass die Politiker „strukturell inkompetent“ geworden sind. Mindestens genau so schwer wiegt der Umstand, dass die Nachrichten unter ökonomischen Druck heutzutage immer mehr den Charakter von schnell verderblichen Waren annehmen. Das politische Urteilsvermögen ist mit der Zahl der Fernsehkanäle nicht gewachsen. Aber die Konkurrenz der Verlage und Sender hat zu einer Einengung des Diskussionsraums und der politischen Meinungsbildung geführt, die auch unsere Fähigkeiten beschnitten hat, im politischen Raum Alternativen ruhig und sachlich abzuwägen.

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zehwa 12.01.2012, 18:53
348. ;))

Zitat von rotverschiebung
wenn ich so manchen Post lese. Ich versuche mal zu verstehen, welch wirre Ansicht sich in nicht wenigen Beiträgen verdichtet: Das Amt des BP wurde VON DEN MEDIEN mit Privatangelegenheiten verknüpft? Bei manchen Posts hier muss man lächeln aber darüber muss ich sogar lachen. An alle Verschwörungstheoretiker: Wenn Sie mit dem Auto, das Telefon am Ohr, dem Vordermann draufbrummen, dann machen Sie nach Ihrer Logik den Mobilfunkprovider regresspflichtig? Ja klar, können Sie natürlich machen, wenn Sie wenigstens in diesem einen Moment die Lacher auf Ihrer Seite haben wollen. Für den entstandenen Schaden werden Sie aber (zumindest teilweise) selber aufkommen müssen. Eine Konsequenz, die man allgemeinhin als "Verantwortung tragen" bezeichnet. Analoges gilt für unseren Bundespräsidenten, von daher wird Ihre oft postulierte Freude über seinen Verbleib im Amt nicht von Dauer sein. Dank der Medien zeigt dieser Fall auch auf, wie beschädigt nicht nur das Amt ist, sondern auch das Rechts- und vor allem das Gerechtigkeitsempfinden in Teilen der Gesellschaft. Die Tatsache, dass in diesen beiden Punkte offensichtlich keine weitgehende Einhelligkeit besteht, ist weder ein demokratischer Grundpfeiler, noch ein Grund stolz zu sein. Und wenn es nicht ZU unterirdisch wäre, würde ich mich sogar fremdschämen, wenn mancher in dieser Sache von Verschwörungen und Kampagnen dileriert. Alles in allem finde ich es tragisch, dass Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann. ;-)
Vorsicht mit Vergleichen. Hier geht es um die Verzahnung von Politik und Medien und niemand hier hat die Druckerpressen für irgendwas verantwortlich gemacht. Soviel zum Provider...;))

Und da Sie mich schon zitieren, auch noch folgendes:
Die echten Vermeindlichen Verfehlungen des Herrn Wulff haben mit dem Amt an sich nichts zu tun.
Was aber haben wir erlebt? Ein mehrwöchiges Ballihoo um Wulff als Person und nebenbei eine ellenlange Debatte "Brauchen wir einen Bundespräsidenten?".
Wozu? Keine Ahnung. Eignete sich wohl, um die Clicks hochzutreiben.
Diese Debatte wurde eindeutig von den Medien losgetreten. Wulff selber wars ja wohl kaum, und, ja, das Amt wurde beschädigt.
Tja, und was das sollte, fragt sich mittlerweile wohl auch Augstein. Einige Leser wundern sich schon lange und haben das laut genug kundgetan.

Ist was dabei? Grund zum amüsieren oder fremdschämen? Schnappatmen vielleicht? Oder ging ihr erster Satz nur in die sattsam bekannte Richtung "Ihr armen, verblendeten Wullfschäfchen, hört, was ich, der große Meister und Allesdurchschauer, euch verkünde..."

Ich kann die Gegenmeinung übrigens kürzer als Sie ausdrücken:
Wer behauptet, Wulff gehöre aus dem Amt gejagt, weil er das Grundgesetz verletzt hat, ist eindeutig gehirngewaschen oder forengeschädigt, vermutlich beides.

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bernhardfischer 12.01.2012, 18:57
349.

Zitat von bernhardfischer
Nette Geschichte mit rhetorischer Übertreibung a la Stahlgewitter erzählen Sie da: An Wulff wurden Fragen gestellt, diese von seinem langjährigen Pressereferent beantwortet - W. bekommt dies spitz, läßt die Antwort zurückziehen und ruft dann D. an - wobei bei Nichterreichen diverse Sätze auf den AB gesprochen werden, die Sie langsam zusammengesetzt auf Wulffplag nachlesen können - wobei die versprochene Offenlegung seitens W. ausbleibt. Der Pressereferent wird kurze Zeit später entlassen... Und 1 Monat später herrscht immer noch keine Klarheit, worüber die gesamte Presse + Medien sich aufregen- und nicht nur spon + bild!
Und schon geht die Geschichte weiter, diesmal faz:
„...Lehr, der Anwalt von Bundespräsident Christian Wulff, hat die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (F.A.S.) bereits am 23. Dezember 2011 im Einzelnen über Anfragen aus der Presse informiert - obwohl solche Fragen seiner eigenen Stellungnahme zufolge unter die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht fallen. Lehr leitete den Mailwechsel mit dem „Welt“-Redakteur Jörg Eigendorf vom 21. Dezember weiter, in dem zahlreiche detaillierte Fragen des Journalisten zu Wulffs Krediten bei der BW-Bank, die Antworten Lehrs, Nachfragen und weitere Antworten sowie Kontaktdaten enthalten sind.
Außerdem gab Lehr der F.A.S. eine weitere Mail mit 13 Nachfragen des „Welt“-Journalisten vom 22. Dezember weiter. Die Anwaltskanzlei beansprucht in einem Anhang unter der eigenen Adresse Vertraulichkeit; entsprechende Hinweise unter der weitergeleiteten Nachricht fehlen. Lehr sagte der F.A.S., es handele sich um eine „bedauerliches Versehen“. Er fuhr fort: „Das war nicht im Auftrag meines Mandanten, nicht mit dem Bundespräsidenten abgestimmt.“......
Affäre des Bundespräsidenten: Wulffs Anwalt leitete schon Fragen der Presse weiter - Aktuell - FAZ

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