Forum: Politik
Glaubwürdigkeit: Die Medien und der böse Wulff

Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik. Die Profiteure sind Politakrobaten wie Guttenberg und der Bundespräsident.

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trident 13.01.2012, 21:14
450.

Bild Meldung: "300 Gäste feiern Jahresauftakt im Axel-Springer-Haus"
Unter den Gästen sind auch prominente Politiker.

Der Springer Verlag profitiert erheblich von reduzierten MwSt Sätzen.

Nach dem Masstäben die bei Wulff angelegt werden (bspw: Er hat sich mit einem Unternehmer und Subevtionsempfänger mehrmals auf Empfängen getroffen und duzt sich sogar) ist obiges auch ein klarer Fall von Vorteilnahme - um nicht zu sagen an der Grenze zu Korruption.

SPON, ermitteln sie!

/Ironie

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trident 13.01.2012, 21:23
451.

Zitat von trident
Zum Vergleich mal wie Schweizer Medien mit dem Fall Hildebrand umgehen (Ex Nationalbank Chef, der auch "zurückgetreten wurde") Leitartikel des NZZ Chefredaktors: Den Artikel ist in Teilen auch für die deutsche Situation anwendbar. Es schadet sicher nicht, ihn zu lesen.
Ach, die NZZ hat noch was zum Wullff direkt geschrieben:
Ein deutsches Trauerspiel (Politik, International, NZZ Online)

Zitat aus dem Artikel:
Zitat von
Die deutschen Medien haben in der Affäre Wulff lange Zeit eine konstruktive Rolle gespielt. ..... In den letzten Tagen allerdings scheint die Gier danach, Wulff zur Strecke zu bringen, die klare Sicht zu trüben. Man wiederholt sich. Winzigkeiten aus dem Privatleben der Wulffs werden zu Skandalen aufgebauscht. Es hat etwas Zwanghaftes, Kleinliches. Die permanente Entrüstung klingt unecht, denn Wulff hat nicht immer und überall niederträchtig gehandelt. Die Art, in der triviale Medien eine winzige Demo selbstgerechter Schuhwerfer zum Volkstribunal stilisierten, war beschämend. .... .... Das löst im Volk Widerwillen aus, und dieser wird in Umfragen spürbar. An der Basis hat man das Gefühl für die Proportionen noch nicht ganz verloren.
Ich würde Euch eine Zeitung auf dem Niveau der NZZ von Herzen wünschen.

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Flari 13.01.2012, 21:58
452. Mir sind eher andere Passagen aufgefallen

Zitat von trident
Ach, die NZZ hat noch was zum Wullff direkt geschrieben: Ich würde Euch eine Zeitung auf dem Niveau der NZZ von Herzen wünschen.
Diese zum Beispiel:

Zitat von
Bei Wulff ist das anders. Er hat sich nie in genügendem Masse erklärt. Guttenberg gewählt, hat immer nur das zugegeben, was er nicht mehr abstreiten konnte, da es öffentlich geworden war. Das Verhalten, das er gegenüber den Medien an den Tag legte, grenzte ans Selbstzerstörerische. Warum aber bleibt Wulff, ? Ganz einfach, weil der Bundespräsident keine Wahl hat. Geht er, scheitert sein Lebensentwurf. Schon jetzt ist er im Internet eine . Er ist für den Rest seiner Amtszeit diskreditiert. Wenn Wulff bleiben will und sich die politische Klasse, die dafür zuständig ist, nicht zu einer Amtsenthebung aufraffen kann, sollte man ihn eben erdulden.
Ich mag ihn aber nicht erdulden!

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trident 14.01.2012, 00:17
453.

Zitat von Flari
Mir sind eher andere Passagen aufgefallen
Das ist auch gut so ;-)

Aus meiner sicht ist es ein differenzierter Artikel, der sowohl das verhalten von wullf wie auch das der Medien kritisch beleuchtet.

So etwas aehnliches sollte mal in einem deutschen Feuillton stehen.

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christian10 17.01.2012, 11:51
454. schreiben, was ist.

herr augstein junior, ich bin von ihnen völlig überrascht. für mich waren sie bisher die journalistische spitze, die dinge nicht wahrhaben will. linkes motto ist oft: es kann nicht sein, was nicht sein darf. political correctness in reinform.
jetzt haben sie dinge wahrgenommen und schreiben sogar darüber, die sonst fast nie ein journalist wahr haben will: systemkritik an der eigenen zunft.

Sie haben dinge beschrieben, wie die große masse der bevölkerung denkt. auch das macht der spiegel sehr selten. spiegel ist was für eliten, mit der breiten masse möchte der spiegel nichts zu tun haben.

im Kern: es gibt eine riesen differenz zwischen dem spiegel beschriebenen und der realität der bevölkerung. der spiegel ist noch lange nicht angekommen bei dem ziel, "sagen/schreiben was ist".
zu wulff: große teile der bevölkerung empfinden "die medien" als hetz-jagd. wenn ein hund am boden liegt, lässt der andere hund ihn in ruhe. journalisten kennen so etwas nicht. sie machen immmmmer weiter. große teile der bevölkerung empfinden das als menschenverachtend und in-human.

das strukturelle übel des finanzkapitalismus ist eine unbegrenzte gier.
das strukturelle übel des journalismus ist ein unbegrenzter jagtinstinkt.
die aufgabe, die sich einer redaktion stellt: es ist nachrichtenarme zeit. wie bekomme ich meine seiten voll? Wulff sei dank. das ist die einzige, spontane antwort. ich trete solange auf ihm herum (nennt sich recherche), bis ein neues thema das alte ablöst.

der journalismus kann machen, was er will. ihm sind kaum grenzen (gesetze) gesetzt. das einzige korrektiv ist der leser. der spiegel wollte unbedingt im nachhinein herrn gauck durchsetzen.

ich richte meine online gewohnheiten nach der geringsten wulff kritik des blattes. ich blende auch aus, aus humanität.

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RudyMentaire 17.01.2012, 18:30
455. Stilfrage?

Danke Herr Fleischhauer,

daß Sie bei der Bagatellisierung der Wulff-Affäre mal neue Wege gehen und uns Ihren innovativen und kreativen, leider aber völlig absurden Denkansatz vorstellen.

Eine Affäre um Korruption, Vorteilsnahme, Lügen, Vertuschungen, Glaubwürdigkeitsverlust und Werteverfall zu einer Stilfrage in Sachen Einrichtungsgeschmack zu machen hat sich bislang noch keiner getraut.

Den Kritikern dabei vorzuwerfen sich durch ihre "Kleinkariertheit" selbst "klein" zu machen, und dabei auszublenden, daß dieses "Kleinmachen", genau Wulffs Beschwichtigungstaktik ist, ist entweder perfide oder sehr kurz gedacht.
Damit spielen Sie das gleiche "Intelligenz beleidigende" Spiel wie Herr Wulff und seine Anwälte, oder meinen Sie tatsächlich ernst, was sie schreiben?
Das wäre für mich noch einigermassen tröstlich, da Sie so wenigstens nur Ihre eigene Intelligenz beleidigen und nicht meine.

Da Sie offenbar die Diskussion der letzten Wochen nicht verfolgt oder nicht verstanden haben, hier eine kurze Zusammenfassung:

Wulff liefert (SELBST!) daß Bild eines käuflichen, opportunistischen, egoistischen Raffzahns, der keine Gelegenheit ausläßt, sich durch sein Amt Vorteile zu verschaffen, die weit über die "normalen", von jedermann noch akzeptierten Privilegien von "öffentlichen" bzw. bekannten Personen hinausgehen und die er niemandem ausser sich selbst zugestehen würde.
Die Heuchelei, andere mit der ganz großen moralischen Keule zu prügeln und bei sich selbst nicht einmal annähernd die gleichen Masstäbe anzusetzen sind ein weiterer Kritikpunkt.
Genau wie der an Dilletantismus, Realitätsferne, Konzeptlosigkeit und Unglaubwürdigkeit nicht zu überbietende Umgang mit den Vorwürfen, der (nicht nur) eines Bundespräsidenten völlig unwürdig und nur noch peinlich und armselig ist.

Der "kleinbürgerliche Spiesser" ist durchaus in der Lage jemanden zu respektieren, der es aus den gleichen Verhältnissen kommend zu "was gebracht" hat, solange dieses "was" durch Leistung, Fleiss und ehrliche Arbeit erreicht und nicht erschlichen wurde.
Die von Ihnen sogenannte "intellektuelle Meinungselite" sollte erst recht in der Lage sein, die Fakten und nicht Geschmacksfragen zur Basis der Beurteilung des Themas und seiner Konsequenzen zu machen.
Oder ist Ihre "Meinungselite" etwa doof?

Verantwortungslose Abzocker, Opportunisten, Lügner, Blender und Heuchler finden zum Glück (noch) selten einen breiten Konsens in der Bevölkerung.
Wenn sie darüberhinaus auch noch so erbärmlich um "Gnade" winseln, wenn sie denn mal erwischt werden, und selbst bei dieser Veranstaltung weiter lügen und noch mehr verschleiern als aufzuklären, verlieren sie mit Recht (ausser bei ihresgleichen) jeglichen Respekt, jede Glaubwürdigkeit sowieso...
Und es gibt tatsächlich in diesem Lande noch Menschen, die von solchen "Eliten" nicht regiert oder repräsentiert werden wollen, weil sie scheinbar die Ämter und dazugehörigen Werte ernster nehmen als deren Amtsträger.

Als kleine Randnotiz sei noch angemerkt, daß wir hier über das Amt des Bundespräsidenten sprechen, für das Integrität, Souveränität und Glaubwürdigkeit Grundvoraussetzungen sind.
Nichts von dem verkörpert Wulff, im Gegenteil...
Der Charakter ist das Problem, nicht der Gartenzwerg vor dem Klinkerhaus.
Aber das wissen Sie alles doch selbst, oder?

Daß ich jetzt schon die sogenannten "konservativen" Werte gegen die Konservativen selbst verteidigen muss, stimmt mich sehr nachdenklich...

Schöne Grüße,
RM

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