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Grünen-Urwahl: Özdemirs Wackelpartie
DPA

Die Grünen haben ihr Spitzenkandidaten-Duo bestimmt, das Ergebnis war extrem knapp. Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt könnten die Partei beflügeln - und konservativer machen. Drei Thesen zur Urwahl.

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rosengregor 18.01.2017, 12:20
1. Glückwunsch!

Die Grünen und ihre Spitzenkandidaten sind zu beglückwünschen. Nein, ich mag die Grünen nicht, nein, ihre personelle Vorentscheidung für Schwarz-Grün ist nach dem Desaster in Hamburg, wo die Menschen noch Jahrzehnte an den Fehlern dieser Projektkoalition insbesondere den Elphi-Schulden abzahlen werden, auch nicht ermutigend.

Aber in politisch unruhigen Zeiten ist es den Grünen via Basisdemokratie gelungen, ein klares Angebot an die Wähler zu senden, was die SPD bislang auch ohne Beteiligung der Basis nicht geschafft hat. Keine Partei hat sich bislang auf eine Koalitionsaussage festlegen lassen. Die FDP wird wohl nicht mit Frau Nahles können und daher ist sie auch ohne Koalitionsaussage der CDU zuzurechnen. Die CDU hält sich außer Linkspartei und AfD alles offen, die SPD hat nicht einmal einen Kanzlerkandidaten und der wird auch gleichzeitig für und wieder eine Fortsetzung der großen Koalition kämpfen, die Linkspartei weiß nicht, ob sie Opposition nicht sogar besser findet als Rot-Rot-Grün, obwohl letzteres weder eine rechnerische noch eine politische Option darstellt. Und so haben die Grünen ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Die Basis hat entschieden: Wenn möglich, soll es schwarz-grün geben. Die Personalentscheidung war knapp, aber sie ist eindeutig.
Die anderen Parteien sollten sich ansehen, dass Basisdemokratie nicht nur unverdiente Unfälle, sondern auch unverdiente Glücksfälle schaffen kann.
Alles Gute!

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isi723 18.01.2017, 12:38
2. Defektes Langzeitgedächtnis

Ich wundere mich schon seit vielen Jahren über die Grünen, die Özdemir immer weiter aufbauen. Vergessen sind all die Dinge, die während der Gieraffäre gelaufen sind. Stichworte Flugmeilen, private Kredite, Steurschulden, usw. Herr Özdemir musste 2002 den Bundestag auf Druck der Öffentlichkeit verlassen, hat sich dann einige Monate mit mit seinem weitergezahlten Abgeordneten Gehalt und Übergangsgeld eine vermutlich schöne Zeit gemacht und ist dann klammheimlich 2004 in Brüssel wieder aufgetaucht. Seit dieser Zeit geht es für ihn wieder Schritt für Schritt nach oben. Für mich unwählbar, man mag mich für nachtragend halten.

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jojack 18.01.2017, 12:39
3. Klare Ansage

Die Grünen-Basis will Schwarz-Grün, anders ist das Ergebnis der Urwahl nicht zu deuten. Özdemir steht für einen Realo-Kurs a la Kretschmann, einer Koalition mit der Merkel-CDU steht da rein äußerlich wenig im Weg.

Aber Obacht, lieber Christdemokraten. Am Ende könntet ihr euch mit Dosenpfand-Minister Jürgen Trittin am Kabinettstisch einfinden. Der lauert im Hintergrund und "will es nochmal wissen".

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KaWeGoe 18.01.2017, 12:43
4. Liebe Grüne - besinnt Euch bitte auf Eure Kernkompetenz: Energiepolitik !

Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum die Grünen zulassen, dass das immer drängendere Problem des Klimawandes und die ausgebremste Energiewende in Deutschland nicht stärker zum Thema gemacht wird.

Stabile 70 % und mehr der Deutschen befürworten die Energiewende.
Fast 1000 Bürger-Energie-Genossenschaften (BEGs), die zusammen mehr Mitgliedern als CDU oder SPD haben, sind stinksauer auf den bremsenden "Obergenossen Gabriel", der BEGs nach Kräften behindert, um seine Kohlefreunde zu stützen.
Braunkohle-Bagger werden EEG-Umlage-Befreit, der Schreinermeister oder Schlosser, der seine Maschinen mit eigenem Strom betreiben will wird hierfür mit der Gabriel-Sonnensteuer bestraft !

Liebe Grüne - besinnt Euch auf Eure Kernkompetenz, die Klima- und die Energiepolitik !

Macht konkrete Aussagen zur Förderung dezentraler Energieversorgung.
Stellt Euch eindeutig auf die Seite der Bürger-Energie-Genossenschaften - dann habt Ihr 1 Mio Stimmen in Eurer Tasche !

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santoku03 18.01.2017, 12:48
5.

Zitat von jojack
Die Grünen-Basis will Schwarz-Grün, anders ist das Ergebnis der Urwahl nicht zu deuten.
Kann ich nicht nachvollziehen. An dem Ergebnis ist doch deutlich zu sehen, dass die Grünen-Basis gespalten ist.

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Goldwin 18.01.2017, 12:48
6.

Zitat von rosengregor
Aber in politisch unruhigen Zeiten ist es den Grünen via Basisdemokratie gelungen, ein klares Angebot an die Wähler zu senden, was die SPD bislang auch ohne Beteiligung der Basis nicht geschafft hat.
Die so hoch gelobte Basisdemokratie hat aus meiner Sicht bei den grünen einen ganz dicken Makel: Die Mitglieder durften nicht die beiden besten Wählen, sondern mussten sich mit einer extrem undemokratischen Frauenquote abfinden. Es mag sein, dass bei einer freien Wahl auch die Beiden heraus gekommen wären, aber sicher ist das nicht.

Man stelle sich z.B. mal vor, die CSU würde als Vorgabe machen, dass einer der Kandidaten ein Mann sein muss. DA würde ich gerne mal die Basisdemokraten aus dem Grünen Lager hören...

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rmehlkopf 18.01.2017, 12:51
7. Sie glauben es selbst Mittlerweile

Der Anspruch der Politik sich jeden Schuh der ihnen Nützlich erscheint anzuziehen macht sie lange nicht zum Bürgerwillen selbst und zum selbsternannten Wortführer einer Gesellschaft, auch wenn dieses Gehabe durch die Medien den Menschen vermitteln wird.
Eine Rückkehr zu den belangen der Leute und diese zu vertreten, den dafür sind sie ursprünglich erdacht worden in einem Demokratischen Parteien System, währe schon mehr als Ausreichend.
Dadurch könnte die Demokratie Funktionieren wenn Volkes Wille nicht Manipuliert sondern umgesetzt wird.

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jowitt 18.01.2017, 12:52
8. @jojack

Zitat von jojack
Die Grünen-Basis will Schwarz-Grün, anders ist das Ergebnis der Urwahl nicht zu deuten. Özdemir steht für einen Realo-Kurs a la Kretschmann, einer Koalition mit der Merkel-CDU steht da rein äußerlich wenig im Weg. Aber Obacht, lieber Christdemokraten. Am Ende könntet ihr euch mit Dosenpfand-Minister Jürgen Trittin am Kabinettstisch einfinden. Der lauert im Hintergrund und "will es nochmal wissen".
"Die Grünen-Basis will Schwarz-Grün, anders ist das Ergebnis der Urwahl nicht zu deuten. "

Das ist doch Unsinn. Selbstverständlich ist das auch anders zu deuten.Ozdemir ist nunmal der weitaus bekannteste Kandidat gewesen. Kann ja auch sein, das er deshalb gewonnen hat. So profan kann es nämlich auch mal gehen ;-)

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Marut 18.01.2017, 12:57
9. Fast schon eine Koalitionsaussage

Mit der Entscheidung, mit Cem Ödzdemir einen zweiten Realo ins Team zu wählen, ist schon fast eine Vorentscheidung für den Ausgang der Wahl. Mit Göring-Eckardt und Ödzdemir ist eine Koalition mit der Linken schlecht vorstellbar, zumindest nur, wenn diese von linken Positionen (gerade im Bereich soziale Gerechtigkeit) so weit abrücken, dass sie das garnicht vor ihrer Wählerklientel verantworten können. Kommt noch dazu, dass sie sich da mit der SPD nun einig sind: beide bevorzugen eine Koalition mit der CDU.
Frau Merkel bekommt da eine starke Position geschenkt, die sie, betrachtet man den Zustand ihrer C-Parteien, in keinster Weise verdient hat.
Eine gesicherte Wiederwahl von Mutti Merkel wäre nur zu verhindern, wenn es einen selbstbewußten Block links neben den C-Parteien gäbe, der auch seine Lust, das Thema soziale Gerechtigkeit in der nächsten Wahlperiode konsequent in den Vordergrund zu stellen. Das findet nun nicht statt; zumindest gibt es für den Wähler keinen Hinweis dafür, dass sich irgend etwas ändern könnte.
Die deutschen Wirtschaftseliten können sich schon jetzt beruhigt zurücklehnen, denn bei den Signalen, die die Parteien schon jetzt aussenden, müssen sie nicht befürchten, mit so etwas wie Umverteilungsdebatten belästigt zu werden. Shcon jetzt können sie sich darauf freuen, dass es sich lohnen wird, am weiteren Aufklaffen der Vermögensschere langfristig zu arbeiten.

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