Forum: Politik
Guttenberg - Rücktritt zur rechten Zeit?

Karl-Theodor zu Guttenberg ist von seinem Amt als Verteidigungsministers zurücktgetreten. Wegen der Plagiate in seiner Doktorarbeit war der CSU-Mann auch in der Union erheblich unter Druck geraten. Ein Rücktritt, noch zur rechten Zeit?

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Mortis 01.03.2011, 14:21
1380. Guttenbergs Rücktritt eindeutig falsch ...

soweit es die Sendezeit betrifft.
Der vom ehemaligen Verteidigungminister vorgetragene Inhalt seines Rücktritt-Auftritts hätte am Nachmittag im Privat-TV eindeutig mehr Kernzielgruppe vorgefunden.
Mappus sieht das ähnlich, weshalb die Einladung zur Wahlkampfunterstützung BW an den Guten direkt folgt.
Was u.a. jetzt die Bunte mit ihrem Titelbild anfängt, steht noch abzuwarten. Der Endkampf um Glaube und Hoffen ist ja bereits während der Auslieferung zum Kiosk verloren gegangen.

Dann also Plan B.: Guttenberg nunmehr in Drittverwertung als Mitleidsstimmenfänger.

Eine solche Rolle darf natürlich nicht mit dem Anspruch auf eine final fällige, ehrliche Selbstauskunft zur den wahren Hintergründen der "schwerwiegenden Fehler" überfrachtet werden.
Das neue Profil lässt gerade noch Zeit, auf den medialen Druck, der zunehmend unaushaltbarer auf den Schultern des reuend Leidenden lastete, hinzuweisen. Böse Medien; Spiegel, FAZ, etc. überboten sich nachgerade im Suhlen in des Nochministers Angstschweißes.

Und ganz übel - aber auch völlig verkannt - die Rolle der Bild Zeitung, die durch vorherige Überhöhung die resultierende Fallhöhe erst ermöglicht hat. Sehr subtil, hätte man denen eher nicht zugetraut.

Gänzlich unverkannt hingegen die mannhafte Haltung der Frau Bundeskanzlerin. Ob´s an jugendlicher Sozialisierung oder an post-mauerfall-erworbener Fähigkeit zum Taktieren und Lavieren liegt - egal, hier trifft ausreichende Eignung auf Aufgabenstellung:

Den Haufen zusammen halten und glasklar positionieren. Hinter Guttenberg. Zum wahlweise halten oder schubsen.

Die tatsächliche Dimension dieses beklagenswerten Herumdoktorns wird die Entwicklung von der Lex Guttenberg zur Causa Merkel offenbaren.

Danach könnte man eine 2. Chance für K.T. zu Guttenberg in´s Auge fassen. Mir schwebt da was im Deutschland sehnt den Superstar Format vor.

Unterhaltung wurde ja schließlich reichlich geboten.

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vopana 01.03.2011, 14:21
1381. Wissen Sie eigentlich, was Sie da schreiben?

Zitat von sturmpionier
er mag sich zwar viele Feinde bei der Bundeswehr gemacht haben. Ich fand sein Verhalten in der Sache Gorch-Fock und O Klein unschön. Aber als Kamerad blutet heute mein Herz besonders. Ich hoffe die Urheberechts- und Betrugsvorwürfe kommen jetzt vor Gericht. Sollten sie sich als haltlos erweisen wird uns der Spiegel sicher auf Seite 20+ darüber informieren. ... es hat ihn weggerissen, er liegt zu meinen Füßen als wär's ein Stück von mir, als wär's ein Stück von mir.
"Sollten sie (die Vorwürfe) sich als haltlos erweisen?
Wie kann man nur so blind ergeben sein...
Als ob nicht schon längst erwiesen wäre, dass die Vorwürde stimmen.
Ich fass es einfach nicht...

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JohnStan 01.03.2011, 14:21
1382. Ghostwriter

Die Wahrheit ist immer noch mit ziemlicher Sicherheit erst halb ans Tageslicht gekommen, Guttenberg ist höchstwahrscheinlich über einen Ghostwriter gestolpert, denn dass er rein unabsichtlich so viele Fussnosten "vergessen" hat, ist kaum zu glauben.

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kayoel 01.03.2011, 14:21
1383. Heuchlerische Wissenschaft

Der Rücktritt von KTzG war der richtige Schritt, auch und insbesondere unter Berücksichtigung der medialen Betrachtung und der Bewertung durch die Wissenschaft. An seinem Fehlverhalten gibt es nichts zu beschönigen.

Dennoch bedarf eins der Klarstellung: Die ach so empörte Wissenschaft ist an heulerischem Verhalten nicht mehr zu überbieten. In Jura lassen sich die Professoren seit Jahrzehnten einen großen Teil ihrer Veröffentlichungen durch wissenschaftliche Mitarbeiter und sogenannte Assistenten vorbereiten. Häufig werden derartige Texte kaum noch oder nur marginal verändert. Die Erwähnung dieser "Ghostwriter" erfolgt spärlich bis gar nicht. Hier finden zahlreiche Urheberrechtsverstöße statt, die von den in ihren Rechten Betroffenen nur toleriert werden, weil sie noch Karriere machen wollen. Dies ist der eigentliche Skandal und offenbart die herlerische Empörtheit.

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amgitsnops 01.03.2011, 14:21
1384. Danke

Zitat von Mitten in Bayern
Heiner Bremer ist ein scheinheiliger Wichtigtuer
Mit äusserstem Wohlwollen würde ich dieser Bewertung zustimmen.

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faustjucken_de 01.03.2011, 14:21
1385. ...

Herr zu Guttenberg war mir vom ersten Augenblick an so sympathisch wie ein Gebrauchtwagenverkäufer.

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hbschierling 01.03.2011, 14:21
1386. Sehe ich auch so

Zitat von mapomuc01
Heuchler aller Welt jubelt - es ging nie um die Wissenschaft, es ging der Opposition nur um die Vernichtung eines Mannes, der besser war als sie. Nun bin ich gezwungen nach 30 Jahren erstmals CSU zu wählen, den SPD und Grüne - nein, ich schreib es nicht.
Perfekte Formulierung. Das ganze hat auch mit Demokratie ungefähr soviel zu tun wie Vladimir Putin. Hier wurde eine Blaupause dafür vorgelegt, wie man jede mißliebige Regierung sprengen und handlungsunfähig machen kann - die Steilvorlage schlechthin für die Zukunft! (Hallo, Olaf Scholz! Viel Spass in Hamburg!) Die hier zitierte "Kraft des Internets" ist die gleiche Kraft, die im Mittelalter dem Pranger innewohnte, die Pressekampagne gegen KTG (den ich nicht einmal mag!) hat in etwa das Kaliber der S-Bahn-Schläger von Solln.
Es gibt niemanden mit perfekter Vergangenheit (von engelsgleichen Klosterschwestern vielleicht mal abgesehen). Unter dem Eindruck dieser Aktion: Welches Jungtalent sollte sich denn dem Risiko des politischen und medialen Fleischwolfes noch aussetzen, wo man doch ganz bequem und ohne Verantwortung zu tragen über die Medien Politik machen kann? Irgendein Depp wird schon seinen Kopf dafür hinhalten.
KTG braucht kein Amt, der kann aufgrund seines persönlichen Hintergrunds problemlos graue Eminenz spielen, verdient viel Geld und braucht sich nur noch vor sich selbst zu verantworten. Schaden trägt nur das Land davon. Gut gemacht, Leute! Bravo!

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dr_ingo 01.03.2011, 14:21
1387. Nein, nicht zur rechten Zeit!

Diese Diskussion ist überschrieben "Guttenberg - Rücktritt zur rechten Zeit?" Meine Antwort darauf ist ein entschiedenes "Nein!"
Wie kann es angehen, dass mehrere Vertreter der politischen Klasse glauben, es sei hinnehmbar, wissentlich zu betrügen UND in einem Staatswesen ein hochrangig verantwortliches Amt zu bekleiden? Wohin ist es in unserem Land mit Anstand und Moral gekommen? Geht alles nur noch Quote und Beliebtheit?? Hat nicht genügt, dass ein Altkanzler Gesetze gebrochen, dazu geschwiegen hat - und davongekommen ist?
Wie wollen wir Zukunft für unsere Nachfahren gestalten, wenn uns schon in der Gegenwart nicht gelingt, verlässliche Positionen zu beziehen?!
Politische Macht ist kein Selbstzweck, sie ist ein Auftrag, unsere Abgeordneten sind unsere Vertreter, unserem (!) Wohl verpflichtet, in Ehrfurcht und Respekt. Wo bleiben Dienstbarkeit, Pflichtbewußtsein und Haltung??

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hanuschia 01.03.2011, 14:21
1388. Schaden?!

Hat er sich ´mal gefragt, ob und vor allem welchen Schaden er angerichtet hat?
Genossen hat er die "Wucht der medialen Präsenz seiner Person" über Monate. Viele Mitbürger durch seinen Elan und Entschlossenheit versprühenden Auftritt in seinen Bann gezogen. Endlich mal einer, der Entscheidungen fällt und auch durchzieht, endlich einer, der eine Linie erkennen lässt, endlich einer, dem man gewillt ist, zuzujubeln. Einer, der der Politkverdrossenheit durch seine schiere Präsenz den Boden entzieht. Endlich einer, der begeistert.

Und dann das. Nicht nur, dass er sich des Betrugsvorwurfes erwehren muss. Nein, selbst als er für sich keine Rettung, keine Ausflucht mehr fand, versteckt er sich noch hinter den gefallenen Soldaten der letzten Woche. Moniert, dass die öffentliche Meinung sich viel zu sehr auf seine Person richte, denn auf die toten Soldaten. Wie feige muss man sein?
Da drängt einer permanent ins Scheinwerferlicht und beklagt sich dann, dass es ihn blendet. Damit es hell genug wird, bringt er auch seine Gattin mit ins Licht, damit die Scheinwerfer auch ja hell genug sind, schleppt seinen ihm ergebenen Talkshow-Moderator mit an den Hindukusch, um nur ja genug öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen - und beklagt sich dann, wenn ihm zuteil wird, wonach er so sehr giert. Wie heuchlerisch muss man sein?

Erst sieht er sich abstrusen Vorwürfen ausgesetzt, dann will er "ich wiederhole, - vorübergehend" auf das Tragen eines erschwindelten Titels verzichten. Später dann entdeckt er beim Lesen (vielleicht beim erstmaligen) seiner Dissertation Fehler (kann er sich nach der langen Zeit erinnern, wo er was herauskopiert hat?). Seine Verbündeten im Springerhaus versuchen ihn durch tagelanges Schweigen zu schützen, vertrauen auf´s Vergessen. Und als sich immer mehr gegen ihn wenden, wirft er das Handtuch. Doch nicht aus Überzeugung, etwas falsch gemacht zu haben, nicht mit der Erkenntnis, sich unrechtmäßig bereichert zu haben, andere Menschen ihres geistigen Eigentums beraubt zu haben.
NEIN, er tritt zurück, weil er kein Schupfloch mehr findet, keinen Ausweg mehr weiss. Die Chance, erhobenen Hauptes aus dem Amt zu scheiden, hat er längst verpasst. Wie wenig Rückgrad kann man haben?

Der Schaden, den er angerichtet hat? Menschen, die glaubten, Politik könnte aufrichtig, geradlinig einer klaren Linie folgend praktiziert werden, sind jetzt viel politikverdrossener als andere es je waren.

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rones 01.03.2011, 14:22
1389. Taktik

Es hätte unserer Kanzlerin wenig genützt, wenn sie ihrem Verteidigungsminister aus der Schwesterpartei schon zu Anfang der sich abzeichnenden Affäre ihr Vertrauen entzogen und dessen mehr oder weniger "lautlosem" Rücktritt zugestimmt und ihn möglicherweise sogar dazu ermuntert hätte. Er wäre relativ ungeschoren davongekommen und hätte nach wie vor als kommender Kanzlerkandidat - und als Konkurrent - gegolten. Ihre abwartende Haltung hat sich für sie durchaus gelohnt, denn nun hat sie von ihm nichts mehr zu befürchten.
Tolle Taktik.

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