Forum: Politik
Guttenberg - Rücktritt zur rechten Zeit?

Karl-Theodor zu Guttenberg ist von seinem Amt als Verteidigungsministers zurücktgetreten. Wegen der Plagiate in seiner Doktorarbeit war der CSU-Mann auch in der Union erheblich unter Druck geraten. Ein Rücktritt, noch zur rechten Zeit?

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dave_t 02.03.2011, 07:49
3970. Den Rücktritt differenziert betrachten

Zitat von Ulrich Vissering
Zahllose CDU/CSUler müssen sich vor allem wieder mit diesen Werten versöhnen. Merkel kann das im Moment nicht leisten, vielleicht kann es Lammert.
Der Zeitpunkt des Rücktritts ist verheerend - für Herrn v. Guttenberg. Wäre er spätestens vergangenen Freitag zurückgetreten, dann hätte Herr v. Guttenberg beweisen können, daß Anstand und Ehrlichkeit, ja vielleicht sogar ein altertümlicher Begriff wie Ehre für ihn keine leeren Worthülsen sind.

Wäre er hingegen im Amt geblieben, hätte er zumindest beweisen können, daß er entschlossen, standhaft, und tapfer auch im "Angesicht des Feindes" ist ("Into the valley of death he rode..." :-)
Mit dem Rücktritt *jetzt* kann man sich aber fragen, ob es ihm womöglich an beidem fehlt.
Ein Blick auf den Stand der Bundeswehrreform lohnt sich. In der FAZ stand ja schon sinngemäß, v. Guttenberg hätte bisher nur bewiesen, daß er bestehende Strukturen einreißen kann. Als Aufbauer und Reformer sei seine Bilanz hingegen eher mau. Natürlich liegt das auch daran, daß er dazu nun nicht mehr kommen wird. Aber vielleicht spielen auch die Probleme, die jetzt auf sein Amt zukommen, eine Rolle bei seinem Rücktritt. Man schaue sich nur an, wie es mit der Anwerbung von Freiwilligen klappt bisher. Die Idee mit einer Fremdenlegion ist vielleicht doch nicht so blöd...

Unerträglich finde ich es, wie Herr v. Guttenberg in den letzten Tagen (zunächst in Kelkheim, jetzt wieder gestern) die toten Soldaten wie eine Monstranz vor sich her trägt ("Seht, unsere toten Helden, was bedeuten da schon ein paar Fußnoten!"). Das ist ziemlich unappetitlich.

Zu befürchten ist, daß unsere Wahlbevölkerung jetzt dem nächsten Messias, den die Bildzeitung auftut, noch blinder folgen wird, nachdem der letzte ja schon so feige von den bösen Journalisten der Qualitätspresse gemeuchelt wurde.

Für die Wahlen in BW rechne ich mit kräftigen Zugewinnen für die CDU - schließlich hat jeder gesehen, wie Angie sich für den Baron in die Bresche geworfen hat, und wer die Lichtgestalt mit Schlamm beworfen und vom Podest gestürzt hat. Das wird seine Wirkung nicht verfehlen. Fast mag man hier die Regie aus dem Kanzleramt vermuten...

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steuerzahlerin 02.03.2011, 07:49
3971. ...

man muss sich immer erklären lassen, was richtig und falsch ist, wenn man sich falsch verhält. So erzieht man schon seine Kinder.
Politker scheinen es verinnerlicht zu haben, nicht ehrlich zu sein und dies auch noch ohne Anstand zu praktizieren.
Richtig ist zwar, dass es auch andere Politiker gibt, die Dreck am Stecken haben. Das ist doch aber kein Freibrief zu sagen: wenn der kann kann ich auch.

Jeder Durchschnittsbürger muss sich verantworten, wenn er etwas ausgefressen hat. Sollte das nicht auch für Politiker gelten? Die Aussage von Frau Merkel zeigt doch nur, wie weit sich der Politiker von der Basis entfernt hat und in einem Wolkenkuckuksheim wohnt. Während der Rest, die Bürger die ihn wählen sollen, unten sitzt und für alles geradestehen muss, was er tut, soll ein Politiker davon befreit sein? nein. Stattdessen ist es höchste Zeit, dass man sich eben auf Werte wie Ehrlichkeit, Ehre und Anstand zurückbesinnt. Der Rücktritt von Guttenberg sollten sich die Politiker unseres Landes hinter die Ohren schreiben und daraus lernen,anstatt sich hinzustellen und das Opfer zu spielen. Alleine das ist eine Frechheit.

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maximixa 02.03.2011, 07:50
3972. und weg isser

die unersetzlichen liegen alle auf dem zentralfriedhof.

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zooombie 02.03.2011, 07:51
3973.

Zitat von u.frings
Jedenfalls hat uns Frau Merkel gezeigt, was nicht anständig ist: sie hat ihn in eine unlösbare Situation gebracht, weil er ihr nutzte. Ihn so ins Kreuzfeuer zu stellen ist gelinde gesagt unmenschlich.......
Ich danke Ihnen für diesen Beitrag, für mich ist in der ganzen Affäre die Frau Merkel die wirklich Beschädigte, das war schon eine bodenlose Nummer, die sie da abgezogen hat und das als selbst Promovierte. Oder war es doch Kalkül, schließlich gilt das Verteidigungsministerium schon immer als Startrampe für den finalen Schuß ins politische Nirwana.
Vielleicht hätte man bei anderen Politikern, die sich nicht so sehr als Rampensäue gerieren, weniger stark auf ein Fehlverhalten fokussiert, aber wer mit Beckmann nach Afghanistan zum Talken fliegt, sich auf "Wetten Dass" Couchen räkelt, und sich dann solche Blößen gibt, der hat halt nun mal mehr Trefferfläche als die Niebels und und Brüderles dieser Regierung.
Und wer dann noch behauptet, die "Fehler" seien unbewußt passiert, der verhöhnt wirklich die Denkfähigkeit der Mitbürger.
Ich denke, wir erleben einen wirklichen Umbruch durch die neuen Informationsmedien, und das nicht nur in Afrika, sondern auch in anderen Bananenrepubliken, und das ist gut so.

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Eliza 02.03.2011, 07:52
3974.

Zitat von kristianekkm
hier gibt es nicht nur einen verlierer, unerträglich ist die selbstgefälligkeit und häme der opposition und der medien .wo blieb der aufklärerische anspruch
Sie können meiner aufklärerischen Motive gewiss sein, und ich gehöre weder zur Opposition noch bin ich ein beruflicher Medienvertreter.

Ihre Schmähungen bez. Häme, Selbstgefälligkeit der Berichterstatter setzen stillschweigend voraus, dass die Vorwürfe gegen Guttenberg nicht zutreffen.

1. Geistiger Diebstahl
2. Betrug
3. Lüge vor dem Parlament (der Versammlung der Repräsentanten des ganzen Volks, dh Verhöhnung des ganzen Volks), als er mit seinen Verfehlungen (1,2) konfrontiert wird, dahingehend, seine massiven, über sieben Jahre eingefädelten Betrügereien in der Dissertation http://www.faz.net/s/Rub1ED0C280BBA1...~Scontent.html
seien keine absichtliche Täuschung.

Es ist zumindest in meinem Fall nichts dergleichen, wohl aber Widerspruch dazu, wie Sie und wie so viele den Boten der schlechten Nachricht von seinen Charakterschwächen zum Schuldigen zu machen und dazu, einen Menschen mit eben den hier offenbarten Charakterschwächen ausgerechnet in einem hohen, exponierten Amt gewähren zu lassen, wo er automatisch zum Vorbild für seinen Zynismus würde.

Zu den Scharakterschwächen treten noch die Arroganz und der Hochmut hinzu, mit denen er gestern den Grund für seinen Rücktritt auf seine angeblich allzu grausame Verfolgung durch die Medien etc zurückführt, sowie sein unangebrachts Selbstmitleid. Er (und Sie) vertauschen Ursache und Wirkung.

Die ganze Verfolgung gäbe es nämlich ohne seine eigenen schwerwiegenden Verfehlungen nicht.

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Nicola54 02.03.2011, 07:53
3975. Die Linken, die Rechten

Es geht hier nicht um Linke und Rechte.
Sonst könnte man ja getrost den Uni, den Doktorvater usw. dem "rechten" Lager zurechnen (da war doch was mit Spenden und Verzahnungen mit der CDU)....
Und es ist auch unerheblich, ob der Professor, der die Plagiate entdeckte, dem "linken" Lager zuzurechnen ist.

Tatsache ist, dass der Protagonist dieses Dramas nicht einen "großen Fehler" gemacht hat, sondern sich einer riesigen Verfehlung zuschulden gemacht hat, und jemand das herausgefunden hat, zu welchem Zeitpunkt oder warum auch immer. Der Schuldige ist doch nicht der Überbringer der schlechten Nachricht, sondern derjenige, der den Betrug durchgezogen hat.

Wie da von der Union aus Recht Unrecht und umgekehrt gemacht wird, ist regelrecht ekelhaft. Und Frau Merkel ist jetzt ganz unten bei mir angekommen.

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Kurt G 02.03.2011, 07:53
3976. Realität

"Wir müssen uns von niemandem erklären lassen, was Anstand und Ehre in unserer Gesellschaft sind" (Merkel).
Es ist genau diese Erkenntnisunfähigkeit, die einen so erschüttert.
Guttenberg hat einen Fehler gemacht, der rechtlich einen Betrug darstellt. Er hat jetzt die Konsequenzen gezogen.

Aber die politische Korona, die Anbeter der Leuchtgestalt, verharren in ihrem Nicht-Verstehen-Wollen.
Realitätsverleugnung.

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Dunedin 02.03.2011, 07:53
3977. Nachtreten

"Was für ein einsames Ende: Ex-Minister Guttenberg hat seinen Rücktritt nicht mit der Kanzlerin, nicht mit dem CSU-Chef besprochen - und dann theatralisch inszeniert. Seine Karriere scheint beendet, aber Parteifreunde hoffen auf ein Comeback. Steht KTG dafür überhaupt zur Verfügung?"

Das tagelange treten gegen zu Guttenberg hatte Erfolg, er ist nun Spiegl sei dank, gestern zurückgetreten. Das er dann noch seinen Abgang "theatralisch inszeniert hätte, lässt über den miesen und hinterhältigen Schreibstil der Bildzeitung erinnern. Heutzutage ist nicht nur in der unbeleuchteten U-Bahn Unterführung "Nachtreten" beliebt, heute zeigen auch die Medien ohne Anstand, Stil und Würde ihren hässliche Fratze. Die Vorwürfe letztendlich, die Guttenberg zu Fall gebracht haben

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neu_im_forum 02.03.2011, 07:53
3978. Politische Inhalte

Zitat von KapF
...Faszinierend finde ich, dass nicht nur Anhänger der CDU/CSU es schade finden dass Guttenberg zurückgetreten ist, sondern auch zahlreiche Anhänger von SPD, Linken und Grünen.
Was nur beweist, dass die Beliebtheit nichts mit poitischen Inhalten zu tun haben kann. Sondern eher mit bestenfalls Charisma, Image, kurz gesagt der Präsentation. Und die nun so von Ihm gescholtenen Medien hatten daran einen großen Anteil.

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rehabilitant 02.03.2011, 07:53
3979. Notbremse

Zitat von sysop
Karl-Theodor zu Guttenberg ist von seinem Amt als Verteidigungsministers zurücktgetreten. Wegen der Plagiate in seiner Doktorarbeit war der CSU-Mann auch in der Union erheblich unter Druck geraten. Ein Rücktritt, noch zur rechten Zeit?
Jetzt, wo so langsam deutlich wird, dass der Mann einen politischen Scherbenhaufen hinterlässt, wird auch klar, dass es eine Flucht war vor der Verantwortung, die er da angetreten hat.

Seine Bundeswehrreform ist, wie alles bei ihm, ein Akt der Selbstinszenierung, unausgegoren und konzeptlos.
Schneiderhahn, Wiechert und Schatz mussten gehen, weil der Herr Baron seinen eigenen Kopf retten wollte, was ihm letztendlich und gottseidank doch nicht gelungen ist.
Ein Segen, dass der Blender weg ist.

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