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Hartz IV: Langzeitarbeitslose werden oft sanktioniert
ddp

Wer lange arbeitslos ist, muss häufig Einschnitte bei der staatlichen Leistung hinnehmen. 2014 büßten betroffene Hartz-IV-Empfänger im Schnitt 107 Euro durch Sanktionen ein.

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prof.unrat 09.07.2015, 09:00
1.

Wie will man denn einen HartzIV-Empfänger noch weiter bestrafen? durch Obdachlosigkeit, durch mangelnde Gesundheitsfürsorge, durch langsames Verhungern? Wie kann man Meschnen, die eh schon am Boden liegen noch so weiter drangsalieren, entwürdigen, entmündigen und bestrafen? Kann man in dieser Gesellschaft denn nicht damit leben, dass es auch Menschen gibt, die dieser Leistungsgesellschaft einfach nicht gewachsen sind? Und eine Frage habe ich noch, werden auch HartzIV-Empfänger sanktioniert, die auch Kinder zu versorgen haben?

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prieten 09.07.2015, 09:04
2. Was ist hier erstaunlich?

Gerade Langzeitarbeitslose müssen sich angestrengt haben, nicht vermittelt zu werden. Klar, dass sie Sanktionen eher ausgesetzt werden als diejenigen die nur eine kurze Zeit brauchen, um wieder in Arbeit zu kommen. Arbeitslose, die sich vermitteln lassen, können nicht sanktioniert werden.

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spon-facebook-10000181635 09.07.2015, 09:09
3. Leider ist das die Realität:

Wir arbeiten eng mit der Vermittlung der ARGE zusammen. Die meisten ALG-2-Empfänger, die sich bewerben, tun dies nur, weil sie es sollen. Nach dem Gespräch kommen sie nicht wieder, da sie ja ihr "Soll" gegenüber der ARGE erfüllt haben. Erfolgsquote in 3 Jahre 0%. Ein Mitarbeiter teilte mir mit, dass 60-70% der ALG-2-Emfpänger gar nicht arbeiten wollen. Daher halte ich Kürzungen für unbedingt notwendig und wichtig!

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ioba 09.07.2015, 09:11
4. Shit in, Shit out

In der Musikproduktion gilt das als wichtige Regel. Wenn das ursprünglich gelieferte Material schlecht ist, kann man im nachhinein daran korrigieren soviel man will, etwas gutes kommt dabei nicht heraus. Das gleiche sehe ich bei H.IV. Statt das Prinzip in Frage zu stellen wird ständig nur an Feinheiten gefeilt. Besser wird es dadurch vielleicht ein kleines Bisschen, gut jedoch nie. Wir brauchen ein besseres System!

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steffen-m. 09.07.2015, 09:12
5. Ergänzung

Heute Morgen stolperte ich über einen Artikel im Netz, der mich nur noch fassungslos zurückließ:

http://www.heise.de/tp/artikel/45/45361/1.html

Dass diese Fakten den wenigsten bekannt sein dürften sieht man allein daran, dass ich über diese besonders unappetitliche Ausprägung des SGB II noch in keiner der gefühlt 10.000 Diskussionsgruppen bezüglich der Erbschaftssteuer auch nur eine Silbe gelesen habe.

Das ein Gemeinwesen nicht aufhören darf, an seinen Regeln zu arbeiten um den wechselnden Umständen Rechnung zu tragen ist eine Binsenweisheit.

Das Maß aber, indem in unserer Republik die Habenden gegen die Nicht-Habenden seit Jahren vorgehen, lässt sich nur noch als Krieg bezeichnen.

Ich arbeite seit 30 Jahren branchentypisch mit befristeten Arbeitsverträgen und konnte vor einiger Zeit zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem machen, was sich euphemistisch als Arbeitslosengeld 2 bezeichnet:

Um es kurz zu machen: Erst damals habe ich Kafka verstanden.

Allen, die dieses Erlebnis noch nicht hatten kann ich nur raten: Seid sehr vorsichtig bei allem, was Ihr glaubt über unseren "Sozial"staat zu wissen.

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kir24 09.07.2015, 09:13
6. Grausame Abzocke

Klar, nehmen wir es doch von den Ärmsten und sanieren das Budget der Arbeitsagentur damit. Möchte mal den Arbeitnehmer sehen, der auf einmal 25% seiner Bezüge abgeben muss, davon kann doch keiner leben! Und sanktioniert wird zum Teil bei Nichtannahme von Arbeitsangeboten, die klar rechtswidrig sind, siehe Callcenter (Outbound-Verkauf) oder andere Drücker-McJobs. Frau Merkel, sie haben bewusst einen Grossteil der Gesellschaft ausgegrenzt und gegängelt, damit da bloss keiner auf den Gedanken kommt zu protestieren oder mal den Mund aufzumachen. Wer hungert, hat keine Zeit, sich aufzulehnen. Diese Politik kann man nur als unmenschlich beschreiben, nichts anderes

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ralphofffm1 09.07.2015, 09:20
7. das sehe ich auch so

...auf eigene Faust durchschlagen - notfalls kriminell. Rund 20.000 junge Menschen sollen nach Schätzungen aus der Betreuung von Jobcentern oder Jugendämtern herausgefallen sein. ....

Aber wer sieht wes Geistes Kind der Herr Alt im Vorstand der Bundesagetnur ist, den wundert garnichts mehr.Statt die sozialenn Probleme anzugehen wird nur verwaltet, sanktioniert und Statistiken geführt.

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friedrich_eckard 09.07.2015, 09:24
8.

Das BVerfG wird ja nun erfreulicherweise gar nicht anders können, als die gesamte Sanktionspraxis in den Orkus zu schmeissen. Wen ich auf das Existenzminimum setze, dem kann ich nichts mehr wegnehmen, ohne mit Art. 1 Abs. GG und diversen weiteren GG-Artikeln zu kollidieren, so einfach ist das - verstanden, sehr geehrte Damen und Herren Sozialrassisten? Dank und Anerkennung den o weisen und gerechten Richtern am Sozialgericht Gotha!

Nun gäbe es zwar die rechtsstaatlich immerhin "saubere" Möglichkeit, die "Verstösse", die heute sanktioniert werden, zu bussgeldbewehrten Ordnungswidrigkeiten zu machen. Dann wünsche ich allerdings den zuständigen Amtsgerichten viel Vergnügen - jeder diesbezügliche Bussgeldbescheid unterläge nämlich der gerichtlichen Nachprüfung, und mit der Eintreibbarkeit diesbezüglicher Bussgelder dürfte es auch eher finster aussehen.

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herrdainersinne 09.07.2015, 09:27
9. Ich kann mir schon vorstellen......

..... welche "junge Menschen" sich vom Jobcenter zurückziehen und stattdessen kriminell werden..... - Klar, wenn sich da gewisse Leute, meist ohne oder mit schlechten Schulabschluss nun realisieren was die berufliche Konsequenz ihrer Nicht-Integration ist, nämlich das sie bestenfalls Pizza ausfahren oder im Burger Laden arbeiten können, dann werden ( bleiben ? ) sie eben lieber kriminell ----- Allerdings liest sich der Artikel beinahe so, als wäre das anders, wenn man ihnen hundert Euro im monat mehr zahlen würden ----- was natürlich lächerlich ist !

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