Forum: Politik
Hasnain Kazim über die Türkei: Ein schmerzlicher Abschied
Janna Kazim

SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim musste die Türkei verlassen, weil er keine Presse-Akkreditierung mehr bekam. Hier schildert er seine Erfahrungen mit der Pressefreiheit unter Präsident Erdogan und beschreibt seine unfreiwillige Ausreise.

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MaxNichtmustermann 19.03.2016, 08:22
10.

Lieber Herr Kazim,

nicht nur ich hoffe wohl, daß die Türkei sich in naher Zukunft auf ihre laizistische Tradition wiederbesinnt - umso schlimmer, was "Europa" (also Frau Merkel) z.Z. treiben....
Ihnen alles alles Gute!

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heindeburk 19.03.2016, 08:24
11. An den Abgrund der Diktatur

Exzellenter Einblick in das Innenleben eines wunderschönen und erfolgreichen Landes mit vielen sehr herzlichen Menschen, welches Erdogan aber nun an den Abgrund der Diktatur führt

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Newspeak 19.03.2016, 08:30
12. ...

Ich weiß nicht, meiner Meinung nach profitieren Leute wie Erdogan davon, daß man viel zu lange mit ihnen kooperiert und sich ihren Vorstellungen anpasst. Das, und daß man die Türkei eben auch wieder als Spielball aller möglichen Eigeninteressen benutzt. Dem Land z.B. offiziell eine Beitrittschance zur EU einräumt, diese aber niemals ernst meinte und durch ewiges Hin und Her und Verzetteln auch klar zum Ausdruck bringt, daß man nie diese Absicht hatte, sondern daß man nur Zeit gewinnen wollte, weil man die Türkei ja leider doch als Außenposten in der NATO braucht, in Richtung Naher Osten und noch mehr, wie früher, in Richtung Russland.

Auch wenn der ganze persönliche Teil natürlich eine Rolle spielt und sicher traurig ist, seien Sie froh, Herr Hasnain, daß sie aus diesem Land draußen sind. Es war schon vorher eine Illusion, man könnte dort journalistisch arbeiten. Man spielt immer zu den Regeln des Diktators, man passt sich immer an und am Ende ist man Teil derselben Kräfte, die so ein Regime am Leben halten, bestenfalls der "geduldete" Kritiker, schlimmstenfalls das abschreckende Beispiel für die türkische Propaganda, man wird immer instrumentalisiert. Man kann sich dem Einfluß des Bösen nicht entziehen, wenn die eigene Existenz vor Ort der Gunst dieser Leute ausgeliefert ist.

Man sollte JEDE Beziehung mit der Türkei abbrechen. Another failed state, so what. Wenn es die Menschen vor Ort nicht merken und abschaffen, was sollen wir da tun? Diktaturen können sich doch nur durch Mitläufertum festigen. Aber Mitläufertum muß eben auch Konsequenzen haben, damit die Mitläufer vielleicht mal über ihre Handlungen nachdenken. Wenn es sich nicht mehr lohnt, Erdogan zu unterstützen, weil man z.B. die dadurch erschlichenen finanziellen Vorteile nicht mehr beim Einkaufsbummel in Paris und London einsetzen kann, dann wird vielleicht auch Erdogan mal gestürzt.

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_optimus_ 19.03.2016, 08:32
13.

ich habe herr kazims berichte immer gern gelesen. sehr gern. ich wünsche ihm das beste.

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limubei 19.03.2016, 08:32
14. welch Abgründe!

Danke für diese klaren persönlichen Worte.

Diese Türkei in der EU mit unbegrenzter Visafreiheit?
Aber für US Interessen laeuft alles nach Plan und die Bundesregierung buckelt fleissig nach oben und tritt nach unten.

Was für eine Farce. Was für Abgründe! Und Merkel hat das ganze Ding fleissig angeschoben.

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Vasilitsion 19.03.2016, 08:34
15. Es wäre sicher nützlich...,

...wenn auch Frau Merkel diesen Bericht lesen würde. Und vielleicht endlich einmal aus den Erfahrungen anderer die richtigen Schlüsse zöge. Ein Deal mit Erdogan - das ist wirklich das letzte, was die EU sich hätte leisten sollen. Aber nun ist es passiert. Und man mag sich noch gar nicht ausmalen, wohin das möglicherweise führt.
Danke, Herr Kazim, für Ihre Arbeit; viel Glück und Erfolg im "neuen" Leben.

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Akonda 19.03.2016, 08:45
16. Unglaublich

Und ein solches Land nehmen wir in die EU auf?
Dann ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit, wann auch bei uns die Menschenrechte eingeschränkt werden.......
Und da gibt es noch immer Anhänger von Merkel, die unser Land an die Türken verkauft.

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Meconopsis 19.03.2016, 08:45
17. Das Erdogan-Problem

Ihre Berichte habe ich immer geschätzt, weil sie hintergründig und differenziert waren. Seien Sie froh, Herr Kazim, dass sie und ihre Familie dort raus sind. In der Türkei kann in den nächsten Monaten und Jahren kaum etwas besser werden. Es sei denn, Erdogan verschwindet irgendwann (wie auch immer). Leider hat er immer noch eine Menge Anhänger, auch hier in Deutschland. Zumeist ist das die weniger gebildete Schicht, und es sind viele glühende Nationalisten darunter. Der Riss, der durch die türkische Gesellschaft geht kann kaum noch größer werden. Ich bekomme das sogar in meinem eigenen Wohnblock in einer süddeutschen Kleinstadt mit.

Erdogan reiht sich ein in die vielen Negativbeispiele von Politikern, die sich aus kleinen Verhältnissen nach ganz oben gearbeitet haben. Mangelnde Bildung und Minderwertigkeitskomplexe machen solche Leute, in Kombination mit ihrer fast unbegrenzten Machtfülle so gefährlich und unberechenbar. Mit diesem Thema sollten sich Psychologen und Historiker noch eingehender beschäftigen. Es müssen in jeder Demokratie Mechanismen entwickelt werden, damit solche Personen keine Chance haben, sich auf Dauer festzusetzen. Auch die Stellung unserer Kanzlerin erscheint mir in unserer parlamentarischen Demokratie inzwischen zu stark. Auch wir Deutschen sind nicht davor gefeit, Führungspersönlichkeiten in unserer politischen Meinungsbildung einen zu großen Raum einzuräumen. Und genau so fängt es an. Für solche Ämter braucht es dringend Amtszeitbeschränkungen. Und zwar absolute... damit es nicht so läuft, wie bei Putin. Drei Legislaturperioden... und Schluss !

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WillyWusel 19.03.2016, 08:45
18. traurig...

Man merkt dem Autor an, das er sich bemüht, nicht zu hart mit der Türkei ins Gericht zu gehen. Dass die Türkei fast drei Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat, dass sich Menschen gegen Erdogan stemmen, dass "nur" die Hälfte des Volkes für Erdogan sei - all das ist tatsächlich postitiv und bemerkenswert. Aber unterm Strich bleibt, dass das türkische Volk mehrheitlich Erdogan gewählt und trotz all seiner Taten in den vergangenen Jahren wiedergewählt hat. Und unterm Strich bleibt, dass Erdogan Schritt für Schritt die Opposition entmachtet, einschüchtert und das Land in eine rückwärtsgewandte Autokratie führt. So leid es mir tut, aber in diesem Zustand hat die Türkei in der EU nichts verloren. Und genau das wird das Eröffnen der weiteren Beitrittskapitel hoffentlich zeigen. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass Erdogan die Absicht hat die dortigen demokratischen, rechtlichen und freiheitlichen Anforderungen im eigenen Land zu erfüllen. Ich fürchte, die Türkei ist als konstruktiver Partner für Europa auf lange Sicht verloren.

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marialuise8 19.03.2016, 08:51
19. Was steckt dahinter?

Das erinnert mich sehr stark an die Stasi in der DDR. Da lief es genauso ab. Erdogan hält sich offensichtlich für einen Gott und jede Kritik oder gegensätzliche Meinung wird als Angriff auf seine Person gesehen. Aber die Frage ist, handelt es sich nur um einen krankhaften Egomanen oder Diktator oder was steckt wirklich hinter der Person und seinen Zielen? Und wer unterstützt ihn von außen? Da braucht man nicht lange suchen, dass ist ziemlich offensichtlich. Da geht es nicht nur um die Türkei.

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