Forum: Politik
Hat die Entwicklungshilfe in Afrika versagt?

Immer wieder gerät die herkömmliche Entwicklungshilfe in die Kritik. Ist die heutige Unterstützung noch zeitgemäß oder hat sie den Kontinent unselbstständig und abhängig von Almosen gemacht?

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forumgehts? 08.11.2009, 18:00
1600.

Zitat von Spinnosa
Was Albert Schweizer im Jenseits gerade so treibt, weiß ich im Gegensatz zu Ihnen nicht mit Sicherheit. Ich nehme aber in aller Hochachtung für sein Werk an, daß er kopfschüttelnd auf seiner Wolke sitzt und darüber sinniert, daß es heutzutage eben nicht mehr reicht, Krankenstationen einzurichten und ansonsten darauf zu vertrauen, daß im Zweifel ein Orgelstück von Bach die Bösen gut und die Kranken gesund macht.

Albert Schweitzer war nie ein weltfremder Gutmensch, und er hat seine Meinung sehr drastisch allen, die es wissen wollen, zK gegeben:

„Mein Leben habe ich dem Versuch gewidmet, die Leiden Afrikas zu erleichtern. Alle Menschen, die, wie ich, hier leben, müssen eine Sache lernen und kennen: Jene Lebewesen sind eine Unterrasse. Sie haben weder die
verstandesmäßigen, noch geistigen und gefühlsmäßigen Fähigkeiten, sich in irgend eine der Aufgaben unserer Zivilisation an die Seite des weißen Mannes zu stellen, oder sie, ihm gleich, anzupacken.

Ich habe mein Leben dem Versuch gewidmet, diesen Menschen die Vorteile darzubringen, die unsere Zivilisation zu geben hat. Aber ich bin mir nur allzu sehr klar darüber: Wir müssen den Status bewahren! Der Weiße ist der Überlegene und sie sind darunter. Wenn ein weißer Mann es versucht, unter ihnen zu leben, wie ein Gleicher, so werden sie ihn entweder vernichten oder fressen. Und sein gesamtes Werk werden sie zerstören.

Wer aus weiter Welt herbeieilt, um Afrika zu helfen, der muß daran denken, den Rangunterschied zu wahren! Verbrüdere Du Dich nie mit ihnen, als seien sie gleich! Du darfst sie auch nicht als Dir gesellschaftlich gleich anerkennen! Sonst werden sie Dich fressen, sie werden Dich vernichten!"

Was muss er erlebt haben, um diese Erkenntnis so niederzuschreiben. Trotzdem hat er bis ans Ende seines Lebens das einzig Mögliche getan: Dem Einzelnen in seinem Leid zu helfen.

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gukki 08.11.2009, 19:34
1601. EH für die Ärmsten

Zitat von SaT
Eben – aber ich schrieb ja vom angolanischen Spitzenbeamten der sich dies leistet und wovon der Durchschnittsangolaner nichts hat. Ihre These ist ja die, dass vom Reichtum einiger korrupter Beamter auch seine einfachen afrikanischen Landsmänner etwas ab bekommen: Das sehe ich skeptisch. Diese Kaste leistet sich eher westliche Qualitätswahre, schickt die Kinder zum Studium nach Europa oder machen außerhalb Afrikas Urlaub als das sie in ihre Heimat investieren würden. Hinzu kommt, dass diese Kaste meist aus Spitzenbeamten besteht die ihre Position skrupellos ausnützen um sich auf Kosten der übrigen Bevölkerung hemmungslos zu bereichern. Das Volk stört dabei nur. Wenn in Kenia ständig der Strom ausfällt nervt dies natürlich auch die unzähligen Minister. Lösung: man schafft sich seinen eigenen Generator an. Die Kriminalität wird langsam unerträglich also erhöht man die Mauer mit Stacheldraht noch ein bischen und verstärkt das Wachpersonal. Statt Probleme der Bevölkerung zu lösen schottet man sich lieber immer weiter ab. Es entstehen Oasen relativen Wohlstandes die von bewaffneten Wachpersonal von der trostlosen afrikanischen Wirklichkeit abgeschottet werden. Ähnliche Entwicklung gibt es zwar auch in Asien oder Lateinamerika. In Afrika hat es aber die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Wieso noch EH für die Ärmsten leisten wenn einige Landleute dieser in Saus und Braus leben?
Durch die Förderung von EH Projekten nur für die Ärmsten (wie z. Z. in Mode, Trinkwasser und Latrinen z. B.), wird sich die afrikanische Volkswirtschaft mit Sicherheit nicht entwickeln. Also weiterhin Abhängigkeit von westlichen Beratern und ihren gut gemeinten, aber nicht immer realistischen Vorschlägen.

Kennen Sie ein einziges Land in der Welt, in dem es der breiten Bevölkerung gut geht, in dem es die obengenannte Kaste der Reichen und Superreichen nicht gibt?
Wie sind unsere Reichen reich geworden?

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SaT 08.11.2009, 20:25
1602.

Zitat von gukki
…. Kennen Sie ein einziges Land in der Welt, in dem es der breiten Bevölkerung gut geht, in dem es die obengenannte Kaste der Reichen und Superreichen nicht gibt? Wie sind unsere Reichen reich geworden?
Um nicht missverstanden zu werden: ich bin kein Kommunist. Trotzdem sehe ich schon Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Nicht überall ist die Schere zwischen Reich und Arm gleich groß. In Europa und selbst im für seinen Raubtierkapitalismus so viel gescholtenen Nordamerika ist sie erkennbar geringer geöffnet (wobei sie sich in Europa von Norden nach Süden und von Westen nach Osten immer mehr öffnet) als in Asien wo es neben boomende Regionen auch wieder solche von erschreckender Armut gibt. Trotzdem erscheint mir Asien immer noch sozialer als Lateinamerika wo Großgrundbesitzer am WE zum Schoppen nach Miami fliegen während viele andere von der Hand in den Mund leben. Den Vogel aber schießt Afrika ab. Ich denke dies hat weniger mit Kapitalismus zu tun (große Einkommensunterschiede und Lebensstands gibt es ja gerade zwischen den Funktionären und normale Bevölkerung in sozialistischen Ländern wie eben Angola) als mit den unterschiedlichen Mentalitäten. Kann man in Ruhe seinen Reichtum genießen während Landsleute in großem Elend leben – in dem man sich abschottet? Diese Frage wird unterschiedlich beantwortet.

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Spinnosa 08.11.2009, 21:16
1603.

Zitat von SaT
Ja aber wie sieht es mit dem Internet aus? Während ich in den entlegensten Ortschaften Südostasiens Internetcafes mit guter Übertragungsrate angetroffen habe bin ich in Subsahara Afrika fast verzweifelt. Zwar gibt es auch dort Internetcafes, manchmal sogar mehrere nebeneinander, aber dermaßen langsam das man selbst mit afrikanischem Gemüt die Geduld verlieren muss. Anders als das Handy hätte das Internet echte Chancen mit dem Rest der Welt aufzuschließen geboten -wie dies in Asien erfolgreich praktiziert wurde.
Vielleicht deshalb? (Kann sein, daß ich den Artikel schonmal verlinkt habe? Womöglich als Antwort auf einen Beitrag von IHnen???)

http://www.taz.de/1/politik/afrika/a...-der-computer/

Die Probleme mit dem Computerschrott sollte man durchaus Ernst nehmen, aber so kanns doch auch wieder nicht gehen.

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Steff-for 08.11.2009, 21:19
1604. Schlichte Antwort: JA!

China ist nicht so dumm, wie stets geglaubt wird. China ist auch nicht an humanitären Dingen interessiert. Es geht China einzig um die unsäglichen Rohstoffmengen, die Afrika beherbergt.
China wird seine Geschäfte mit jeder afrikanischen Regierung machen, und sei sie noch so verachtend menschenfeindlich. China zahlt auch ohne rot zu werden mit Waffen für Despoten.
Genau das ist es, was China von allen anderen unterscheidet.
China hat den Brutalkapitalismus in seiner Gänze übernommen und befindet sich nun in einem unglaublichen Aufschwung.

Ja! Unsere verlogene zögerliche Entwicklungshifle hat versagt. Sie hat so versagt, dass nunmehr die Gesellschaftlichen Zustände Afrikas noch schlimmer werden müssen.
Doch was für Afrika jetzt zählt ist, dass es ersteinmal aufwärts geht. Mit wie viel Blut hat noch nie jemanden in den Geberländern wirklich interessiert.

Money makes the world go round!

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Spinnosa 08.11.2009, 21:27
1605.

Zitat von gukki
(...)Zum Gewinn der kleinen Kaste: Mit den offiziellen Gehältern im Staatsdienst können der Generaldirektor oder Minister (die Aufträge im Werte von vielen Millionen unterzeichnen) ihre Kinder nicht studieren lassen. Ohne eine "reiche" Kaste gibt es auch keine Jobs für Hauspersonal, Fahrer, Sekretäre, Gärtner. Und keine Privatinvestitionen in Industrie und Dienstleistung.
Auch wenn afrikanische Potentaten in früheren Zeiten zuweilen zu einer Prachtentfaltung neigten, die einem barocken Duedezfürsten peinlich gewesen wäre: Der Bedarf an Hausdienern, Chauffeuren, Sekretären und Gärtnern ist wohl kaum dazu geeignet, die Probleme Afrikas zu lösen.

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Spinnosa 08.11.2009, 22:12
1606.

Zitat von forumgehts?
Albert Schweitzer war nie ein weltfremder Gutmensch, und er hat seine Meinung sehr drastisch allen, die es wissen wollen, zK gegeben: „Mein Leben habe ich dem Versuch gewidmet, die Leiden Afrikas zu erleichtern. Alle Menschen, die, wie ich, hier leben, müssen eine Sache lernen und kennen: Jene Lebewesen sind eine Unterrasse. Sie haben weder die verstandesmäßigen, noch geistigen und gefühlsmäßigen Fähigkeiten, sich in irgend eine der Aufgaben unserer Zivilisation an die Seite des weißen Mannes zu stellen, oder sie, ihm gleich, anzupacken. Ich habe mein Leben dem Versuch gewidmet, diesen Menschen die Vorteile darzubringen, die unsere Zivilisation zu geben hat. Aber ich bin mir nur allzu sehr klar darüber: Wir müssen den Status bewahren! Der Weiße ist der Überlegene und sie sind darunter. Wenn ein weißer Mann es versucht, unter ihnen zu leben, wie ein Gleicher, so werden sie ihn entweder vernichten oder fressen. Und sein gesamtes Werk werden sie zerstören. Wer aus weiter Welt herbeieilt, um Afrika zu helfen, der muß daran denken, den Rangunterschied zu wahren! Verbrüdere Du Dich nie mit ihnen, als seien sie gleich! Du darfst sie auch nicht als Dir gesellschaftlich gleich anerkennen! Sonst werden sie Dich fressen, sie werden Dich vernichten!" Was muss er erlebt haben, um diese Erkenntnis so niederzuschreiben. Trotzdem hat er bis ans Ende seines Lebens das einzig Mögliche getan: Dem Einzelnen in seinem Leid zu helfen.
Albert Schweizer war vor allem eines: Ein Kind seiner Zeit.
Weshalb man seine Mischung aus Paternalismus und religiöser Demut im Kontext des Kolonialismus durchaus positiv bewerten kann - aber wohl kaum als Blaupause für EH heute sehen kann.

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Spinnosa 08.11.2009, 22:14
1607.

Zitat von forumgehts?
Albert Schweitzer war nie ein weltfremder Gutmensch, und er hat seine Meinung sehr drastisch allen, die es wissen wollen, zK gegeben: „Mein Leben habe ich dem Versuch gewidmet, die Leiden Afrikas zu erleichtern. Alle Menschen, die, wie ich, hier leben, müssen eine Sache lernen....
Albert Schweizer war vor allem eines: Ein Kind seiner Zeit.
Weshalb man seine Mischung aus Paternalismus und religiöser Demut im Kontext des Kolonialismus durchaus positiv bewerten kann - aber wohl kaum als Blaupause für EH heute sehen kann.

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Spinnosa 08.11.2009, 22:43
1608.

Zitat von gukki
(...)Kennen Sie ein einziges Land in der Welt, in dem es der breiten Bevölkerung gut geht, in dem es die obengenannte Kaste der Reichen und Superreichen nicht gibt?(...)
SChöner kann man das Pferd ja gar nicht von hinten aufzäumen!
Der breiten Bevölkerung in Afrika geht es nämlich nicht gut, sondern absolut beschissen.

Daß es der breiten Bevölkerung in der westlichen Welt im allgemeinen gut geht, hat seine Ursache nicht darin, daß es Megareiche/Fürsten etc. gibt, sondern daß die Menschen sich in Jahrhunderten ihren Anteil an deren Reichtum erkämpft haben. Möglich wurde das durch die Entstehung des aufgeklärten Bürgertums, das sich die Entwicklung gesellschaftlicher Theorien (und Ehrgeiz!) leisten konnte, weil es nicht mehr nur mit dem täglichen Überleben beschäftigt war.
Genau dieses Bürgertum fehlt aber offensichtlich in Afrika.
Der Theorien, warum das so ist, gibt es viele, und die sind in diesem Forum zur Genüge durchgekaut worden.

Nur ich glaube, wo immer die Ursachen veortet wurden, der Mühe hätte sich keiner unterzogen, der den krassen Gegensatz von Arm und Reich in Afrika einfach so o. k. fände.

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gukki 09.11.2009, 08:24
1609. EH für wen?

Zitat von SaT
Eben – aber ich schrieb ja vom angolanischen Spitzenbeamten der sich dies leistet und wovon der Durchschnittsangolaner nichts hat. Ihre These ist ja die, dass vom Reichtum einiger korrupter Beamter auch seine einfachen afrikanischen Landsmänner etwas ab bekommen: Das sehe ich skeptisch. Diese Kaste leistet sich....
Und was hat unsere EH beigetragen zur Lösung der obengenannten Probleme? Haben wir keinen Generator und hohe Mauern, wenn wir in Afrika wohnen und/oder arbeiten?
EH für die Ärmsten heist bei uns: den Fisch liefern.
EH für den Mittelstand hieße die Angel liefern.
Das ist leider versäumt worden. Und das Angeln haben wir am liebsten selbst getan

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