Forum: Politik
Holocaust - wie viel Verantwortung trugen deutsche Diplomaten?

Das Wissen der deutschen Diplomaten des Dritten Reiches über die Vernichtungspläne der Nazis wurde bisher nur unvollkommen thematisiert, eine Mitschuldfrage kaum gestellt. Wie viel Verantwortung trugen deutsche Diplomaten am Holocaust?

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frubi 26.10.2010, 17:05
640. .

Zitat von sysop
Das Wissen der deutschen Diplomaten des Dritten Reiches über die Vernichtungspläne der Nazis wurde bisher nur unvollkommen thematisiert, eine Mitschuldfrage kaum gestellt. Wie viel Verantwortung trugen deutsche Diplomaten am Holocaust!
Also eines kann man mit Sicherheit sagen: Es wurden bei weitem nicht alle Altnazis in der Gründungszeit der BDR angemessen verfolgt. Es mussten ja teilweise Privatpersonen die Jagd übernehmen. Eine Schande. Und uns, der Jugend, wurde im Unterricht und in den Medien immer schön das Märchen der "Entnazifizierung" erzählt.

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augu 26.10.2010, 17:05
641. ....

Zitat von ImAuftragDerGerechtigkeit
Hoch lebe Multi-Kulti! Denn nur so, kann man ein zweites Nazitum verhindern!
Na ja, es gibt noch andere Nazi-Gegenmittel. Und die heftige Umarmung a la Multi-Kulti mögen nicht alle Zugewanderten. Sie machen für gutes Geld ihre Arbeit, zahlen ihre Steuern und Sozialbeiträge, achten deutsche Gesetze und möchten aber nicht aufdringlich zu Freundschaft und zum kulturellen Austausch mit ihren deutschen Nachbarn animiert werden.

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H.Ehrenthal 26.10.2010, 17:16
642. Tja

Zitat von jasyd
Und Sie basieren Ihr Wissen auf 438 Seiten eines einzelnen Mannes!
Es sind Hunderte von Interviews.

Aber ich halte mich an die Aussagen von Helmut Schmidt und Egon Bahr.
Kennen Sie doch noch, oder?
Ich verstehe, daß Sie sich sträuben, 150.000 jüdische Wehrmachtsoldaten und SS-Angehörige als Tatsache zu akzeptieren. Aber die Geschichte scheint nicht immer so einfach zu sein, wie »Die schmutzige Wahrheit über Hitlers Unterhose« aus der kindischen Geschichtsfabrik!

Und wenn Sie das Unglaubliche, weil Unverständliche, einmal akzeptiert haben, googlen Sie. Da gibt es viele unverständliche Aussagen der jüdischen Soldaten und SS-Angehörigen.

Sowas zum Beispiel:

"Auch Werner Goldberg als so genannter „Halbjude« über-lebte. Nach seiner politischen Laufbahn arbeitete er u. a. ehrenamtlich in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der Europa-Union und als Vorsitzender des Bundes der Ver-folgten des Naziregimes unermüdlich weiter, ehe er im Vorjahr im Alter von 85 Jahren verstarb. Er - der damals mit seinem Foto in der Presse den „idealen deutschen Sol-daten« verherrlichte - meinte einmal, dass die Wehrmacht, die er kannte, nicht die SS und die fanatischen Nazis waren; diese waren in der Minderheit. Rigg bestätigt: »Nicht jeder, der eine Uniform mit dem Hakenkreuz trug, war ein Nazi, genausowenig wie nicht jeder deutsche Offizier ein 'reinrassiger Arier' war und nicht jeder 'arische' Offizier ein fanatischer Antisemit«.

Ein jüdischer Wehrmachtssoldat als idealer deutscher Soldat auf einem Photo in der Presse von damals!

Wußten Sie es?
Denn hier geht es nur um das Wissen!

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loncaros 26.10.2010, 17:20
643. t

Da zeigt sich noch mal Fischers linkschaotisches Gesicht.

Für ihn war sogar der 1945 zehn Jahre alte Hitlerjunge ein überzeugter Nazitäter der nichts als Verachtung verdient.

Ein Glück dass wir diesen "Politiker" mittlerweile los sind.

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wohe 26.10.2010, 17:21
644. Ehre für Ex-Nazis ohne Reue?

Zitat von naturfreund
Ich denke, dass die Deutschen und auch die Nationalsozialisten den Krieg nicht wollten und auch froh waren, als der Krieg zu Ende war, aber als es zum Krieg gekommen war, wollte sicher keine Seite den Krieg verlieren. ...
Wie bitte: die Nazis wollten den Krieg nicht?
Dann lesen Sie bitte mal auszugsweise die "Nazi-Bibel", Hitlers "Mein Kampf". Von Anfang an haben Hitler und seine Nazis unbeirrt und zielgerichtet auf den Krieg hingearbeitet, der natürlich in ihren Augen nur mit dem "Endsieg" enden konnte.
Der Krieg wurde zum "totalen Krieg", ausgiebig bejubelt von Goebbels und den zu dieser Zeit leider nur gehirnamputiert zu nennenden Nazis.

Doch es kam, wie es kommen musste: Hochmut kommt vor dem Fall- und so wurde aus dem Endsieg der totale Untergang des Dritten Reichs. Immerhin haben sich die obersten Nazis durch Selbstmord selbst "gerichtet" und stehen somit für nachträgliche Märtyrertod-Legenden Gottseidank nicht mehr zur Verfügung. Vorher haben sie es dem deutschen Volk aber noch mal richtig gezeigt, was "konsequente" Kriegführung - eben der totale Krieg - bedeutet. Gerade in den letzten Wochen des Kriegs wurden selbst Kinder und alte Männer sinnlos "verheizt". Stimmen der Vernunft, die aufgrund der offensichtlich und eindeutig ausweglosen Lage zur Kapitulation rieten, wurden als "wehrkraftzersetzende Elemente" ausnahmslos standes"rechtlich" liquidiert.

Froh waren die überzeugten Nazis nicht über das Ende des Krieges, wohl aber viele Deutsche, die am eigenen Leibe die schauderhafte Konsequenz dieses "totalen Kriegs" miterleben mussten.

Jede nähere und ernsthafte Beschäftigung mit dem Dritten Reich - fernab von selbstgerechter Schuld-Zurückweisung und Relativierung - führt fast unweigerlich zur Erkenntnis, wie viel Ungeheuerliches und mit heutigen Maßstäben fast unbegreiflich Unmenschliches damals geschah.

Dass der "Zeitgeist" der damaligen Zeit viele Köpfe ergriff, die später dann mit einem heftigen Kater im Kopf aufwachten, ist unbestritten. Und dass einige dieser Leute später dann durchaus lobenswerte Dinge taten, mag alles sein.

Menschen aber posthum zu ehren, die im Dritten Reich in Führungspositionen standen und dann - ohne vorherige Strafe und öffentliche Reue! - reibungslos im neuen Machtapparat wieder zu hohen Ämtern aufstiegen, ist für mich zynisch und tritt die Würde der Opfer des Dritten Reichs mit Stiefeln.

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RosaHasi 26.10.2010, 17:25
645. .

Zitat von Hubert Rudnick
--------------------------------------------------------- Ich glaube, dass kaum einer seine eigene Geschichte ehrlich und offen aufarbeiten möchte und das nicht nur über die des Nazireichs. Die meisten von uns haben sicherlich nicht die immer wieder genannten Leichen im Keller vergraben, aber trotzdem fällt es uns schwer über das was wir vor langer Zeit dachten und auch danach handelten heute noch zu rechtfertigen. Wenn man in einem System hineingeboren wird, dort seine Heimat findet, dann ist es auch möglich, dass man sich mit diesem System abgefunden hatte und eingebunden war. Was man in der Zeit wo ich jetzt lebe dieses und jenes als rechtlich unbedenklich betrachte, so kann es aber später schon wieder ganz anders angesehen werden. Wer sich aus moralischen und menschlichen Gründen seine Finger nicht beschmutzt hat, der sollte auch offen dazustehen können. Aber wer den Menschen hintergangen hat und ihm Leid antat, der sollte auch später dafür zur Rechenschaft geszogen werden, wenigsten hat dieser Menschen später nichts mehr in einer öffentlichen, oder staatlichen Funktion was zu suchen und ihm für seine Tätig dann noch ehren, ist doch eine Beleidigung all derjenigen gegenüber, die in diesem System zu Grunde gingen. Aber das ist nicht nur auf die Menschen aus längst vergangerner Zeit zu beziehen, auch die Personen, die heute schon wieder Flugzeuge und Soldaten in die heutigen Kriege schicken, sie haben kein Grund sich über Menschen aus der Nazizeit aufzuspielen, sie sollten ihre Taten mal selbst betrachten. Und wenn dann Leute, die aus der Friedeensbewegung und aus der pazifistischen Ecke kamen und in der heutigen Zeit ihre Soldaten auch in die Kriege der Welt schicken, dann sollten diese Leute doch wohl am liebsten ganz schweigen. HR


nur irgendwie schlecht, wenn ich mir so anschaue wer mitlerweile bundeskanzler ist... so viel zur doppelmoral unseres systems.

auf der einen seite soll die danksagung kategorisch für menschen ausgeschlossen sein, die irgendwie mit dem dritten reich in verbindung zu bringen sind, auf der anderen seite aber, gibt es menschen, die in der DDR alles andere als neutral waren und mitlerweile an der spitze des systems BRD stehen.

merken sie was?

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johnxneu 26.10.2010, 17:28
646. Zustimmung zu Hitler

Zitat von Franz-von-Barmbek
Wenn mann bedenkt, - daß Hitler mit seinem Koalitionspartner DNVP 1933 die absolute Mehrheit im Reichstag hatte, also vom Volk gewählt war (KPD 12,3%, SPD 20,4%)
Hier würde ich ergänzen, die Märzwahlen 1933 werden sehr oft herangezogen, waren aber schon unter Hitlers Diktatur, verschärftes Vorgehen nach dem Reichstagsbrand, sind m.E. nicht frei, eher die Novemberwahl 1932, NSDAP 37,3 und hatte mit DNVP zusammen 43,2. Immer noch zuviel und in Preußen zog Göring schon die Fäden. Dennoch Zustimmung zu Ihren Ausführungen. Leider kann ich meine Eltern nicht mehr fragen. Meine Familien waren wie die Mehrheit ganz "normale" bis aktive Hitleranhänger, was ich so nicht wusste, obwohl ich mich seit meiner Kindheit mit der Nazizeit beschäftige.

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RS62 26.10.2010, 17:28
647. Man verlässt sich doch auf erfahrenes Personal....

Zitat von jasyd
...Die Spitzendiplomaten sind nur Spitzendiplomaten geworden, weil sie gierig auf eine Karriere waren. Sie hätten ja kleine Beamte oder Postbote bleiben können. Also das Argument mit dem eigenen Leben verlieren zieht nicht. Auch die Nazis hätten nicht alle umbringen können. Niemand wurde gezwungen in die Partei einzutreten. Und man musste nicht Märtyrer sein oder Widerstandskämpfer, aber man musste auch nicht mit aller Macht versuchen in der ersten Reihe zu stehen. Nur wer hundertprozentig der gesamten Politik der Nazis Zustimmung zollte, wurde Spitzendiplomat.
Hier kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Das gilt jedoch nicht nur für das Auswärtige Amt.

20 Jahre nach dem Ende der letzten deutschen Diktatur fängt die Aufarbeitung der Gründungsgeschichte der Bundesrepublik gerade erst an.

Wer sein Fähnlein rechtzeitig nach dem Wind gedreht hat, durfte weitermachen. Übrigens, 1989/90, in Neufünfland, nannte man diese Leute "Wendehals", die gibt es also links und rechts, um das gleich klar zu stellen, alle wollten nur ihre Karriere.
Am Ende wollten sie NUR ihre Karriere und hatten gar keine politische Meinung im eigentlichen Sinn????

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FennerundStern 26.10.2010, 17:30
648. Die "Rädchen" waren überall

Zitat von alpenjonny
(...) Die d-Diplomaten, um auf SYSOP einzugehen, waren nach meiner Einschätzung nur kleine Rädchen, gewiss nicht unwichtig, aber auch nicht die Hauptschuldigen. Die sassen alle in Berlin, angeführt von einem Psychopathen aus Österreich, der noch so willige Mitläufer fand. Es waren Millionen in D, leider.
Leider nicht nur in D., sondern weltweit wurden sich die Hände schmutzig gemacht: USA, GB, UdSSR, Frankreich, Schweiz etc. etc. pp. Die Grenzen waren zu, das "Boot war voll", die jüdischen (aber auch politischen Flüchtlinge) wurden nicht aufgenommen oder wurden direkt an D ausgeliefert. Willige Helfer hatten die Nazis beim Judenmord überall. Hier ist keiner frei von Schuld. Für mich stellt sich immer wieder die Frage, wo beginnt "Schuld"? Beim Nachbarn, der weggeschaut hat, als sie jüdischen Nachbarn die Wohnung demoiliert haben und ihn abgeholt haben? Beim Profiteur der Arisierung? Beim Reichsbahnsekretär, der die Weiche nach Auschwitz bedient hat? Beim Lokführer, der den Zug gesteuert hat? Oder doch erst beim Polizisten, der die Verhaftung vornahm oder den kleinen Wachtmeister im Poizeibataillon tatsächlich geschossen hat? Das "faszinierende" für mich am Nazi-System ist immer wieder die unglaubliche Perfidität, mit dem es den NS-Führern gelang, so viele Menschen (in D und dem Ausland) in die Schuld zu verstricken und (bezogen auf D) eine solche "Schicksalsgemeinschaft" zu kreieren. Über diese "genialen" Mechanismen sollten wir uns besser Gedanken machen, und weniger darum, welche Organisation mehr verbrecherisch war als andere!

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Brand-Redner 26.10.2010, 17:35
649. Widerstand

Zitat von raka
Der Gedanke an Widerstand kam erst auf, als der Krieg verloren war. Vorher wurde fröhlich Militärkarriere gemacht. Damit will ich den Verdienst des deutschen Widerstands nicht schmälern, sondern nur etwas zurecht rücken.
Exklusiv vorab, bevor die nächste historische "Neuentdeckung" große Wellen schlägt: Es gab, mancher glaubt es nicht, darüber hinaus noch den Widerstand von Sozialdemokraten, Kommunisten und bekennenden Christen gegen die Nazis - und zwar von Anfang (1933) an!

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