Forum: Politik
IG Metall: Holt euch, was euch zusteht!
DPA

Die IG Metall will streiken. Gut so! Die Gewerkschaften haben zugesehen, wie Deutschland immer ungerechter wurde. Höchste Zeit für eine Umkehr.

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feldstudien 29.01.2018, 21:00
150. Endlich prangert mal jemand den Siemens-Chef an

Danke Herr Augstein, dass wenigstens ein Journalist das unsägliche Verhalten des Siemens-Chefs in Davos thematisiert. Die "Feinfühligkeit" dieses Managers, der kurz vorher die Einstellung der Werke in Deutschland verkündet und jetzt vor Medien mit dem kessen Spruch auftritt, die gleichen Gasturbinen werden künftig in den USA gebaut, das gehört einfach deutlich angeprangert. Ich konnte jedoch nirgends einen Aufschrei in den Medien hören. Auch nicht in der Politik, obwohl Werke wie in Görlitz garantiert mit vielen Fördermitteln errichtet wurden. Offenbar braucht es wirklich sehr viel mehr Gegenwind von Seiten der Arbeitnehmer. Ich finde es bis heute schrecklich, dass kleinere tatkräftige Gewerkschaften wie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer von Gesetzen, die vor allem die SPD verantwortet worden sind (Andrea Nahles), quasi wirkungslos gemacht wurden: Begründung, dass wollten die großen Gewerkschaften so.

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susie.soho 29.01.2018, 21:03
151. Immer weniger Mitglieder...

...machen eine Gewerkschaft nicht stärker! Die Arbeitnehmer sind selbst schuld, wenn sie sich nicht organisieren!

Dass sich die Arbeitgeber hingegen aus der Tarifgemeinschaft mehr und mehr verabschieden, ist ein Skandal. Hier müsste die Bundesregierung dergestalt tätig werden, dass sie e i n e n Tarifvertrag für alle Betriebe derselben Branche für verbindlich erklärt!

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Heiner Hannappel 29.01.2018, 21:09
152. Sehr richtig Herr Augstein!

Deutschland ist Lohndumpingland NR.:1 In Europa. Die Löhne sind nicht entsprechend seiner Wirtschaftskraft seit 1996 gestiegen. Lohnerhöhungen waren immer Forderungen zur Unzeit. Für die Arbeitgeber kommen diese immer zur Unzeit! Schaut man aber auf die Nullzinsen, auf die Inflation der Preise und Mieten. wundert es keinen mehr, warum heute zwei Menschen arbeiten müssen um Mieten und Lebensunterhalt bezahlen zu können. Natürlich sind unsere Ansprüche gestiegen, mehr aber noch die der Arbeitgeber, was ihre Gewinnspanne betrifft.Also ihr Gewerkschaften, werdet endlich wieder eurer Bestimmung gerecht und wehrt euch gegen eine Wirtschaftskonforme Demokratie a la Merkel!

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hainichfreund 29.01.2018, 21:10
153.

Aus Sicht eines (festangestellten) Metallers, mit Blick auf die Gewinne der (großen) Unternehmen, kann ich die Forderungen durchaus nachvollziehen. Gesamtgesellschaftlich und mit Blick auf die Löhne von Facharbeitern in anderen Branchen ist diese ungleiche Entwicklung allerdings sozialer Sprengstoff.
Auch wenn jetzt gleich wieder viele "Ja, aber ..." kommen werden.
Ein Beispiel:
Viele Pflegende mit Fachweiterbildung (3+2 Jahre Ausbildung), die hochkomplexe und sehr verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen, z. B. auf Intensivstationen oder in der Kinderonkologie, verdienen schon jetzt 15.000-20.000/Jahr weniger als Metaller. Darüber hinaus arbeiten sie länger (38,5h-40h Woche) und haben erheblich schlechtere Betriebsrenten. Viele Krankenhäuser - so auch unseres - zahlen seit Jahren deutlich unter TVöD Niveau, weil die Politik Wettbewerb wollte und die Krankenhäuser zum Sparen und Betrügen zwingt. Leider oft erfolglos.
Die Pflegekatastrophe wird kommen. Ein Dilemma vor dem Hintergrund, dass schon jetzt zehntausende Stellen in der Pflege fehlen und kaum eine Pflegekraft bis zur Rente arbeiten kann.
Wie hoch müssten die KK Beiträge und PV Beiträge steigen, um hier eine wirksame Verbesserung zu erreichen? Wer will das? Hätten Metaller und andere AN auch dafür Verständnis?
Wir müssen uns in der Gesellschaft mehr Gedanken darüber machen, wie die allgemeine Wertschöpfung und die Gewinne, für die i. Ü. auch AN der Nicht-Export-Branchen sorgen, besser und gerechter an Alle verteilt werden.

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RMG 29.01.2018, 21:17
154. Unglaublich, Flopi3 !

Zitat von flopi3
Sorry Herr Augstein, aber Sie plädieren für einen reinen Sozialismus, der noch niemals funktioniert hat. Arbeitgeber können nicht die Rolle der Sozialämter übernehmen! Eine gerechte Verteilung halte ich übrigens für völlig richtig. Aber das geht auch mit Augenmaß und etwas nüchternem Nachdenken. Leider haben Sie und Ihre Kollegen das wohl verlernt. Sonst würden Sie (die Medien) einmal vernünftige Vorschläge machen, über die es sich lohnt nachzudenken. z.B. eine maßvolle Lohnerhöhung i.H.v. 2,5-3% und dazu eine Erfolgsbeteiligung. Damit kann es dann - je nach Lage der einzelnen Firma - auch mal eine Lohnerhöhung von bis zu 10% im Jahr geben, wenn es richtig gut läuft. In einer Krise wird dann eben wieder weniger verteilt. Und zum Thema Arbeitszeit: eine Flexiblisierung finde ich prima, gerade wenn es um kleine Kinder geht oder die Pflege von Angehörigen. Für 2 Jahre dann mal in eine 25 Stunden-Woche zu wechseln, ist das richtige Konzept. Und danach geht es dann für 2 Jahre in die 45-Stunden-Woche, um die Minderstunden (zur 35-Std. Woche) wieder auszugleichen. Damit haben die Arbeitnehmer während den ersten 2 Jahren keine Gehaltseinbussen und arbeiten im Anschluss nach. Also: gegen eine faire Verteilung spricht nichts, aber diese pauschale Neiddebatte ist völlig fehl am Platze - ganz besonders im Rahmen der Metallindustrie, in der eh vernünftige Löhne gezahlt werden!
wie nachhaltig die vom faktischen losgelösten Argumente neoliberaler Politik in den Köpfen der Menschen verankert sind.

Seit dem Jahr 2000 sind die Reallöhne in D um rund 0,9 % gestiegen. Unternehmensgewinne aber um rund 30 % und die Produktivität um ca. 16 %.

Die Forderung der IG Metal ist eher eine Korrektur der Vergangenheit als eine „masslose“ Erhöhung.

Wenn schon (richtigerweise) Unternehmen keine Sozialbehörden sind, können die Sozialbehörden im Umkehrschluss die „Aufstocker“ wohl auch nicht zugunsten der Industrie subventionieren.

Den unmittelbar von Altersarmut, Pflegenotstand und prekärer Bezahlung Betroffenen führen auch keine „Neiddebatten“. Das ist immer das letzte verzweifelte Notargument hier in D. Es geht um Würde des Einzelnen und sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Schauen Sie mal nach USA. Da können Sie sehen wozu unkontrollierter Neoliberalismus führt. Auch Trump ist nur einen Konsequenz der wirtschaftlichen Entwicklung dort.

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luny 29.01.2018, 21:26
155. Soziale Schieflage

Zitat von Heiner Hannappel
Deutschland ist Lohndumpingland NR.:1 In Europa. Die Löhne sind nicht entsprechend seiner Wirtschaftskraft seit 1996 gestiegen. Lohnerhöhungen waren immer Forderungen zur Unzeit. Für die Arbeitgeber kommen diese immer zur Unzeit! Schaut man aber auf die Nullzinsen, auf die Inflation der Preise und Mieten. wundert es keinen mehr, warum heute zwei Menschen arbeiten müssen um Mieten und Lebensunterhalt bezahlen zu können. Natürlich sind unsere Ansprüche gestiegen, mehr aber noch die der Arbeitgeber, was ihre Gewinnspanne betrifft.Also ihr Gewerkschaften, werdet endlich wieder eurer Bestimmung gerecht und wehrt euch gegen eine Wirtschaftskonforme Demokratie a la Merkel!
Hallo Heiner Hannappel,

Ihrem Beitrag stimme ich zu.

Ausgerechnet die SPD hat zur sozialen Schieflage beigetragen.

Die IG-Metall schwieg und stimmte somit zu.

Ja, der Lebensstandard ist gestiegen, aber um den Preis, daß
es ohne Doppelverdiener überhaupt nicht mehr geht.

Gleichezeitig sinkt die Lebensqualität. Wer nur noch von einem
Job zum anderen hetzen muß, verliert an Lebensqualität.

Und das soll nun erstrebenswert sein?

LUNY

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fat_bob_ger 29.01.2018, 21:29
156. Ok,

Zitat von feldstudien
Danke Herr Augstein, dass wenigstens ein Journalist das unsägliche Verhalten des Siemens-Chefs in Davos thematisiert. Die "Feinfühligkeit" dieses Managers, der kurz vorher die Einstellung der Werke in Deutschland verkündet und jetzt vor Medien mit dem kessen Spruch auftritt, die gleichen Gasturbinen werden künftig in den USA gebaut, das gehört einfach deutlich angeprangert. Ich konnte jedoch nirgends einen Aufschrei in den Medien hören. Auch nicht in der Politik, obwohl Werke wie in Görlitz garantiert mit vielen Fördermitteln errichtet wurden. Offenbar braucht es wirklich sehr viel mehr Gegenwind von Seiten der Arbeitnehmer. Ich finde es bis heute schrecklich, dass kleinere tatkräftige Gewerkschaften wie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer von Gesetzen, die vor allem die SPD verantwortet worden sind (Andrea Nahles), quasi wirkungslos gemacht wurden: Begründung, dass wollten die großen Gewerkschaften so.
der Siemensschef wollte es halt nicht so hart sagen: Wenn die sog. Energiewende Kraftwerke überflüssig macht, dann müssen die Turbinen halt dort hergestellt werden, wo sie auch gekauft werden. Ich hätte das glasklar so der Bundeskanzlerin unter die Nase gerieben. Angeblich schafft die Energiewende so viele Arbeitsplätze, dann darf es auch kein Problem sein, wenn durch die Energiewende mal 30.000 bis 50.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die kleinen tatkräftigen Gewerkschaften arbeiten mit Erpressung, denn sie planen unzulässige Schwerpunktstreiks auf Kosten der großen Gewerkschaften. Das Mittel der Aussperrung ist durchaus legitim, wenn der Materialfluss durch den Streik von 10 Personen so gestört ist, dass 10000 nicht mehr arbeiten können. Die großen Gewerkschaften sollen also ihren Mitgliedern Streikgelder zahlen, obwohl sie den Streik gar nicht beschlossen haben. Die Minigewerkschaften verursachen durch ihre verantwortungslose Streiks Milliardenkosten auf Kosten aller Arbeitnehmer und der Industrie. Die Englische Krankheit massenhaften Streiks hat Frau Thatcher mit eisernen Mitteln kuriert. Wollen wir das in Deutschland auch? Wer in Rostok zu wenig verdient, soll einfach nach Bayern umziehen. Hier verdient ein ausglernter Trockenbauer locker 15,00 Euro die Stunde. PS: Die tolle Lokführergesellschaft wird bald obsolet sein, wenn die Züge autonom fahren. Häufige Streiks werden die Autonomisierung der Züge tatkräftig beschleunigen.

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fat_bob_ger 29.01.2018, 21:39
157. Selten so unrichtige, pauschalisierende

Zitat von Sibylle1969
Sie können das Bruttogehalt eines Beamten nicht mit dem Bruttogehalt eines sozialversicherungspflichtigen Angestellten vergleichen. Dieser Fehler wird oft gemacht. Beamte zahlen keine Sozialversicherung und haben zusätzlich eine deutlich bessere soziale Absicherung bei Krankheit und Berufsunfähigkeit sowie im Alter. Ganz grob gesagt, muss ein Angestellter bei gleichem Netto brutto ungefähr doppelt so viel verdienen wie ein Beamter, wenn er das gleiche Versorgungsniveau des Beamten der durch private Zusatzvorsorge erreichen will.
falsche Aussagen gelesen. 1. Wenn überhaupt, "spart" sich der Beamte etwa 15% Sozialabgaben. 2. Die bessere Absicherung wird dadurch erkauft, dass jedes einzelne Familienmitglied zu versichern ist. Und nicht jeder Beamte ist dauernd krank oder berufsunfähig. Vielmehr ist die Krankheitsquote unter den Beamten weit unterdurchschnittlich. Für 70 Euro im Monat gibt es bereits private Zusatzversicherungen, die genau soviel leisten, wie die Privatversicherung eines Beamten. Sie hätten ja auch in die Beamtenlaufbahn einsteigen können, da diese allen Bürgern offen steht, soweit sie die persönlichen und fachlichen Voraussetzungen erfüllen. PS: Bei den Angestellten kennt man keine Beförderungswartezeit, wenn ein höher entlohnte Aufgabe wahrgenommen wird.

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fillthegap 29.01.2018, 21:45
158.

bei jeder runde treten mehr unternehmen aus dem arbeitgeberverband aus. toller erfolg der igm. wie blöd ist es denn wenn jemand mit 20k und jemand mit 70k die gleichen prozente bekommt. hmmm, aber immer über die schere plappern. nach dem diesel ist mit der igm vorbei!

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solex83 29.01.2018, 22:02
159. Neiddebatten

Mich erschrecken viele der Kommentare. Die IG Metall Entgelte sind Schuld an den schlechten Pflegelöhnen, die bösen Gewerkschaften sind Schuld an der Agenda 2010 und überhaupt sollten die Metaller einfach mal aufhören Forderungen zu stellen. Na klar, Gewerkschaften sind der Quell allen Übels in der Bundesrepublik. Wie schön einfach man sich die Welt doch machen kann.
Ja, die Menschen in den Pflegeberufen verdienen viel zu wenig Geld und ja, sie sollten Forderungen stellen, die Ihre Arbeitsbedingungen verbessern. Dafür müssen sie sich organisieren und ebenfalls streiken. Das klingt im ersten Moment sehr platt, aber genauso machen es die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie auch. Es ist eine Farce zu glauben, es ginge anderen besser, wenn die Metaller nichts fordern würden. Denn da wären wir wieder bei der klassischen Neiddebatte zwischen den Arbeitnehmern, während derer die Arbeitgeber freudesprühend in die Hände klatschen und sich die Taschen noch voller stopfen. Leider, und das sage ich aus vollster Überzeugung, leider können in Deutschland Beschäftigte einer Branche nicht für die Belange einer anderen Branche streiken. Aber, wie das Lohnfortzahlungsgesetz zeigt, können Forderungen und erkämpfte Bedingungen einer Gewerkschaft in Gesetze münden.
Also, anstatt gegen die IG Metall zu hetzen und die Vergangenheit immer wieder vorzukauen, sollten die abhängig Beschäftigten unseres Landes einander unterstützen. Ansonsten haben die Arbeitgeber mit ihrer Strategie gewonnen: Spalte und Herrsche!

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