Forum: Politik
Infusionsskandal: Koalition prüft schärfere Infektionsschutzregeln

Der Tod von Babys nach dem Hygieneskandal schockiert auch die Politik. Gesundheitsminister Philipp Rösler will mit Länderkollegen über bessere gesetzliche Möglichkeiten sprechen. Auch die Isolierung angesteckter Patienten ist in der Debatte.

janne2109 24.08.2010, 20:33
1. Infusionsskandal: Koalition prüft schärfere Infektionsschutzregeln

Mehr Geld für Krankenhäuser und damit mehr Geld für Personal würde schon reichen. Unsere Infektionsregeln sind sehr gut.Es dauert nicht mehr lange und auch bei uns müssen Angehörige helfen ihre Kranken zu hegen und pflegen.

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Emil Peisker 24.08.2010, 20:41
2. Hygienemängel - klassischer Kunstfehler

Zitat von sysop
Der Tod von Babys nach dem Hygieneskandal schockiert auch die Politik. Gesundheitsminister Philipp Rösler will mit Länderkollegen über bessere gesetzliche Möglichkeiten sprechen. Auch die Isolierung angesteckter Patienten ist in der Debatte.
Wer lernen will, schaut über den Zaun nach Holland. Unsere Nachbarn haben keine so horrenden Opfer-Zahlen (D=40.000/Jahr)
in ihrem Land. Dort wird Hygiene im Gesundheitsbereich so groß geschrieben, dass Patienten aus Deutschland grundsätzlich prophylaktisch bei einer Einlieferung quarantänisiert und auf solche keime untersucht und behandelt werden.

Die Holländer haben nicht das geringste Verständnis dafür, dass hier in Deutschland das Thema Hygiene und Bekämpfung der laxen Haltung dazu so nebensächlich behandelt wird.

Ich hatte in den letzten 5 Jahren 2 Fälle in der Familie, 65 und 43 Jahre alt, die an solchen Infektionen, nach Standardoperationen starben.

Die Hygienemängel müssen als klassischer Kunstfehler gelten, denn sie sind bei einer konsequenten Haltung und Beachtung der Krankenhauseinrichtungen vermeidbar. Siehe Holland.

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money_spy 25.08.2010, 10:00
3. Infektionsschutzregeln

Meine Frau wurde vor einigen Jahren engagiert, um in Krankenhäuser und Tageskliniken anerkannte internationale Hygienestandards einzuführen. Das Projekt scheiterte kläglich am Widerstand der Ärzte und Eigentümer der Kliniken.
Statt Standards wollten die Herrschaften die Belassung von "Best Practice", also weiterwursteln wie bisher, allerdings mit dem Etikett einer Zertifizierung.
Meine Frau hat den Job hingeschmissen, da sie sich für sowas nicht hergeben wollte.
Sie sagte mir wiederholt, dass Hygiene in D. haarsträubend sei.

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tito 25.08.2010, 10:34
4. Oh, diese Schnellschüsse

vor dem Ergebnis der Analyse.
Es gibt keine ofizielle Meldestele - aber man weiß ganz genau, dass 40.000 ..... Es gibt freiwillige Meldestellen für operative Fächer

"Patienten, die mit Infektionsverdacht ins Krankenhaus kommen, zu isolieren". Das war bei den Babys sicher nicht der Fall. Außerdem war es ein wahrscheinlich multiresistenter Hospitalkeim, der nicht von Patienten mitgebracht wurde, sich aber in einer weitgehend sterilen Umgebung ohne jede Konkurrenz wunderbar vermehren kann.
Die Verunreinigung fand im Reinraum der Apotheke und nicht in der Kinderklinik statt. Was hilft da die Patientenisolation?

Es bedarf nicht einer massiven Verkeimung, sondern nur einiger weniger Keime, die genügen Zeit haben, sich zu vermehren ohne dass sie von konkurrierenden Keimen gestört werden.

Isolationsstationen werden ein zu einem riesigen Reservoir verschiedenster Keime, die, wenn eingeschleppt sich wunderbar ausbreiten können. Isolationsstationen haben ihre eigenen Risiken. Als Patient würde ich Himmel und Hölle in bewegung setzen, um nicht dort zu landen.

Darmchrurgie ist immer keimnah? Was tun? - Wird schon getan! Aber nun auf die Isolierstation?

Wer das Buch "Der schwarze Schwan" gelesen hat, wird verstehen, dass dies kein Einzelfal bleiben wird.

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money_spy 25.08.2010, 13:23
5. nix mit Schnellschuss, alles noch viel schlimmer wegen der Arroganz der Weißkittel

Die Verunreinigung fand im Reinraum der Apotheke und nicht in der Kinderklinik statt. Was hilft da die Patientenisolation?
1. Gehört dieser nicht zum Krankenhaus?
2. Wer spricht gleich von Patientenisolation? Einfachste Maßnahmen, wie Händewaschen oder täglicher Kleidungswechsel wären schon hilfreich.
Kleines Beispiel: Internationale Standards verlangen einheitliche Farbe der Arbeitskleidung. Warum wohl?
Noch eins:
Die Bestecke werden vor und nach der OP doppelgecheckt. Warum wohl?
Nebenbei, zu Hygienestandards (oder besser fehlende Hygienestandards) könnte ich noch zig-Beispiele anführen.

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DrNo 25.08.2010, 19:02
6. Contra schärfere Regeln ohne begeleitende Verbesserung der Krankenhausfinanzierung

Dem Gesundheitssystem fehlen nicht noch schärfere Infektionsschutzregeln sondern mehr Geld:

Ich bin Arzt und erlebe Kollegen und andere im Krankenhaus Beschäftigte als stets den vollen Einsatz zeigend. Jemand, der sich einen sozialen Beruf aussucht, will an erster Stelle Menschen helfen und nicht ihnen schaden. Wenn also etwas im Krankenhaus schief läuft, dann allerseltenst aus Schlamperei oder Unvermögen.
Gründe sind viel mehr in der Überlastung des Personals z.B. aufgrund stetig steigender Patientenzahlen, kürzerer Verweildauer der Pat., abgebauter Krankenhausbetten, unbesetzter (Arzt-) Stellen, überbordender Bürokratie und ausufernder Kontrollitis usw. zu suchen.
Die Arbeitsbelastung steigt von Jahr zu Jahr ins Unermessliche. - Ich frage mich, was die Kollegen vor 30-40 Jahren gearbeitet haben. Nichts? Wenn diese aber schon damals, ohne die oben genannten Probleme durch ihre Arbeit ausgelastet waren, woher sollen die heute Beschäftigten ihre zusätzlichen Leistung herzaubern?
Die zusätzliche Leistung ist nur durch mehr Manpower sprich mehr Geld im Gesundheitssystem zu schaffen. Noch schärfere Vorschriften bringen keine Verbesserung, wenn nicht die Bedingungen geschaffen werden - also mehr Geld/mehr Personal im Krankenhaus - um diese umzusetzen.

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Hartmut Dresia 25.08.2010, 19:32
7. 50 Milliarden Euro

Zitat von DrNo
Dem Gesundheitssystem fehlen nicht noch schärfere Infektionsschutzregeln sondern mehr Geld: ...
Angesichts der mehr als 50 Milliarden Euro, die jährlich für die Krankenhäuser ausgegeben werden, müsse das Einhalten von Hygienestandards selbstverständlich sein, meint SPD-Sprecher Lauterbach: “Wenn VW ein neues Auto verkauft, ist der Sicherheitsgurt auch inklusive.”

Bei den vielen Toten, die durch Schlamperei verursacht werden, ist der Ruf nach mehr Geld wirklich sehr sonderbar: 40.000 Menschen sterben jährlich in Folge von Krankenhausinfektionen.

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DrNo 25.08.2010, 20:25
8. Contra schärfere Regeln im Allgemeinen

Mir tut es für die Eltern dieser Kinder zwar leid. Trotzdem halte ich die aktuelle Hygiene-Diskussion für eine Überreaktion, die dem heutigen (dem Sicherheitswahn verhafteten) Zeitgeist geschuldet ist.

Ich empfinde die Erwartungen der Allgemeinheit an die Medizin sind viel zu hoch angesetzt. Alles ist möglich - vielleicht gleich noch das ewige Leben ohne jegliche Krankheit?
Was ist mit einem schicksalhaften Verlauf, unglücklichen Umständen usw.?
"So etwas darf doch nicht passieren!" -
Ich dagegen finde: Das heutige, extreme Anspruchsdenken Vieler ist Wunschdenken an der Realität vorbei.
Durch klug daherredende und hinterher alles besserwissende sogenannte Berater wird vorgegaukelt, alle Fehler seien vermeidbar und alles könne immer perfekt laufen.
Dem ist aber nicht so. Daran kann auch kein so pedantisches Qualitätsmanagement etwas ändern. Es kann nicht alles besser gemacht werden, als es bisher lief - vor allem nicht auf ganzer Linie. Es gibt Grenzen! Die Leistungsfähigkeit eines Menschen ist nicht unendlich. Irren ist menschlich. Wir alle machen Fehler. Die Verfasser der Bibel gehen davon aus, wir alle sind Sünder. Wer ohne Schuld sei, werfe den ersten Stein usw..
Diese über Jahrtausende gemachten Menschheitserfahrungen sind anscheinend völlig verloren gegangen und es regieren wieder größenwahnsinnige Allmachtsphantasien (Anything goes).
Viele fänden es schön, wenn die Leute mit solchen Vorstellungen der perfekten Welt durch immer noch mehr Kontrolle recht behielten, aber ich glaube nicht daran.

Ich denke eher, dass ab einem bestimmten Ausmaß diese unbarmherzige Einstellung, dass Fehler nicht passieren dürfen und immer noch mehr Kontrollen, immer mehr Absicherungdenken nötig sei, die Menschen krank macht, ihnen immer mehr Versagensängste einjagen wird.
Keiner wird mehr etwas wagen, weil man nur Fehler machen kann und dann hinterher von den anderen in der Luft zerrissen werden wird. Keiner wird es sich noch leisten können, ehrlich zu sein und Fehler zugeben zu können. Es werden immer öfter potemkische Dörfer aufgebaut werden, um sich vor Kontrolleuren keine Blöße zu geben.
Die Kosten, um sich gegen jedewede Eventualität abzusichern, wird ins Unermeßliche steigen und das Gesundheitssystem und die Gesellschaft in den Ruin treiben. Letztendlich werden sich immer weniger an die Regeln halten, weil man sie sowieso nicht umsetzen bzw. sich nicht leisten kann.
Ich gehe davon aus, dass der überbordende Kontrollwahn uns mittlerweile das Leben schwerer macht bzw. mehr Schaden anrichtet, mehr Menschen krank macht, als er Gutes zu tun in der Lage ist. Nicht umsonst nimmt die Anzahl an Fehltagen von Arbeitnehmern durch psychische Krankheiten wie z.B. Depressionen und Angstkrankheiten immer mehr zu.

Also bitteschön weniger paranoides Mißtrauen und Kontrollwahn im Allgemeinen und dementsprechend auch in diesem speziellen Fall. Die medizinische Versorgung in Deutschland ist nicht perfekt aber gut genug. Den Aufwand für noch mehr Kontrollen und neue, schärfere Gesetze sollten wir uns sparen und die Energie anderswo gewinnbringender einsetzen, wo unser Handeln mehr gebraucht wird.

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