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Inspiration für Hartz-IV-Debatte: George W. Westerwelle

Guido Westerwelle hat seine Hartz-IV-Attacken von den US-Republikanern abgekupfert: Die spalten mit ihren Tiraden gegen angeblichen Sozialismus seit Jahren die Gesellschaft. Fehlt nur noch ein leuchtendes Gegenbeispiel wie "Joe the Plumber" - wie wär's mit "Claudia, der Kellnerin"?

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ultra-burna 16.02.2010, 11:48
170. @ bfz: Einfach mehr denken!

Zitat von bfz
Da ich unteranderem auch Verwaltungfachangestellter gelernt habe bin ich in der Lage meinen Hartz 4 Satz zu berechen. Und siehe da, meine Arbeit kostet mich 11 Stunden des Tages und bringt mir 200€ mehr wie Hartz 4. Und ich bin so blöd und heize nur bis 22 Grad, höher wäre nicht bezahlbar.
"Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber!"

Sie verstehen den Standpunkt der Marktradikalen vermutlich aus dem Grund so gut, weil Sie einsehen, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen aus Gründen der persönlichen Gewinnmaximierung keinen höheren Lohn bezahlen kann.
Herzlichen Glückwunsch!

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Brand-Redner 16.02.2010, 11:48
171. Nazikeule = Keule der Nazis

Zitat von ernstf
ja, ist klar! wenn nichts mehr hilft im Kampf gegen die Realität, dann holt man die Adolf-Keule raus... wird aber auch nichts helfen, da uns die Realität einholen wird...
Worüber erregen Sie sich? Der Vergleich ist absolut zutreffend, wie folgende Stilblüte aus Beitrag # 166 beweist:
Zitat von
Na also! Dieser Logik folgend, hatten damals (1933-1945)sogar die Insassen von Buchenwald oder Sachsenhausen die Chance, ihr Leben bestreiten zu können, ja?
Gut, dass endlich mal einer offen ausgesprochen hat, wohin die Reise der deutschen Haider-Partei mit den sozial Schwachen gehen soll!

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#mhb# 16.02.2010, 11:49
172. Unverständlich...

Die These, dass ein arbeitender Mensch unter dem Strich mehr Einkommen haben sollte als ein nicht arbeitender ist trivial und wird es wird schwerlich jemand zu finden sein, der dem widersprechen wollte, nicht mal bei der Linkspartei. Die schrillen und unsachlichen Worte, mit denen diese simple Botschaft vom Parteivorsitzenden der FDP in die Öffentlichkeit posaunt wird, sind in hohem Maße kontraproduktiv - für die FDP und das Ansehen seiner Person als seriösen Politiker.

Seinem Amtsverständnis als Außenminister und damit Vertreter aller Deutschen stellt er mit diesen einseitigen und kravallhaften Diskussionsbeiträgen kein gutes Zeugnis aus. Gleich in mehrerlei Hinsicht macht er sich durch die Formulierung seiner Thesen angreifbar:

1. der Vergleich mit der römischen Dekadenz geht insofern voll nach hinten los, als in Rom nicht bei der Unterschicht Dekadenz festzustellen war, sondern bei der herrschenden Klasse, zu der der Autor dieses kruden Vergleichs in heutiger Zeit gehört

2. der Rückgriff auf das Schlagwort 'Sozialismus' als Kennzeichnung der Quelle alles Bösen in dieser Welt ist nach Ende des Kalten Krieges nur noch bei besonders hartleibigen Republikanern in USA zu vernehmen gewesen. Warum Hr. W. glaubt, mit dieser uralten Kamelle, die die Diskussion nicht einen Millimeter voranbringt sondern nur verhärtet, jetzt intellektuelle Brillianzpunkte gewinnen zu können wird sein geheimnis bleiben.

3. es wirkt wenig glaubwürdig, wenn Herr W. einerseits der Gegenseite aufgrund der Tatsache, dass diese seinen Thesen widerspricht sozialistische Denkverbote vorwirft, andererseits für sich reklamiert, die einzig mögliche Wahrheit gepachtet zu haben.

Diese Debatte ist eine Scheindebatte: es geht nicht um Freiheit oder Sozialismus (das hatten wir vor 30 Jahren und es war damals schon falsch) sondern um die richtige Austarierung des Sozialstaates zwischen Solidarität mit den Schwachen der Gesellschaft und zumutbarer Eigenverantwortung. Zu dieser diffizilen Frage leisten die undifferenzierten und polarisierenden Einlassungen des Hr. W leider keinen adäquaten Beitrag - im Gegenteil.

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ernstf 16.02.2010, 11:50
173. Differenzierung

Zitat von Pandero G. Klinge
Hm, verstehe ich Sie richtig, dass Sie mit Herrn Westerwelle und der Partei, die er derzeit anführt, also der Meinung sind, dass die Einkommensschere sich noch weiter öffnen sollte als in den letzten Jahren? Dass ....
das ist differenziert zu betrachten:
Selbstverständlich müssen Tüchtige mehr haben als die Untüchtigen, die aus eigenem Antrieb untüchtig sind. Die Untüchtigen, die nicht tüchtig sein können, müssen jedoch vor der Ausbeutung durch diejenigen beschützt werden, die nicht tüchtig sein wollen! Wenn diejenigen, die momentan noch tüchtog sein wollen, die Lust verlieren, tüchtig zu sein, haben vor allem diejenigen ein Problem, die nicht tüchtig sein können, da sich niemand bereit finden wird, sich um sie zu kümmern - erst recht nicht die, die schon jetzt nicht tüchtig sein wollen!
Was die Schuldenfreiheit der Haushalte angeht - dazu ist noch mehr an wahrem solidarischen Sparen nötig, das niemanden auslassen darf - auch nicht Hoteliers! Wir weden uns noch umgucken... Aber Wachstum generieren zu wollen, in dem Geld per Gießkanne verteilt wird, heißt verkennen, dass dies die wahren Leistungsträger dieser Gesellschaft ins Gesicht schlägt. Ich meine damit die kleinen und mittleren Verdiener, die in der Nähe des Hartz IV-Satzes leben und dennoch Leistung für uns alle bringen. Hier sind die Leistungsträger zu suchen! Und diese Leistung muss sich lohnen - das kann nicht in Frage gestellt werden! Das hat auch nichts mit liberal oder nicht liberal zu tun - das ist zutiefst sozial ohne sozialistisch zu sein! So schmerzhaft es sein mag: Westerwelle legt den Finger in die richtige Wunde - er rührt allerdings so intensiv drin herum, dass viele reflexhaft reagieren - ohne freilich jenseits von oft gehörten Textbausteinen zu sagen, wie sie`s denn gern besser machen würden. Die Mehrheit der von mir gerade definierten Leistungsträger wird Westerwelles Meinung sein. Akademische Schreibtisch-Sozialisten oder Herz-Jesu-Pseudo-Wohltäter wie Heiner Geißler werden in der breiten Bevölkerung kaum Unterstützung finden.
Diejenigen, die Leistung für unser Gemeinwesen bringen, verdienen unser aller Solidarität, diejenigen, die dies nicht können, unsere tätige Hilfe, diejenigen, die dies nicht wollen, unseren Widerspruch und unsere Empörung!

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Pandero G. Klinge 16.02.2010, 11:53
174. HIV - ein Leben in Luxus, eine Idylle für Kinder und Eltern?

Zitat von bfz
Auch auf die Gehfahr hin als FDP "Mitglied" beleidigt zu werde ich mal etwas schreiben. Ich bin Verheiratet und wir haben zwei Kinder. Natürlich ernähre ich meine Familie .....
Nein, dass Sie FDP-Mitglied sind, macht Ihnen keiner, der halbwegs bei Verstand ist, zum Vorwurf, ganz im Gegenteil, vermutlich sind Sie "soziologisch" in Ihrer Partei sogar eine löbliche Ausnahme... Dass Sie sich als "natürlich" alleinverdienend bezeichnen, ließe allerdings eher eine Mitgliedschaft in der CSU vermuten... :-)

Dass Sie schließlich aber Ihre Lebensverhältnisse anscheinend ausschließlich in Relation zu denen von nichtarbeitenden Mitmenschen sehen, lässt mich, ganz offen und deutlich gesagt, an Ihrer Befähigung zweifeln, Ihren Kindern ein guter Vater zu sein. Sie verdienen mehr als 95% aller arbeitenden Menschen weltweit, Sie leben in einem Land, das - zugegeben: schlechter als noch vor 20, 30 Jahren - für Ihre Kinder und für Ihre Familie sorgt --- und Ihnen fällt wirklich nichts anderes ein, als sich mit Leuten zu vergleichen und diese gar irgendwo zu beneiden, die kein geregeltes Einkommen haben, die sich in Ämtern erniedrigen müssen, die nur zu oft das gerne hätten und ihren Kindern gern vorleben würden, was Sie haben - ein Leben in Würde MIT Arbeit. Seien Sie doch bitte - zu Recht - etwas stolz auf das, was Sie machen, statt anderen das, was sie nicht haben, auch noch vorzuwerfen oder als Luxusalternative einer bequemen Lebensführung zu unterstellen.

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AKI CHIBA 16.02.2010, 11:53
175. Gaussverteilung - Pythagoras

Zitat von pythagoras
Je nachdem, wen man vor Augen hat, ist Westerwelles Aktion unerträglich oder dringend nötig! Überall im Leben gibt es Verteilungen. Als Naturwissenschaftler habe ich stets .....
Der alte Pythagoras hats formuliert - darum gehts! Da er weiß, dass man nur den Statistiken glauben darf, die man selber zurechtgeschneidert hat, wird "man" ihm nicht das erforderliche Material in die Hände geben. Aber Annäherungsrechnungen hat er bestimmt schon geleistet. Keine guten Ergebnisse für einen gestandenen Hedonisten. Das immergleiche Geplappere des Sozialistenfressers Dabblyuu W.W. weckt den alten Marx aus dem wohlverdienten Schlaf. W.W. hat, falls er tatsächlich gelesen hat, nichts verstanden. Es hat noch nie einen realen Sozialismus gegeben. Das hat Genosse Lenin vermasselt. Russland war ja noch gar kein spätkapitalistischer Staat. Die von Marx beschriebenen Mechanismen konnten also gar nicht eintreten.
Falls W.W. das doch verstanden haben sollte, muss man ihn als bösen Rabulisten bezeichnen, der seine Zeitgenossen mit seiner Jurisprudentelei zumüllt.

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ernstf 16.02.2010, 11:57
176. Belehrungen, Belehrungen

Zitat von ultra-burna
"Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber!" Sie verstehen den Standpunkt der Marktradikalen vermutlich aus dem Grund so gut, weil Sie einsehen, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen aus Gründen der persönlichen Gewinnmaximierung keinen höheren Lohn bezahlen kann. Herzlichen Glückwunsch!
ja klar! da haben wir`s doch wieder: die guten alten Reflexe und Parolen...
Die schlauen Theoretiker sagen der tumben arbeitenden Masse, wie die Welt sich dreht...
Ich glaube, btz weiss sehr wohl einzuschätzen, wieso sein "Ausbeuter" keinen höheren Lohn bezahlt und benötigt von Leuten Ihres Schlages keine Belehrungen.

...Oder, btz?

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aubrac 16.02.2010, 11:57
177. Langweiliges Klagelied

Zitat von sysop
Guido Westerwelle hat seine Hartz-IV-Attacken von den US-Republikanern abgekupfert: Die spalten mit ihren Tiraden gegen angeblichen Sozialismus seit Jahren die Gesellschaft. Fehlt nur noch ein leuchtendes Gegenbeispiel wie "Joe the Plumber" - wie wär's mit "Claudia, der Kellnerin"?
Die Situation in Deutschland platt auf die USA zu übertragen ist schon forsch vom Artikelschreiber.
Hier ein kleiner Unterschied, der wohl untergegangen ist:
In den USA vor einem drohenden Sozialismus zu warnen, ist Unfug. Hier leben Menschen in Zeltstädten und laufen ohne Zähne rum. Und wer kein Geld hat, kann auch nicht studieren. Auch lebensrettende Operationen sind ohne Geld nicht möglich.

In Deutschland sieht die Sache schon anders aus: Hier wird der Sozialismus bereits praktiziert. Kostspielige und teilweise unnötige Therapien für Langzeitarbeitslose belasten die Krankenkassen. Bildung ist weitgehend umsonst. Das reicht noch nicht. Jetzt muss im Sinne sozialistischer Gleichmacherei auch der Schlaue als elitärer Neoliberaler verunglimpft werden. leistung ist auch hier ein schlimmes Schimpfwort.

Es ist nämlich 'sozial ungerecht', wenn einer klüger ist. Also wird die Qualität der Bildung runtergefahren und die Einheits-Hauptschule für alle eingeführt.
Der Langzeitarbeitslose ist besser gestellt als der arbeitende Familienvater.
Das ist kein heraufschwadroniertes Spukgespenst wie in den USA, sondern Fakt.
Was ist los in Deutschland? Politiker, die Sachfragen erörtern wollen, die nicht in die deutsche sozialistische Meinungs-Einheitssuppe passen, werden von vorne herein mundtot gemacht und verteufelt.

Die empörte Meinungspolizei schwärmt aus und stimmt das Volk in das altbekannte Klagelied von sozialer Kälte ein. Derjenige der arbeitet, ist der böse Raffzahn, auch wenn er finanziell weniger hat als derjenige, der nicht arbeitet. Der ist immer zu bedauern, darf nicht kritisiert oder beansprucht werden und benötigt mehr und mehr Geld. Wir sollen gerne geben, auch wenn wir selber dabei verarmen. Aus. Punkt.

Hitler, Nazi oder in milderer Form George Bush (praktisch, den verabscheut der Deutsche per se unreflektiert und undifferenziert) wird da unisono lamentiert, wagt es einer, verbal von der fortschreitenden sozialistischen Praxis mal Abstand zu nehmen.. Unerhöhrt! Ein individueller Gedanke, das darf nicht sein!

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medienquadrat 16.02.2010, 12:04
178. ...

Zitat von heinz.mann
Herr Westerwelle hat richtig erkannt, dass sich Arbeit lohnen muß und der Abstand zu jemandem der nicht arbeitet erkennbar sein muß, da ja sonst keiner motiviert ist, arbeiten zu gehen.
Selbst, wenn Sie dieses Mantra in etwas anderen Worten wiederholen, als sie Westerwelle gebraucht, ergibt es null Sinn.
Wenn Arbeitende, wie auch Erwerbslose sich auf Armutslevel befinden, dann ist es nicht logisch, die Erwerbslosen noch mehr unter das Armutslevel zu drücken.

Es macht vielmehr Sinn, denen mehr zu geben, die Arbeit haben.
Und da befindet sich Herr Westerwelle auch auf dem Holzweg, vorausgesetzt, er macht es nicht vorsätzlich, wenn er verlangt, insgesamt die Steuern zu senken, denn zwangsläufig wäre dann im Staat weniger Geld verfügbar, um die Transferleistungen in der jetzigen Höhe auf dem Armutsniveau zu halten.

Es macht auch keinen Sinn, wenn Herr Westerwelle sich gegen Lohnerhöhungen stemmt, einen Mindestlohn rigoros ablehnt, etc.

Allerdings macht es aus seiner Sichtweise her Sinn, gesellschaftliche Unruhe zu schüren. Seine Versuche, zu polarisieren und eine Stimmung des Hasses unter den Deustchen zu erzeugen, die nutzt seiner Partei, die sich dann im Windschatten der Extreme zum liberalen Heilsbringer hochstilisieren darf.

Macht ist ein Motor im Menschen, der jegliche Skrupel hintanstellt. Macht darf um Gottes Willen nicht jemandem verliehen werden, der moralisch eh schon wackelig erscheint.

Wer derartig polarisiert, wie Westerwelle, wer Menschen, die schuldlos in Not geraten sind, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ohne Aussicht auf einen weiteren Arbeitsplatz, deren Zukunft, deren lebensperspektive also völlig ungewiss ist, deren Würde eh schon angeknackst ist deswegen, wer also diese Menschen unserer Gemeinschaft so beschimpft und beleidigt, der hat ein riesiges moralisches Defizit. Solchen Menschen darf man niemals auch nur die geringste Macht verleihen, sie sind dieser Versuchung nicht gewachsen, sie werden immer diese Macht skrupellos versuchen, ausschließlich für sich zu nutzen.

Ich halte Westerwelle für äußerst Gefährlich!

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Frank Werner 16.02.2010, 12:51
179. Der Blinde und die Farbe

Um die Mentalität von Leuten zu (ver)urteilen, muss man sie erstmal kennen lernen. Anstatt die Karnevalstage im Elfenbeinturm zu verbringen, hätte sich Herr W. aus B. mal besser unters Volk gemischt und zugehört, was die Leute so für Sorgen haben.

H4ler kritisieren, dass ihnen nach Jahren der Arbeit unverschuldet nicht mehr zusteht und die Besserverdienenden, dass "zuviel für den Staat" (Wieviel ist "zuviel" und wer ist denn dieser Staat genau?) abgezogen wird. Beide halten die jeweils anderen für die Ursache ihrer Probleme und äußern das auch mit gewaltbereiten Worten im Scharmützel. Mir scheint, da braut sich was zusammen, an das der Herr Bundes*AUSSEN*minister soeben Lunte angelegt hat.

Jeder sollte sich eines vor Augen halten: "Hartz-IV"-Empfänger können die meisten von uns in weniger als einem Jahr sein. JEDER! Das hilft vielleicht, die Contenance zu bewahren und die Äußerungen des Mehrfach-Vorstandes Westerwelle zu beurteilen.

Frank Werner

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