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Interaktive Karte: Fünf Wahrheiten über die Briten-Wahl
AFP

Was für ein Wahltag in Großbritannien: Die Tories triumphieren, dabei war es in vielen Kreisen sehr eng. Wo nur 41 Stimmen den Sieg brachten, warum die Meinungsforscher an den Briten verzweifeln - und fast ganz England blau ist.

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angelobonn 08.05.2015, 22:40
20. Bitte Mehrheitswahlrecht einführen

Wie schön wäre es, wenn wir in Deutschland auch das Mehrheitswahlrecht einführen würden! Dann wäre nicht nur die Anbindung der Abgeordneten an ihre Wahlkreise deutlich stärker, die Politik müsste auch deutlich weniger auf kleine, aber erpresserische Minderheiten Rücksicht nehmen. Herr Ströbele wäre z.B. der einzige Grüne MdB.

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Stäffelesrutscher 08.05.2015, 22:46
21.

Zitat von Pandora0611
Und sie hat die Tories mit absoluter Mehrheit gewählt. Das ist ein guter Tag für England. Jetzt gibt es 2017 ein Referendum über den Verbleib in der EU. Das ist gelebte Demokratie. In Deutschland ist so etwas nicht möglich, hier sind Volksabstimmungen gesetzlich verboten. Uns wurde auch der Euro aufoktroyiert. Die EU in seiner heutigen Form ist ein Monster. Zu Zeiten der EWG was sie noch überschaubar.
Nein, Großbritannien hat die Tories nicht mit absoluter Mehrheit gewählt. Die Tories haben weit unter 40 % bekommen. Nur das undemokratische Wahlsystem hat sie gerettet.

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juergw. 08.05.2015, 22:55
22. Ich dachte immer..

es gibt nur die eine Wahrheit bei SPON-jetzt bekommen wir gleich fünf davon.Aber in Brüssel schmeckt so manchem diese Wahrheit nicht.Oder wie sagte J.C.Junker:
Am Ende muß man lügen...

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rrblah 08.05.2015, 23:06
23.

Zitat von FalcoMarcus
David Cameron ist nicht Premierminister von Großbritannien, er ist nur noch Premierminister von England. Das war er vorher auch schon. Was hat er also gewonnen? Es wird deshalb auch keinen "Brexit" geben sondern, wenn überhaupt, nur einen "Engxit". Nur 11 Millionen von 47 Millionen wahlberechtigten haben die Konservativen gewählt. In Schottland haben die Konservativen nur 15%, in Wales nur 27%, in Nordirland stehen sie gar nicht zur Wahl. In Wirklichkeit gibt es nur eine britische Partei in Großbritannien und das ist Labour. In Schottland haben sie dafür die Quittung erhalten. Die Schotten hassen London, hassen Westminster, hassen die Konservativen mehr als die Briten die EU nicht mögen. Wie will der wenig durchsetzungsfähige Cameron (der jetzt nicht durchsetzungsfähiger wird) das überwinden? Für die schottischen Nationalisten kann es nichts besseres geben als das Referendum. Sie brauchen dann kein zweites Unabhängigkeitsreferendum mehr. Mehr als 50% in Schottland und ein klares Votum für den Verbleib in der Union mit Europa (bei gleichzeitiger Beendigung der Union mit England) erfüllen den gleichen Zweck. Nicht unterschätzt werden darf auch das wiederaufbrechen der Gewalt in Nordirland. Die Katholiken werden es als Chance sehen sich mit den katholischen Brüdern im Süden endlich zu vereinigen. Was, wenn das Referendum knapp scheitert, weil eine überwältigende Mehrheit in Schottland und Wales dagegen stimmt, während eine kleine Mehrheit in England dafür ist und die im Süden der Insel vielleicht 60% holt. Nicht die EU muß sich vor einem Referendum fürchten. Die Briten müssen sich selbst vor der verbrannten Erde fürchten, die das hinterlassen kann.
Bisher war es in Nordirland so, dass die Konservativen sich ggf. auf die Stimmen der DUP verlassen können, wenn es drauf an kommt und die SDLP sich in der Regel Labour anschliesst und deren Abgeordnete dann auch auf der Regierungsseite sitzen, wenn Labour die Regierung stellt. Unter Berücksichtigung des Mehrheitswahlrechts wäre es für die Tories und Labour unklug, eigene Kandidaten aufzustellen. Der Status Nordirlands darf nur mit Zustimmung beider Gruppen geändert werden, darauf hat man sich nach Jahrzehnten blutiger Konflikte mittlerweile geeinigt. Ich würde davon ausgehen, dass die Überwindung dieses Konfliktes noch Generationen benötigen wird.

Mit den Schotten dürfte es tatsächlich schwierig werden für Cameron. Einerseits hat die SNP nun die Möglichkeit, wesentlich prominenter bei wichtigen Debatten Redebeiträge zu plazieren (gerade dann, wenn sie im Fernsehen übertragen werden) und wird auch Sitzplätze erhalten, wo man die wichtigen SNP-Politiker sieht. Andererseits wird die SNP dann, wenn ihre Vorschläge von der konservativen Mehrheit regelmässig überstimmt werden, zuhause die Verägerung über Westminster schüren können: "Seht her, die nehmen uns nicht ernst."

Ich halte es für gut möglich, dass das ausreicht, um das knappe Nein der Schotten bei der letzten Abstimmung in ein Ja in fünf Jahren umzuwandeln.

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AnnaLena77 08.05.2015, 23:13
24.

Reicht es nicht so langsam mit der Wahl? Es ist nicht unsere Wahl und nicht unsere Entscheidung und sollte uns insoweit auch nichts angehen als das wir darüber informiert werden ein paar Hintergründe. Das wars dann aber auch.

Können wir uns dann vielleicht mal den Niederungen der deutschen Politik widmen?
Es gibt hier zur Zeit einige aktuelle Themen die der Spiegel aber nahezu komplett unter den Tisch fallen lässt.
Sei es die erwarteten 450 000 Albaner als Asylbewerber, die PKW-Maut, der Filz in Regierung und Opposition, Arbeitskämpfe usw.

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dfgtr 08.05.2015, 23:19
25. neueste Independent headlines

Was der Independent schreibt

"Cut welfare, shrink the state, scrap the Human Rights Act: welcome to Cameron's Britain"

und

"Scrap the Human Rights Act and keep TTIP: Here's what you voted for and will get with a Tory government, Britain"

und

"Snoopers' charter set to return to law as Theresa May suggests Conservative majority could lead to huge increase in surveillance powers"

(sorry, alles auf Englisch, weil man das in England eben spricht und schreibt ... SPON hat aber ja auch diese staendigen Englischkolumnen und Sprachtests; sollte dann kein Problem sein)

PS: Wahlmanipulation? Ahhh, bitte ...

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SFHS 08.05.2015, 23:32
26. Halifax

"Das benachbarte "Halifax" konnte Labour wiederum halten: Hier siegten die Tories mit einem Plus an 428 Stimmen."
Labour Tories.
Das bedarf der Korrektur.

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gustavsche 08.05.2015, 23:42
27.

Zitat von tvinnefossen
Die in der gesamten Presse zu lesende Anspielung auf die "nur" 4,7 % läßt unterschellig den Glauben an eine Überlegenheit "unseres" Wahlsystems mitschwingen.
Das geht mir auch gehörig auf den Keks. Die Amerikaner haben genauso das Mehrheitswahlrecht. Wer in einem Bundesstaat die Mehrheit holt, holt damit alle Stimmen. Das ist vorher so festgelegt worden, das ist ein regulärer Modus. Da braucht man keine deutschen Besserwisser, die einem vorrechnen, der Wahlsieg wäre nicht demokratisch zustandegekommen.

So hat man bei Bush ersten Wahlsieg argumentiert. Dass übrigens nicht nachgezählt wurde, war rechtens. Entweder wertet man alles zweimal hintereinander aus oder gar nicht. Die Wahlmaschinen mögen vielleicht ihre Fehler gehabt haben, aber der Fehler war ja zufällig und hat keine Partei bevorzugt.

Und letztendlich war Bushi doch ein guter Präsident.

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Peter Boots 09.05.2015, 00:05
28. Winner takes all

Mal schnell das SPON Englisch verbessern: der Spruch ist 'winner takes all', und das UK Wahlsystem nennen wir 'first past the post', also das Pferd das die Nase als erstes ueber die Ziellinie bringt. Und das sieht nun so aus: die Partei *gegen* die 73% der Bevoelkerung gewaehlt haben hat 52% der Abgeordneten. Die Partei die 5% der Waehler gewann hat 56 Abgeordnete, waehrend die Partei die 13% der Waehler bekam einen Abgeordneten hat. Das ist doch so viel besser als in DE, wie schon hier gesagt wurde, ja?

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briancornway 09.05.2015, 00:24
29. Unabhängigkeit ungleich rechts

Zitat von 93160
Einmal wird SNP als Nationalisten beschrieben, dann als linksliberal im gleichen Artikel. Nur der Autor wird wissen, warum.
Es sind schottische Nationalisten, in dem Sinne, dass sie eine unabhängige Nation sein wollen. Ihre politische Ausrichtung ist linksliberal, insofern wären sie als Koalitionspartner nicht für jeden geeignet.

Daher wäre inhaltlich eine Zusammenarbeit mit Labour denkbar gewesen, mit ein paar föderativen Änderungen für die Unabhängigkeits-Schotten.

Labour hat übrigens ein paar interessante kleine Tupfen gewonnen, neben großen Teilen Londons auch sowas wie Oxford und Cambridge. Kluge Menschen sind zuweilen klug.

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