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Irans Staatsoberhaupt: Khamenei schickt seinen Wunschnachfolger in die Spur
AP

Irans Staatschef Ali Khamenei ist 80 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen. Im Rennen um die Nachfolge liegt der Jurist Ebrahim Raisi vorn. Doch ihm fehlt noch eine Voraussetzung für das höchste Staatsamt.

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mailo 17.03.2019, 22:25
1. Grafik zum politischen System

Wäre interessant zu wissen wie oft das Parlament und der Expertenrat gewählt werden? Werden Mitglieder des Expertenrates auf Lebenszeit gewählt, oder nur für einige Jahre? Für mich sieht das ganze auf den ersten Blick nach einer Islamkompatiblen Version von Demokratie aus, mit dem Wächterrat als eine Art Verfassungsschutzmechanismus.

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rosinenzuechterin 17.03.2019, 22:28
2.

Staatsoberhaupt im Iran ist streng gesehen aber nicht der Religiöse Führer, sondern der im Verborgenen lebende 12. Imam, den er lediglich vertritt. Das ist so, als würde Herr Steinmeier nur Bundespräsident auf Abruf sein, bis Jesus wiederkommt.

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Garak 17.03.2019, 22:39
3. Erstaunlich....

Zitat von mailo
Für mich sieht das ganze auf den ersten Blick nach einer Islamkompatiblen Version von Demokratie aus, mit dem Wächterrat als eine Art Verfassungsschutzmechanismus.
.....wie sich manche selbst Diktaturen schönreden können.

Die Wahlen im Iran sind schon nicht wirklich demokratisch da der Wächterrat Kandidaten fürs Parlament ablehnen kann. Und hinterher kann er selbst das gewählte Parlament und den Präsidenten ignorieren.

Die islamische "Republik" Iran ist nichts anderes als eine theokratische Diktatur.

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hansriedl 17.03.2019, 22:40
4. Wäre doch gut

für den Iran, wenn der Hardliner Khamenei bald mal das zeitliche segnen würde. Raisi könnte, nachdem ihm sein Ziehvater Khamenei nicht mehr im Nacken sitzt den Dialog mit den Westen suchen. Das Land für Investitionen öffnen. Trump würde es dann nicht wagen ans Öl zu kommen.
Was die vielen Toten betrifft, so war der Schah nicht besser. Auch er räumte alles aus den Weg was für ihm
und seinen Arbeitgebern gefährlich sein konnte. Unter Khamenei ist der Iran ein Gefängnislager.
Der reaktionärer Kreise rechter im Iran verhindert, das der Iran jemals in der Moderne ankommen wird.
Zumindest so lange Khamenei das sagen hat.

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neutron76 17.03.2019, 23:34
5. Ich drücke dem Iran die Daumen

Aus dem was ich bisher über das Land gehört und gelesen habe, schließe ich, dass der Iran in dieser Gegend das einzige Land mit einem Bildungsbürgertum und einem echten Hochschulsystem ist. Folglich muss es unter einer brauchbaren Führung als Machtfaktor in der Region eine tragende Rolle spielen.

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botschinski 17.03.2019, 23:37
6. @ mailo und Garak

Man sollte das politische System des Iran nicht mit unseren vergleichen. Ich war schon in vielen Ländern der Region unterwegs und habe mir, ganz allgemein, zur Beurteilung (sofern mir sowas überhaupt zusteht) angewöhnt, die jeweiligen Nachbarländer heranzuziehen. So gesehen schneidet der Iran nicht schlecht ab, wenn es um die Mitbestimmung des Volkes geht (Aserbaidschan, Armenien, Türkei, Irak, Saudi Arabien, Bahrain, Katar, VAE, Oman, Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan).

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Atheist_Crusader 18.03.2019, 01:31
7.

Zitat von hansriedl
Wäre doch gut für den Iran, wenn der Hardliner Khamenei bald mal das zeitliche segnen würde. Raisi könnte, nachdem ihm sein Ziehvater Khamenei nicht mehr im Nacken sitzt den Dialog mit den Westen suchen. Das Land für Investitionen öffnen. Trump würde es dann nicht wagen ans Öl zu kommen.
Könnte er. Aber aus dem Artikel bekomme ich nicht den Eindruck, dass er das auch will. Da klingt das eher danach als fürchte er den westlichen Einfluss. Was nicht überraschend ist. Die iranische Jugend ist westlichen Werten gegenüber aufgeschlossen und hat folglich immer weniger Lust sich von ein paar löschkalkkonservativen Klerikern vorschreiben zu lassen wie sie zu leben haben.

Was allerdings Trump wagt oder nicht, würde ich mich nicht trauen vorauszusagen. Der Mann wollte schon Assad ermorden und nordkoreanische Atomanlagen zerbomben lassen, steht mit der halben Welt im Handelskrieg, gibt absolut nichts auf die berichte seiner Geheimdienste (wie etwa diejenigen die besagen dass sich der Iran immer noch ans Atomabkommen hält) und macht ganz generell was immer ihm in den Kram passt - egal was Andere sagen. Wenn der glaubt dass ein Krieg ihm irgendwie hilft, dann wird er ihn losbrechen, egal was Sie, die politischen Gepflogenheiten, das Völkerrecht oder sonstwer dazu sagen.

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stefan.p1 18.03.2019, 05:58
8. Das lese ich aber ganz anders:

Zitat von Garak
.....wie sich manche selbst Diktaturen schönreden können. Die Wahlen im Iran sind schon nicht wirklich demokratisch da der Wächterrat Kandidaten fürs Parlament ablehnen kann. Und hinterher kann er selbst das gewählte Parlament und den Präsidenten ignorieren. Die islamische "Republik" Iran ist nichts anderes als eine theokratische Diktatur.
Zum einen ist die Wortwahl "islamkompatibel" nicht unbedingt ein Zeichen von Zustimmung für die Regierungsform im Iran und zum zweiten gibt es auch in der Bundesrepublik verfassungsrechtliche Hürden die man einer einer Parteigründung überwinden muß.
Und die Obersten Verfasungsrichter werden bei uns , genau wie in allen anderen Demokratien, in der Regel von der gerade herrschenden Partei / Regierungschef berufen.
Der Beitrag hat also nichts mit "Diktatur schönreden" zu tun.

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Knossos 18.03.2019, 17:08
9. Um der Objektivität und um Himmels Willen

Seit etwa vierzig Jahren hat sich in deutscher journalistischer Schreibart der belletristische Stil etabliert, die subjektive Eigeninterpretation einer Figur zu übernehmen.

Islamische Würdenträger (entsprechend deren selbstverliehenen Standesbezeichnung als "Belesene") ohne erklärendes Adjektiv wie "sogenannte", "vermeintliche" oder wenigstens "muslimische" als "Gelehrte" zu bezeichnen, entspricht unverantwortlich paradoxer Verklärung.

Diese Titelträger sind weltfremd, unbelesen, im Sinne von Gelehrigkeit geradezu analphabetisch, und stoisch bildungsresistent wie kein anderes kulturelles Breitenphänomen.

Sie stellen in der heutigen Zeit die einzige Minderheit dar, die antike Kulturdenkmäler ohne Rücksicht auf geschichtliches Zeugnis zerstören; Bigotterie, Unfrieden und Krudität unter Mensch und gegen Getier ohne jede Rücksicht auf Vergehen und zerstörtes Leben, und Desinformation ohne Bedenken zu den Auswirkungen ausstreuen.

Solche Menschen nicht nur als "Gelehrte" durchgehen zu lassen, sondern aus freien Stücken so zu bezeichnen, trägt dazu bei, die Aufklärung zurückzuwerfen.

Iranische Mullahs entblößen ihre Bildungsferne fortwährend vor laufenden Kameras. So in etwa, daß aktives Fliegen Energieverschwendung sei. Da die Erde sich drehe, bräuchte man sich lediglich in die Luft zu erheben und abzuwarten, bis sich der Zielort einfände. U.v.A.m. Hier angeführter Jannati ist ein Paradebeispiel solcher Weltenfremde und Hanebüchenei.

Der Islam bestand immer schon daraus, sich als ungebildete Individuen etwas auszudenken und es dann ohne Scheu vor weltlicher Kritik und Lächerlichkeit zu verbreiten. Er geniert sich Unwissenheit und Willkür nicht, sondern feiert sie. Schließlich wird er von einer Gilde vertreten, welche eben nutznießt, ohne Beschwerlichkeit einer Bildung zu Autorität gelangt zu sein und in die Welt setzen zu können, wie auch immer der Schnabel gewachsen ist.

Im Iran werden akademische ebenso wie klerikale Titel unter Günstlingen frei Haus (also auch ohne Bakschisch) vergeben.

Einer wie Raisi, der erst hanebüchene Bigotterie aufsog, um sich dann zum Bluthenker aufzuschwingen, ergibt (wie wir es in der Vergangenheit schon von SS-Offizieren kennen) gerade bei juvenilen Karrieren mit Ausgelieferten ganz besonders bedenkenlos brutal verfahrende Selbstgefälligkeit. Daher sagt der Mann ebensolchem Khamenei zu.

Ich appelliere an die deutsche Presse, solche Charaktere nicht weiter als "Gelehrte" zu kolportieren. Es ist eine eklatante Perversion des Begriffs.

Journalistischem Ethos entspräche hingegen, z.B. eine wöchentliche Glosse dazu aufzusetzen, was Mullahs auf ihren etlichen TV-Sendern wieder einmal für schamlosen Kokolores in die Welt gesetzt haben.
Der Leserschaft gingen ob schier abstrusen Humbugs die Augen über.

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