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ISIS-Konflikt im Irak: Iran pokert, Iran zittert
AFP

Mit Sorge beobachtet Iran den Vormarsch der ISIS-Radikalislamisten im Irak. Es geht um Macht und um Religion. Welchen Kurs verfolgt das Regime in Teheran? Ein Überblick.

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JDR 26.06.2014, 03:54
10.

Zitat von atech
Dass die USA jetzt auf eine nationale Einheitsregierung drängen, in der auch die Sunniten repräsentiert sind, kommt etwas spät. Da hätten die Amerikaner von Anfang an darauf achten müssen. Jetzt ist das Land gespalten, der Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten ist in vollem Gange.
Ach wissen Sie, Washington hat von Anfang an darauf gedrängt, aber Maliki hat nicht gehört. Ähnlich, wie der Schah von Persien nicht hören wollte.

Aktuell kann die Weigerung des schiitischen Führers für den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, sogar etwas positives haben. Wenn Maliki darauf besteht, die schiitische Dominanz zu festigen, hat man eine gute Ausrede, einen unabhängigen Staat Kurdistan anzuerkennen.

Bagdad lässt man zwar nicht fallen, aber al Sadr wird sich hüten, seine Milizen nach Kirkuk zu senden.

Und plötzlich hat man für die nächsten 10 - 20 Jahre einen halbwegs stabilen, halbwegs demokratischen und sehr dankbaren Verbündeten mitten im Mittleren Osten. Dort versucht man dann ein neues "Wirtschaftswunder" mit einem "Marshall-Plan" der einmal nicht in ein Faß ohne Boden fließt.

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gehirngebrauch 26.06.2014, 07:27
11. die fans

es geht eigentlich um macht=geld. der schiitische iran kann sich keinen starken fanatischen sunitischen irak leisten. dann haben nämlich die ajatollas nichts mehr zu sagen.

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mehdihusseini 26.06.2014, 10:49
12. Verdrehte Ansicht

Ich zitiere: "Die USA wollen die Spannungen zwischen irakischen Kurden, Sunniten und Schiiten abbauen und eine Einheitsregierung ins Leben rufen." Spon, das ich nicht lache. Eine starke unabhängige Regierung verfolgen die USA kaum, eher waren und sind sie die Schuldigen wenn es um Spannungen zwischen den Konfessionen geht. USA hat kein Interesse an starken Partnern, durch Schaffung von Spannungen, insbesondere bei der ölreichen muslimischen Bevölkerung, verdienen die ihr Geld!

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hellrazz 26.06.2014, 11:48
13. Wieder ist Iran Böse und Amee sind Gut

Hilft Iran so dem Irak?

Nein, der irakische Nationalstaat wird durch Teheran geschwächt. Setzt Iran weiter auf die schiitischen Sicherheitskräfte und Milizen, dürfte dies die konfessionelle Spaltung im Irak noch vertiefen. Es wäre das genaue Gegenteil dessen, was Washington fordert: Die USA wollen die Spannungen zwischen irakischen Kurden, Sunniten und Schiiten abbauen und eine Einheitsregierung ins Leben rufen.

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s-n-a-f-u 26.06.2014, 13:32
14.

Zitat von hubertrudnick1
Ein Großteil der Ursachen für diesn Konflickt haben die damaligen westlichen Herren mit ihrer Arroganz bei der Aufteilung von gesamt Afrika getan, sie haben Afrika und den Nahen Osten nie als das angesehen was es war und ist, es waren nur strategische Spiele, die Menschen und ihre religiöse Gruppierungen wurden nicht mit einbezogen und das rächt sich mit der Zeit. Wenn nun noch der Iran mit eingreift, dann wird auch nichts im Gleichgewicht kommen.
Die Probleme im Nahen Osten gehen eigentlich schon zurück bis in die Antike. Noch bevor die Römer dort aufgetaucht sind, war diese Region voll von Konflikten und Aufständen.

Wie groß der Anteil der westlichen Herren an dieser Tragödie ist, lässt sich daher nur schwer bemessen. Hilfreich war der Westen bisher jedenfalls nicht aber das ist wahrscheinlich auch gar nicht sein Ziel...

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mahrud 26.06.2014, 14:43
15. Sehr richtig!

Zitat von atech
mindestens ebenso spannend wäre es gewesen, wenn der Spiegel über die Interessen der anderen Mächte in der Region berichtet hätte, die den irakischen Bürgerkrieg befeuern. So unterstützt Saudi Arabien die Sunniten und die USA und Europa sind einfach daran interessiert, dass das Öl weiter fließt und .......
Die Irakpolitik der USA ist konsequent von Fehlerketten gekennzeichnet. Man kannte zwar längst vor dem Krieg die Risiken, fühlte sich aber für innere irakische Angelegenheiten in der Folge nicht zuständig. Nun ist es zu spät. Das Problem könnte, wenn überhaupt, nur noch über eine konzertierte Blauhelm-Aktion ausschließlich aus Mitgliedern der arabischen Liga, Iran und der Türkei gelöst werden, und die wird nicht zustande kommen.
Außerdem müsste Al Maliki einen Zeitrahmen für seinen Rücktritt festlegen, um der Bildung einer Einheitsregierung Platz zu machen.
Und, und, und.
Eigentlich sollten alle ein Interesse an der Einheit des Irak haben, Nachbarn wie sonstige ausländische Mächte. Diese sollten sich einer Resolution verpflichten, eine Aufspaltung des Irak keinesfalls zu akzeptieren und stattdessen Aussöhnungsprojekte, Wiederaufbau- und Strukturförderungsprogramme zu unterstützen, sofern und sobald die Kampfhandlungen eingestellt werden.

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alexanderlord 01.07.2014, 05:53
16. Es geht um

Frau Salloum, manchmal muss ich einige Ihrer Aufführungen hinterfragen. Das Anliegen Irans und Iraks
beschränken Sie auf "Macht und Religion". Kann es nicht vielleicht sein, dass es ihnen
vielmehr um Frieden und Religion geht? Betrachten Sie sich doch noch einmal
Iran. Ein Nachbar nach dem anderen wurde destabilisiert: Afghanistan, der Irak, Syrien
und auch Pakistan. Zu behaupten, dass es hier um "Macht" ginge, ohne dabei zu erwähnen,
dass es um die Wahrung des Friedens geht oder um den Schutz der iranischen und irakischen
Bevölkerung, erscheint da schon dreist. Zu mehr Macht oder Einfluss sagt natürlich niemand nein,
aber wie Sie wissen, sind gerade Terroristen auf dem Vormarsch. Wieso schreiben Sie also
nicht: "Es geht um Schutz, Frieden und Religion"?

Iran verhält sich schon die ganze Zeit defensiv, wie Sie auch selbst schreiben. Wie also
kommen Sie darauf, von Macht zu sprechen, und nicht von Frieden und Wahrung der Sicherheit,
wenn gerade Terroristen die Region unsicher machen?

Ich möchte einen Absatz von Ihnen zitieren:

"Teheran hat sich mühsam und kostspielig Einfluss im Nachbarland erarbeitet, indem es Nuri al-Maliki, andere schiitische Politiker und Milizionäre förderte. Diese Macht möchte Iran nicht einfach abgeben. Während der US-Besatzungszeit hat Teheran schiitische Milizen aufgebaut. Die Zöglinge sind unter Maliki in der irakischen Bürokratie und im Sicherheitsapparat aufgestiegen und haben nun das Sagen. Teheran ist in Bagdad also bestens vernetzt. Muss Maliki die Macht in Bagdad teilen oder abgeben, würde auch Teheran verlieren."

Teheran hat Maliki dafür kritisiert, dass er die Sunniten nicht mehr eingebunden hat. Es geht hier nicht
primär um das "Abgeben" von Macht. Stellen Sie sich vor, das salafistische Extremisten Österreich
unsicher machen und wir Österreich dann unterstützen. Würden Sie dann genau so schreiben, dass
es Deutschland um Macht geht? Es ist doch nur natürlich, dass wenn Terroristen in einem Nachbarland
Chaos anrichten, dass auch Nachbarländer diese bekämpfen wollen.

Die USA begrüßte die Wahl Malikis Übrigens, weil er einerseits ein schiitischer Politiker war, dessen Konfession der Glaubensrichtung der Mehrheit im Irak entspricht, und weil er gleichzeitig am wenigsten gute Beziehungen zu Teheran pflegt.

Dass Maliki als unter internationalen Beobachtern frei gewählter Premierminister rechtlich gesehen bleiben sollte,
ist absolut keine Frage. Aber es geht Teheran nicht einmal um den Machterhalt von Maliki, sondern - wie jeder
anderen vernünftigen Regierung - um die Sicherstellung, dass keine salafistischen Terroristen an die Macht kommen.

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leoaul 01.07.2014, 11:02
17. Das Mittelalter in der Neuzeit.

Nun schlagen sich "Brüder im Geiste" wieder einmal die Köpfe ein. Es ist schon skuril, dass Mord und Streit von vor weit über 1000 Jahren jetzt wieder die Weltpolitik bestimmt. Auch Irland läßt grüßen! Und jetzt müssen auch noch die Wahabiten in Kuweit und andere Herrscherhäuser am Golf befürchten, dass sich die Geister, die sie riefen, gegen sie selbst richten. Wann wacht endlich der Islam auf und erkennt, dass sich seine Überlieferungen letztlich gegen ihn selbst richten? Denn auch dort wird, ähnlich wie im Christentum und anderen Religionen (Kastendenken in Indien!) die Diskrepanz zwischen den irrationalen Ansprüchen und den rationalen Realitäten immer größer.

Mit dem Verstand haben alle extrem Religiösen nicht viel im Sinn. Aber hatten wir die Situation bei uns nicht auch schon mal? Wie war das mit der Kleinstaaterei, als alle gegeneinander wechselseitig Krieg führten? Und der 30jährige Krieg war ja auch ein Paradebeispiel dafür, zu was Verblendung im Verein mit Verblödung zum Dienst der Macht und zugunsten der Verbrechen an der eigenen christlichen Religion fähig war.

Einige Waffen-Muslime sind eben noch im intellektuellen Mittelalter, aber auch nicht allzuweit von den Super-Klerikalen, die die Welt nicht wahr haben wollen, wie sie ist.

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