Forum: Politik
Ist die Haltung Deutschlands zu militärischen Aktionen in Libyen richtig?

Bei dem Votum über die Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat hat sich Deutschland enthalten. Die USA, Frankreich und Großbritannien hingegen wollen Diktator Gaddafi mit militärischen Aktionen stoppen. Finden Sie die Haltung der Bundesregierung gegnüber einem Militäreinsatz richtig?

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Kontra 23.04.2011, 19:54
1960.

Zitat von sysop
Bei dem Votum über die Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat hat sich Deutschland enthalten. Die USA, Frankreich und Großbritannien hingegen wollen Diktator Gaddafi mit militärischen Aktionen stoppen. Finden Sie die Haltung der Bundesregierung gegnüber einem Militäreinsatz richtig?
Peinlich, äußerst peinlich.

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Fleetenkieker 23.04.2011, 20:10
1961. Gedanken vor dem Osterfeuer

Endlich ist es einmal wieder spannend, eine Diskussion im SPON zu verfolgen, wenn auch zu einem Thema, dessen tägliche Nachrichten mir seit Wochen äußerstes Unbehagen bereiten.

Im Kern geht es hier um die Frage, ob sich das Eingreifen der NATO auf Basis der UNO-Resolution rechtfertigen lässt, und die Antwort ist einfach:

Alle Länder mit machtpolitischen Interessen befürworten das, nebst einer kleineren Fraktion von Idealisten, die vom Glauben an einen heldenhaften Kampf für Freiheit und Demokratie beseelt sind, die Sprüche der FF für bare Münze nehmen.

Die Minderheit (?) der Poster hier, die das Eingreifen des Westmächte für unklug halten, zu der auch ich gehöre, macht sich Sorgen um den Ausgang dieses Bürgerkrieges, denkt auch an die Auswirkungen auf die wahrscheinlich große Mehrheit der libyschen Bevölkerung, die nun erbärmlich zu leiden hat, das Leben unter Gaddafis Herrschaft zwar bedrückend, aber doch nicht unerträglich fand, im Vergleich zu den Verhältnissen in anderen afrikanischen Ländern.

Bin gespannt auf den Ausgang dieser Geschichte, befürchte nichts Gutes.

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San Martin 23.04.2011, 20:16
1962.

Zitat von reniard
Wenn sich die gesamte NATO (alle!) im NATO-Krieg in Afg , dann ist alles, was im Namen der NATO getan wird eine Angelegenheit der NATO. Drohnen sind damit eine Angelegenheit der NATO, die Verknüpfung zwischen Pakistan, Drohnen und NATO/USA daher billig. Dass die NATO vom Supreme Allied Commander Europe (SACEUR), dem militärstrategisch verantwortliche Oberbefehlshaber des Bündnisses für Operationen, immer ein Amerikaner, geleitet wird ist Ihnen ja bekannt.
Wenn nicht einmal fest steht dass der 11.09 ein Natofall war, wie kann jetzt festehen dass Libyen ein Nato Fall ist? Welche Natoländer hat Libyen angegriffen?
Ich kann mich da nur dem Foristen "Kontra" anschließen: "Peinlich, äußerst peinlich"

Die Kriegstreiberei aus ausschließlich Wirtschaftlichen Interessen.

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january54 23.04.2011, 20:17
1963. Neue Taktik

Zitat von San Martin
"Libyens Regierung will nach eigenen Angaben die Armee aus dem umkämpften Misurata abziehen. Auch gefangene Soldaten bestätigten diesen Abzugsbefehl. Was von dieser Ankündigung aber genau zu halten ist, ist Rebellen und Beobachtern bisher unklar. ... Die Stadt ist leer. Keine Zivilisten. Entweder kommt jetzt Gas Einsatz oder eben das was verkündet wird: Vizeaußenminister Chaled Kaim sagte, man überlasse das weitere Vorgehen den Stämmen in der Gegend um Misurata. Diese würden mit den Aufständischen verhandeln oder bei einem Scheitern selbst gegen sie kämpfen. Wenn sich die Stämme zersplittern und anfangen unter sich zu kämpfen ist das eine gute Strategie. Erdölstrategisch ist Misurata nicht im geringsten.
NUN ja,es wird vermutet,das Gaddafi seine Soldaten in ZIvil in die Stadt schleusen könnte. Keiner wuerde wissen ,ob Freund oder Feind.
Ich wuerde ihm so etwas zutrauen.

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onkel-pelle 23.04.2011, 20:22
1964.

Zitat von Kontra
Peinlich, äußerst peinlich.
Hoffentlich stecken hinter Ihren drei Worten noch einige Gedanken. So ein Gefühl läßt doch den Geist nicht völlig erstarren, oder?

Ich hätte mir noch ein paar sachbezogene Sätze gewünscht. So wie: Unser Außenminister verrät die transatlantische Solidarität, oder: die Verläßlichkeit an der Seite unserer Verbündeten leidet..usw.

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reniard 23.04.2011, 20:50
1965.

Zitat von San Martin
Wenn nicht einmal fest steht dass der 11.09 ein Natofall war, wie kann jetzt festehen dass Libyen ein Nato Fall ist? Welche Natoländer hat Libyen angegriffen? Ich kann mich da nur dem Foristen "Kontra" anschließen: "Peinlich, äußerst peinlich" Die Kriegstreiberei aus ausschließlich Wirtschaftlichen Interessen.
Sorry, aber 9/11 war DER Natofall, der erste in der Geschichte des Bündnisses. Dieses hatte den gesamten kalten Krieg überdauert ohne den NATO-Krieg ausrufen zu müssen.
Osama hatte nach Darstellung von Bush die USA per 9/11 angegriffen. Bush hat kurz darauf den Bündnisfall ausgerufen.
Libyen ist kein Bündnisfall.

Ihre Zustimmung zum Beitrag des Foristen Kontra verstehe ich nach ihren früheren Beiträgen nicht. Kontra hatte die Enthaltung der BRD im Sicherheitsrat peinlich genannt.

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reniard 23.04.2011, 21:02
1966.

Zitat von january54
NUN ja,es wird vermutet,das Gaddafi seine Soldaten in ZIvil in die Stadt schleusen könnte. Keiner wuerde wissen ,ob Freund oder Feind. Ich wuerde ihm so etwas zutrauen.
Mit dem Ziel die Rebellen zu vertreiben? Ein paar tausend Soldaten in Zivil? Und die Kalaschnikoff im Geigenkasten?

Sniper gibt es auf beiden Seiten. Nichts Neues. Aber Sie müssen ja immer mit "empathischem" Einfühlungsvermögen Stimmung machen. Weiterhin viel Spass dabei.

Doch noch eine Frage: Wer ist "es", siehe Ihr erster Satz.

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Jupp Koschkoweit 23.04.2011, 21:31
1967.

Zitat von lalü
Das Gaddafi ein Gangster, Folterknecht, Hasardeur und Diktator ist bezweifelt wohl niemand.
All so viele Beiträge haben Sie hier anscheinend noch nicht gelesen.
Zitat von lalü
Ich habe mich auch nirgends dahin geäußert dass ich gegen das Militärische Eingreifen in Libyen wäre. Habe mir nur die Freiheit genommen zu schildern wie ich die Sache Libyen sehe. Für mich ist wichtig, dass bei einer solchen Gemengelage wir nicht in diesen Befreiungskampf mit hineingezogen werden.
Es geht mir nicht um Ihren Standpunkt, sondern die Begründung dazu.
Nehmen wir das Beispiel Ruanda. Dort haben sich fast eine Million Menschen gegenseitig abgeschlachtet und höchstwahrscheinlich hätte der größte Teil davon gerettet werden können, wenn sich die Welt mehr um den Konflikt gekümmert hätte. Mir war bei der Frage der dortigen Intervention völlig egal, ob die Bevölkerung Ruandas weiß oder schwarz ist, welche Religion sie hat, ob sie demokratisch gesinnt ist, ob es dort ein Volk oder viele Stämme (in L. nennt man das Clans) gibt oder sonst etwas. Das sind alles Fragen, die bei Rettung von Menschen keine Rolle spielen dürfen. Deshalb geht mir dieses ganze Clangerede, Ölgefasel und Westbashing auf die Nerven. Denn für die betroffenen Libyern, die wohl ohne Intervention Gaddafi in die Hände gefallen wären, bringt die Frage nichts, ob der böse Westen nun nur hinter dem libyschen Öl her ist, wie das Verhältnis der Clanführer und einiger Weststaatschefs zu Gaddafi war, ob anderen Völkern auch geholfen wird oder ob sich unter den Rebellen auch Islamisten befinden, gar nichts. Die werden ungeachtet all dieser Fragen verhaftet, gefoltert, inhaftiert, erschossen et cetera. Man kann die hier gestellte Frage nur danach beantworten, ob die Gefahr durch Gaddafi besteht und ob eine militärische Intervention aufgrund der Resolution etwas bringt. Das kann man dann Pro oder Kontra bewerten. Aber die Menschen danach zu beurteilen, ob sie es wert sind, oder die bisherige Nahostpolitik des Westens (wie es viele hier tun) als Maßstab für eine Intervention zu nehmen, finde ich vollkommen fehl am Platz.

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Jupp Koschkoweit 23.04.2011, 21:35
1968.

Zitat von lalü
Möchte darauf hinweisen das Tibet unter Chinesischer Fuchtel steht und da kommt auch keiner auf die Idee militärisch einzugreifen, obwohl im TV schön zu beobachten war wie die Chinesische Regierung mit den Befreiern umgesprungen ist.
Dieser Vergleich wird auch in den tausendsten Wiederholung nicht besser. China ist nun mal eine atomare Großmacht und Libyen nicht. Es ist nun mal auch nicht dasselbe, ob man ein Kind vor dem Ertrinken aus einem Planschbecken oder aus einem Becken voller Haie retten muss. Bei jeder Hilfsaktion stellt sich selbstverständlich die Frage, ob man überhaupt zur Hilfe fähig ist, ohne dass das Risiko für einen selbst zu groß wird. Das ist im Privatleben nicht anders als in der großen Weltpolitik.
Zitat von lalü
Es ist schön dass sich Demokratie in der Welt verbreitet, das zu Ostern. Zum Thema aufspringen, geendet ist das ganze bei Adolf u. Stalin.
Das ist jetzt wirklich reiner Unsinn. Das Aufspringen der Deutschen auf die Revolutionsbewegung 1917/18 ist als Ursache für das Dritte Reich so entscheidend wie die Entscheidung der Wiener Kunstakademie, Hitler als Maler abzulehnen. Wenn Sie auf sinnfreie kausalen Zusammenhänge aus sind, warum nehmen Sie nicht gleich die Eheschließung von Hitlers Eltern?
Ich habe ihnen nur verständlich machen wollen, dass es ein üblicher Vorgang war, dass eine Revolution sich über Nachbarländern ausbreitet, nicht anders wie man es jetzt in den arabischen Staaten feststellen kann. So viel zu Ihrem fahrenden Zug.

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january54 23.04.2011, 21:48
1969. Tageschau!

Zitat von reniard
Mit dem Ziel die Rebellen zu vertreiben? Ein paar tausend Soldaten in Zivil? Und die Kalaschnikoff im Geigenkasten? Sniper gibt es auf beiden Seiten. Nichts Neues. Aber Sie müssen ja immer mit "empathischem" Einfühlungsvermögen Stimmung machen. Weiterhin viel Spass dabei. Doch noch eine Frage: Wer ist "es", siehe Ihr erster Satz.
Zitat-


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Unklare Folgen eines Armeerückzugs
Ein Rückzug der Armee aus Misrata würde die Kämpfe nicht automatisch beruhigen, da viele Stammesangehörige bereits als Milizionäre oder als "Freiwillige" an der Seite der libyschen Armee kämpfen. Dagegen dürfte der Lufteinsatz der NATO nun erschwert werden, da die Stammesangehörigen kaum von den Zivilisten zu unterscheiden sind, die die internationale Staatengemeinschaft laut der Resolution des UN-Sicherheitsrats schützen soll.-------
http://www.tagesschau.de/ausland/libyen990.html

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