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Jair Bolsonaros Sieg: Brasilien flirtet mit der Diktatur
REUTERS

Ein Ex-Soldat, fasziniert vom Faschismus, ist neuer Präsident Brasiliens: Jair Bolsonaro. Die Geschichte zeigt: Davon profitieren in Lateinamerika Industrielle und Banken - und nicht das Volk, das die Demagogen wählt.

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Teodore 29.10.2018, 11:59
1. Wie bitte?

Da sitzt der ehemalige Präsident wegen Korruption im Gefängnis, unterstützt den PT-Kandidaten Haddad, dessen Partei für ein Jahrzehnt der Misswirtschaft steht und man liest in dem Artikel, die PT habe sich wenigstens immer an die demokratischen Spielregeln gehalten. Muß man das verstehen? Man kann den Wahlausgang bedauern und den neuen Präsidenten äußerst kritisch sehen. Áber es ist nicht so, dass da ein funktionierendes demokratisches System abgewählt worden ist; das war wohl eher ein Sumpf.

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CHSAprazivel 29.10.2018, 12:04
2. ...uebrigens

ist das oberste Gericht nicht opportunistisch, wie Herr Gluesing freundlich umschreibt, sondern genauso PT-Korrupt wie die Regierung. Der Praesident des Gerichts hat deshalb einen Militaer zum Assistenten machen muessen, weil der oberste Militaer General Vilas Boas ihn bei einem Mittagessen freundlich darauf hingewiesen hat, dass eine Wahlbeeinflussung durch das Gericht im Sinne der PT durch die Militaers nicht hingenommen wuerde. Um dieses zu garantieren, hat man ihm einen Assistenten zur Seite gestellt.
Denn es war absolut denkbar geworden, dass die obersten Richter Lula freilassen, um die verlorene Wahl noch zu drehen oder aber mit windigen Argumenten Bolsonaro widerum sperren.
Das Problem ist, dass man in Brasilien gewohnt ist, dass das oberste Gericht nicht nur taeglich die Tagespolitik kommentiert und schulmeistert, sondern auch "Recht findet", wo es ihm noetig scheint, und dieses voellig ungewaehlt und PT-lastig, denn 2 der Richter waren Anwaelte der PT, bevor Lula sie ernannt hat. Einer davon hat sich dadurch qualifiziert, dass er die Befaehigung zum Richteramt 2x nicht geschafft hat, demnach als durchaus rechtsunkundig gilt, aber das spielt bei den Jungs sowieso keine Rolle, dennsie machen eh nur Politik.

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Minster 29.10.2018, 12:11
3.

Eine korrupte und beschädigte Demokratie, die sich nicht mehr von selbst heilt, weil die Parteien sich nicht mehr dafür interessiert, zerbricht irgendwann. Brasilien leidet seit Jahrzehnetn daran. Zu sagen, nach der Diktaktur sei das "System" stabil gewesen ist Betrug. Zu sagen "es war korrupiert, aber die Institutionen haben funktioniert" ist ein Betrug. Es kann nicht funktionieren - nicht dauerhaft.
Und so ist die Wahl von Bolsonaro die logische Konsequenz daraus.
Natürlich sind das nun "unsichere" Zeiten, die aus demokratische Sicht, aufkommen. Aber nunja... zu erwarten, dass es immer so weiter geht wie bisher ist Selbstbetrug. Das überlebt kein System auf Dauer.

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larica 29.10.2018, 12:12
4. Unzureichend recherchiert!

Ich lebe seit Anfang 2000 in Brasilien. Der Hauptgrund warum Jair Bolsonaro trotz seiner verbalen Ausfälle von der Mehrheit gewählt wurde liegt in der großen Ablehnung der PT, der Partei welche für die Politik der letzten 17 Jahre verantwortlich ist. Diese hat sehr wohl mit anderen Linksdiktaturen geflirtet und diese auch mit Milliarden unserer Steuergelder unterstützt während bei uns es an Allem fehlt. Die Menschen sind es leid, sie haben kein Vertrauen mehr in die Versprechungen eines Lulas oder einer Dilma. Die Institutionen arbeiten mehr schlecht als recht und außerdem ist dies Partei in zahllose Korruptionsfälle verstrickt. Fast alle hohen Funktionäre dieser Partei sitzen bereits im Gefängnis. Die Gewaltrate ist bereits explodiert. Die Menschen haben Angst aus dem Haus zu gehen und überfallen zu werden und haben Angst im Haus zu bleiben und ebenfalls überfallen zu werden. Täter werden zu Opfern stilisiert während die wahren Opfer keine Hilfe erwarten können. Ob J. Bolsonaro tatsächlich etwas änder wird weiß Niemand zu sagen, er sollte aber eine Chance bekommen.

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brux 29.10.2018, 12:13
5. Tja

Auch wenn es linken Journalisten nicht passt: Faschismus kommt eigentlich immer ais dem Volk. Die Erzählung, dass die herrschenden Klassen Faschismus zur Unterdrückung des Volks brauchen, ist schlichtweg falsch.
Kann man übrigens seit Jahrzehnten bei Robert Paxton nachlesen.

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hansriedl 29.10.2018, 12:14
6. Jair Bolsonaros Sieg

Der verteilungskampf im Kapitalismus wir immer härter und die autoritären rechten sind gern gesehene Erfüllungsgehilfen des Kapitals, wenn es darum geht, die armen massen gewaltsam vom kuchen fern zu halten.
Es wird zunehmend leichter möglich für Rechtsextreme, ihre Meinung offen und unverhohlen kund zu tun. Die Empörung bleibt größtenteils aus. Das war und ist schon bei Trump so, und es wird ärger werden. Wenn Linke dagegen halten, werden die Rechten nur aggressiver. Der politische Diskurs verroht, und es scheint eine Abwärtsspirale ohne Ausweg zu sein. Arme Welt!

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m-zmann 29.10.2018, 12:17
7. Herr Gluesing, Sie verwirren mich...

Jetz mal Abgesehen von Venezuela unter den bekennenden Sozialisten Chavez und Maduro den Blick auf Brasilien gerichtet:
Haben die Institutionen nun funktioniert - oder war (sic!) das ganze System (nicht nur die Politik) "von Korruption zerfressen"?
Oder konnten die Menschen im Land nur durch Bestechung die Institutionen zum Funktionieren bewegen?

Vielleicht ist es auch nur meinem Blick aus einigermaßen rechtsstaatlichen Verhältnissen geschuldet, dass ich unter "Demokratie" etwas anderes verstehe, als daß sich die Machthabenden und die von diesen eingesetzte Verwaltung Entscheidungen (egal ob im Einklang mit gültigen Gesetzen oder gegen diese) fürstlich bezahlen lassen.
Daß diejenigen, die nicht die notwendigen finanziellen Mittel haben, sich gegen ein derartiges System stellen, verstehe ich hingegen.

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itajuba 29.10.2018, 12:24
8.

Haddad und Lula haben das Land zerissen; Haddad spricht sogar nach der Wahl nur von "wir" und "ihnen". Kandidaten zu Gouverneuren, die verloren haben, gratulierten den Gewählten, Haddad spricht weiter von Hass, während Bolsonaro zu einer Einigung und zum Frieden aufruf. Haddad wurde in den meisten ärmeren Städten gewählt und nur im Nordosten; Lula und seine Partei hatten 14 Jahre lang Zeit, um die Lage zu ändern, gaben aber nur Almosen aus. Bolsonaro gewann in den anderen vier der fünf geographischen Regionen. Vor einiger Zeit sagte Lula, dass man die Armen manipulieren kann; gab er deswegen nur Almosen im Nordosten?

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keine-#-ahnung 29.10.2018, 12:24
9. Das Muster ist immer wieder dasselbe ...

... in immer satter werdenden Zivilgesellschaften predigen immer mehr fanatisierte Grüppchen von Aktivisten vor allem Randthemen, die keinen oder nur geringen Widerhall in den Mehrheitsgesellschaften finden.
Völlig egal, ob das LBQT_Thematika, überbordender Feminismus, ethnische und kuturelle PC, überzogener Umweltschutz oder ebenso überzogene Forderungen nach immer mehr verbrieften "Menschenrechten" oder "Freiheiten" und "bedingungslose Grundeinkommen" zu Lasten der arbeitenden Mehrheit sind.
Nannte man früher Dekadenz, heute heisst das Kind Liberalität.
Und selbst Einzelanliegen, die man durchaus durchdenken und behutsam umsetzen könnte, werden durch kompromisslose Forderungen nach einem "sofort" und bedingungsloser Durchsetzung ohne Rücksicht auf mögliche Schäden für die Mehrheitsgesellschaft so zu einer in der Mehrheit wahrgenommenen diffusen Bedrohung.
Ein Übermass an Liberalität schränkt die gesellschaftliche Ordnung ein, dies führt zu einer Reduktion der inneren wie der wirtschaftlichen Sicherheit ... und schwupps, schon wachsen sog. Populisten wie Pilze an einem schwülwarmen Herbsttag in den Himmel. Gefüttert und gehätschelt von ihren nativen Antipoden.
Und diese Kräfte stellen sich dann als Retter in der Not dar, als die Kräfte, die Fanatismus und militanter Propaganda Einhalt gebieten können. Als das letztlich einzige Angebot für die Mehrheitsgesellschaft, die lautstark schrillen diversen Minderheitsforderungen wieder leiser und ziviler zu formen. Und diese Angebote werden genau dann akzeptiert, wenn etablierte Politik nicht in der Lage ist, sich sachlich um die Abwägung der Rechte der Mehrheitsgesellschaft und der Rechte kleinster Partikularinteressen zu kümmern.
Dann gibt es einen Knall ... und Onkel Don was born. Oder Bolsonaro ist plötzlich Präsident. Frau Le Pen wird das dann fast. Jahrzehntealte, bewährte Parteienlandschaften implodieren in sich selbst - Frankreich, Griechenland, Italien, Skandinavien ...
Nur daraus zu lernen ... scheint den "guten" Menschen schier unmöglich zu sein. Und daher ziehen die Karawanen der "Bösen" immer weiter und werden fett und fetter. Bis es denen dann wieder zu gut geht ...

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