Forum: Politik
Jeremy Corbyns Labour-Sensation: Einer gegen alle
DPA

Noch verblüffender als Theresa Mays Schlappe ist die Wiederauferstehung von Labour. Dabei hatte Jeremy Corbyns Partei eigentlich alles dafür getan, vernichtend geschlagen zu werden.

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Stäffelesrutscher 09.06.2017, 19:38
50.

»Dabei hatte Jeremy Corbyns Partei eigentlich alles dafür getan, vernichtend geschlagen zu werden.«

Dieser Satz ist zwar plakativ, aber unpräzise. Genauer hätte es heißen müssen (und im Text wird es erwähnt):

»Dabei hatte das Establishment in Jeremy Corbyns Partei eigentlich alles dafür getan, vernichtend geschlagen zu werden.«

Man beachte die Parallele zu Spanien. Da gibt es eine Partei, die sich Spanische Sozialistische Arbeiterpartei nennt und über die vor 30 Jahren schon gespottet wurde: »Ist sie sozialistisch? Ist sie eine Arbeiterpartei? Ist sie wenigstens spanisch - nee, nicht mal das, denn sie hat Spanien in der NATO gehalten.«
In dieser Partei gab es jüngst einen Vorsitzenden, der nicht bereit war, den korrupten Chef der Franco-Anhänger namens PP als Regierungschef im Amt zu halten, sondern der mit Linken und Empörten eine Regierung anpeilte. Er wurde vom Establishment des PSOE abgesägt.
Und siehe da: bei der Urwahl zum Parteivorsitzenden hat ihn die Basis wieder gewählt.

Da brechen einige marktradikale Dinosaurier zusammen, sowohl bei Labour als auch beim PSOE. Mal schauen, wann die Partei des Herrn Schulz (die ja auch immer noch die Partei der Herren Schröder und Steinbrück, Riester und Eichel ist) den Schuss hört.

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skeptikerjörg 09.06.2017, 19:39
51.

Zitat von Kleinunternehmer
Da irren Sie schlicht. Es ist immer schlecht, wenn man die Fakten nicht kennt ;-) In unserem System hätte Labour mit 40% nur 2,5% hinter den Tories (42,5%) gelegen. Die Liberalen wären mit 7% drin gewesen. http://www.telegraph.co.uk/news/general-election-results-2017-maps-breakdown/ Ein absolute Mehrheit sieht anders aus. Pfeifen im Walde kann man eine nach Stimmen (und damit Wählern) nur sehr knappe Niederlage auch nicht mehr nennen. Aber die reale Stimmenverteilung zeigt nur noch deutlicher, wie sehr das Land gespalten ist. Nicht gut.
Stimmt nicht so ganz, da in unserem System zunächst alle Direktmandate zählen würden und erst danach überhaupt die Prozente zum tragen kommen würden. Und mit "Pfeifen im Walde" meine ich die deutschen linken, die meinen Corbyn könnte ein Vorbild für Erfog sein.

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biobayer 09.06.2017, 19:46
52. Breite Mehrheit für den Brexit

Zitat von theodor11
Die Wahlen haben gezeigt, die Briten wollen keinen Brexit, können aber ihr Gesicht nicht verlieren und machen Augen zu und durch. Im Ernst, ein realer Brexit ist unmöglich umzusetzen.
Beide - May und Corbyn - sind Brexit-Befürworter. Also haben schon mal mindestens 82 % der der britischen Wähler für den Brexit gestimmt. And Brexit means Brexit

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KommenTatort 09.06.2017, 19:48
53. schlechte Recherche

"Wie genau die Abermilliarden, die sein sozialistisches Programm kosten würde, gegenfinanziert werden könnten, blieb an vielen Stellen offen."
Wie kommt denn der Herr Schindler auf dieses Unsinn?
Im Gegensatz zum Tory-Wahlmanifest - welches keine tragfähigen Zahlen enthielt, war das Labour-Manifest solide durchgerechnet, inklusive wie viel Schulden aufgenommen werden müssen um es zu finanzieren.
Das Wahlmanifest von Labour wurde von den namhaftesten Ökonomen in GB (mehr als 100) von allen führenden Universitäten in GB unterstützt. An dem Programm ist nichts "sozialistisch", es ist eher sozialdemokratisch in bester nordeuropäischer Tradition...
Schlechte Recherche in einem eher mittelmäßigen Artikel...

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undercover.agent 09.06.2017, 19:59
54. Weder Corbyn noch Sanders und ...

... schon gar nicht Lafontaine, der den beiden Linkspopulisten politisch zuzuordnen wäre, sind als ernstzunehmende Staatschefs geeignet. Als beipielsweise Lafontaine 1998 seine saarländische Provinz verließ und Bundesfinanzminister wurde, schmiss er nach sechs Monaten wieder hin. Corbyn würde mit seinen radikalen Politansätzen wohl ebenso grandios scheitern. Dennoch: Als Politfolklore sind alle drei große Klasse.

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Hatch99 09.06.2017, 20:06
55.

Zitat von skeptikerjörg
Und mit "Pfeifen im Walde" meine ich die deutschen linken, die meinen Corbyn könnte ein Vorbild für Erfog sein.
Natürlich könnte Corbyn ein Vorbild sein, genauso wie Sanders, warum sollte das hier nicht funktionieren ?

Der Schulz Hype war doch am Anfang gar nicht so schwach, weil dann sehr wenig Inhalte kamen und diese auch nur Reförmchen Status hatten, ging es dann recht bald wieder bergab.
Ein Sozialdemokrat mit sozialdemokratischen Inhalten (tja, wo sind sie in Deutschland ?) könnte den Hype wahrscheinlich nutzen und ausbauen.

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bachgauman 09.06.2017, 20:08
56. Corbyn hat gezeigt, dass ein Sozialdemokrat mit sozialdemokratischen Themen fast eine Wahl gewinnen kann!

Halten wir doch einfach mal fest:
Labour hat 40% der Stimmen geholt (Konservative Partei: 42,4) und damit ein Plus von 9,5% erzielt. Martin Schulz würde vor Freude im Dreieck springen, würde er ein vergleichbares Ergebnis erzielen!
Steinmeier gewann bei der Bundestagswahl 2009 gerade mal 23%.
2013 erreichte Steinbrück für die SPD dann 25,7%.
Wenn also jemand alles Getan hat, vernichtend geschlagen zu werden, dann waren es diese SPD-Granden wie Schulz, Gabriel, Steinmeier, Steinbrück, Münteferring. Immer gelobt zwischen den Wahlen und von den Medien heruntergemacht vor den Wahlen...........Kryptokonservative "SPD ler", die meinen, in der Mitte Wahlen gewinnen zu können!

Corbyn hat gezeigt, dass ein Sozialdemokrat mit sozialdemokratischen Themen fast eine Wahl gewinnen kann! Bei den Wählern zwischen 18-34 Jahren hat er sogar einen Stimmenanteil von 63% erreicht (Konservative Partei 27%). Ja - ein gefährlicher Mann - an dem die neoliberalen Medien in Deutschland kein gutes Haar lassen können!

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kuac 09.06.2017, 20:13
57.

Zitat von Stäffelesrutscher
Ein Gespenst geht um in der Welt – das Gespenst der sozialen Demokratie. Alle Mächte des alten Europa und des alten Nordamerika haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der SPIEGEL und die BILD, SUN und Daily Mail, britische Marktradikale und US-amerikanische Lobbyisten.
Sie scheinen Trump als Sozialdemokrat zu bezeichnen. Dabei fürchte ich, dass er das Wort Sozialdemokratie nicht mal kennt. Hat er dieses Wort je im Mund genommen? Hat sein Team einen Sozialdemokraten? Ausser Bankier und Wall Street Leute sehe ich nichts. Hätte er nur einen Funken an sozialdemokratischen Gedanken, dann hätte er Sanders unterstützt.

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qlcasa 09.06.2017, 20:16
58. Erstaunlich

Ich habe die Wahl und den Wahlkampf in den VK aufmerksam verfolgt und muss sagen, ich habe nie mit einem solchen Ergebnis gerechnet, vor allem wegen Hrn. Corbyn. Er hat gezeigt das sich fast alle geirrt haben. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht und ich denke das ein Teil des Ergebnisses Frau May geschuldet ist. Aber es ist zu einfach es damit zu erklären, vor allem weil die Labour Partei tief Gespalten ist wenn es um Jeremy Corbyn geht und sein eigene Partei ihn sehr oft schlecht redet. Das ist im Übrigen nichts was sich nur auf das VK bezieht. Die Labour Partei ist ein Abbild der SPD hier in Deutschland. Nun aber hat diese Partei sage-und-schreibe über 42% der Stimmen geholt und ich glaube sie hat diese Stimmen geholt wegen und nicht trotz Hr. Corbyn.
Das mag vielleicht daran liegen das Hr. Corbyn das hat was wir alle, vermutlich, vermissen. Er steht für Etwas! Man mag es mögen oder nicht, aber wer von uns (nicht nur in Deutschland) weiß schon für was unsere Politiker stehen?
Ich sehe das an mir, ich bin in den 70er aufgewachsen, ich durfte 1980 zum ersten mal wählen und habe damals die SPD gewählt. Schmidt hat mich tief geprägt. Man wusste für er steht, für was Wehner stand oder auch für was ein Franz Josef Strauß stand. Seit den 90er wechsele ich öfters und wenn ich wirklich darüber nachdenke dann frage ich mich, was ist der Unterschied zwischen SPD oder CDU? Diese Frage ist nicht nur hier in Deutschland aktuell, sondern in allen westlichen Demokratien. Ich denke das Hr. Corbyn diese Lücke in den VK füllt.

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kuac 09.06.2017, 20:18
59.

Zitat von undercover.agent
... schon gar nicht Lafontaine, der den beiden Linkspopulisten politisch zuzuordnen wäre, sind als ernstzunehmende Staatschefs geeignet. Als beipielsweise Lafontaine 1998 seine saarländische Provinz verließ und Bundesfinanzminister wurde, schmiss er nach sechs Monaten wieder hin.....
Was hätte er denn machen sollen? Warten bis Schröder ihn entlassen hätte? Ein gemeinsames Regieren war nicht möglich. Die Differenzen waren einfach zu groß. Und der Kanzler ist einfach der mächtigere.

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