Forum: Politik
Joachim Gauck: "Ich bin doch kein Anhänger der AfD"
Paul Zinken/ DPA

Im SPIEGEL-Gespräch hatte Joachim Gauck "erweiterte Toleranz in Richtung rechts" gefordert - und damit eine große Debatte ausgelöst. Nun sprach der Altbundespräsident in Berlin über die "suspekten Typen" von der AfD.

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dr_seltsam 19.06.2019, 03:42
1. Demokratisches Fair-play und Meinungsfreiheit

Herr Gauck spricht ein sehr wichtiges Thema an. Denn den Umgang mit der AfD empfinde auch ich nicht als demokratiewürdig.
Solange die Partei zugelassen ist und sich in Wahlen stellen darf, ist sie Teil der Demokratie und damit ernst zu nehmen. Auch die "Grünen" und später Die Linke wurden über viele Jahre nicht ernst genommen und teilweise an Teilhabe am demokratischen Prozess gehindert.
Wie bei allen anderen Parteien gilt es Wähler und Partei, bzw. Fraktionen zu unterscheiden.
Daß die AfD als Partei nur sehr schwer zu ertragen ist, begründet sich auf ihrer immer noch fehlenden Distanzierung zu rechtsextremen und demokratiefeindlichen Einflüssen.
Ein Wähler einer Partei ist aber nicht gleichzusetzen mit der Praxis einer Partei. Als Beispiel möge dienen, daß wohl die wenigsten CDU-Wähler die bürgerferne Politik (z.B. Rente, KV und Pflege) für gut heißen, sich aber trotzdem durch die Grundtendenz am ehesten repräsentiert fühlen.
Wenn über die AfD geurteilt wird, sollte klar sein, daß damit auch über eine nicht unbeträchtliche Zahl Wähler geurteilt wird!
Kritik und Zweifel an der Parteipolitik sind mehr als angebracht. Aber es ist eine Frage des Respekts gegenüber des Wählers, diese Kritik differenziert zu üben. Und, zumindest im Ansatz, die Anliegen dieser Wähler ernst zu nehmen.

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Immanuel K. 19.06.2019, 06:28
2. Die AfD...

..suspekt und retro zu nennen, halte ich für eine gefährliche und unzulässige Verniedlichung. Es mag einige Anhänger geben, mit denen noch eine Möglichkeit zur Diskussion besteht. Der überwiegende Teil der Anhänger der AfD, der von sich ja behauptet, er würde die AfD nur aus Protest wählen, kommt mir vor, wie das Kind an der Supermarktkasse, dass sich bei der "Quengelware" auf den Boden schmeißt und die Luft anhält, weil es nicht das bekommt, was es will - da ist eine Diskussion vergeblich/überflüssig...

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fördeanwohner 19.06.2019, 06:36
3. -

Wer nicht mit den Rechten redet, der kann nicht erwarten, dass sie andere Positionen einnehmen können. Warum auch, wenn man quasi ausgegrenzt?
Nichtsdestoweniger muss man es nicht einfach stehen lassen, wenn jemand sagt, er wähle AfD. Ich jedenfalls würde immer gegenan argumentieren.
Ja, es gibt linke Kräfte, die total intolerant gegenüber bestimmten Positionen sind. Ich würde es sogar weltfremd nennen. Sie sind mit dafür verantwortlich, dass es schwierig ist, einen vernünftigen Konsens zu finden, was den Umgang mit Migration und den Verhaltensweisen bestimmter Migrantengruppen angeht. Allerdings haben wir inzwischen Fortschritte gemacht und differenzieren stärker. Nicht jeder Zuwanderer ist ein Gewinn. Und sagen darf man das auch.

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Claudia_D 19.06.2019, 06:37
4.

Herr Gauck hat sich leider für mich mit seiner ersten Forderung komplett disqualifiziert.
Ich habe keinen Bock mehr, irgendwem "in Richtung rechts" (was nicht die CDU/CSU ist) auch nur noch einen Fingerbreit Toleranz entgegen zu bringen. Schon gar keine erweiterte.
Der Zug ist schon längst abgefahren.
Was er jetzt macht, ist lediglich von seinen ersten Aussagen zurückrudern, weil diese bei vielen gar nicht gut ankamen.

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sunshine422 19.06.2019, 06:40
5. Gauck hat gesprochen

Und den Nerv von vielen Wählern der AfD getroffen. Ich erinnere an Die Linke mit denen niemand niemals zusammen gehen wollte. Und heute? Wenn die Toleranz nur gegenüber Minderheiten gilt, aber gegenüber einem größeren Teil, so kommt das nicht gut. Ich weiss nicht mehr wenn ich wählen soll. Weil jede Partei hat teilweise wirklich gute Ansätze hat. Wann fängt die Politik endlich an Probleme konsequent anzugehen. Man will es immer allen recht machen und das klappt nicht. Minderheiten schützen ist wichtig und richtig. Aber darf nicht dein das man darüber den großen Rest nicht vergisst. Viele wählen AfD aus Protest. Ich habe gelassen und immer auf die Vernunft der Politik gehofft. Gauck macht Hoffnung

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tanneralf 19.06.2019, 06:57
6.

Die Aussage ist vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass er immer die Linken besonders kritisiert hat.

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fuchsi 19.06.2019, 06:58
7. Sofort stoppen

Was Herr Gauck wählt oder nicht, ist unerheblich. Er ebnet der AfD moralisch den Weg ins bürgerliche Lager, wie es Maaßen politisch tut. Die Strategie, diese Partei in "gut" und "böse" zu unterscheiden, funktioniert nicht. Die Mär vom netten Nazi wurde schon vor 90 Jahren verbreitet, jeder weiß, wohin das führte. Als ehemaliger Präsident sollte er sich tief schämen, dass er eine Partei hofiert, die sich nicht klar vom NS abgrenzt.

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uksubs 19.06.2019, 07:13
8. keine Toleranz

Ein diplomatischer Balanceakt, sicherlich. Allerdings nicht zuletzt der Fall Lübke ist meiner Meinung nach schon ein Ergebnis dessen, was an Hass und Gewalt gesät wurde. Eben dafür bereitet die AFD den geistigen Boden. Das muss auch benannt werden.

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jawaba 19.06.2019, 07:16
9.

Der Aufstieg de AfD ist doch nur durch durch die Toleranz unserer westlichen liberalen Werte zu verstehen, ohne selbst irgendeine Toleranz aufzubringen. Die AfD konterkariert doch jeden sachlichen Diskurs in dem sich sich nicht den Argumenten stellt, sondern jeden öffentlichen Auftritt nutzt, um emotional meist nicht im Bezug zum Theme stehende Botschaften zu vermitteln. Es ist nicht möglich gegen Emotionen, wie die Irrationalität geschürter Angst, sachlich rational zu argumentieren. Die AfD ist fast ausschließlich mit Themen unterwegs, die wegen ihrer Komplexität vom Einzelnen fast gar nicht zu erfassen sind. In vielen Fällen werden globale Vorgänge unverhältnismäßig vereinfacht und als regionales Scheitern dargestellt, was in sich selbst unsachlich ist.

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