Forum: Politik
Kalter Krieg: US-Armee wollte im Ernstfall 91 Atombomben auf Ost-Berlin abwerfen
Corbis

Das US-Nationalarchiv hat eine Liste des Militärs aus den Fünfzigerjahren veröffentlicht. Sie zeigt die Ziele, die im Kriegsfall mit Atomwaffen angegriffen worden wären. Ost-Berlin sollte demnach "systematisch zerstört" werden.

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nic 23.12.2015, 14:41
180.

Zitat von dolledern
die gute alte Zeit.....und heute ist alles so schlimm....
Wer behauptet, dass der kalte Krieg zu der "guten alten Zeit" gehört? Übrigens ist es heute nicht besser als zur Zeit des kalten Krieges. Man nennt die Situation heute nur nicht mehr "kalten Krieg".

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steffen.ganzmann 23.12.2015, 14:43
181. Warum...

Zitat von Tiberias
...so viele Bomben? Braucht man ernsthaft 91 Atombomben, um Ostberlin dem Erdboden gleich zu machen?[...]
Kennen Sie die Wörter "taktische Nuklearwaffen?

Und Freuen Sie sicj nicht zu sehr, mindestens ein russischer Sprengkörper ist noch auf Berlin gerichtet - wenn ein Hauptstadt kein lohnendes Ziel darstellt, habe ich in der Offiziersschule für Quasi-Zivilisten (Washington Army National Guard) wohl nicht aufgepasst ...

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schwerpunkt 23.12.2015, 14:44
182.

Zitat von Hallo2020
Eine große A-Bombe reicht für eine Großstadt. Zerstörung innerhalb von 50 km Radius ist sicher
Ja, so stellt man es sich vor, aber ganz so ist es nicht. Für einen 50km-Radius müsste man schon eine H-Bombe vom Kaliber "Zar" abwerfen. Sowas hatten die Amis aber nie im Arsenal.

Eine Hiroshimabombe hätte einen Radius der unmittelbaren Zerstörung durch die Explosion selbst von unter 2 Kilometer. Spätfolgen durch Strahlung natürlich nicht mitgerechnet.
Ab den 80ern gabe es auch nukleare Sprengsätze, deren unmittelbare Wirkung auf wenige 100 Meter begrenzt sind. Aber ich glaube nicht, dass in diesem Szenarion mit dieser Art grechnet wurde.

Atombomben haben auch eine Obergrenze der Explosivwirkung. Wenn man noch stärkere Sprengkraft möchte, muss man zur H-Bombe greifen. Die sind zumindest theoretisch in ihrer Sprengkraft unbegrenzt.

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querulant_99 23.12.2015, 14:45
183.

Zitat von ernstl1704
Seit den 50er Jahren gab es nukleare Artillerie in Deutschland. Was stellt man sich vor was die USA damit vor hatte? Die Kanonen hatten am Anfang eine Reichweite von 29km. Damit konnte man z.b. die Sowietunion nicht erreichen. Das Schlachtfeld......
In den 70-er Jahren war meine damalige BW-Einheit auch auf den Abschuss von Nuklearbomben vorbereitet. Über die Sinnhaftigkeit wurde damals nie geredet. Rüblickend kann man nur den Kopf darüber schütteln.

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Wolfgang Lorenz 23.12.2015, 14:45
184. Nukleare Humanismen…

Bei Verbündeten dieser Qualität kann man getrost auf Feinde verzichten wird mancher sagen. Die Anfertigung der „Zielliste“ für den möglichst effizienten Einsatz amerikanische Nuklearwaffen fällt in eine Zeit, in der die Außenminister der Siegemächte erfolglos in Genf verhandelten, in der das zur Lieblingsinsel der amerikanischen Halbwelt avancierte Kuba von Fidel Castro übernommen und Heinrich Lübke zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Es darf darüber spekuliert werden, ob das letztgenannte Ereignis einen maßgeblichen Einfluß auf die Listengestaltung gehabt hat.

Indessen besteht eine gewisse Berechtigung zur Ableitung einer Schlußfolgerung dergestalt, dass die beiden Hauptakteure des Siegerquartetts, die USA und die UDSSR spätestens im besagten Genf die stille Übereinkunft trafen, fürderhin alle denkbaren militärischen Auseinandersetzungen möglichst auf fremden Territorien stattfinden zu lassen. Daran haben sich beide in einer bemerkenswerten Absprachetreue gehalten. An den damit notwendig gewordenen „Liebesschwüren“ für die unterrangigen Verbündeten, um deren Bedenken sogleich zu zerstreuen, mangelte es ebenfalls nicht. Einmal behauptete ein amerikanischer Präsident sogar, er sei „ein Berliner“. Die Nachfahren jener, die vor Zeiten die Kleider ihres „nackten Kaisers“ bejubelt hatten jubelten auch jetzt, dass es eine Art hatte.

Im Forum sprach einer von den Kritikern der Liste als amerikafeindlichen „Stalinisten“. Die Qualität dieser Beiträge sollte nicht unterschätzt werden: immerhin wurden wir nach dem Atombombenabwurf von Hiroshima und Nagasaki von Politikern der Abwurfnation darüber aufgeklärt, die Bomben hätten neben ihrer unbestrittenen Zerstörungskraft auch eine, zunächst wenig beachtete, dennoch zutiefst „friedensstiftende“ Eigenschaft, sie beendeten alle Widerstandshandlungen des Gegners mit einem Schlage und retteten damit unzählige Menschenleben. Na also, geht doch!

Übrigens…die Liste der Staaten, auf deren Territorien die beiden Großen ihre militärischen Auseinandersetzungen haben stattfinden lassen, kann wegen der gebotenen, weil notwendigen Zeichenbeschränkung hier nicht angehängt werden. Aktuelles zu vielen anderen Listen hätte uns Edward Snowden mitteilen können, ihn durften wir nicht einladen, da versteht die Wertegemeinschaft nämlich keinen Spaß.

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Objectivity 23.12.2015, 14:49
185. Und nun

Zitat von tombrok
Sicher, die DDR war das Arbeiter- und Bauernparadies und der Westen die Achse des Bösen, das erklären Sie bitte mal Regimegegnern, deren Leben systematisch überwacht und zerstört wurde.
erklären Sie mal diesen Leuten dieses was Edward Snowden aufgedeckt hat. :-)

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Beat Adler 23.12.2015, 14:52
186. Was ist eine grosse A-Bombe?

Zitat von Hallo2020
Eine große A-Bombe reicht für eine Großstadt. Zerstörung innerhalb von 50 km Radius ist sicher
Was ist eine grosse A-Bombe?
Die Schaeden einer Atombombe in einer solide aus Stahlbeton gebauten Stadt sind nicht gleich wie in Hiroshima und Nagasaki, wo die meisten Einwohner in Holzhaeusern lebten.

Um eine moeglichst grosse Druckwelle zu erzeugen wird die A oder H-Bombe in ca. 600 Metern ueber Boden gezuendet. Im Moment der Explosion entstehen grelles Licht, Hitzestrahlen und Gammastrahlen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, Die Druckwelle erreicht Ueberschallgeschwindigkeit etwa 400 Meter pro Sekunde.
Wer sich in einer Stadt, wo die meisten Gebaeude aus Stahlbeton und Backsteine sind, im Moment der Explosion aufhaelt und nicht in direkter Linie zum Explosionspunkt ist, wird je nach Dicke des Materiales zwischen ihm und dem Explosionspunkt mehr oder weniger stark/leicht verstrahlt. Wenn die Druckwelle durch stabile Gebaeude abgedaempft wird und die als Folge entsehende Rueck-Welle, welche die Truemmerteile in umgekehrter Richtung zuruecktreibt, nicht zum Tod fuehrt, ist ein Ueberleben einer Explosion durchaus moeglich. Um dem radioktiven Niederschlag, der erst Minuten/Stunden/Tage spaeter einsetzt, auszuweichen, genuegt eine Flucht gegen die Windrichtung. Immer unter der Voraussetzung, dass nur eine Atombombe explodiert.

Wer also die Menschen in einer solid gebauten Stadt mit Atombomben ermorden will, braucht eine ganze Anzahl davon. Wer zum Zeitpunkt der Explosion das Glueck hat in einem standard Schweizer-Schutzraum zu sein, ueberlebt, kaum verstrahlt, selbst in relativer Naehe des Explosionspunktes.

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Loewe_78 23.12.2015, 14:52
187.

Zitat von gustavsche
[...]Dabei finde ich die Argumentation plausibel, dass das schnelle Kriegsende vielen Japanern das Leben gerettet hat. [...]
Dumm nur, dass der japanische Tenno (vergleichbar mit dem deutschen Kaiser) schon vor den Abwürfen von Massenvernichtungswaffen über zivilen Städten über seine Diplomaten erklärte, er sei zur Kapitulation bereit. Heute stellt sich die Lage so dar, dass einzig der Eintritt der SU in den Krieg am Pazifik der Grund war, die Bomben abzuwerfen: Es musste schneller gehen als der Tenno das seinen Leuten verkaufen konnte. Sonst hätten die Menschen ja teilweise unter den bösen Kommunisten überlebt, da man die Beute hätte teilen müssen - was natürlich viel schlimmer gewesen wäre als sie unter den bösen Kapitalisten umzubringen.

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Promethium 23.12.2015, 14:56
188. Es ging um Abschreckung!

Das wesentliche am kalten Krieg war dafür zu sorgen, das er kalt blieb!

Zu dem Zweck haben die USA damals extrem viele Atombomben gebaut! Und natürlich muss man für so viele Atombomben auch Ziele aussuchen sonst ist das ganze nicht glaubwürdig!

Es ging aber um glaubwürdige Abschreckung! Und das hat auch geklappt!
Da hätte nur irgendwo ein Top Spion sitzen müssen, der den Sowjets verraten hätte das die Amerikaner nicht mal eine Liste von möglichen Zielen haben und schon wäre die Abschreckung weitgehend dahin gewesen. So aber sind die Sowjets sicher davon ausgegangen das es die Liste gibt und der eventuelle Top-Spion hätte das sogar noch bestätigt. So funktioniert Abschreckung.

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schwerpunkt 23.12.2015, 14:56
189.

Zitat von nic
Es werden heute wohl die gleichen Ziele sein. Deutschland wird zum Kriegsschauplatz auch dank unserer momentanen Regierung und den vorhergehenden, die der USA nicht die Stirn bieten.
Und Sie meinen, dass unter den Voraussetzungen der 50er und 60er Jahre Deutschland NICHT potentieller Kriegsschauplatz geworden wäre, wenn die deutschen Regierungen "den USA die Stirn geboten hätte"?

Was wäre passiert? Hätten die USA dann ihre Ziele gegen den Warschauer Pakt dann in den Südpazifik verlegt?
Gehen Sie bitte mal die Szenarios im Kopf ansatzweise durch bevor Sie sowas posten.

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