Forum: Politik
Kalter Krieg: US-Armee wollte im Ernstfall 91 Atombomben auf Ost-Berlin abwerfen
Corbis

Das US-Nationalarchiv hat eine Liste des Militärs aus den Fünfzigerjahren veröffentlicht. Sie zeigt die Ziele, die im Kriegsfall mit Atomwaffen angegriffen worden wären. Ost-Berlin sollte demnach "systematisch zerstört" werden.

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muttisbester 23.12.2015, 11:46
40. atomare Abschreckung funktioniert

Die Abschreckung durch Atomwaffen funktioniert - 70 Jahre Frieden sind der Beweis!
Weil eben alle wussten, dass allen die totale Vernichtung droht, kam es nicht zum großen Krieg.
Wären die Atomwaffen schon vor dem 2. Weltkrieg entwickelt worden, hätte es diesen Krieg nie gegeben. Und ohne die Atombombe hätte Stalin seine Panzer wohl kaum mitten in Deutschland gestoppt - die wären gut und gerne bis zum Atlantik weiter gerollt.
Und auch die Sowjetische Atombombe hat die USA von Kriegen abgehalten. Kein Land dieser Welt wird Atomwaffen abschaffen - die Ukraine hätte die Krim vielleicht noch, hätte es ein paar Atombomben behalten...

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spiegelleser861 23.12.2015, 11:47
41. um den Krieg zu verkürzen...

Alle, die die systematische Zerstörung Dresden, Hamburgs und andere Städte sowie die Atombomben-Abwürfe in Japan immer noch gutheißen, sollten sich überlegen, was das heißt, wenn Hunderttausende unschuldiger Zivilisten - natürlich nur des "Feinds" - für strategische Kriegsführung geopfert werden.
Gerade am Beispiel DDR sieht man, das "Feind" oft nur eine Betrachtung der obersten paar Politiker sind. Die damalige Bevölkerung der DDR hatte sicher genauso wenig Lust auf einen Krieg gegen die USA wie sie heute Luft auf einen Krieg gegen Russland hätte. Wir sind alle nur Menschen, die leben wollen. Niemand will für ein Kräftemessen der Politiker sterben. Zum Glück ist es damals nicht soweit gekommen.

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monolithos 23.12.2015, 11:49
42.

Zitat von mielforte
aber wo zielen die 20 Atombomben in Ramstein heute hin? Ein wenig grotesk finde ich es schon, wie man die Westberliner damals hätte fernhalten wollen. Waren wohl schon intelligente Waffen so wie heute die Streubomben. Fehlgeleitete Macht aller Länder, verpisst Euch!
Auch Atomwaffen in Ramstein scheinen Schnee von gestern zu sein:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/atomwaffen-in-deutschland-usa-haben-nuklear-arsenal-in-ramstein-geraeumt-a-493451.html

Oder doch wieder aktuell? Auf jeden Fall dürften an anderer Stelle in Deutschland noch Atomwaffen lagern. Man sollte auch mal der Frage nachgehen, wie die ehemaligen Ramsteiner Kernwaffen in die USA zurückgekommen sind. Bestimmt nicht im Castor-Behälter auf einer gesicherten Bahnstrecke. Ich gehe davon aus, dass Deutschland nicht wusste, was da durch seine Lüfte geflogen wird.

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AHF84 23.12.2015, 11:50
43.

Zitat von TschiTschi
Und wie sieht das heute aus? Es ist zu befürchten, dass es heute ähnliche Listen mit vergleichbaren Zielen gibt. Sowohl in den USA, als auch in Russland.
Ich denke heute sieht es genauso aus. Es würde mich stark wundern, wenn die NATO - und damit überwiegend die USA - keine entsprechende Ziele bei potentiellen Kriegsgegnern definiert hat. Alles andere wäre auch echt armselig. Sollte es zu so einem Krieg kommen - und wir sollten alle hoffen und beten, dass es nie passiert - bleiben keine paar Wochen um erst mal Google Maps zu befragen. Natürlich wird in den Schubladen der Militärs eine Liste mit Koordinaten liegen, die Ziele in Russland, China, Indien und so weiter markieren. Genauso werden Listen von potentiellen Zielen des Gegners existieren. Ich wäre schon sehr enttäuscht, wenn das Militär - deren Aufgabe eben kriegerische Handlungen sind - sich eben nicht auf einen solchen Fall vorbereiten würde. Das ist deren Job.

@ Cluedo: danke für Ihren Beitrag. er enthält zumindest eine realistische Betrachtung und verfällt nicht in die USA-Hass-Mode.

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schwerpunkt 23.12.2015, 11:53
44.

Zum einen wäre solche ein "klassischer" dritter Weltkrieg entsprechend dem befrüchteten Szenario eines massiven nuklearen Schlagabtauschs zwischen den Supermächten nicht nur für berlin katastrophal geworden, sondern weltweit. Das war uns in den 70ern und 80ern allen klar.
Entsprechend gab es auch Filme die die Folgen eines solchen vernichtenden Krieges darstellten, wie zum Beispiel "The day after" oder "when the wind blows". Niemand rechnete damit, sowas in Europa zu überleben. Und wenn, dann wird man die die schnell gestorben sind, beneiden.

Wir rechenten damals, dass praktisch jede direkte Konfontation zwischen NATO und Warschauer Pakt zwangsläufig in einem weltweiten nuklearen Holocaust endet ... und das direkte Schlachtfeld wäre Deutschland.

Insofern sind die 91 geplanten Ziele für Nuklearwaffen allein in Ostberlin nicht überraschend. Was mich eher überrascht, dass man glaubte 91 Atombomben für die Zerstörung einer Stadt wie Berlin zu benötigen. Je nach Sprengkraft hätte wohl eine Handvoll gereicht um wirklich direkt alles platt zu machen. Die restlichen 85 würden über einer atomaren Wüste abgeworfen.

Keine Ahnung wieviele Sprengköpfe in den heißesten Phasen des kalten Krieges einsatzbereit gewesen sind. Aber sie hätten durchaus ausgereicht um unsere Zivilisation in die Steinzeit zurück zu bomben ... ohne Aussicht dafür, dass diejenigen, die dies wirklich überleben würden, jemals aus dieser Steinzeit hervorkommen.

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at.engel 23.12.2015, 11:55
45. Maximale...Abschreckung

Also im Grunde kann man so ein Papier ja gar nicht ernst nehmen. Jedenfalls wüsste ich gerne mal, was passiert, wenn man die dritte, vierte, fünfte Atombombe auf den gleichen Ort wirft - oder warum die Amerikaner 91(!) Atombomben brauchen, um Ostberlin auszuschalten. Andererseits sollen 1100(!) sovietische Luftwaffenbasen ausgeschaltet werden, ehe das erste Flugzeug startet... Ist ja wohl vollkommen utopisch. Vor allem kann man davon ausgehen, dass die Russen sowieso immer ein paar Basen mehr hatten als den Amerikanern bekannt waren. Dazu kommen dann noch die U-Boote, und mobile "Basen"...
Kurz, das Ganze klingt nicht viel anders, als Reagan's "Krieg der Sterne" knapp dreißig Jahre später. Das Papier diente wahrscheinlich in erster Linie der Abschreckung.

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Proggy 23.12.2015, 11:55
46. nicht nur in den 50ern

Zitat von räbbi
Gut, man muß auch sehen, dass wir uns hier in den 50er Jahren bewegen - da war man in Sachen Atomenergie in jeder Hinsicht noch relativ entspannt. Ansonsten gibt es hier eigentlich wenig neues. Die Anzahl überrascht mich einwenig, aber go big, or go home. Das Ausradieren vom Zivilisten und Infrastruktur ist Kern das modernen Krieges. Wer tot ist, erscheint nichtmehr zum Dienst in der Munitionsfabrik. Heute nehmen die USA natürlich viel mehr Rücksicht auf ihre Verbündeten und folgen nichtmehr nur eigenen Interessen...
Das war ab den späten 60ern nicht viel anders.
Jeder der "altgedienten" Offiziere weiß es noch...
Die "flexible response" Nato-Strategie sah vor, Deutschland erst von der linken Rheinlinie aus zu verteidigen und das Gebiet dahinter in Richtung Osten (notfalls nuklear) unpassierbar zu machen.
Diese Nato-Strategie wurde bis zum Ende des kalten Krieges beibehalten und bis in die 90er immer nur etwas abgewandelt, um der jeweils neuen Waffentechnik angepasst zu werden.

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richardheinen 23.12.2015, 11:55
47.

Ich nehme nicht an, dass die Offenlegung der damaligen Pläne irgendein Erstaunen auslöst. Dass die Landmasse zwischen Atlantik und Ural im Kriegsfall in einem atomaren Feuer versunken wäre, ist doch schon lange bekannt. Es hätte keinen mehr gegeben, der die Frage, ob "gute" oder "böse" (je nach Paktzugehörigkeit) Bomben verantwortlich waren, hätte stellen können.

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huger56 23.12.2015, 11:56
48. Bitte?

"Es ist verstörend zu sehen, dass Bevölkerungszentren als Ziel galten"

Wen, wenn nicht die Bevölkerung, sollten denn die immer stärkeren Bomben treffen? Wenn ganze Landstriche verwüstet werden, wird man wohl kaum sagen können, dass man eine Basis oder einen Flughaften treffen wollte.

Und dann kamen noch die perfideren Neutronenbomben hinzu, die die Infrastruktur intakt liessen, quasi die militärische Zwangsräumung der Bevölkerung!

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yvowald@freenet.de 23.12.2015, 11:56
49. Distanz zu den USA

Hier zeigt sich exemplarisch, in welcher Geistesverfassung sich die politisch und militärisch Verantwortlichen in den USA befanden und noch immer befinden.
Die US-Administration kennt nur eine "Politik der Stärke" und eine möglichst totale Vernichtung gegnerischer Kräfte.
Und mit diesen USA unterhält die BRD weiterhin ein Militärbündnis, das sich NATO nennt.
Und innerhalb der NATO geben die USA den Ton an, Deutschland hat sich den Befehlen aus Washington unterzuordnen.
Wie jämmerlich!
Deutschland und Europa sollten ernsthaft überlegen, zur Militärmacht USA auf Distanz zu gehen.
Ansonsten werden auch wir weiterhin in militärische Abenteuer hineingezogen, die wir alle nicht wollen und die in unser eigenes Verderben führen können.

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