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Kambodscha: Wie angebliche Waisenhäuser Kinder und Touristen ausbeuten
Maria Feck

Tausende kambodschanische Kinder wohnen in Waisenheimen - obwohl ihre Eltern noch leben. Einige Betreiber haben es vor allem auf das Geld von Touristen abgesehen. Nun sollen Familien wieder zusammengebracht werden, doch das ist schwierig.

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spon-1245711913406 10.04.2019, 14:19
1. Nichts Neues

Aber es hat sich schon viel geändert. Ich lebe seit mehr als 10 Jahren in Siem Reap und als ich zuerst dort ankam waren diese "Waisenhäuser" allgegenwärtig. Seitdem haben einige NGO's viel getan und auch viele Besucher sind inzwischen informiert. Aber es gibt noch viel zu tun, es gibt noch viele Touristen die denken sie tuen Gutes wenn sie in diese angeblichen Waisenhäuser einfallen.

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vitenskapsman 10.04.2019, 14:26
2. Kein Einzelfall

Da ich sehr oft in Kenia bin, bekomme ich sehr gut mit was hier in Waisenhäusern geschieht. Mitarbeiter bereichern sich an Geschenken oder stehlen die Milch der Kühe für sich. Die Kinder bekommen dann keine gute Nahrung. Anstatt die Kinder zu erziehen und aufzuklären, leben diese in Angst und werden rausgeworfen, wenn beispielsweise jemand schwanger wird. Diese Mädchen gehen dann von Mann zu Mann, um Essen und Unterkunft zu haben. Die Männer erwarten dafür natürlich eine Gegenleistung. Und das wird dann unter namenhaften christlichen Organisation so durchgeführt. Als Einzelner ist es wiederum schwer etwas zu tun, weil die Ihre Macht nutzen können. Das sind meine Erfahrungen hier.

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dschungelmann 10.04.2019, 14:29
3. Ich lebe in Kambodscha seit Jahren....

und betreue ueberpruefte NGOs und entwickle Programme. Ich verabscheue diese "Geldmaschinen" auf dem Ruecken der Armen. Hier gibt es(die alte Zeit ist laengst Geschichte) genau so viele oder wenige Waisen wie ueberall. Lassen Sie sich nicht von diesen gut organisierten Kriminellen Banden und Familienclans, die diese Institutionen betreiben hinters Licht fuehren! Da werden jaehrlich zig Mio. verdient. Bus und Tuck tuck Fahrer erhalten Provisionen. Einkaeufe werden nach Abreise zu Cash gemacht. Es ist eine ueble Industrie. Wenn Sie helfen wollen, tun sie es direkt und persoenlich. Trauen Sie niemandem! 90% ALLER NGOs hier sind nur dazu da fuer sich selbst zu kassieren, fettes Leben fuers Managment. 2 geprueft gute Orgs: LHA Siem Reap und Choice-Cambodia.org. Keinen Cent fuer Auslaender!
Gruss aus Siem Reap.

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stolte-privat 10.04.2019, 15:10
4. Daumen runter.........

Noch widerlicher als die Ausbeutung der Kinder sind die Selfie-Touristen, die dann in sozialen Medien noch mit ihren angeblichen "Wohltaten für die armen Waisenkinder" ihre Mitmenschen beeindrucken wollen. Alle Daumen zeigen abwärts...........

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danmage 10.04.2019, 15:20
5. Schwierig

Es ist gut, dass der Artikel mehrere Seiten beleuchtet. Denn es gibt nicht nur schwarz und weiß.
Aus unseren wohlhabenden und reichen Ländern lässt sich natürlich ein hoher moralischer Blickwinkel aufrechterhalten, was natürlich absolut korrekt ist.
Aber auf der anderen Seite Leiden die betroffenen Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern unter großem Mangel und auch unter Hunger wie am Beispiel von Brosna beschrieben.
Man muss hier alle Seite berücksichtigen, und behutsame Übergangslösungen finden.
Mann kann nicht immer nur den Blickwinkel des kompromisslosen Akademikers einnehmen, der abschätzig über Folklore für Touristen urteilt und Volontäre geringschätzig als negative Einflüsse sieht.
Manchmal sollte man auch vom hohen moralischen Ross heruntersteigen.

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Bernixx 10.04.2019, 15:30
6. In der Sache richtig und trotzdem, viel zu einseitig ...

... Waisenhäuser und NGO`s sind natürlich, wie beinahe überall auf der Welt oft auch Scams. Das ist nichts neues. Trotzdem gibt es auch sehr gute "Waisenhäuser" in Kambodscha und die geraten hier leider gerade auch unter die "Räder". Fangen wir mal ganz am Anfang an. Es ist kein Geheimnis, dass es in armen Ländern keine oder kaum Verhütung gibt und eine hohe Zahl an Kindern, letztlich auch die Rente garantiet, vorallem ... wenn sie gut ausgebildet sind und mehr Geld verdienen als mit dem Reisanbau. So geht die Geschichte in Kambodscha und in vielen Ländern Afrikas etc. eigentlich los. In den ärmeren Familien fängt es spätestens ab Kind #4 oder #5 an, sehr knapp mit dem essen zu werden ... was also tun ? Schulgeld kann man dann auch vergessen. Die Kinder an ein "Waisenhaus" zu geben ist dann besser, als den Kindern beim verhungern zuzusehen, sie a´la "Hänsel und Gretel" in den Wald zu führen und die Arztrechnungen im Krankheitsfall ... können sie sowieso vergessen. Auch ein Grund, für die hohe Kindersterblichkeit. Desweiteren haben die Eltern dann über die Waisenhaus-Ausbildung, auch die berechtigte Hoffnung auf eine höherwertige Ausbildung Ihrer Kinder später und durch die Zahlungen dieser Kinder ein besseres Lebensniveau im Alter zu erreichen. Das ist in keinster Weise verwerflich sonder einfach asiatisch gedacht. Kein Kind wird dort seine "Pflichten" vergessen wenn es älter ist und mag es seine Eltern auch kaum oder gar nicht kennen. Ich habe lange Jahre in diesem Land gelebt und meine Frau ist Kind #12 aus einer Familie mit 13. Ab #4 sind alle im Waisenhaus gelandet, meine Frau hat Ihre Familie ungefähr 2x öfter gesehen als ich, trotzdem ist die Verbindung unglaublich stark und nicht der "Hauch" eines Vorwurfs. Sie hatte allerdings auch das Glück, zusammen mit Ihren anderen Brüdern und Schwestern, in einem der ältesten und ehrenwertesten Waisenhäusern Kambodschas zu landen. Mit fantastischer US amerikanischer Unterstützung und der Möglichkeit zu Auslandsemestern. Kurz nachdem ich Sie kennengelernt habe, habe ich intensiv über Waisenhäuser recherchiert und war entsetzt, wie diese noch Anfang des Jahrtausends aus dem Boden schossen und ungefähr 2010 Ihren "Peak" erreichten. Entsprechend misstrauisch habe ich mir diese Szene über Jahre hinweg angesehen und musste 2013 jedoch zu dem Schluss kommen, dass einige hiervon einen verdammt guten Job machen, auch gesellschaftlich. Es ist mir klar dass es eines Buches bedarf, all diese Facetten zu beleuchten und deswegen bin ich mit dem Artikel trotzdem einverstanden. ;)

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isar56 10.04.2019, 16:40
7.

Zitat von dschungelmann
und betreue ueberpruefte NGOs und entwickle Programme. Ich verabscheue diese "Geldmaschinen" auf dem Ruecken der Armen. Hier gibt es(die alte Zeit ist laengst Geschichte) genau so viele oder wenige Waisen wie ueberall. Lassen Sie sich nicht von diesen gut organisierten Kriminellen Banden und Familienclans, die diese Institutionen betreiben hinters Licht fuehren! Da werden jaehrlich zig Mio. verdient. Bus und Tuck tuck Fahrer erhalten Provisionen. Einkaeufe werden nach Abreise zu Cash gemacht. Es ist eine ueble Industrie. Wenn Sie helfen wollen, tun sie es direkt und persoenlich. Trauen Sie niemandem! 90% ALLER NGOs hier sind nur dazu da fuer sich selbst zu kassieren, fettes Leben fuers Managment. 2 geprueft gute Orgs: LHA Siem Reap und Choice-Cambodia.org. Keinen Cent fuer Auslaender! Gruss aus Siem Reap.
Interessante Info, wofür ich Ihnen danke.
Evtl. sind Patenschaften für ganze Familien (als Hilfe zur Selbsthilfe) hilfreicher?
In Deutschland erhalten ehemalige Heimkinder mindestens 9 000,-- Euro Entschädigung für erlittenes Leid: Prügel, Launen der Betreuer/ nachts aus dem Bett gerissen und zum Boden putzen auf den Knien genötigt/ in den frühen Morgenstunden zum Geschirr spülen geweckt nach Schema F/strengen Vorgaben.
Und das war Deutschland in den 80er Jahren. In der DDR NOCH schlimmer. Das weiß ich von einem hörbehinderten Mann. Erniedrigungen, Körperverletzungen waren an der Tagesordnung, damit die "Erzieher" ihren Frust
entladen und ihr Mütchen kühlen konnten. An 4jährigen, 6jährigen 12jährigen Kindern ....

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webersa 10.04.2019, 17:31
8. Helfen kann man auch zu Hause

Wenn einen mal wieder der Drang überkommt Gutes zu tun, einfach mal zum nächsten Pflegeheim gehen und mit einer Oma oder einem Opa um den Block spazieren und plaudern. Oder sich mit Demenzkranken beschäftigen, die niemanden haben, der sich kümmert. Das ist zudem viel nachhaltiger, muss man zuvor nicht um die halbe Welt fliegen. Nur der Coolness-Faktor leidet ein wenig.

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levy_izhak 10.04.2019, 17:55
9. Auch wenn viele

Es negativ betrachten, muss man dies relativieren und die Sicht des Europäers ablegen, dem es an nichts mangelt.

Beispielsweise Dorm Sophea aus dem Artikel, ohne Waisenhaus, müsste die Mutter sich prostituieren um sich mit Ihrem Sohn über Wasser zu halten.

In einem Land wie man die angenagten Speisekarte von anderen wiederverwendet ist das Leben des Protagonisten nicht schlecht.

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