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Kanadas Außenministerin Freeland: "Trumps Vorwurf ist absurd"
REUTERS

"Wir haben uns umorientiert": Außenministerin Freeland erklärt Kanadas Politik seit Donald Trump - und warum die Deutschen ihren internationalen Einfluss unterschätzen.

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bigroyaleddi 01.09.2018, 12:39
1. Das ist doch mal eine Ansage

Kanada verbindet mit den USA viel mehr, als dieser Trump das wahrhaben will. Und in den Aussagen von Freeland klingt auch der Tenor durch, dass es ein politisches Leben ohne Trump gibt. Allerdings wohl keines ohne den Kontinent Amerika.

Und wieder einmal können wir nur hoffen, dass dieser Trumpel von der Weltbühne verschwindet, bevor er die Staaten und den Rest der freien Welt endgültig runtergewirtschaftet hat.

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Atheist_Crusader 01.09.2018, 13:06
2.

"Der Vorwurf, Kanada bedrohe die USA, ist absurd. Schließlich sind wir nach US-Gesetz Teil des amerikanischen Verteidigungskomplexes."

Trump hat nicht direkt Kanada als Bedrohung bezeichnet, sondern das Fehlen einer starken amerikanischen Stahlindustrie (wofür er zum Teil Kanada verantwortlich macht). Das hängt mit dem Autonomiegedanken der USA (speziell der Konservativen) zusammen und einem tiefgehenden Misstrauen gegenüber allen anderen: Man betrachtet sich als "greatest country" on earth, als Jemand der alles besser macht und kann und weiß als alle Anderen - und man will sich auf keinen Fall an irgendjemanden binden, um keinen Preis von irgendwelchen Ausländern vorschreiben lassen was man zu tun und zu lassen hätte.
Deswegen hat man ja auch so ein Problem mit der UN und deswegen mag man die NATO (normalerweise): in der ersteren ist man nur einer von Vielen, zwar mit Sonderstatus aber eben nicht überwältigender Macht. In letzterer ist man der unangefochtene King, es zieht vielleicht nicht immer jeder überall mit, aber die NATO wird niemals gegen die Interessen der USA handeln.

Wirtschaftlich ist das nicht anders, dazu muss man sich z.B. nur mal anschauen wie die US-Streitkräfte einkaufen: praktisch ausschließlich amerikanische Rüstungsgüter. Und die die man von woanders kauft werden in den USA produziert, entweder von lokalen Zweigstellen oder auf Lizenz. Deswegen war auch Niemand ernsthaft überrascht, als der Deal mit den Tankflugzeugen vor ein paar Jahren nicht an Airbus sondern an Boeing ging.
Es anders zu handhaben hieße, sich von einem anderen Land abhängig zu machen, das dann einfach im Falle eines unliebsamen Krieges den Nachschub unterbrechen könnte (man erinnere sich an den glorreichen Irak-Feldzug in dem diese doofen Deutschen und Franzosen einfach nicht mitziehen wollten). Und das kann man nicht haben. Man muss jederzeit bereit sein mit jedem im Konflikt zu sein, notfalls gegen den ganzen Rest der Welt. Um das tun zu können muss die Rüstungsindustrie unabhängig sein - und das geht nicht ohne eine starke Stahlindustrie.

Das meint Trump wenn er sagt "if you don't have steel, you don't have a country". Er hält Kanada nicht wirklich für eine Bedrohung und ihm ist vollkommen klar dass diese in einem Konflikt mit den USA niemals den Hauch einer Chance hätten. Darum geht es ihm auch nicht. Er will einfach nicht dass Jemand die gleiche Art von Erpressung auf die USA anwenden kann, die er selbst so gerne praktiziert. Die USA muss frei sein zu tun was immer sie für richtig hält - egal was der komplette Rest des Planeten davon hält.

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conrath 01.09.2018, 13:17
3. Eine Stimme der Vernunft.

Und ein starkes, klares Zeichen für eine Zusammenarbeit. Wenn es nur mehr davon gäbe. Die Zeitenwende die wir erleben kann nur mit Vernunft, Einsicht und Weltsicht bewältigt werden. Es gibt leider zuwenige davon in führenden Stellen. Umso mehr muss der Zusammenhalt der Vernünftigen unterstützt werden. Hier ist eine weitere Gelegenheit.

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Beat Adler 01.09.2018, 13:31
4. Durch Strafzoelle soll eine einheimische Stahlindustrie entstehen?

Zitat von Atheist_Crusader
"Der Vorwurf, Kanada bedrohe die USA, ist absurd. Schließlich sind wir nach US-Gesetz Teil des amerikanischen Verteidigungskomplexes." Trump hat nicht direkt Kanada als Bedrohung bezeichnet, sondern das Fehlen einer starken amerikanischen Stahlindustrie (wofür er zum Teil Kanada verantwortlich macht). Das hängt mit dem Autonomiegedanken der USA (speziell der Konservativen) zusammen und einem tiefgehenden Misstrauen gegenüber allen anderen: Man betrachtet sich als "greatest country" on earth, als Jemand der alles besser macht und kann und weiß als alle Anderen - und man will sich auf keinen Fall an irgendjemanden binden, um keinen Preis von irgendwelchen Ausländern vorschreiben lassen was man zu tun und zu lassen hätte. Deswegen hat man ja auch so ein Problem mit der UN und deswegen mag man die NATO (normalerweise): in der ersteren ist man nur einer von Vielen, zwar mit Sonderstatus aber eben nicht überwältigender Macht. In letzterer ist man der unangefochtene King, es zieht vielleicht nicht immer jeder überall mit, aber die NATO wird niemals gegen die Interessen der USA handeln. Wirtschaftlich ist das nicht anders, dazu muss man sich z.B. nur mal anschauen wie die US-Streitkräfte einkaufen: praktisch ausschließlich amerikanische Rüstungsgüter. Und die die man von woanders kauft werden in den USA produziert, entweder von lokalen Zweigstellen oder auf Lizenz. Deswegen war auch Niemand ernsthaft überrascht, als der Deal mit den Tankflugzeugen vor ein paar Jahren nicht an Airbus sondern an Boeing ging. Es anders zu handhaben hieße, sich von einem anderen Land abhängig zu machen, das dann einfach im Falle eines unliebsamen Krieges den Nachschub unterbrechen könnte (man erinnere sich an den glorreichen Irak-Feldzug in dem diese doofen Deutschen und Franzosen einfach nicht mitziehen wollten). Und das kann man nicht haben. Man muss jederzeit bereit sein mit jedem im Konflikt zu sein, notfalls gegen den ganzen Rest der Welt. Um das tun zu können muss die Rüstungsindustrie unabhängig sein - und das geht nicht ohne eine starke Stahlindustrie. Das meint Trump wenn er sagt "if you don't have steel, you don't have a country". Er hält Kanada nicht wirklich für eine Bedrohung und ihm ist vollkommen klar dass diese in einem Konflikt mit den USA niemals den Hauch einer Chance hätten. Darum geht es ihm auch nicht. Er will einfach nicht dass Jemand die gleiche Art von Erpressung auf die USA anwenden kann, die er selbst so gerne praktiziert. Die USA muss frei sein zu tun was immer sie für richtig hält - egal was der komplette Rest des Planeten davon hält.
Durch Strafzoelle soll eine einheimische Stahlindustrie entstehen? Wirklich? Trumps Oligarchen investieren die noetigen Milliaerdchen dafuer? Wirklich? Ja, das ist nun wirklich wirklichkeitsfremd!
mfG Beat

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Leser1000 01.09.2018, 13:36
5. Endlich...

....mal ein Interview das wieder Mut macht.
Sympathisch die Dame. Weiter so Lady! Toll auch wie positiv sie trotz allem mit den USA umgeht. Auf der anderen Seite unverständlich das der US- Präsident einen so engen und freundlichen Verbündeten so vor den Kopf stösst.

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neue_mitte 01.09.2018, 13:44
6.

Zitat von Atheist_Crusader
[...] Er will einfach nicht dass Jemand die gleiche Art von Erpressung auf die USA anwenden kann, die er selbst so gerne praktiziert. Die USA muss frei sein zu tun was immer sie für richtig hält - egal was der komplette Rest des Planeten davon hält.
Das wäre ja nicht mal so schlimm. Das hätte ja Schweizer Anmutung. Wir machen, was wir wollen und es juckt uns wenig, was die anderen darüber denken - und überhaupt, was die so tun. Die USA möchte aber so frei sein zu tun - invasiv IM Rest der Welt -, was sie für richtig halten, egal was dieser Rest der Welt dazu denkt, was bei ihm im Vorgarten gerade passiert. Die USA sind der Auffassung, dass die Freiheit der USA nicht bloß am Hindukusch, sondern im gesamten Rest der Welt verteidigt werden muss. Die gesamte Welt zu Untertan machen, nicht nur Weltpolizei, sondern Weltregierung gleich mit.

Und damit werden sie immer weniger durchkommen. Die Chinesen werden diese vermeintliche Weltherrschaft der USA brechen und selbst so ein System installieren. Im südchinesischen Meer und dessen Inselgruppen kriegerisch, in Afrika wirtschaftlich. Die Beziehungen eines Landes zu Taiwan bestimmen des Beziehungen zu China.

Ich finde es gut, dass Kanada so flexibel ist, sich von Trump's America zu lösen und sich Partner woanders zu suchen. Ob das rückgängig gemacht wird, wenn Trump wieder weg ist und der Nachfolger wieder alle Tassen in den Schrank geräumt hat? Wer weiß.

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neue_mitte 01.09.2018, 13:51
7.

Zitat von Beat Adler
Durch Strafzoelle soll eine einheimische Stahlindustrie entstehen? Wirklich? Trumps Oligarchen investieren die noetigen Milliaerdchen dafuer? Wirklich? Ja, das ist nun wirklich wirklichkeitsfremd! mfG Beat
Die heimische Stahlindustrie gibt es ja. Die hängt bloß in Qualität, Investitionen und Produkten der Welt hinterher. Die Strafzölle sollen nur diese Unfähigkeit und Ineffizienz stützen und die Welt fern halten. Der Kunde hat nichts davon. Kein einziges besseres Produkt. Mehr investiert wird sicher auch nicht. Wozu auch, die Strafzölle bescheren der heimischen Stahlindustrie höhere Absätze ohne Pflicht zur Innovation. Der ausländische Stahl wird so weit künstlich verteuert, dass man quasi heimisch kaufen muss. Und dieses Muss ist sehr bequem. Das sichert und schafft kurzfristig neue Arbeitsplätze in dieser Stahlbranche. Aber nur dort. In den stahlverarbeitenden Betrieben gehen die dafür flöten. Die müssten die Strafzölle entweder durch Preiserhöhungen kompensieren - geht nicht - oder eben den minderwertigeren heimischen Stahl kaufen. Somit werden die Produkte schlechter und man muss Preissenkungen anstreben. Aber das wissen Sie wahrscheinlich genauso gut.

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neue_mitte 01.09.2018, 13:53
8.

Zitat von Leser1000
....mal ein Interview das wieder Mut macht. Sympathisch die Dame. Weiter so Lady! Toll auch wie positiv sie trotz allem mit den USA umgeht. Auf der anderen Seite unverständlich das der US- Präsident einen so engen und freundlichen Verbündeten so vor den Kopf stösst.
Für Trump gibt es keine Verbündeten, eng und freund(schaft)lich hin oder her. Es gibt nur Partner, mit denen man huge deals macht. Oder Partner, die man über den Tisch ziehen kann. Oder beides zusammen. Und es gibt Gegner. Zur Not der gesamte Rest der Welt. Die USA sind so great, die schaffen es auch ohne den Rest der Welt.

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sven2016 01.09.2018, 14:15
9.

Auch Kanada steckt in der Klemme, dass der Handelspartner mit den Drohungen eben der wirtschaftlich Stärkere und außerdem bisher Heimat großer Kunden ist.

Unternehmen werden hier immer nachgeben oder ausweichen, egal was die Politik als Reaktion auf Trump wünscht.

Der Mann hatte früher die Mafia zur Unterstützung (Fat Tony Salerno), heute die rassistischen White Suprematists der Republikaner.

Dagegen ist mit demokratischen Mitteln kaum anzukommen, gerade wenn Wählerwille in USA nicht weniger als in Russland ignoriert wird.

Aber auch Trump lebt politisch nicht ewig und danach werden seine Follower reihenweise über die Planke gehen müssen.

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