Forum: Politik
Kann Karl-Theodor zu Guttenberg Verteidigungsminister bleiben?

Die Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?

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richie 24.02.2011, 14:39
4710.

Zitat von Akku
Irgendwo hier las ich von einer Foristin, sie hoffe, dass man ihn anzeigt. Auch das ist typisch. Gehen sie zur Polizei und zeigen ihn an, wenn sie das möchten. Warum sollen dass denn andere für sie machen?
Weil das nur Betroffene machen können, also Leute, Unternehmen oder Institute, von denen er abgeschrieben hat.
Erst informieren, dann schreiben!

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Dion 24.02.2011, 14:39
4711. Über die Gleichheit vor dem Gesetz

Erst Doktor-Titel weg, nun auch der Job – Zitat:

Die Staatsanwaltschaft Göttingen verhängte gegen den Spitzenbeamten einen Strafbefehl über 90 Tagessätze zu je 100 Euro (insgesamt 9000 Euro) wegen Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz. Ein Gutachten hatte ergeben, dass sich die Doktorarbeit auf etlichen Seiten als „Flickenteppich aus den Texten anderer Autoren“ darstelle.
Das wird dem Minister Guttenberg sicher nicht passieren, aber wie das Beispiel zeigt, droht seinen Beamten Ähnliches, falls sie das gleiche Verhalten wie ihr Minister an den Tag legen.

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, aber manche sind eben gleicher oder stehen gar außerhalb des Gesetzes.

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blackkwood 24.02.2011, 14:39
4712. Zustimmung - aber ....

Zitat von maan
Nein, er kann nicht Verteidigungsminister bleiben, weil seine Autorität flöten gegangen ist. Sollte ihm ein Verbleiben im Amt mit Hilfe der BLÖD gelingen, geriete er in lebenslange Abhängigkeit, weil ihm bestimmte Leute den Ar*** gerettet haben. Das wäre zum Schaden der Bundesrepublik Deutschland und völlig inakzeptabel.
Objektiv betrachtet stimme ich Ihnen vollkommen zu:
Ehre, Anstand und Moral sollten unteilbar sein und für alle gelten, egal in welchem Amt und welcher Couleur sie sind!

Leider sieht die Realität in unserem Land aber anders aus, denn wir (er)dulden doch schon seit -zig Jahren eine ganze Reihe von politischen Köpfen im Amt, deren Verhältnis zu Ehre, Anstand und Moral zumindest kritisch hinterfragt werden muss:
Joschka Fischer - ehemals Steinewerfer, Straßenkämpfer, "Bullen-Klatscher".
Otto Schily - ehemals RAF-Anwalt und eventuell auch -Sympathisant?
Jürgen Trittin - ehemals Mitglied verschiedener K-Gruppen, die sicher nicht auf dem Boden unserer Verfassung standen.
Gregor Gysi - der bis heute keine nachvollziehbaren Angeben zu seinen möglichen Stasi-Verstrickungen gemacht hat.
Helmut Kohl - Spendenaffäre.
Roland Koch - Spendenaffäre (der brutalstmögliche Aufklärer).
Uwe Barschel - dirty tricks.
Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen - und zwar quer durch ALLE politischen Parteien!
Und dass Gerhard Schröder den Diktator Putin als "lupenreinen Demokraten" bezeichnet, um sich damit einen lukrativen Posten bei Gazprom zu sichern, zeugt ja nun auch nicht gerade von Ehre, Anstand und höchster Moral.

Alle genannten (und noch einige andere mehr) sind trotz ihrer Verfehlungen und ihrer Vergangenheit in ihre Ämter gekommen und auch dort verblieben.
Warum sollte KT also zurücktreten?
Ob "Bullen klatschen" moralisch verwerflicher ist als das Fälschen einer Doktorarbeit sei dahin gestellt - unmoralisch ist sicher beides.
Insofern hätten alle oben genannten aus den gleichen Gründen zurücktreten müssen, mit denen KT jetzt zum Rücktritt gedrängt wird. Sie haben es aber nicht getan.

Somit sind Ehre, Anstand und Moral anscheinend doch nicht unteilbar und auch nicht für alle gültig, sondern schlicht eine Frage der politischen Couleur:
Diese Werte werden immer dann eingefordert, wenn man eine moralische Verfehlung beim jeweiligen politischen Gegner ausgemacht hat und ihm damit schaden kann.
Das haben die Rechten bei Joschka Fischer so gemacht, indem sie seinen Rücktritt forderten, und die Linken machen es jetzt bei KT - so einfach ist das. Die üblichen Reflexe, der übliche Politzirkus fürs dumme Volk - nichts weiter!

Und alle vergessen dabei immer eines:
Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit 3 Fingern der gleichen Hand auch immer auf sich selbst ....
Oder einfacher ausgedrückt:
Erstmal vor der eigenen Haustüre kehren ....

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ray4901 24.02.2011, 14:39
4713. abwarten

Zitat von LondoMollari
... mit Wunsch der Bürger die von BILD gefälschte Zustimmungsumfrage? die Online ausfüllbar war bis plötzlich da stand das 53 % den Rücktritt wünschten? Und die dann plötzlich durch eine neue, kostenpflichtige Umfrage via FAX oder Telefon ersetzt wurde?
Die seriösen Wahlumfrageinstitute werden uns in wenigen Stunden realistisch über die Meinung der Leute "von der Strasse" informieren. Wiederum mindestens zwei wenn nicht mehr,, die dasselbe fragen, zum Quervergleichen. Das Ergebnis wird natürlich Freund und Feind genau gleich enttäuschen, wie die trotteligen SMS- Bazare der Printmedien und die online Portale der gleichen Verlage;-)

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jo-swift 24.02.2011, 14:41
4714. Mit dem rechten Augenmaß der Weltpolitik betrachtet!

Zitat von worm80
Frau Merkel desavouiert sich selbst: Alle ihre ewigen Beteuerungen, daß BILDUNG,BILDUNG,BILDUNG das ALLER,ALLER,ALLER WICHTIGSTE für uns in Deutschland sei, ...
Sagen Sie das nicht!
Ist sie nicht auf das Vorbild USA fixiert, über das sie immer wieder ins Schwärmen kommt?

Dort haben es so manche Einwanderer, obwohl sie weder zu lesen noch zu schreiben vermochten, ihre Karriere gemacht und es zum Millionär, wenn nicht sogar zum Milliardär gebracht.

Da werden US-Präsidenten, die tricksen und es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, zu den Champions und wahren Idolen des Westens, selbst wenn sie gemäß ihren Interessen x-beliebige Länder überfallen und Kriege vom Zaune brechen.

Wohl dem, der solche Vorbilder hat! Der dürfte mit einem Freiherrn, wenn er - dazu im Vergleich - in Petitessen einmal gefehlt hat, kaum Probleme haben.

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thorstenrohne,peine 24.02.2011, 14:41
4715. Verzicht statt Rücktritt

Herr zu Guttenberg hat auf seinen Doktortitel verzichtet, erst vorübergehend, dann dauerhaft. Verzicht hat etwas Gönnerhaftes an sich, da bedarf es nicht erst der Definition, wonach es sich um die "Aufgabe eines Rechts handele". Soviel zum Thema vorbildhaftes Fehlermanagement. Dass er sich (selbst) entschuldigt, anstatt um die Entschuldigung derjenigen zu bitten, deren Rechte er ignoriert hatte, kann man ihm nicht auch noch vorwerfen. Die Selbstentschuldigung ist dazu gerade in der Politik schon zu lange - widerspruchslos - verbreitet. Er hätte die ihm gemachten Vorwürfe einfach nur anerkennen und die Entziehung seines Doktortitels abwarten müssen. Mag es eine von wem auch immer inszenierte Kampagne sein oder nicht: Die Vorwürfe sind gravierend, der Umgang mit ihnen lässt keine ernsthafte Reue erkennen. Die Frage, ob er der Chef eines Ressorts (das seine Studenten/Doktoranden in dieser Situation degradiert oder entlassen hätte) bleiben kann oder nicht, beantwortet sich schon bei nüchterner Betrachtung der Ereignisse von selbst. Im Grunde hat er durch sein Nachverhalten sogar sein Rücktrittsrecht verspielt, allerdings in Absprache mit derjenigen, die ihn eigentlich entlassen müsste. Politik ist komplex und kompliziert, aber, wenn es darum geht, sich Anerkennung und Respekt zu bewahren, muss sie auch einfach sein können. Dann gibt es ausnahmsweise einmal keine Wahl. Ob ein reuiges Nachverhalten zu einer anderen Beurteilung hätte führen können, muss dabei nicht mehr geklärt werden. Mit der Beantwortung dieser Frage sollten wir uns dann ernsthaft beschäftigen, wenn endlich einmal jemand seine Fehler eingesteht, ohne sie zu kaschieren.
Sollte er allerdings weiterhin im Amt bleiben, sollte ihn seine nächste Dienstreise zum italienischen Regierungschef führen. Ab diesem Zeitpunkt sollte uns dann klar sein, dass unsere Kritik an den Italienern nunmehr auf anderen Füßen steht ... eine in vielerlei Hinsicht bedauerliche Entwicklung, zu der wir uns da beglückwünschen können.

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Coolie 24.02.2011, 14:42
4716. Nun ja...

...immerhin will die Uni Bayreuth nicht untätig bleiben...
http://www.focus.de/politik/deutschl...id_603037.html

Bin mal gespannt, was am Ende dabei herauskommt.

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Nihil novi 24.02.2011, 14:43
4717. Heine

Zitat von moritz12897
Ganz wie Heinrich Heine dichtete: "Denk ich an Deutschland in der Nacht so bin ich um den Schlaf gebracht!"
würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, wer da mit seinen Worten spielt. Und vor allem, in welchem zusammenhang.

Wirklich arm, dieses Deutschland.

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Heimatloserlinker 24.02.2011, 14:43
4718.

Zitat von wilhelm_holzmann
Die "Bitte" um Rücknahme der Doktortitels war an sich schon eine Unverschämtheit, weil man nicht huldvoll zurückgeben kann, was man vorher durch Diebstahl (geistigen Eigenums) betrügerisch erworben hat. Vor allem war es aber eine gezielte Aktion. Dadurch - so läuft das vor jedem Gericht - musste gar nicht mehr untersucht und der Nachweis gar nicht mehr erbracht werden, ob und vor allem in welchem Umfang Herr zu Guttenberg abgeschrieben und getäuscht hat. Das ist ein abgekartetes Spiel, und darauf fallen sie auch noch rein.
Dafür, dass "Unser Gutti" nur das 1. Staatsexamen hat, doch ziemlich clever, oder etwa nicht?

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robert lemke 24.02.2011, 14:45
4719. ehemaliger Doktor?

Es wird jetzt immer vom "ehemaligen Doktor der Rechtswissenschaften" gesprochen. Das ist genauso wie wenn man bei einem Dieb von einem "ehemaligen Besitzer" des Diebesguts sprechen würde. Kann sicher nur Ironie sein, hoffentlich.

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