Forum: Politik
Kapitalismuskritik: Am Schmelzpunkt des sozialen Systems
DPA

Die Welt steckt in der Krise: Das Vertrauen in das kapitalistische System ist verloren gegangen. Was sind Begriffe wie Gerechtigkeit, Verantwortung oder Demokratie noch wert? Bei der Wahl sein Kreuzchen zu setzen, ist zu wenig.

Seite 2 von 55
vindor2070 29.07.2013, 14:53
10.

Der Wettbewerb um staatsmonopolistisches Falschgeld ("Mindestreservebankwesen") hat nichts mit einem freien Markt zu tun. Manche nennen dieses System sogar "Geldsozialismus".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
GGArtikel5 29.07.2013, 14:53
11. trübsinnig?

"Es geht darum, Begriffe zurückzuerobern: Gerechtigkeit, Gesetz, Gleichheit, Demokratie, Freiheit: Ein trübsinniger Kapitalismus hat uns diese Begriffe geraubt."

Welcher trübsinnige Kapitalismus? Ich sehe eher einen komplett durchgeknallten, von allen Fesseln befreiten, grell gestylten, hippen, vollgekoksten Kapitalismus, der taumelt in einem wahnwitzigen Veitstanz um den ultimativen Spaß, das geilste Mega-Event und den abgefahrendsten Konsum.
Sie bringen einige Zitate. Ich ergänze mit Neill Postman: Wir amüsieren uns zu Tode.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wie_weiter_? 29.07.2013, 14:54
12. So richtig die Kritik ist, man darf...

aber nicht vergessen, daß es genügend Gewinner gibt und zwar in allen Schichten. Jetzt nur den Umbau des Kapitalismus fordern und schönere Zeiten herbeisehnen ohne den nötigen Blick auf die Konsequenzen erscheint mir nur der Beginn einer neuen Lebensweise, die dann über kurz oder lang ebenfalls wieder vor ähnlichen Schwierigkeiten steht.

Mal sehen, ob die westliche Welt wirklich geneigt ist, den Wohlstand so zu verteilen, daß es auf der Welt gerecht zu geht. Ich möchte bezweifeln ob das den jugendlichen Revoluzzern in Europa wirklich schmecken wird.

Es wird doch so sein, daß wir zur Schonung der meisten Ressourcen die Pro-Kopf-Zuteilung für Europa deutlich zurückschrauben müssten.

Nicht mehr zwei oder mehr Autos in einer Familie.
Kein XXXL-Burger mehr.
Alle paar Monate ein neues Handy ?
Die öffentlichen Einrichtungen schonen.
Immer mehr Klimageräte in privater Nutzung.

.....fällt mir nur mal so spontan ein.

Schön wäre ja auch mehr Ordnung und Sicherheit. Und auch mehr Zusammenhalt und Fröhlichkeit ohne Protzen. Das war übrigens in der relativen Armut der 60er Jahre in der BRD und der DDR zwangsweise wegen fehlender Mittel breit in der Bevölkerung vorhanden. Ist alles futsch gegangen. Und das waren nicht die Kapitalisten !

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pewehh 29.07.2013, 14:54
13. Vorsprung

Das Problem ist bloß, dass diejenigen, die der Kapitalismus-Sekte angehören, in den letzten Jahren so gewaltig aufgerüstet haben, dass Wünschen und Denken und ein bißchen Occupy wohl nichts mehr am Trend ändern werden. Täglich dringt der Sirenengesang der Werber durch alle Ritzen und redet uns ein, das nur das nächste i-Dings uns glücklich macht, während die NSA global genau aufpasst, dass nicht irgendwo jemand auf die Idee kommt, Schaffotte zu bauen. Das Vernebelungs-, Vertuschungs- und Umverteilungs-Arsenal ist prall gefüllt und die Verteidigungswälle verlaufen fast unüberwindbar zwischen Politik, Großkapital und Industrie und den, mit Brot und Spielen abgespeisten übrigen Bürgern. "Man kann sich auch in der Kapitulation nett einrichten", sagt Augstein. Ich fürchte, dass haben die allermeisten schon getan.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
benjaminrubin 29.07.2013, 14:55
14. Kein Kapitalismus weit und breit

Zitat von sysop
Die Welt steckt in der Krise: Das Vertrauen in das kapitalistische System ist verloren gegangen. Was sind Begriffe wie Gerechtigkeit, Verantwortung oder Demokratie noch wert? Bei der Wahl sein Kreuzchen zu setzen, ist zu wenig.
Wenn wir wirklichen Kapitalismus hätten, könnte man darüber streiten, was er nun bringt. Aber mit einer Staatsquote von weit über 40 Prozent hierzulande ist das wohl ein Witz. Wir haben ein seltsames Konglomerat von Großunternehmen und Politik, die freien Wettbewerb behindern und einschränken.

Bankenrettung ist ein Beispiel dafür (von wegen die Welt geht unter wenn die HRE oder andere Banken pleite gehen), das Zunftwesen für Berufe in Deutschland (womit man auch Märkte abschottet), das ausufernde Beamtentum (Zweiklassensystem bei Gesundheitsvorsorge, Altersvorsorge und Arbeitsplatzsicherheit)...

Demokratie funktioniert nur mit freien Märkten. Starker Staat und Demokratie - das zusammen funktioniert schlecht. Und die Staatsmacht ufert in allen westlichen Ländern mehr und mehr aus. Mehr Kapitalismus? Gerne, denn das lässt einem Freiheit. Mehr Staatslenkung? Nein, denn das sind die wahren Einschränkungen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nrwfo 29.07.2013, 14:55
15. Sie haben...

so Recht. Ich Stimme nicht oft mit Ihnen überein aber jetzt komme ich nicht dran vorbei.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kazookie 29.07.2013, 14:56
16. optional

Die Frage, die sich jeder, der gegen ein etabliertes System aufstehen will, zu stellen hat ist: "was habe ich zu verlieren?" Und erst, wenn es zu viele gibt, die sagen können: "nichts mehr!", dann wird es zu den erwähnten Protesten kommen. ich habe selbst noch sehr viel zu verlieren, geregeltes Leben, Freiheit, materieller Besitz, Beruf und geliebte Personen. Wieso sollte ich also gegen etwas protestieren, was mir mein Leben, wie es mir gefällt, erst ermöglicht ? Nenee, so einfach ist das nicht. Und die dicken Fische alla Bankenmanager und sonstige Gierschlünde gabs schon immer, ebenso korrupte und unfähige Politiker. Nur heute erfahren wir mehr davon als früher. Also denke ich, es ist viel zu früh für Widerstand.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Tropfen4711 29.07.2013, 14:56
17. Danke,

Sie fassen alles genau so zusammen wie ich es fühle.
Solche Worte wünsche ich mir von Frau Merkel und Herrn Gauck.

Alles andere ist witzlos, nur sinnloses taktieren um Besitzstandswahrung und Macht. Es wird Zeit ohne Angst aufzuräumen.

Lieber Bürger, macht alle mit, last uns den neuen Judenstern "Hartz IV" entschlossen abschaffen denn sonst klebt der demnächst auch auf ihrer Brust.

Unser Jugend braucht wieder Hoffnung und Vorbilder!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
agua 29.07.2013, 14:57
18.

Zitat von coyote38
Ganz HERVORRAGEND ! "Man kann es sich ja auch in der Kapitulation gut einrichten [aber] im zynischen Exil gibt es keine Demokraten." NOCH MEHR auf den Punkt geht es nicht, Herr Augstein. Diese amtierende Regierung schafft mit ihrer Politik die Demokratie ab. DANKE für die klare Position. Hervorragend, Herr Augstein. Wirklich GANZ HERVORAGEND !
Ich schliesse mich Ihrer Meinung an,weil auch mir der Artikel sehr gut gefällt.Wählen als demokratischer Akt ist unzulänglich,zumal fraglich ist,dass durch Wahlen noch eine Veränderung bewirkt werden kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Dr_EBIL 29.07.2013, 15:01
19. collateral consequences

So nennen das Juristen in USA, wenn z.B. Banker, weil sie zu wichtig sind (too big to fail), nicht mehr strafverfolgt werden. So wird Verbrechen bei Grosskonzernen einfach eingepreist. HSBC ist ein perfektes Beispiel dafür. HSBC hat auch Al Qaida-Geld gewaschen. 1,9 Mrd. $ Strafe, Rekordstrafe. Aber die Profite waren höher. Niemand wurde angeklagt. So wurde ein kapitalistisches Verdauungssystem für Verbrechen geschaffen. Das gilt auch für andere Branchen. Beispielsweise betrachte man die Deep Water Horizon Katatstrophe und die gerichtlichen Folgen. Auch hier wurde darauf geachtet, dass die verursachenden Grosskonzerne nicht zu hart bestraft wurden. Dafür wurden ehrliche Menschen, die mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen haben, im Stich gelassen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 55