Forum: Politik
Katalanischer Ex-Präsident: Asyl für Puigdemont!
AFP

Deutschland hat Carles Puigdemont festgenommen und sich damit in den Unabhängigkeitskampf der Katalanen eingemischt. Jetzt müssen wir Position beziehen: Deutschland darf Spaniens politische Justiz nicht unterstützen.

Seite 30 von 45
www.yzx.de 27.03.2018, 13:27
290.

Lieber Augstein, hier irren Sie mal ausnahmsweise. Ichj verstehe ich in keiner Weise, dass dieser feine Herr und seine Separatisten gerade von der eher internationalistisch geprägten Linken gestützt werden. Im Land sind es auch Linke, die sich separieren wollen. Sozialisten, sie sich aus nationalistischer Motivation separieren wollen. Also de facto Faschisten. Weswegen mich dann die Antifa-Demos schon ein wenig wundern.
Europa in Form der EU ist ein wunderbares Gebilde, dass auf dem freien Willen der Mitgliedsstaaten entstanden ist, die Barrieren der Nationalstaaten abzuschütteln. Separatismus ist der Feind des Grundgedankens.
Das gilt im vorliegenden Fall ganz besonders, denn leider geht es den Separatisten nur ums Geld. Die wollen einfach nicht für den ärmeren Rest Spaniens blechen. Und damit stehen sie dem zweiten Grundpfeiler Europas auch schon wieder im Weg: Der Solidarität.

Die Katalanen würden natürlich am liebsten Vollmitglieder der EU werden, ohne spanischen Ballast. Wenn das möglich wäre, dann könnten auch Nordrhein-Westfalen oder Bayern sich separieren, und ebenfalls erweiterte Mitspracherechte und eigene Kommissare fordern.
Leider hat genau dieses Vorgehen, nämlich Zwergstaaten ohne den Weg des Beitritts zu einem größeren Nationalstaat die Vollmitgliedschaft in der EU zu ermöglichen, erst den Aufstieg der Rechtspopulisten ermöglicht, die heute die ganze EU in Frage stellen.
Wenn die EU die Katalanen mit dem Ziel einer Vollmitgliedschaft unterstützen würde, dann würde sie sich selbst abschaffen. Das wissen die dafür Verantwortlichen auch. Ausnahmlos!

Ich plädiere eher für ein abschreckendes Beispiel: Gebt den Katalanen die Unabhängigkeit und baut einen Zaun drumrum. Dann werden das die letzten separatistischen Bestrebungen gewesen sein und wer weiß, vielleicht betteln sie dann ja irgendwann in Spanien um eine Beitrittsmöglichkeit.

Beitrag melden
alohas 27.03.2018, 13:29
291.

Ich bin zwar insofern bei Augstein, wenn er fordert, Puigdemont nicht auszuliefern, er ist kein Krimineller und ob ihm in Spanien Recht geschieht, wage ich zu bezweifeln. Dem Geschwurbel um das angebliche Ende des Nationalstaats und dem Aufstieg der „Regionen“ muss ich dennoch mal wieder ganz klar widersprechen. Katalonien ist zwar eine „Autonome Region“, weil das, was grob gesagt in Spanien unseren Ländern entspricht, nun mal so heißt; würde sich tatsächlich eine unabhängige Republik Katalonien bilden, wäre dies ein Nationalstaat wie alle anderen auch. Portugal war auch einst unter spanischer Herrschaft, wäre es das immer noch, wäre es heute ganz bestimmt auch eine Autonome Region Spaniens, da es aber unabhängig ist, ist es zweifelsohne ein Nationalstaat. Katalanische Separatisten verstehen also selbstverständlich Katalonien per se als Nation. Als Region wird normalerweise eine territoriale Einheit bezeichnet, die keine klar definierten politischen Grenzen hat, das kann etwas kleines sein wie das Sauerland oder das Breisgau oder etwas viel größeres, das sogar mehrere Nationalstaaten umfassen kann, wie z. B. der Nahe Osten. Nur in manchen Fällen wie in Frankreich, Italien oder eben Spanien ist es ein offizieller Begriff für bestimmte Verwaltungseinheiten. Von daher ist es natürlich blanker Unsinn, dass hier der Nationalstaat durch die „Region“ ersetzt würde.

Beitrag melden
androsch 27.03.2018, 13:36
292.

Rajoy regiert das Land mit einer korrupten Camarilla und höhlt den Rechtsstaat aus. Eine willfährige Justiz verfolgt auf Zuruf gewählte Politiker mit absurden Strafandrohungen. Hoffentlich strudelt diese Melange nicht Richtung Bürgerkrieg. Die EU tut nichts.

Beitrag melden
Bondurant 27.03.2018, 13:39
293. Komisch ist

Zitat von www.yzx.de
Das gilt im vorliegenden Fall ganz besonders, denn leider geht es den Separatisten nur ums Geld. Die wollen einfach ......
dass dieses Hauptmotiv so wenig Beachtung findet. Übriges hat mir ein Katalonien-Kenner versichert, die Animosität der Katalanen richte sich in erster Linie gegen die Andalusier, die sie des Faulenzens auf ihre Kosten verdächtigten. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt und nicht jederm, der irgendeiner Zentralregierung Widerstand leisten will, ist im Recht.

Beitrag melden
tpro 27.03.2018, 13:40
294.

Zitat von www.yzx.de
Lieber Augstein, hier irren Sie mal ausnahmsweise. Ichj verstehe ich in keiner Weise, dass dieser feine Herr und seine Separatisten gerade von der eher internationalistisch geprägten Linken gestützt werden. Im Land sind es auch Linke, die sich .....
"...Gebt den Katalanen die Unabhängigkeit und baut einen Zaun drumrum. Dann werden das die letzten separatistischen Bestrebungen gewesen sein ..."

Was passieren wird: großmäulige, fahnenschwenkende Seperatisten werden sich Jobs im verhassten Spanien suchen. Weil nach dem Abwandern von Konzernen keine Arbeitsplätze mehr vorhanden sind. Auch der stolzeste Katalone wird zum glühenden Spanier, wenn sein Kühlschrank leer ist.

Beitrag melden
citi2010 27.03.2018, 13:41
295.

Ich bin der Meinung Herr Puigdemont verdient Asyl. Gleichzeitig bin ich aber auch der Meinung, dass sein Kampf unrecht und manipulativ war und demokratisch nicht legitimiert. Doch dies sollte keinen Einfluss auf den Asylantrag haben, da er nie zur Gewalt aufgerufen hat.

Beitrag melden
Dr. Kilad 27.03.2018, 13:43
296. Verschwiegen wird

dass der Hass Franquisten auf die Katalanen wesentlich daher rührt, dass sie beim Kampf um die spanische Republik maßgeblich aktiv beteiligt waren. Und heute sind den Franquisten die Katalanen wieder zu sozial. Rajoy vergöttert immer noch den Massenmörder Manuel Fraga Iribarne, den Gründer der PP. Das sie sich demokratischer gab, veränderte bis heute nicht ihre faschistische Gesinnung. Der neuste Bericht von Paco Etxeberria berichtet von mindestens 2400 Folterungen allein in der Zeit der monarchistischen "Demokratie". Franco trainierte nicht zufällig König Juan Carlos zu seinem Nachfolger. Denn der Kreis um ihn besteht brutalsten Gegner einer Demokratie - allerdings nur dann, wenn es in Richtung ihrer Verbrechen geht. Was offensichtlich hier kaum jemand weiß: Anders wie im Falle der Nazis, erhielten alle Franquisten Amnesty (war letztlich auch Bedingung für die Akzeptanz demokratischer Strukturen). Man braucht sich allerdings nur einmal folgendes vorstellen: Hätte in Deutschland ein von Hitler eingesetzter König solche Chancen gehabt, wie Francos Initiative für eine Monarchie? In Spanien gab es keine Entnazifizierung. Die Faschisten sind an der Macht - und hier sind eben die Katalanen grundsätzlich antifaschistisch.

Beitrag melden
robana 27.03.2018, 13:46
297. In Spanien sitzen ...

Zitat von Salva
Ich bin Katalane, ich kenne den gesunden Menschenverstand der Deutschen recht gut, weil ich dort viele Freunde habe. Ich weiß, wie schwierig es für einen Deutschen ist zu verstehen, was in Katalonien passiert, aber ich stimme dem Artikel voll und .....
kein Menschen, die ihre politischen Ideen verteidigen sondern Leute die Spanien politisch teilen7zerstören wollen. Das ist, soweit ich informiert bin, in der spanischen Verfassung so nicht vorgesehen.
Was ist, wenn Barcelona dann auf die Idee kommt, sich vom Rest Kataloniens zu trennen, weil es dann noch reicher würde?

Beitrag melden
gw.g 27.03.2018, 13:47
298. So oberflächlich...

- sind Sie aber nicht wirklich, Herr Augstein, oder ?
"Deutschland" hat einen gültigen Haftbefehl vollstreckt, aber nicht "sich in den katalanischen Unabhängigkeitskampf eingemischt". Darüberhinaus ist die Justiz bei uns nach wie vor unabhängig - und das soll auch so bleiben ! Wir wünschen uns doch alle, dass das auch in Polen oder der Türkei so geblieben wäre - auch Sie . sofern ich das richtig einschätze. "Rechtsstaat" kommt von "Recht nachvollziehbar anwenden"... Genau das hat auch Herr P. nicht verstanden. Statt als gewählter Volksvertreter konsequent, und mit LEGALEN Mitteln, die Interessen Kataloniens in Spanien zu vertreten, hat er die gleiche rückwärtsgewandte Polit-Romantik angeheizt, die auch die AfDs, FPÖs, Brexiteers usw. für ihre krankhaft-selbstverliebte Botschaft nutzen: "Was kümmert uns der Rest der Welt, es kommt nur auf uns an..." ?

Beitrag melden
J.Simon 27.03.2018, 13:47
299. Sonderstatus - seit 1978

Zitat von www.yzx.de
Lieber Augstein, hier irren Sie mal ausnahmsweise. Ichj verstehe ich in keiner Weise, dass dieser feine Herr und seine Separatisten gerade von der eher internationalistisch geprägten Linken gestützt werden. Im Land sind es auch Linke, die sich separieren wollen. Sozialisten, .....
..ist doch klar, daß dieser Vorgang ein gefundenes Fressen für politisch rechts-konservative ist. Da gibt es nur ein kleines Problemchen:
Katalonien besitzt seit 1978 einen Sonderstatus:

Seit 1978 besitzt Katalonien den Status einer Autonomen Gemeinschaft innerhalb des spanischen Staates. Unter diesen ragt Katalonien gemeinsam mit den übrigen „historischen“ Autonomen Gemeinschaften, dem Baskenland, Galicien und Navarra durch ein besonders hohes Maß an eigenen Befugnissen in Gesetzgebung und Verwaltung hervor. Unter anderem verfügt Katalonien über eine eigene Polizeieinheit, die Mossos d’Esquadra, die nach und nach die Aufgaben der spanischen Polizei auf katalanischem Gebiet übernimmt. Auch in zahlreichen anderen Politikfeldern, so etwa der Bildungs-, der Gesundheits- und der Wirtschaftspolitik, verfügt Katalonien über weitreichende Kompetenzen. Diese sind im Autonomiestatut niedergelegt, das einerseits die Befugnisse der Autonomen Gemeinschaft gegenüber denen des spanischen Staates abgrenzt, andererseits das Zusammenspiel der katalanischen Institutionen regelt und somit als funktionales Äquivalent einer Verfassung fungiert.

Jetzt hat die Bundesregierung ein Problem, gleich, ob Puigdemont freigelassen oder ausgeliefert wird.

Beitrag melden
Seite 30 von 45
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!