Forum: Politik
Katalonien: Auf gefährlichem Weg
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Katalonien ist reich - und will in zwei Wochen über die Unabhängigkeit von Spanien abstimmen. Wirtschaftsbosse sind entsetzt, EU-Juristen sehen große Probleme. Sogar Gewalt scheint nicht mehr ausgeschlossen.

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Stäffelesrutscher 18.09.2017, 19:30
1.

Es ist schade, dass dieser Artikel die Vorgeschichte ausblendet. Denn auf den Gegensatz »böse Separatisten - gute Zentralregierung als Hüterin von Recht und Ordnung« kann man es nicht runterbrechen.
Vor einer Woche erschien auf SPON ein Interview mit einem Wissenschaftler, der den Auslöser benannt hat:

»Kraus: Die aktuelle Abspaltungsdebatte wurde vor zehn Jahren ausgelöst, als nach zähen Verhandlungen die Reform des katalanischen Autonomiestatuts durch eine Verfassungsklage von Rajoys Partido Popular blockiert wurde. Dadurch konnte die Autonomie Kataloniens nicht nur nicht ausgeweitet werden, sondern wurde im Gegenteil zurückgefahren: Die Region soll zum Beispiel im sensiblen Bereich der Bildung Kompetenzen abgeben. Diese Machtverteilung zwischen Madrid und Barcelona empfinden viele als ermüdend. Das ist auch ein wichtiger symbolischer Kampf, zum Beispiel um die Frage: Wer entscheidet, was und in welcher Sprache an katalanischen Schulen unterrichtet wird.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt, als gebe es viele Anknüpfungspunkte für eine Kompromisslösung. Muss mehr Autonomie unbedingt in der Gründung einer katalanischen Republik enden?

Kraus: Viele Separatisten sagen: 'Unser bester Bündnispartner ist Madrid.' Sie meinen damit, dass die Zentralregierung durch die Verweigerung einer effektiven Kompromisslösung dafür sorgt, dass mehr Menschen die Abspaltung befürworten. Man hätte sich an vielen Punkten gut verständigen können. Doch dieser Zug ist abgefahren, mittlerweile haben sich viele Katalanen mental abgespalten, sie fühlen sich nicht mehr durch den spanischen Staat vertreten.«

Zu ergänzen wäre: sowohl das katalanische als auch das zentralspanische Parlament hatten zugestimmt - der Souverän hatte also durch seine gewählten Vertreter gesprochen. Und dann kamen die Franco-Erben vom PP und haben das mit ziemlicher politischer Schlagseite ausgestattete Verfassungsgericht eingeschaltet. Dieses Organ hat relativ wenig mit Menschenrechten am Hut und musste gelegentlich von Europäischen Gerichten gerüffelt werden.

Zu ergänzen wäre auch noch, dass in Madrid Informationsveranstaltungen über das Thema Katalonien verboten wurden. Kommentar der Betroffenen: »Leben wir in einer Diktatur?«

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wolla2 18.09.2017, 19:37
2. Immer wieder die „Wirtschaftsbosse“,...

...die Alarm schlagen, weil sie um ihr Profite fürchten.
Kein Mensch fragt nach der Befindlichkeit der Memschen.
Dieses System ist einfach krank.

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OhMyGosh 18.09.2017, 19:40
3. Keine "auberge espagnole"...

Wenn es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in Katalonien kommen sollte, droht eine Art Bruderkrieg, dessen Dauer und Ausgang unbestimmt wäre, Spanien aber auf Jahre spalten und Hass hervorrufen würde. Darüber hinaus könnte dieser innerspanische Konflikt ein Fanal für Flamen und Basken sein, in Belgien und Frankreich einen ähnlichen Weg zu beschreiten. Das würde eine schwere Krise innerhalb der EU hervorrufen, zumal auch Norditalien sich von Rom lösen möchte. Der Ausgang wäre sicherlich ungewiss, die Kohabitation der Ethnien für längere Zeit ad acta gelegt.

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espressotime 18.09.2017, 19:43
4.

Eine Sache der Unmöglichkeit mitten in Europa und ein EU Land das sich spalten möchte.

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stefan.martens.75 18.09.2017, 19:43
5. Musterbeispiel

Wie zerstörerisch Nationalismus sein kann.
Genauso wie die völlige Verleugnung von Realität und Vernunft.
Jetzt zahlen sie 8% danach hätten sie alles verloren was Grundlage dieser Zahlungsfähigkeit ist.
Erschreckend immer wieder.

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bluraypower 18.09.2017, 19:48
6. Die Katalanen...

... denken nicht für eine Minute daran, was ihnen blühen kann. Kein EU Beitritt, grosse Rezension, alles was im Artikel beschrieben wird, ist dann Fakt. Keiner will die Katalanen in der EU sehen. Sie gelten im Rest Spaniens als arrogant und egoistisch. Sie haben schon sehr viel Unabhängigkeit von Madrid bekommen aber geben sich mit nichts zufrieden. Denken, sie sind die Größten, aber in der Unabhängigkeit sind sie in der Welt dann ein Nichts. Sie wollen nicht hören und schrecken vor nichts zurück. Lasst sie gehen, die Konsequenzen müssen sie dann selber durchstehen. Haben sogar in Valencia und den Balearen aufgestachelt um die Provinzen mitzuziehen. Die haben abgelehnt weil sie wissen, dass dies ein wirtschaftliches Selbstmordkommando ist. Wenn sie dann mal merken das sie kein Teil der EU mehr sind und die Wirtschaft einbricht, werden sie auf Knien bettelnd angekrochen kommen. Stolz sind sie, die Katalanen, aber denken können sie nicht!

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nordschaf 18.09.2017, 19:54
7.

Zitat von wolla2
...die Alarm schlagen, weil sie um ihr Profite fürchten. Kein Mensch fragt nach der Befindlichkeit der Memschen. Dieses System ist einfach krank.
Das mag wohl sein, dass man weniger auf die "Pfeffersäcke" hören sollte. Soweit stimme ich Ihnen zu. Aber bitte erklären Sie mir mal, was wir gewinnen, wenn sich Flamen und Wallonen trennen, Katalonien und das Baskenland von Spanien abtrennen, keine Ahnung welche Teile von Frankreich und/oder Italien usw usw. Was haben wir Menschen in Europa den bitte davon, wenn wir zu einem Kontinent des kleinstaatlerischen Flickenteppichs zurückkehren?

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interessiert35 18.09.2017, 20:00
8. ceteris paribus...

Ich finde es schon komisch das so viele Menschen keine Ahnung zu haben scheinen von diesem lustigen kleinen Konzept "ceteris paribus". Sie nutzen es ständig, sind sich jedoch nicht im klaren darüber was die Folgen sind.
Gemeint ist ein im Grunde ein Experiment. Ich nehme eine Situation und verändere nur eine einzige Variable während ich alle anderen Einflussgrößen konstant halte, dann schaue ich wie sich das Endergebnis ändert. Soweit so gut. Für ein Experiment eine tolle Sache, erlaubt es einem doch ein Blick darauf wie was zusammenhängt. Doch auch birgt es eine große Gefahr. Insbesondere wenn Laien oder Politiker mit ins Spiel kommen. Sie leiten aus einem solchen Versuchsaufbau nämlich ab, "Ah also muss ich nur diese eine Sache ändern...!"
Wo ist der Fehler? Richtig, in der echten, lebenden, atmenden Welt da draußen, lassen sich nicht alle Variablen bis auf eine konstant halten. Und da in den komplexen Systemen in denen wir zu leben pflegen alles mit allem interagiert, sind die Endergebnisse eben gerade nicht so klar und sauber wie im Experiment!
Von daher... fürchtet die einfachen Antworten, die einfachen Zusammenhänge... sie sind den Moment nicht Wert, den es braucht sich mit Ihnen zu befassen. Denkt lieber an einen Organismuss... die Frage ob die Milz besser ohne das Großhirn drann wäre... kann nur in einen Scherz final beantwortet werden... Ansonsten gilt... eher nicht! So Long!

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Friend of freedom 18.09.2017, 20:00
9. Es ist lächerlich, ...

... dass die spanische Zentralregierung auf die Illegalität einer möglichen Sezession beharrt, weil dies gegen spanische Gesetze verstoße, oder weil die spanische Regierung nicht zustimmt. Braucht eine Frau, die sich von ihrem Mann scheiden lässt, die Zustimmung ihres Mannes? Braucht ein Arbeitnehmer, der seinen Job kündigen will, die Zustimmung des Arbeitgebers? Wenn ja, dann gibt es ein Wort für das Verhältnis der beiden Parteien, und das ist dann auch das Verhältnis zwischen Spanien und Katalonien: Sklaverei. Man könnte auch sagen, wer dient hier eigentlich wem? Der Staat dem Bürger, oder der Bürger dem Staat? Wenn sich Katalonien unilateral loslöst, dann erwarte ich von jedem europäischem Land, insbesondere von Deutschland, sich mit den Katalanen zu solidarisieren. Vor allem sollte Deutschland uneingeschränkten Freihandel mit Katalonien erklären. Jedes europäische Land, dass sich an einer Bestrafung des katalanischen Strebens nach politischer Selbstbestimmung beteiligt, entweder indem Handelsbeschränkungen wie zu einem EU-Drittland erhoben werden, oder indem die spanische Regierung direkt unterstützt wird, hat jeden Tropfen Respekt zu verlieren.

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