Forum: Politik
Katalonien-Konflikt: Es lebe die Nation...
AFP

...aber nieder mit dem Nationalstaat. Die Katalanen weisen den Weg: Anstatt düsterer Kleinstaaterei feiern sie einen fröhlichen Patriotismus. Europa und die Deutschen sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

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spmc-129372683232763 23.10.2017, 18:01
190. Wenn nach Frau Guerot

"der Souverän der Bürger" ist ,müßte man Ihn dann nicht mal befragen oder zumindestens ergebnisoffene Diskurse zulassen

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ambulans 23.10.2017, 18:03
191. >nenntmichishmael (#180, oben),

Zitat von nenntmichishmael
Geschätzter Dr. Ambulans (alle Kassen)! Augenarzt scheinen Sie ja schon mal nicht zu sein, sonst hätten Sie mit entsprechender Sehhilfe lesen können, dass ich Kleinstaaterei beispielhaft als Trauma "unter anderem" und "auch" in Italien verortet habe. Dass Herr Schäuble alleine für "DIE EU" spricht, tut ihm ein bisschen zu viel der Ehre an. Solange diese Idee nicht den Rückhalt der Staats- und Regierungschefs der EU findet, führt sie zu gar nichts. Insofern bin ich über Ihrem Beitrag durchaus very much amused.
frage - antwort (selbstverständlich). lustiger einwand ihrerseits - ob ich nun vielleicht "dr. med. ophth." bin oder nicht, können sie doch überhaupt nicht beurteilen (oder etwa doch?). italien (ihr beispiel) wurde wann (1.) und nach wievielen jahren (2.) wieder vereinigt (kirchenstaat einmal außen vor)? tipp: 1. zweite hälfte 19. jhdt.; 2. fast 1.800 jahre. herr schäuble, den ich übrigens in keiner weise schätze, hat diesen vorschlag ("europa der regionen") damals - ich vermute, anfang der 00er-jahre - gemacht, um seine konservative sicht auf die dinge (er wollte damals groß herauskommen ...) zu unterfüttern ... habe die ehre(?), dr. ambulans (alle kassen)

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pavel1100 23.10.2017, 18:07
192. Produkt alter Herrschaftsinteressen

Zitat von Padme_G
Ein sehr nachdenkenswerter Beitrag, Herr Augstein! Der Zerfall alter Statten, seien es Jugoslawien, Tschechoslowakei, Spanien oder vielleicht sogar das Vereinigte Königreich, müssen nicht Zersplitterung, Nationalismus, mangelnde Solidarität oder gar Europafeindlichkeit bedeuten. Im Fall Jugoslawiens und der Tschechoslowakei war es die Ablehnung eines undemokratisch zustandegekommenen Staates. Auch Spanien ist nur das Produkt alter Herrschaftsinteressen, der Interessen des Hochadels (Isabel la Católica und anderer Personen, die kaum als Vorbilder taugen). Warum gehören atalonien und das Baskenland dazu, Portugal aber nicht? Alles Willkür! Warum also nicht Europa neu ordnen, auf demokratische Weise? Weg mit den Grenzen, die den Menschen kaum gerecht werden. Es ist Zeit für ein Europa der Menschen. Am Besten ohne Elefanten jagende Könige...
War es nicht eher so dass die Katalanen an der Verfassung der spanischen Republik maßgeblich mitgewirkt haben und bei der Abstimmung mit großer Mehrheit für die Verfassung gestimmt haben?
Wiso darf sich ein neuer Staat Katalonien durch Verfassungsbruch und gegen den Willen der Mehrheit seiner Einwohner gründen?

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nenntmichishmael 23.10.2017, 18:07
193.

Zitat von kirsten_brandt
Zitat mpigerl: "Bis vor 10-15 Jahren war die Region komplett zweisprachig. Die Hälfte der Einwohner Kataloniens kann kein Katalanisch. Diese Hälfte wird aktuell systematisch diskriminiert. Wenn man nicht katalanisch kann, kann man nicht Beamter werden oder in der Verwaltung arbeiten, etc." Interessantes Konzept von Zweisprachigkeit ... Ich habe unter "Zweisprachigkeit" immer verstanden, dass man zwei Sprachen kann, nicht, dass die eine Hälfte die eine Sprache spricht und die andere Hälfte die andere. Wenn man kein Spanisch könnte (was in Katalonien trotz anderslautender Behauptungen NIE der Fall ist, alle Katalanen können Spanisch), könnte man auch kein Beamter werden etc. Die Zweisprachigkeit ist immer nur ein Problem für die, die Ihre ulkige Vorstellung davon teilen. Es gibt eine ganz einfache Lösung: Katalanisch lernen, in einem der zahlreichen kostenlosen Kurse, die angeboten werden. Und schon wird man mit offenen Armen empfangen.
Guten Tag Frau Brandt, wären Sie dafür zu haben, dass von nun an an bayerischen Schulen nur noch Altbairisch unterrichtet und gesprochen wird? Wer in den bayerischen Staatsdienst eintreten möchte, der muss sich auf Bairisch verständigen können, und zwar mündlich wie schriftlich, denn das wird die neue Amtssprache im Freistaat Bayern. Die ca. 150.000 Menschen, die in den letzten Jahren aus anderen Teilen Deutschlands alleine nach München "zuagroast" sind, können auf den dortigen Behörden nur noch auf Bairisch ihre Anliegen vorbringen. Und wenn jemand die doppelte Verneinung im Bairischen nicht versteht und das Amt das Gegenteil von dem macht, was dieser Jemand wollte, dann hätte er eben einen Bairisch-Kurs machen müssen. Als Deutscher. In Deutschland.

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kumi-ori 23.10.2017, 18:09
194.

Hässliche Fratze - fröhlicher Patriotismus! Wenn man jedes Wort mit einem Adjektiv schmückt, dass die eigene Meinung unterstreicht, dann kann man auf diese Weise jede Sicht der Dinge gleichermaßen eindrucksvoll dokumentieren. Wir haben im jetzigen System alle die letzen 70 Jahre einigermaßen gut gelebt. Vielleicht ginge es noch besser, aber ich glaube, ich habe bis jetzt kein System gesehen, in dem das Leben sich angenehmer gestaltet hat.

Die jetzigen Staaten sind Verwaltungseinheiten. Der Oberstaat ist die EU und Deutschland und Österreich und Litauen und Malta und wie sie alle heißen, sind Untereinheiten der EU, so wie der Landkreis Sulzbach-Rosenberg eine Untereinheit von Deutschland ist. Die Staaten sind jetzt eben so, wie sie sind. Ich bin dafür, das so zu lassen und nicht zu ändern, weil es nur Arbeit und Umstände macht und Risiken birgt und andererseits für niemanden Vorteile bringt. Rudolf Menasse, Ralf Dahrendorf und Gustav Seibt mögen anderer Meinung sein, aber es ist nun mal ihr Beruf, kluge Bücher zu schreiben, täten sie das nicht, würden sie verhungern. Ich bin sicher, die Katalanen können genau so fröhlich sein und "Refugees welcome"-Plakate schwingen, wenn sie die Grenzen Spaniens und der EU so belassen, wie sie sind.

Ich bin übrigens als Bayer ein wenig angefressen, wenn mein Bundesstaat hier ständig in einem Atemzug mit irgendwelchen Sezessionsromantikern genannt wird. Nein, hier strebt niemand danach, sich von Deutschland loszulösen. Die Bezeichnung "Freistaat" kommt daher, dass das bayerische Volk die Monarchen verjagt und die Republik ausgerufen hatte, während das Untertanenvolk in Berlin noch auf den Endsieg und auf Kaisers Gebutstag wartete. Nie war jedoch von einem Austritt Bayerns aus Deutschland die Rede.

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kleinsteminderheit 23.10.2017, 18:10
195. Angstbestimmte Diskussion

Was spricht eigentlich gegen ein Europa der Regionen? Da schwingt bei vielen Foristen ein großmütterliches "wo kommen wir denn hin, wenn...." mit.
Wenn Schotten, Katalanen oder meinetwegen auch Sachsen aus ihren Nationalstaaten ausscheren wollen, bricht die Welt nicht zusammen. Tschechien und die Slowakei haben vorgemacht, dass durch Trennung von dem, was nicht zusammengehört die Welt nicht untergeht. Trennung muss innerhalb Europas nicht Grenzen und Feindschaft bedeuten.Nationalstaaten sind keine Heiligtümer und ihrer Zusammensetzung wohnt nicht immer göttliche Weisheit inne.

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deraushh 23.10.2017, 18:11
196. unfassbar

ich stimme dem Artikel überhaupt nicht zu. Nur weil es sich um linken Nationalismus und popolismus handelt findet er es gut und schön. Die Mechanismen die in Katalonien angewendet werden sind die gleichen wie die Rechten das machen. Zudem ist es nicht die Mehrheit der Katalanen die sich von Spanien abspalten wollen. Er sollte mal Barcelona und Umland und sich mal mit den Menschen die sich zwar als Katalanen fühlen aber weiterhin zu Spanien gehören wollen so erleben. Diskriminierung, Verunglimpfung, Familien spalten sich...... nix schönes. Augstein sollte sich in Rente begeben oder endlich aus Glashaus herraus kommen - sich mal unter die normal arbeitende Bevölkerung begeben.

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nomadas 23.10.2017, 18:13
197. Dekadenz

Die europäische Landkarte weisst im extremen Osten, im Donbas, auch kleine Loslösungsgelüste auf, dort kriegerisch. Im extremen Westen, Katalonien, will die reichste spanische Region -offensichtlich-noch reicher werden. Kein Geld mehr an Madrid. Was haben beide "Aktivitäten" gemeinsam? Nun, der status quo taugt nicht. Nicht mehr. Und wenn wir dann der hier unterstellten Logik folgen, kann Bayern am besten mit Austria fusionieren, unter dem Kinderkanzler. Wer solche absurden Vorstellungen kommuniziert, der hilft nicht, der schadet. Die gegenwärtige EU schafft sich entweder ab, zerfällt, oder sie hat den Mut zu einem Paradigmenwechsel à la DIEM25. Der Traum einer Deutschland dominierten EU ist geplatzt. Berlin first ist tod. Kein Land in Europa will sich von Berlin, auch nicht von einem demokratischen Berlin, ökonomisch-basiert, beherrschen lassen. Symbolträchtiger geht es ja wohl nicht: Der ach so vermeintliche erste Präsident in spe der USE, Helmut K., bekam lediglich den ersten europäischen Trauerstaatsakt. Wir haben vielmehr die Phase der "Unerträglichen Leichtigkeit des Seins", frei nach Milan Kundera erreicht. Die rein ökonomische Globalisierung, der Wachstumswahn hat den tipping point überschritten. Und da keine echte Vision auf dem Tisch liegt, will die Masse -logischerweise- back to the roots! Was wir erleben ist die Folge eines völlig gescheiterten Paradigmas. Wir werden bitter lernen müssen, dass weniger mehr ist!

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mwroer 23.10.2017, 18:13
198.

Zitat von Joe Amberg
Danke für den erfrischenden Kontrapunkt. Die EU scheint selber ihr grossspuriges Gesülze vom "Europa der Regionen" komplett vergessen zu haben - eine Amnesie, die immer dann stattfindet wenn das Thema gerade nicht in den aktuellen Kram passt. Und Gruss aus der Schweiz: "Kleinstaaterei" ist ein rein deutsches Geschichtstrauma, bitte nicht auf andere Länder übertragen. Die Schweiz - exakt in der Grösse eines Katalonien! - lebt sehr gut. Es gilt wie bei vielen Unternehmen: Mittelgrosse sind im Schnitt besser als die ganz Grossen. Und genau aus demselben Grund: Grosse: keine gemeinsame Kultur, schwer zu führen. Grandioses Beispiel in der EU: die Niederlande - in der permaneten Regierungskrise...
Oi! Wir haben mittlerweile eine ... kommen Sie wieder zum meckern wenn Jamaica länger als ein Jahr gearbeitet hat. Im übrigen haben wir durchaus eine einheitliche Kultur - vielleicht verwechseln Sie uns gerade mit Belgien oder so?

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nenntmichishmael 23.10.2017, 18:15
199.

Zitat von Strandlaeufer
Nicht, dass ich Herrn Augsteins Beiträge nicht auch mal gerne lese. Aber das hier ist Unfug und das kann man nur schreiben, wenn man viel Fernsehen kuckt und 2000 km weit weg vom Geschehen ist. Hier aus Barcelona fühlt sich das durchaus finster an. Die haben hier keinesfalls den guten Nationalismus erfunden und wenn sich einige Linksalternativen mit ihren "Flüchtlinge willkommen" Plakaten in die Menge mischen schert sich hier die Mehrheit einen feuchten Dreck um Flüchtlinge. Die scheren sich auch nicht um die peruanische Putzhilfe, die pakistanischen Lebensmittelverkäufer und chinesischen Händler, die es hier zahlreich gibt. Die werden hingenommen. Der Katalanische Nationalismus ist wehleidig, unsäglich eitel, grenzenlos selbstbezogen und vollkommen ignorant, wie wohl alle Nationalismen. Der Katalanische Nationalismus schert sich auch eine feuchten Dreck um Europa. Europa und seine Werte sind nur willkommen, so lange sie als Erfüllungsgehilfen der "Nationalen Wiederauferstehung" funktionieren. Die Mär vom "toleranten Katalonien" ist zudem nur ein Narrative, ein Instrument, um sich das Bild vom "faschistischen Madrid" noch hübscher zurecht zu zimmern. Nein, nix ist hier in Barcelona fröhlich, sondern es zerstört systematisch Freundschaften, Familien und Lebensentwürfe. Ärgerlicher Beitrag vom Herrn Augstein.
Diesen Eindruck hatte ich auch zunehmend bei meinen Besuchen, selbst im vermutlich noch weltoffensten Teil Kataloniens, der schönen Stadt Barcelona. Umso erstaunlicher, dass Leute wie Ihr Mit-Katalane, der geschätzte Foristenkollege @ralf_schindler derlei Wahrnehmungen als "Mist" abqualifiziert.

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