Forum: Politik
Katalonien-Konflikt: Es lebe die Nation...
AFP

...aber nieder mit dem Nationalstaat. Die Katalanen weisen den Weg: Anstatt düsterer Kleinstaaterei feiern sie einen fröhlichen Patriotismus. Europa und die Deutschen sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

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nenntmichishmael 23.10.2017, 21:35
290.

Zitat von pavel1100
Nach ihrer Theorie müsste Katalonien dann in drei Nationalstaaten zerfallen, denn ich identifiziere, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, mindestens drei Gruppen, die sich in Kultur, Sprache und Identität unterscheiden. Die Kastilier, die Aranesen und die Katalanen. Bei der Aufteilung der Gebiete dürfte es wohl einige gewaltsame Auseinandersetzungen geben und wahrscheinlich wird es zu ethnischen Vertreibungen kommen aber in letzer Konsequenz ist es genau das was sie beschreiben.
So ist es. Jeder Vollzug der Unabhängigkeit irgend eines Völkchens produziert im selben Moment doch wieder neue Minderheiten. Die große russischsprachige Minderheit auf der Krim und im Donbass wurde nach den Abspaltungen zur Mehrheit, wodurch gleichzeitig zu Ukrainer dort zur Minderheit wurden... Die katalanische Minderheit in Spanien würde durch ein unabhängiges Katalonien zur Mehrheit auf ihrem Territorium, während die Spanier gleichzeitig eine annähernd gleich große Minderheit in Katalonien bilden würden...

Solche Prozesse überhaupt anzustoßen, ist verrückt. Denn es löst NICHTS. Die Lösung liegt in gedeihlichem Zusammenleben. Und das fängt damit an, dass niemand sich für was Besseres hält als seinen Nachbarn.

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lumpipot 23.10.2017, 21:38
291. Meine Güte, da hat jemand das Thema verfehlt

Waren Sie eigentlich schon einmal mehr als 3 Tage am Stück in Katalonien? Ihr Artikel hat mit der Wirklichkeit hier leider gar nichts zu tun. Ich lebe seit mehr als 10 Jahren hier und ein Freund von uns, Bürgermeister einer Kleinstadt bei Barcelona wurde beschimpft und sein Auto wurde zerstört weil er sein Rauthaus nicht für das Unabhängigkeitsreferendum öffnen wollte. Damit hat er übrigens das Recht befolgt. Wenn man neutral ist oder seine Meinung gegen die Separatistenbewegung äussert ist man ein Faschist (und das als Deutscher). Alles ganz pazifistisch und mit Rosen in der Hand............wachen Sie auf und erkennen Sie das diese Bewegung kalt kalkuliert und seit Jahren von langer Hand geplant, vonstatten geht. Help Catalunya! Das ist ja ein Witz.

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Flari 23.10.2017, 21:46
292.

Zitat von meike.kohler
Jüngst hat die PP erwogen den Artikel 155 des spanischen Grundgesetzes auch in den nicht von ihnen regierten Autonomien Baskenland, Navarra, und Castilla-La Mancha einzusetzen – sie sind offenbar auf den Geschmack gekommen....
Etwas weiter oben in diesem Thread hatte gerade ein anderer Sezessionsfan geschrieben, dass die PP ausgerechnet Castilla-La Mancha mit ungerecht viel Geld ausstattet, natürlich Geld, das aus Katalonien gestohlen wurde..
Und jetzt will die PP ausgerechnet das bevorzugte Castilla-La Mancha auch unter den Art 155 stellen?
Haben Sie auch eine (glaubhafte) Quelle für Ihre Behauptungen?
Oder ist das "unbelegtes Hörensagen", wie es bei so vielen Separatisten an der Tagesordnung ist?

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nenntmichishmael 23.10.2017, 21:51
293.

Zitat von FischerKielSchwerin
"Region ist Heimat. Nation ist Fiktion" Ich weiß nicht, wer das sagte, aber ich habe es neulich bei "Kulturzeit" gehört und seitdem beschäftigt es mich immer mal wieder. Ich stimme dem Gedanken zu, ohne dass ich mich/uns umgehend abspalten wollen würde. Ich stamme aus Schleswig-Holstein. Würde von mir sagen, dass ich Holsteinerin (bitte mit "st" gesprochen) bin. Ähnlich ist es in MV. Hier wird auch vehement verkündet, ob man Mecklenburgerin oder Vorpommerin ist. Ich würde daraus ableiten, dass es schon innerhalb der "Bundesländer" nicht so ganz egal ist, woher man kommt. Und natürlich frage ich mich schon sehr lange, was ich/mein Land mit einem "Bayerplan" zu tun haben soll. Die Freistaaten sind noch spezieller. Letztendlich ist Deutschland, sowie die meisten (europäiischen) Länder, ein künstliches Konglomerat. Es funktioniert auch alles ganz gut, aber richtig verbunden... so im Inneren? Also, ich eher nicht.
... und sobald es ein unabhängiges Holstein gäbe, würde es nur ein paar Jährchen dauern, bis die Dithmarschener entdecken, dass sie von den Kielern übervorteilt werden...

Identität ist immer eine Frage der Perspektive. Lebt man in Amerika, entdeckt man, wie europäisch man ist. Lebt man in Europa, entdeckt man, wie deutsch man ist. Lebt man in Deutschland...

Wer glaubt, dass irgendwelche verschobenen Schlagbäume ein individuelles Identitätsproblem lösen, der irrt. Sie erzeugen nur das nächste. Seinen inneren Frieden muss ein Mensch schon in sich selber finden.

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spmc-12355639674612 23.10.2017, 21:55
294. Dieses Mal sind die Katalanen im Unrecht

Gerade in Deutschland sollte man wissen, was passiert, wenn man großflächig Rechtsbrüche - auch gegen die eigene Verfassung zulässt, indem man die Menschen dazu aufhetzt, gegen etwas zu sein, was ihnen bisher im Großen und Ganzen die Freiheit bewahrt hat - natürlich nicht jede beliebige Freiheit. Gerade die Katalanen sollten in ihren Geschichtsbüchern blättern. Wie war das mit der anarchistischen Revolution 1936, bis Franco die Autonomie Katalonien 1939 wieder einkassierte? Wollen die Katalanen wieder dorthin?
Es mag sein, dass man meint, das Königreich Aragón wiederbeleben zu können, aber so wird es erst einmal nicht gehen. Selbst 500000 Demonstranten werden die spanische Verfassung nicht so leicht umgehen können, der die meisten der eigenen Eltern und Großeltern zugestimmt haben. Niemand will ein solches Katalonien, nicht Spanien und auch nicht die EU. Vielleicht würde Russland es anerkennen, um die EU zu ärgern. Aber wollen die Katalanen wirklich den Separatisten folgen? Trauen sie denen? Ich traue ihnen nicht, da ich glaube, dass Katalonien nach der Abspaltung von einer kleinen, raffgierigen, korrupten Gruppe von Oligarchen verfrühstückt würde.

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Peter Meyer01 23.10.2017, 22:01
295. Okey

Ich gebe einfach zu nicht perfekt zu sein; und mir erschließt sich der extrem harte Haken, der da oben irgendwie geschlagen wurde nicht - von fröhlichen Katalanen über hin und her über die deutsche Diskussion der Sache, welche auch danebene Versatzstücke sah, zu einem schnellen "hurra Europa! oder Tod!" am Ende.

Überhaupt verstehe ich die Relativität des offensichtlich sofort bei dem Thema beigeordneten Arguments - gerade in Deutschland - hinsichtlich Nationalstolzes bzw. Anhang oder Festhaltens am Nationalstaat nie: Sei einer stolz auf Deutschland, so sagen manche gerne wie dumm das ist. Was hat er schon geleistet außer dort geboren zu sein? Was macht das Land denn toller als andere, ist das nicht Rassismus? Nein - nein - nein... Wir müssen uns als Europäer sehen. Seien wir stolz auf Europa !!

Dass man gerade einfach nur Namen ausgetauscht hat und deshalb alle Argumente umdrehen will, geht wohl keinem auf. Was hat man schon geleistet außer zufällig dort geboren zu sein? Was macht diese Union denn besser als andere Länder, ist das nicht Rassismus das einfach so zu behaupten? Seien wir doch stolz Terrraner zu sein...

Also da nennt doch der Oberkloputzer dann den Unterkloputzer einen Karriereversager bei solchen Skalenverschiebungsdebatten.

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nenntmichishmael 23.10.2017, 22:03
296. Mir geht der Hut hoch!

Zitat von meike.kohler
Ich, seit 30 Jahren Wahlkatalanin mit deutschem Ausweis, ... diese Maßnahmen erinnern nur zu ungut an die Franco-Diktatur. ... Seit ein paar Wochen stehen wir unter der provozierenden Besatzung der Nationalpolizei und der Guardi Civil (paramilitäre Truppe aus der Franco-Diktatur), ... Angesichts der drohenden Situation hat das katalanische Völkchen seine ganzen Hoffnungen auf Europa gesetzt, darauf dass Europa auf die Regierung in Madrid einredet, vieleicht sogar rügend den Finger hebt, in der Türkei wurde es schliesslich auch gemacht. ... Wenn Europa jedoch wegschaut, in Spanien den Anfang einer neuen, unter dem Deckmäntelchen der Demokratie verkleideten Diktatur nicht sehen will, mag es sein dass es nicht nur für Katalonien bald zu spät sein wird, sondern auch für Europa selbst. ... Wird Katalonien mit Gewalt zum Schweigen gebracht, so ist abzusehen, dass sich andere europäische Staaten das abgucken, es wird Schule machen, und Europa wird einen seiner grössten Schätze verloren haben: Demokratie, Respekt, Meinungsfreiheit. Diese meine Warnung ist nicht aus der Luft gegriffen. Jüngst hat die PP erwogen den Artikel 155 des spanischen Grundgesetzes auch in den nicht von ihnen regierten Autonomien Baskenland, Navarra, und Castilla-La Mancha einzusetzen – sie sind offenbar auf den Geschmack gekommen....
Mit Verlaub, und selbst wenn Sie schon 80 Jahre in Katalonien leben würden, muss ich Ihnen sagen, dass Ihre Perspektive so unfassbar weit an der Realität in Katalonien, in Spanien und in Europa vorbei geht, dass es nicht zu glauben ist. Ihre Ausführungen (die "besten" Aussagen oben nochmal zusammengestellt) lesen sich wie eine Paraphrasierung des Omnium-Videos mit der weinenden Schauspielerin: Die Spanier sind Faschisten. Europa droht die Diktatur. In Spanien herrscht sie schon. Nur die wackeren Katalanen stellen sich dem in mutiger Selbstaufopferung entgegen. Aber die europäischen Politiker lassen sie im Stich. Dolchstoß! Und die PP plant schon die nächsten diktatorischen Maßnahmen - sogar gegen Castilla-La Mancha.

Als ich diesen letzten Satz las, musste ich hellauf lachen. Dann wagte ich zu hoffen, dass Ihr Beitrag als Satire gemeint gewesen sein könnte. Aber ich fürchte, Sie meinen das wirklich ernst......

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kumi-ori 23.10.2017, 22:04
297.

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
Es gibt schon heute regionale Krankenkassen. Das wäre also schon mal kein Problem. Bei Sozial- und Arbeitslosenversicherung ist die Regionalisierung etwas problematischer, aber nicht unlösbar. Am einfachsten wäre eine Loslösung aus der Umlagefinanzierung in eine steuerfinanzierte Grundsicherung (wird in 20 Jahren sowieso kommen, aber aus anderen Gründen). Auf der wirtschaftlichen Ebene hätte ein Wettbewerb der Regionen zudem positive Effekte für Diversifizierung und kulturelle Vielfalt. Bitte bedenken: der Nationalstaat Deutschland profitiert noch heute von den Segnungen der "Kleinstaaterei" des 17., 18., und 19. Jahrhunderts. Hunderte verschiedene Brotsorten und ein vielfältig differenziertes kulinarisches Angebot. Wo gibt's das sonst auf der Welt? Regionaler Wettbewerb wirkt befruchtend, auch für eine optimale sektorale Diversifizierung. Daher gilt: keine Angst vor der Entstaatlichung. Warum gerade Linke sich heute so an die Nation klammern ist mir ohnehin ein Rätsel. Dabei ist man doch mal als internationale Bewegung gestartet.
Aber gerade Deutschland mit seinen hinderten von Brot- und noch viel mehr Wurstsorten, ganz zu schweigen den vielen Bier- und Alkopopp-Sorten ist doch das leuchtende Vorbild dafür, dass es auch ganz ohne politische Abspaltungen geht. Ob Sie in Sachsen-Anhalt ein Dinkel-Neunkornbrot oder lieber im Saarland ein italienisch angehauchtes Knoblauchciabatta kaufen möchten, bedarf doch keiner Grenzverschiebungen.

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borch6767 23.10.2017, 22:05
298. Trauriges Desaster

Da hat sich Herr Augstein aber ordentlich blenden lassen. 450.000 demonstrierende Menschen sind sicher viele, aber im Verhaeltnis zu 5.5 Mio Wahlberechtigten oder zu 7.4 Mio Einwohnern in Katalonien, dann doch nicht mehr so gewaltig. Was passiert denn mit den 50 bis 60 % Katalanen, die gegen eine Abspaltung Kataloniens sind? Das sind richtig viele Menschen, die von der aktuellen katalanischen Regierung und auch vom Autor voellig vergessen werden. Abgesehen davon haelt sich diese Gruppe an Gesetze, waehrend die Regionalregierung und ihre teils friedlich- radikalen Anhaenger saemtliche Gesetzlinien ueberschreiten. Ueber 1300 Firmen sind schon aus Katalonien wegegangen, darunter viele urkatalanische Firmen, die schon teils laenger als 100 Jahre dort ansaessig waren. Sind die etwa alle bloed? Fröhlicher Patriotismus? Eher ein trauriges Desaster! Die Lokalregierung ist dabei gar nicht so freundlich und friedlich wie sie immer tut. Im Gegensatz, sie manipuliert sogar viele Menschen, vor allem die jungen. Die Regierung in Madrid hat in dieser Krise sicher auch nicht alles richtig gemacht, nur wer Dialog fordert, aber nicht wirklich bereit ist einzulenken und Gesetze zu beachten, ist kein ehrlicher Dialogpartner.

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nenntmichishmael 23.10.2017, 22:08
299.

Zitat von Rainer Jordan
Sehen wir uns doch noch einmal die (gerundeten) Zahlen des 1. Oktobers an: 2,3 Millionen Stimmen konnten ausgezählt werden. 0,77 Millionen Stimmen konnten nicht ausgezählt (weil vorher beschlagnahmt) werden.
Aha. Woher wissen Sie so genau, wie viele Stimmzettel vor der Auszählung beschlagnahmt wurden? Hat die Guardia Civil sie stellvertretend gezählt? Hat sie die Stimmzettel an die Independentistas zurückgegeben, damit diese sie zählen?

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