Forum: Politik
Katalonien-Konflikt: Es lebe die Nation...
AFP

...aber nieder mit dem Nationalstaat. Die Katalanen weisen den Weg: Anstatt düsterer Kleinstaaterei feiern sie einen fröhlichen Patriotismus. Europa und die Deutschen sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

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Amparo 23.10.2017, 23:41
320. Das Unwissen ist der Punkt!

Zitat von Maria24
... für diesen tollen Beitrag über den so guten Artikel von Jakob Augstein. In beiden Fällen endlich jemand, der Sachen beim Namen nennt und Fakten zählt. Liebe deutsche Freundinnen und Freunde, wie könnt ihr bei eurem Unwissen so schlecht über meine Leute reden?! Traurig und unendlich enttäuscht, eine Katalanin
Ich wohne nicht in Cataluña, werde aber in meiner spanischen Region mit dem Problem Castellano - Valenciano seit Jahren konfrontiert. Da ich nicht in einem Ort mit valencianischer Sprache aufgewachsen bin, ist meine Sprache Castellano. Zufall! Wer glaubt, der Sprachen-Autonomie-Streit sei eine Laune, eine radikale Einstellung etc. einiger Splittergruppen, der hat einfach keine Ahnung. Wer dann noch glaubt, dass die Katalanen nur kein Geld abgeben wollen und sie deshalb die Unabhängigkeit wünschen ( Das scheint ja offensichtlich aus deutscher Sicht der Hauptgrund für das Cataluña-Problem zu sein. Deutsche denken sowieso hauptsächlich an Geld. Deshalb sind sie wohl auch so geizig :)))) ) , ist ganz und gar blind- so blind wie die Zentralregierung in Madrid, oder hat Angst, dass ein Ende der Monarchie bevorstehen könnte ( was wohl kaum die schlimmste Sache der Welt wäre). Ich ünterstütze auch diese tollen Beiträge. Saludos desde España
P.S. Entschuldigung für das Vorurteil 'geizig'. Das kommt aber schnell in den Sinn, wenn man an die 'cabezas cuadradas' (Quadratschädel=Deutsche) denkt.

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jodeltoni 23.10.2017, 23:42
321. Nun

Wenn die Katalanen gehen wollen, dann sollte man sie gehen lassen. Ordnungshalber sollte man allerdings noch ein 2. Referendum, unter Aufsicht internationaler Wahlbeobachter durchführen, welches dann aber auch nicht von Madrid in irgendeiner Form behindert werden dürfte. Wenn dieses Referendum ebenfalls eine Mehrheit für die Unabhängigkeit gibt, dann kann man den Katalanen diese nicht verweigern.

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pavel1100 23.10.2017, 23:42
322. Engstirnig

Zitat von meike.kohler
Ich, seit 30 Jahren Wahlkatalanin mit deutschem Ausweis, freue mich sehr über die frische Blickweise dieses Artikels - endlich einmal nicht nur die verbitterten und engstirnigen, sich auf Gesetze berufenden Analysen die sich üblicherweise mit dem Thema Katalonien beschäftigen. Leider steht der friedliebenden katalanischen Region eine harte Zeit bevor. Die ersten Schritte Madrids in der Anwendung des Artikels 155 des spanischen Grundgesetzes sind bereits unternommen (obwohl sie erst hätten durch das Parlament und den Senat gehen müssen), und diese Maßnahmen erinnern nur zu ungut an die Franco-Diktatur. Seit ein paar Wochen stehen wir unter der provozierenden Besatzung der Nationalpolizei und der Guardi Civil (paramilitäre Truppe aus der Franco-Diktatur), auch das Finanzministerium steht unter Kontrolle Madrids; am Ende dieser Woche soll der Artikel voll in Kraft treten, diesmal ging er bereits durchs Parlament und wartet nur noch auf die Beführwortung des Senats: die Kontrolle der öffentlichen Kommunikationszentren (TV3 und Catalunya Radio), die Übernahme der katalonischen Polizei, des Erziehungsministeriums (nach Worten des vorletzten Erziehungsministers der Populären Partei PP: die Katalanen sollen wieder spanisiert werden), und die Absetzung der gesamten, vom katalanischen Volk rechtmässig gewählten Regierung. Der Artikel 155 des spanischen Grundgesetzes ist jedoch nicht klar ausgearbeitet, und viele dieser Massnahmen sind in ihm nicht nur nicht vorgesehen sondern explizit ausgelassen. Angesichts der drohenden Situation hat das katalanische Völkchen seine ganzen Hoffnungen auf Europa gesetzt, darauf dass Europa auf die Regierung in Madrid einredet, vieleicht sogar rügend den Finger hebt, in der Türkei wurde es schliesslich auch gemacht. Wenn Europa jedoch wegschaut, in Spanien den Anfang einer neuen, unter dem Deckmäntelchen der Demokratie verkleideten Diktatur nicht sehen will, mag es sein dass es nicht nur für Katalonien bald zu spät sein wird, sondern auch für Europa selbst. Wird Katalonien mit Gewalt zum Schweigen gebracht, so ist abzusehen, dass sich andere europäische Staaten das abgucken, es wird Schule machen, und Europa wird einen seiner grössten Schätze verloren haben: Demokratie, Respekt, Meinungsfreiheit. Diese meine Warnung ist nicht aus der Luft gegriffen. Jüngst hat die PP erwogen den Artikel 155 des spanischen Grundgesetzes auch in den nicht von ihnen regierten Autonomien Baskenland, Navarra, und Castilla-La Mancha einzusetzen – sie sind offenbar auf den Geschmack gekommen....
Warum ist es engstirnig sich an ein Gesetz zu halten das im Entwurf der katalanischen Verfassung genau so vorkommt? Braucht man sich in einem katalanischen Staat dann auch nicht an Gesetze zu halten? Hoffen sie lieber nicht dass sich die EU in den Konflikt einmischt, denn sie könnte nicht anders als die territoriale Integrität ihres Mitgliedstaates Spanien zu verteidigen, die von den katalanischen Separatisten angegriffen wird. Was ist mit den Rechten der Katalanen die keine Unabhängigkeit wollen? Halten sie es für demokratisch wenn eine radikale Minderheit von Nationalisten viele ihrer Landsleute an den Rand der Existenz bringt?

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pavel1100 23.10.2017, 23:50
323. Ja, traurig

Zitat von Maria24
... für diesen tollen Beitrag über den so guten Artikel von Jakob Augstein. In beiden Fällen endlich jemand, der Sachen beim Namen nennt und Fakten zählt. Liebe deutsche Freundinnen und Freunde, wie könnt ihr bei eurem Unwissen so schlecht über meine Leute reden?! Traurig und unendlich enttäuscht, eine Katalanin
Traurig sollten sie sein über die vielen katalanischen Familien, die sie mit ihrer radikalen Abspaltung von Spanien und der EU ins Unglück stürzen werden. Millionen von Menschen in Katalonien wollen alles andere als einen Nationalstaat der von einer radikalen Minderheit dominiert wird. Ich bin enttäuscht über den Egoismus dieser Minderheit die sich aus der Solidargemeinschaft stehlen will unter dem Vorwand der Unterdrückung.

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beruli 23.10.2017, 23:56
324.

Zitat von Rainer Jordan
Kirsten Brandt sagte in ihrem sehr guten Beitrag (81. Geizige Rassisten?) , „Eine Lüge wird nicht deshalb zur Wahrheit, weil sie im deutschen Feuilleton immer wiederholt wird.“ Wie oft habe ich in den letzten Wochen gelesen, dass es nur eine kleine Minderheit wäre, die die Abspaltung betreiben würde, nur ein PAAR Zehntausende oder nur EINE Partei, die Katalanen aufstacheln oder nur EIN Puidgemont, der das katalanische Volk manipulieren würde. Sehen wir uns doch noch einmal die (gerundeten) Zahlen des 1. Oktobers an: 2,3 Millionen Stimmen konnten ausgezählt werden. 0,77 Millionen Stimmen konnten nicht ausgezählt (weil vorher beschlagnahmt) werden. 5,5 Millionen Katalanen waren stimmberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag also bei etwa 56 %! Ca. 2 Millionen (90 %) haben für die Unabhängigkeit gestimmt und das nicht, weil Herr Puidgemont ihnen das eingetrichtert oder sein Partei ihnen ein Paradies versprochen hätte. Sondern, weil ca. 2 Millionen Menschen glauben, dass sie unfair behandelt werden, und mehr Mitbestimmung in einer Demokratie gewollt hätten. Wenn ich nun hier lese, dass sich die Katalanen zu Opfern stilisieren würde, so muss ich sagen, dass ich noch nirgendwo so viele Pazifisten auf einem Haufen gesehen habe, die sich ohne Gegenwehr und in vollem Vertrauen auf die Stimme des Volkes in einer Demokratie auf den Kopf hauen ließen. Ich möchte den klugen Gedanken von Herrn Jakob Augstein noch eines hinzufügen: Deutschland sollte sich einmal ein Beispiel nehmen, an millionenfacher Zivilcourage. Und es ist wirklich kurios, wie viele sich in Deutschland von friedlichen Demokraten bedroht zu fühlen scheinen.
Also von einer sehr kleinen Minderheit oder nur einer Partei war eigentlich nie die Rede. Kurz zu den Zahlen: die 770.000 ergeben sich nicht aus Anzahl abgegebener Stimmen die konfisziert wurden, sondern ist die Anzahl der Stimmberechtigten Waehler in geschlossenen Wahlbueros oder da wo Urnen beschlagnamt wurden.
Nicht wenige Waehler haben deshalb das Wahlbuero gewechselt. Gut sichtbar im "offiziellen" Ergebnis an einigen Municipis, wo es mehr Stimmen als Stimmberechtigte gibt. Dazu gibt es noch die Problematik der mehrfachen Stimmabgabe und die Tatsache, dass das Referendum allgemein von Pro-Indes geplant, duirchfuehrt und ausgezaehlt wurde.
Wie dem auch sei. Eine so wichtige Entscheidung verlangt nach einem breiten Konsens und einer signifikativen Mehrheit. Wie diese auszusehen hat (2/3 Mehrheit?) vermag ich nicht zu definieren. Aber hier geht´s nicht um den Bau einer Autobahn.

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Miere 23.10.2017, 23:57
325. Oder ist es das Ende der Solidargemeinschaft?

Die reichste Region Spaniens will nicht mehr für die ärmeren Landesteile mit zahlen. Auch in Norditalien will man ja mehr Autonomie, damit weniger Geld in den Süden fließt. Bayern, das lange vom Länderfinanzausgleich profitiert hat, würde jetzt als Nettozahler den Länderfinanzausgleich gern abschaffen, und es gibt angeblich eine Partei für die bayrische Unabhängigkeit. "I've got mine, screw the rest!" Kapitalismus, Egoismus, und race to the bottom wenn die vielen neuen Kleinstaaten miteinander konkurrieren?

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cdoben 24.10.2017, 00:05
326.

Ich bin Deutscher und lebe und arbeite seit 17 Jahren in Katalonien-Spanien. Beim Durchsehen der Beiträge zu Hr. Augsteins Artikel bestürzt mich der hohe Grad an Desinformation und partidistischer Einfärbungen denen die Beitragenden erlegen sind. Nur kurz gefasst: ich bin als überzeugter Föderalist ins Land gekommen und mittlerweile bin ich ein Befürworter der Unabhängigkeitsbewegung. Das Geld spielt natürlich auch eine Rolle, aber grundsätzlich geht es um Menschenwürde und ECHTE Demokratie. Die Katalanen wollen seit Jahrzehnten nichts anderes als ihre Sprache und Kultur leben und pflegen dürfen, und einen vernünftigen Grad an Eigenverwaltung. Die (auch seit Jahrzehnten) hochkorrupte Kaste der jeweiligen Zentralregierung wusste und weiss nichts anderes als diese kulturpolitischen Anliegen immer wieder zu brüskieren. Nur so konnte die Unabhängigkeitsbewegung soviele Anhänger bekommen.

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zieglerm 24.10.2017, 00:05
327. Ganz böse vergaloppiert, Herr Augstein

Nationalismus und Egoismus sind der Antrieb hinter den Abspaltungsbestrebungen in den meisten Regionen.
Keiner bestreitet bei den Katalanen, dass es hauptsächlich um wirtschaftliche Interessen geht. Das als "fröhlichen Patriotismus" zu bezeichnen ist schon mehr als zynisch. Dieses Ausspielen gegeneinander mit Neidkampagnen, wie es Bayern, Katalanen, Norditaliener und zahlreiche andere Regionen betreiben ist ein Spiel mit dem Feuer. Es geht in der Abspaltung von Katalonien nur gegen wirtschaftlich schwächere Regionen Spaniens. Das ist Turobokapitalismus mit Nationalismus kombiniert. Wenn das Schule macht, können wir Europa gleich aufgeben.

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alohas 24.10.2017, 00:10
328.

Zitat von Lion
Auch die Katalanen werden benutzt und missbraucht, genauso wie zuvor die Briten. Auch in Katalonien wollen konservative und vor allem korrupte Parteien davon ablenken, dass man Sie für ihr korruptes Handeln zur Rechenschaft ziehen möchte. Und was eignet sich da besser, als die nationalistischen Trommeln zu schlagen. Genauso wie in Großbritannien vor nicht allzu langer Zeit, wollen Politiker vom eigenen politischen Versagen ablenken und wettern gegen die Anderen, die "dem Volk" das hart verdiente Geld wegnehmen.
Dass korrupte Politiker Stimmungen im Volk instrumentalisieren, ist nun einmal nicht nur auf den Nationalismus beschränkt. Worin besteht eigentlich genau der Unterschied, ob nun – durchaus
auch teilweise berechtigt – argumentiert wird, dass andere Länder, Landesteile, Volksgruppen o. ä. einen ums Geld bescheißen oder eben "die da oben", die oberen Zehntausend, die Konzerne, die 1%, die angeblich soviel besitzen die anderen 99% etc.? Die Frage ist doch, könnte eine gewisse Stimmung in der Bevölkerung nicht auch unabhängig von der Geld- und Neiddebatte existieren? Immerhin rührt der Nationalismus der Katalanen auch schon aus der Zeit der Unterdrückung durch das Franco-Regime; ich bezweifle, dass es damals vorrangig ums Geld ging.

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beruli 24.10.2017, 00:13
329.

Zitat von davidmasch
Ich bin bezogen auf die Entwicklung in Katalonien sehr zwiespältig. Aber so wie sich Spanien und das "offizielle" Europa verhalten gibt es bald keine Alternative mehr zur Abspaltung. Ein europäischer Staat funktioniert nicht mehr, wenn hinter jedem katalonischen Verwaltungsbeamten ein Bulle von der Guardia Civil stehen muss, damit der auch der Zentralregierung gehorcht, auch wenn ein paar Alt- und Neo-Francisten hoffnungsvoll ihre Fahnen wedeln. Wenn sich jetzt nicht Europa produktiv einschaltet und Spanien zu Verhandlungen bereit ist, ist der Zug bald abgefahren.
Was ist den die Alternative zum 155? So weitermachen wie bisher, also seit 10. Okt? Wo sich nicht einmal die Separatisten einig sind, ob die Unabh.Erklaerung suspendiert wurde, oder die Unabh. erklaert wurde, aber ihre Umsetzung suspendiert, oder keins von beidem.....
Welche Gesetze gelten denn jetzt gerade? Kein Wunder hauen die Frimen hier taeglich zu dutzenden Weg.
Spanien ist grundsaetzlich zu Verhandlungen bereit, aber was wollen die Separatisten denn verhandeln? Nach Junqueras und den beiden Jordis nur den geordneten Gang in die Unabhaengigkeit, also nicht mehr das ob. Nach Puigdemont.... das weiss man nicht so recht. Der hat sich schon ne Weile nicht mehr klar geaeussert.

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