Forum: Politik
Katalonien-Konflikt: Es lebe die Nation...
AFP

...aber nieder mit dem Nationalstaat. Die Katalanen weisen den Weg: Anstatt düsterer Kleinstaaterei feiern sie einen fröhlichen Patriotismus. Europa und die Deutschen sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

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bs2509 24.10.2017, 11:57
380. Europa zum Flickenteppich zu machen

den Nationalstaat durch unregierbare Regionen zu ersetzen ist m.E. ein falscher Schritt, um sich vor einer Unterbindung von Referenden zu schützen.
Und das jeder seine Region ausruft, ruft auch dieselben Dilettanten hervor, wie sie in Katalonien zu beobachten sind.
zu glauben, dort seien die besseren und intelligenteren Politiker am Werke, der irrt.
Auch hier geht es um politische Macht -und Geldgier und um nichts anderes.
Im Moment ist es en vogue die "Regionalschiene" zu fahren - wie Augstein es uns glauben machen will - dazu gesellt sich die Literatur, die es mit Thesen füttert, aber ohne ein Beispiel anführen zu können.
Aber Jakob Augstein hat bereits in diese Kerbe gehauen und so lassen wir ihn und die seinen mal machen.

Übergeben wir den Staffelstab an die Regionalisten und schauen, wann es mit Europa wieder bergauf geht.

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im_ernst_56 24.10.2017, 11:58
381. Folgen der Unabhängigkeit

Zitat von Heinze
Augsteins Meinung teile. Selbst rein rechtlich haben die Katalanen gute Chancen. Der IGH hat mehrfach geurteilt, dass ein Volk sehrwohl einseitig die Unabhängigkeit erklären kann. Fragt sich nur, ob europäische Richter sich um geltendes Recht scheren - vermutlich eher nicht. Und beim gegenwärtigen Zustand der Legislative in Brüssel, macht es mir eher Angst, von denen direkt regiert zu werden.
Ein Problem der Unabhängigkeit Kataloniens als eigener Staat (und nicht nur als Region unter einer europäischen Zentralregierung) bsteht darin, dass Katalonien nicht Teilrechtsnachfolger Spaniens ist und damit nicht automatisch EU-Mitglied, Mitglied der Euro-Zone und des Schengen-Raums. Das hat die Regionalregierung den Katalanen aber nicht allzu deutlich gesagt, um die Stimmung pro Exit nicht zu verderben. Vermutlich nehmen die meisten Katalanen an, dass es nach der Unabhängigkeit so weiter geht wie bisher, außer dass die Steuermittel im Land bleiben und Madrid nichts mehr zu bestellen hat. So einfach ist das nicht. Die Schotten waren so clever, sich über die Folgen der Unabhängigkeit vom UK wenigstens Gedanken zu machen.

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ralf_schindler 24.10.2017, 12:06
382. @pavel1100

Zitat von pavel1100
Wie Augenzeugen berichteten standen Wahlurnen auf der Straße und jeder konnte so viel Wahlzettel reinwerfen wie er wollte. War die Auszählung eigentlich öffentlich?
Lassen Sie das doch bitte, was soll das? Solche Augenzeugen gab es nicht.

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pavel1100 24.10.2017, 12:09
383. Sie können gehen

Zitat von jodeltoni
Wenn die Katalanen gehen wollen, dann sollte man sie gehen lassen. Ordnungshalber sollte man allerdings noch ein 2. Referendum, unter Aufsicht .....
Sie können nur verfassungskonform gehen oder gar nicht. Was ist daran so schlimm Mehrheiten für eine Verfassungsreform zu sammeln? Ein föderaler Aufbau Spaniens wäre ja vielleicht auch sinnvoll. Eine Unabhängigkeit durch Verfassungsbruch lehne ich ab. Wenn ein Gesetz gebrochen wird sind alle Gesetze gebrochen. Auch die katalanischen.

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aigues59 24.10.2017, 12:12
384. Unfassbare Naivität des Kolumnisten

Katalonien Konflikt
Ich bin sprachlos ob des Kommentars, der einem deutschen Journalisten wahrhaftig nicht zur Ehre gereicht. Einseitige Abspaltungen, die sich nicht um Recht und Gesetz scheren gutzuheißen, öffnet der Anarchie Tür und Tor. Dies hat nichts mit der Gläubigkeit deutscher Ordnungsbürger zu tun, sondern mit dem Glauben an die Demokratie, wo sich die Minderheit der Mehrheit beugt und man einen Konsens suchen sollte. Sicher hat seit 2010 Madrid schwere Fehler gemacht, doch das berechtigt die Strasse nicht, nach Gutdünken zu entscheiden. Hier schreit eine Minderheit lauter als die Mehrheit.
Es geht auch nicht um fröhlichen Lokalkolorit, sondern um die nie aufgearbeitete Francozeit, von beiden Seiten. Dies alles mündet in dem Unwillen, mehr für andere zu zahlen als man selbst erhält. So wie deutsche Staatsbürger es schon immer machten, und Franzosen, und Italiener, und Österreicher, von anderen Ländern ganz zu schweigen.
Katalonien hat nicht in allem Unrecht, doch der europäische Gedanke, auf den man sich so gerne beruft, den hat hier niemand begriffen: Es ist Solidarität und eine Union ohne Grenzen.
Wer sagt uns, dass ein Volk, welches unfähig ist, mit seinem Bruder zu reden, anschließend bereit ist, mit seinen Nachbarn auszukommen?. Wer glaubt, dass ein Katalonien, welches nicht für ärmere Regionen in Spanien zahlen will, später willens ist, für Rumänien oder Polen zu zahlen, wenn diese sich nicht ganz konform verhalten?
ich wünsche Herrn Augstein noch viele schöne Urlaube in Katalonien, aber bitte, schreiben sie nicht mehr über etwas, von dem Sie offensichtlich keine Ahnung haben.

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pavel1100 24.10.2017, 12:16
385. Was wollen sie eigentlich

Zitat von cdoben
Ich bin Deutscher und lebe und arbeite seit 17 Jahren in Katalonien-Spanien. Beim Durchsehen der Beiträge zu Hr. Augsteins Artikel bestürzt mich der hohe Grad an Desinformation und partidistischer Einfärbungen denen die Beitragenden erlegen sind. Nur kurz gefasst: ich bin als ......
Freiheit von Sprache und Kultur und ein hohes Maß an Eigenverwaltung sind doch bereits vorhanden. Vielleicht sollten die Katalanen mal die Korruption in ihrer eigenen Regierung bekämpfen. Das mit dem Finanzabfluß an den Zentralstaat dürfte sich inzwischen sicher erledigt haben. Ich schätze die Steuerverluste durch die geflüchteten Unternehmen sind für Katalonien größer als das was sie jemals an den Zentralstaat gezahlt haben.

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thommy-bcn 24.10.2017, 12:18
386. Rowdy2702

Da hat sich wieder jemand genötigt gesehen, öffentlich über Dinge zu reden, von denen er nur wenig Ahnung hat.
Ich lebe seit 7 Jahren in Barcelona und habe als Aussenstehender erlebt, wie die radikalen Unabhängigkeitsbefürworter das Klima im täglichen Leben vergiftet haben.
Selbst die Schüler werden schon darauf gedrillt, dass Spanien der Feind ist.
Entgegen jeder Logik und gegen die spanische Verfassung, die seinerzeit auch von katalanischen Abgeordneten unterzeichnet worden ist, soll diese Unabhängigkeit durchgezogen werden.
Menschen, die das nicht möchten, sind ab sofort ein Feind.
Die katalanischen Politiker missachten Gesetze, stiften die katalanische Polizei dazu an, das ebenfalls zu tun, veruntreut öffentliche Gelder für Massnahmen , die offensichtlich ungesetzlich sind.
Geschäftsleuten, die ihre Geschäfte trotz Generalstreik öffnen, wird angedroht, Ihnen die Scheibe einzuwerfen.
Alles sehr friedlich natürlich!
Hier geht das Gerücht um, dass es die katalanische Führung besonders eilig hat, weil Ende des Jahres die Kontenanonymität in Andorra fällt und dann an Madrid gemeldet wird, welche Gelder dorthin verschoben worden sind, um als Startkapital für ein eigenständiges Karalonien zu dienen.
Ehemalige katalanische Regierungschefs sind hier schon in Vorlage gegangen und stehen mit nahezu ihrer ganzen Familie vor Gericht.
Es geht nur um Geld und um mangelnde Solidarität.
Das soll getarnt werden, indem man sich als armes, unterdrücktes Volk präsentiert und dies sogar in Deutschland, durch eine s.g. katalanische Vertreterin publiziert.
Was sind denn dann die Rohinya, wenn selbst Katalanen arm und unterdrückt sind?

Bei allem darf man nicht vergessen, dass man eigentlich nicht von den Katalanen reden darf, sondern dass die aufgeheizte Situation von den radikalen, rückwärtsgewandten aber besonders lauten Unabhängigkeitsbefürwortern zu verantworten ist.

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cerberus99 24.10.2017, 12:24
387.

Augsteins Kollege Greven schrieb gestern bei ZEIT Online:
"Nationalismus ist eine Sucht und ein Wahn."
Dem stimme ich zu.
Indes: Just dieser Nationalismus erschuf die jetzt - angesichts von "Separationstendenzen" - um ihre "Souveränität" bangen Nationalstaaten. So alt sind viele davon ja noch nicht. Und etliche der heute akzeptierten nationalen Grenzen entsprangen Kriegen, die von dem wahnhaften Nationalismus getrieben waren.

Ob also ein "Europa der Vaterländer" - also ein Europa der Nationen - auf Dauer eine tragfähige Organisationsform ist, muss bezweifelt werden. Ich tendiere da mehr zu einem "Europa der Regionen", in dem der Nationalstaat abgewertet bis überflüssig wird. Verbunden mit einer echten Demokratisierung aller Entscheidungsebenen und einer real existierenden Subsidiarität hat diese Form der Vorzug der Nähe von Volk und Entscheidungsebenen und eine wesentlich überschaubarere und transparentere Verantwortungs-Zuordnung. Wer weiss denn heute wirklich, welches Gremium am Ende was entscheidet oder veranlasst?

Ungelöst bleibt dabei natürlich das Problem des lokalen und regionalen Egoismus. Er ist ein unvermeidbares Resultat der Wirtschaftsform, die alle Lebensbereiche und Politikbereiche überwölbt und am Ende dominiert. Ein Wirtschaftssystem, bei dem der Gewinner alles nimmt und Regeln nur für die Dummen und Armen gelten, zerstört jede noch so gut gemeinte politische Struktur.
Also: Alles nur Glasperlenspiele?

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Monty76 24.10.2017, 12:24
388.

Augsteins Sympathie bedeutet doch nur eines: Die reichen Bundesländer sollen sich vom ärmeren "Rest" des Landes (der wohl wenig Gründe für separatistische Bewegungen haben dürfte) abspalten dürfen. Sehr solidarisch. Ist das "im Zweifel links"?
Dazu wurde Europa gegründet, um nach kriegerischen Jahrhunderten den Frieden zu sichern und nationale Egoismen der gemeinsamen Idee unterzuordnen. Kleinstaaterei widerspricht dem. Jeder kocht wieder sein Süppchen. Das ist wahrhaft erstrebenswert.
Dazu wettert Augstein ja auch immer gegen die USA oder gegen amerikanische Großfirmen wie Google. Die haben in der EU-Kommission einen ebenbürtigen Verhandlungspartner. In Katalonien & Co nicht.
Dazu hat Katalonien breits weitgehende Autonomie und wird nicht unterdrückt. Die spanische Verfassung wurde auch dort anerkannt. Es besteht keine Notwenidgkeit sich zu trennen. Abgesehen von egoistischen Motiven.
Dass Herr Augstein solche Tendenzen verklärt und tatsächlich der Kleinstaaterei und der Wiederkehr nationaler Egoismen das Wort redet, zeigt nur, wie links er wirklich ist.

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pavel1100 24.10.2017, 12:25
389. Stark übertrieben

Zitat von badbentham
Das Volk als alleiniger Souverän (Wilhelm Tells Tyrannenmord, das konstituierende "epische" Moment der Schweiz) ist, trotz der Wählbarkeit der Parteien, und einer "lupenrein-demokratischen" Gesetzgebung, in der spanischen, restaurativ- heroischen, gesetzerlassenden Monarchie, basierend auf dem Konzept der unteilbaren nach Außen strahlenden Macht ( der "Sonnenkönig", der den Staat inkorporiert; - hier das "imperiale" Madrid als die "königliche Stadt", zu der alle Wege.....
Sie sagen Unterwerfung? Bei derart weitgehender Autonomie halte ich das für stark überrieben. Wer ist das Volk? Wen bezeichnen sie als Katalanen? Sind das für die nur die Ultranationalisten?

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