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Kataloniens Premier über den Bruch mit Spanien: "Wir wollen unser Recht"
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Die Katalanen wollen raus aus Spanien, sie trotzen der harten Reaktion aus Madrid. Hier spricht der katalanische Ministerpräsident Puigdemont über Ohrfeigen für sein Volk, die Zukunft des FC Barcelona - und den Zorn der EU.

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scoopx 21.09.2017, 14:50
30. Hoch die EU!

Denn sie ermöglicht ein Europa der Regionen - wie etwa Katalanien - statt eines "der Vaterländer", wie Charles de Gaulle in den 1960ern es wollte. Er glaubte, die europäische Einigung sei ein Konstrukt und die Nationalstaaten etwas "natürliches".

In Wahrheit ist es aber genau umgekehrt. Nationalstaaten sind es, die Konstrukte sind. Es ist den Nationalstaaten zu verdanken daß wir zwei Weltkriege hatten, und der Nationalwahn ist auch schuld an den Balkankriegen in den 1990ern. Der Nationalismus führte zu der Auffassung eines "in den Landesfarben angestrichenen Herrgotts" (Tucholsky) und zum "Verrat der Intellektuellen" (Julien Benda), zu dem Glauben, daß am deutschen Wesen die Welt genesen solle (Immanuel Geibel), oder daß nur Frankreich denken könne (Madame de Stael), daß England die Meere beherrschen müsse und dergleichen mehr.

Wie unnatürlich ein Nationalstaat ist kann man am besten am Beispiel Italiens sehen. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war Italien nicht mehr als ein geografischer Begriff. Sizilien und Mailand hatten nicht mehr gemeinsam als die Bretagne und Bayern. Nur weil der Nationalgedanke so populär war, erschien den Europäern dieses lachhafte Kunstgebilde als etwas "Logisches" und "Vernünftiges".

Kleinere Ethnien, die in ihrem inneren Zusammenhang viel natürlicher waren als große Nationen, wurden zu Provinzen degradiert, ihre Kultur und Sprache unterdrückt, ihre Denker verfolgt oder vereinnahmt, ihre Menschen ausgebeutet. Ich nenne nur die Beispiele Irland, Tschechien, Katalonien, Baskenland, Polen. Einige dieser Gebiete sind heute als Nationen anerkannt, andere nicht. Die EU bietet nun diesen wirklichen Nationen die Möglichkeit zu freier Entfaltung.

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ColynCF 21.09.2017, 14:51
31.

Zitat von argonaut-10
von der Zentralregierung, einen ausgehandelten Kompromiss zu kippen, ohne eine Nachfolgevereinbarung ausgehandelt zu haben. Dennoch... wir brauchen mehr Miteinander, als Separatismus.
Das war nicht die Regierung, das war das Verfassungsgericht. Auch in Spanien gibt es die Gewaltenteilung.

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ernesto c 21.09.2017, 14:52
32. Unsinn

In dieser Angelegenheit läßt sich sehen, was geschieht, wenn Ideologen am Werk sind. Aus Spanien raus, aber der FC Barcelona soll in der spanischen Liga spielen ? Das nennt man wohl Cherry Picking. Gleichzeitig gibt Herr P. zu, dass es gar kein katalanisches Volk gibt. Am FC Barcelona erkennt man auch sofort, wie sehr die Katalanen angewiesen sind auf Spanien: ohne die spanische Liga ist nämlich der FC Barcelona ein Nichts.
Bei diesem Thema fehlt schon lang ein deutliches und eindeutiges Signal aus Brüssel, gestützt durch die Regierungen der EU-Mitgliedsländer, dass man einen solchen künstlich ausgerufenen Zwergstaat nicht anerkennt.

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Stäffelesrutscher 21.09.2017, 14:53
33.

Zitat von dmex
Merkwürdig nur, warum er nicht vorher auf die Idee kommt, diesen Konflikt aanstatt mit Konfrontation mit Politik zu lösen. Erstmal das ganze Land ins Chaos stürtzen, um dann die Probleme zu lösen, die er selbst verursacht hat. Seltsame Logik.
Sprechen Sie über Herrn Rajoy? Herrn Puigdemont können sie nicht meinen, denn die Katalanen haben es seit Jahrzehnten versucht. Tipp: lesen Sie nochmal den Abschnitt mit dem neuen Autonomiestatut von 2006 durch. Katalonien hat ja gesagt, das Madrider Parlament hat ja gesagt - und dann kamen die Söhne und Töchter Francos alias PP und haben den Volkswillen torpediert. Seitdem ist Chaos.

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pietschko 21.09.2017, 14:53
34.

Zitat von freddygrant
... die Zentralregierung in Madrid nicht seit Jahrzehnten eine Infrastrukturpolitik, die den Leistungen (und Wirtschaft) sowie der Selbst- bestimmung der Katalanen entspricht? Spanien wird nun an einer Teilautonomie der Region Katalonien nicht mehr vorbei kommen. Frage bleibt aktuell, ob dies friedlich ver- bze. behandelt wird oder mit weiteren Protesten und inneren Auseinandersetzungen erfolgen wird.
erst informieren, dann posten. katalonien, hat eine weitreichende autonomie!

wiki:
Politischer Status
Seit 1978 besitzt Katalonien den Status einer Autonomen Gemeinschaft innerhalb des spanischen Staates. Unter diesen ragt Katalonien gemeinsam mit den übrigen „historischen“ Autonomen Gemeinschaften, dem Baskenland, Galicien und Navarra durch ein besonders hohes Maß an eigenen Befugnissen in Gesetzgebung und Verwaltung hervor. Unter anderem verfügt Katalonien über eine eigene Polizeieinheit, die Mossos d’Esquadra, die nach und nach die Aufgaben der spanischen Polizei auf katalanischem Gebiet übernehmen. Auch in zahlreichen anderen Politikfeldern, so etwa der Bildungs-, der Gesundheits- und der Wirtschaftspolitik, verfügt Katalonien über weitreichende Kompetenzen. Diese sind im Autonomiestatut niedergelegt, das einerseits die Befugnisse der Autonomen Gemeinschaft gegenüber denen des spanischen Staates abgrenzt, andererseits das Zusammenspiel der katalanischen Institutionen regelt und somit als funktionales Äquivalent einer Verfassung fungiert. Es bedarf der Zustimmung des katalanischen Parlaments, des spanischen Parlaments (in Form eines Organgesetzes) und der katalanischen Bevölkerung durch ein Referendum. Das erste Autonomiestatut von 1978 wurde 2006 durch eine Neufassung mit erweiterten Kompetenzen abgelöst. Weiterhin strebt eine Mehrheit der katalanischen Parteien nach einer Ausweitung der autonomen Befugnisse (siehe auch Abschnitt Politik).

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lars.nitsch 21.09.2017, 14:54
35. Prioritäten setzen!

Also ginge es nicht um die Liga-Teilnahme des FC Barcelona, wäre das Thema echt völlig belanglos. Aber so...

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lollopa1 21.09.2017, 14:57
36.

Ich habe selber Freunde in Barcelona, es wird auch oft über Polizik geredet, es macht dann Spass zu sehen wieviel kleinmütiger sie werden je länger die Diskussion dauert. Auf die Frage was denn gemacht wird wenn sie unabhängig sind kommen tolle Antworten, auf präzise Nachfragen wie z.B. Währung, Gesundheit, Landesverteidigung, Botschaften, kommen die ersten Ähhhs, dann ans eingemachte wie: keine EU, Madrid wird einem Beitritt Kataloniens nicht zustimmen, Rückforderung von Geldern der EU und Spanien, habt ihr die Kohle, internationale Firmen werden sich aus Katalonien verabschiede schaut nach England), da seht ihr was passieren wird. Und wenn man dann mal das Gehabe mit Nrdkorea oder China vergleicht, da werden auch kleine Kinder mit bunten Fahnen auf die Strasse gezerrt, ja dann sind sie alle still. Ich hoffe der Verstand wird noch eingesetzt, ansonsten wird Spanien zerfallen, Jugoslawien lässt grüssen

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Actionscript 21.09.2017, 14:58
37. Mehrheit?

Es sollte nicht der gleiche Fehler gemacht werden wie beim Brexit. Wenn die Katalanen unbedingt eine Abspaltung wollen, dann sollte eine 2/3ttel Mehrheit nötig sein. Bisher scheint es aber ein Patt zu geben. Auch die Abgeordneten reflektieren nur eine knappe Mehrheit. Ich sehe jetzt schon das Geheule, wenn die Abspaltung erfolgt und die Industrien abwandern. So etwas kann nicht in kurzer Zeit geregelt werden. Auch sehe ich die Gefahr, dass dann Hinz und Kunz sich vom Mutterland abspalten wollen. Stattdessen sollten sich die Katalanen mit der Regierung in Madrid einigen.

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spätaufsteher 21.09.2017, 14:58
38. das haben sie redlich versucht

Zitat von dmex
Merkwürdig nur, warum er nicht vorher auf die Idee kommt, diesen Konflikt aanstatt mit Konfrontation mit Politik zu lösen. Erstmal das ganze Land ins Chaos stürtzen, um dann die Probleme zu lösen, die er selbst verursacht hat. Seltsame Logik.
Die Frage der katalonischen Unabhängigkeit ist nicht erst in den letzten Jahren aufgekommen sondern hat eine lange, wirklch lange Vorgeschichte. Im Franco-Faschismus war die katalanische Sprache sogar verboten, erst seitdem Spanien eine Demokratie ist, durfte überhaupt wieder öffentlich über die "Katalonien-Frage" gesprochen werden. Diverse katalanische Regierungen haben jetzt seit gut 20 Jahren einen intensiven Diskurs mit diversen spanischen Regierungen zum Thema Autonomie und Selbstbestimmung geführt, Herr Puidgemont sagt das ja im Interview recht deutlich. Man kann es nicht anders ausdrücken, aber Katalonien hat in all der Zeit ein ums andere Mal die Hand zur Verständigung angeboten, sehr viel Geduld und sehr langen Atem bewiesen. Die spanischen Regierungen, egal ob christdemokratische PP oder sozialdemokratische PSOE, und Gerichte haben alle Angebote ein ums andere Mal ausgeschlagen und ignoriert. Irgendwann ist halt auch mal Schluss mit nett und freundlich.

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dennis_berber 21.09.2017, 15:00
39. Den Katalonen die Daumen drücken

Das die Nachfolgepartei der Franco Diktatur zu undemokratischen Mitteln greift war zu erwarten, dennoch haben sie damit wohl die Unabhängigkeit eher forciert, als sie zu verhindern. Und Katalonien ist die reichste Region Spaniens, somit hat Madrid sehr viel mehr zu verlieren, als die Katalanen.
www.finwir.de/wirtschaft/wirtschaftliche-auswirkungen-des-katalanischen-referendums/

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