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Klassengesellschaft: Wer diesen Satz lesen kann, hat gute Eltern
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Wenn ein Fünftel der Grundschüler nach der vierten Klasse nicht richtig lesen und schreiben kann, was sagt uns das über die Eltern? Oder anders gefragt: Ist Armut eine Entschuldigung, den Kindern nicht vorzulesen?

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Ökofred 14.12.2017, 17:08
1. Kommentar aus der Mottenkiste

Merkwürdig, praktisch überall auf der Welt wird so verfahren, dass die Kinder bis zur 8. gemeinsam unterrichtet werden, nur in D. funktioniert das angeblich nicht.

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sabinaz 14.12.2017, 17:18
2. Da steht er nun, der weiße Elefant

Dick und fett mitten im Raum: Es gibt viele Eltern, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage sind, ihren Kindern das Lesen beizubringen. Sie haben zum Beispiel - Alleinerziehende, so lange sie dem Staat nicht auf der Tasche liegen oder Doppelverdiener mit schlecht bezahlten Berufen - Ganztagsjobs. Oder sie sind zu dumm und zu faul. Ergo ist hier der Staat gefragt. Klar, mit Ganztageskindergärten und Ganztagsschulen, die diese Lücke füllen. Flächendeckend, als Regelmodell, erstklassig ausgestattet natürlich, so dass Kinder hierzulande wirklich alle dieselben Chancen haben. Schlimmes Problem, ganz klare Lösung. Auf geht's!

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hzj 14.12.2017, 17:18
3. An staatlichenGesamt- und Realschulen ist es richtig dramatisch!

"20% der Grundschüler sind nach der 4. Klasse funktionale Analphabeten, weitere 40% haben starke bis mittlere Lese- und Schreibschwächen. Diese 40 bis 60% der Schüler eines Jahrgangs besuchen in NRW nach der Grundschule eine Gesamtschule oder Realschule. Das bedeutet zu Anfang des 5. Jahrgangs, dass kaum ein Schüler einer 5. Klasse einer Gesamt- oder Realschule so lesen und schreiben kann, wie es das öffentliche Schulsystem als Grundvoraussetzung für den Fachunterricht in der Sekundarstufe I vorsieht. Auch nicht vergessen darf man die zusätzlich den öffentlichen, allgemeinbildenden, weiterführenden Schulen auferlegten Probleme mit inklusionsbedingten Lern- und Verhaltensstörungen und den Auswirkungen der Flucht- und Migrationswellen, durch die das Lernen und die Bildungsarbeit in den Schulklassen weiter extrem erschwert werden. Immer mehr bildungsorientierte Eltern suchen daher für ihre Kinder eine Schule in privater Trägerschaft, da diese noch die Kontrolle über ihre Neuanmeldungen haben.

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M aus USA 14.12.2017, 17:20
4. Übung macht den Meister

Herr Fleischhauer, nicht alle asiatischen Gesellschaften haben Bildung zu einem hohen Gut erhoben. Das ist ein etwas ignorantes Vorurteil. Wirtschaftlich dominante Staaten in der Region wie z.B. China, Korea, Japan schon - andere nicht.
Darüber hinaus ist dann die Frage interessant, was bei der Erziehung der heuten Eltern vor ca. 25 - 40 Jahren schief gelaufen ist um ein derartiges Desinteresse am zukünftigen Wohl Ihrer Sprösslinge zu erklären.
Vielleicht wäre eine Kindergartenpflicht keine schlechte Idee.
Eine hübsche Alternative könnten auch verpflichtende Fortbildungen der Eltern bei Nichterreichen bestimmter Ziele der Kinder sein. Für deren Teilnahme und Engagement ist Geld vermutlich ein ausreichender Motivator.

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juratill 14.12.2017, 17:27
5. Es kommt auf die Eltern an

Ich habe in meinem Bekanntenkreis genügend Beispiele von Eltern, die selber - gleich aus welchen Gründen - nicht in den Genuss einer höheren Schulausbildung gekommen sind; diese Eltern erkannten aber, dass es entscheidend auf die Schulbildung ihrer Kinder ankam und alles daran setzten, dass sie nicht nur basale Schulfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen erlangten, sondern auch richtig gute Schüler wurden. Diese Kinder haben mittlerweile durchweg gute und sehr gute schulische Ergebnisse bis zum Abitur erzielt. Und mit vorstehend "alles" meine ich nicht, dass diese Eltern Nachhilfestunden "einkauften", nein, die Eltern haben sich selber nochmal angestrengt, vorgelesen, vorgerechnet und mit ihren Kindern wissensreiche Beschäftigungen gemeinsam unternommen. Diese Eltern und Kinder hatten und haben gemeinsam etwas davon.

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butch82 14.12.2017, 17:27
6. Ich verstehe es auch nicht

wenn als Argument immer ein sozialschwacher Hintergrund für schlechte Bildung herangezogen wird.

Wie haben das unsere Eltern und Großeltern nach dem Krieg geschafft? Es muss nicht jeder zum Einstein werden, aber die grundlegenden Dinge sollten doch machbar sein.

Die Kinder gehen fast alle in die gleichen Kindergärten und Grundschulen. Der einzige Unterschied besteht also im Elternhaus und dort ist wahrscheinlich auch die Ursache zu finden.

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Bernd.Brincken 14.12.2017, 17:27
7. Glück

Die Deutungen und die Sprache des Autors gehen schon hart an die Grenze der hate speech.
Schauen wir auf den Inhalt. Man geht davon aus, dass alle Menschen den _Ehrgeiz_ haben, sich hochzuarbeiten. Nur, vielleicht spüren sie, dass auch ohne Karriere-Aufstieg ein glückliches, ausgeglichenes Leben geht. Nicht automatisch, aber als Möglichkeit.
Vielleicht wird das Leben auch für alle sehr anstrengend, wenn alle sich dauernd anstregen.
Richtig, auch die Gesamtschule setzt auf Ehrgeiz, vielleicht auch zu viel. Mag sein dass da manches falsch lief.
Aber die Übertragung der Haltung des erfolgreichen (im Sinne der Reichweite zumindest) Publizisten auf die Welt - das ist auf jeden Fall ein Holzweg.

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Otto Blitz 14.12.2017, 17:27
8. Ach, Herr Fleischhauer...

wie soll es denn der Staat richten, wenn nicht mit "Sozialingenieuren"? Machen Sie mal ein Praktikum bei Sozialarbeitern, die in solchen prekären, "bildungsfeindlichen" Verhältnissen unterwegs sind. Ja, ein Großteil unserer Bevölkerung wird mit politischer Absicht bewusst dumm und arm gehalten. Sonst hätten wir nicht dieses Schuldesaster landauf, landab. Dafür haben wir dutzende Fernsehsender, die den ganzen Tag unsäglichen Schrott senden und dazwischen für den übelsten Müll Werbung schalten. Dass Papa, sofern es ihn gibt, abends seine zehn Bierchen reingluckert, versteht, wer ihn bei seiner Arbeit begleitet und dass Mama sich derweil den Süßkram bis zur absoluten Verstopfung reinfüllt, weiß, wer ihr im Supermarkt auf dem Weg zur Kasse zwischen unendlichen Gondelreihen voller Zucker- und Fettbomben hinterhergeht. Das Zitat "Jakkeline, geh wech von die Regale! Wir lesen keine Bücher!" ist nicht Satire von vorgestern, sondern gelebtes Leben. Es muss doch jemanden geben, der von solchen Zuständen profitiert, sonst gäbe es sie nicht, oder? Nun raten wir mal zusammen, wem das wohl so, wie es ist, recht sein könnte. Wer könnte das denn sein? Bestimmt die "sozialdemokratischen Bildungsreformer".

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thoms1957 14.12.2017, 17:28
9. Tja Fleischhauer, es ist beides

Armut und Bildungsferne resp. Bildungsverachtung, wie sie das nennen, gehen Hand in Hand. Aber das wissen Sie natürlich. Aber dann versteigen Sie sich doch in das beliebte Sozialbashing, das Teilen der Mittelschicht nunmal zu eigen ist. Das ist armselig. In einem gebe ich Ihnen Recht: Die Gesellschaft - also unser Staat muss sich endlich um diese Kinder kümmern. Das Erziehungsmonopol der Eltern muss dafür nicht eingeschränkt werden, es ist vielfach nämlich gar nicht vorhanden weil nicht ausgeübt. Mittlerweile- weil eben Jahrzehnte zugeschaut wurde, vererbt sich Armut, es gibt "Sozialhilfedynastien" in dritter Generation. Wo soll da Bildungsaffinität herkommen ? Anstrengung lohnt nicht, mit Haupschulabschluss wirst Du nichts, man kommt doch auch so zurecht und dem Staat sind wir egal. Die Kinder, die in dieses Umfeld geboren werden, können nichts dafür. Nur: Auf die Eltern schimpfen hilft nicht weiter. Investition in Bildung schon. Fragen Sie doch mal unsere Bundeskanzlerin, die übrigens nicht aus Versehen konservativ wurde, wo denn die versprochene Bildungsrepublik Deutschland liegt. Ich sehe die genauso wenig wie Sie wahrscheinlich.

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