Forum: Politik
Klassengesellschaft: Wer diesen Satz lesen kann, hat gute Eltern
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Wenn ein Fünftel der Grundschüler nach der vierten Klasse nicht richtig lesen und schreiben kann, was sagt uns das über die Eltern? Oder anders gefragt: Ist Armut eine Entschuldigung, den Kindern nicht vorzulesen?

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Heiner Hannappel 14.12.2017, 19:55
100. Da haben Sie sehr genau Hingeschaut Herr Fleischhauer!

Geht man mit geschärftem Blick durch Straßen, Kaufhäuser, Geschäfte aller Art und beobachtet Eltern mit ihren Zöglingen, ist man schier entsetzt von dem Anspruchsdenken der süßen "Kleinen" und der Hilflosigkeit ihrer Eltern, den ständigen Forderungen Einhalt zu gebieten. Querbeet über alle Preislagen hinweg, ob Smartphone, Spielprogramme werden Wünsche jenseits der elterlichen Kontostände erfüllt, ohne Gegenleistungen im häuslichen Umfeld durch Mithelfen, oder in schulischen Leistungen einzufordern. Gezwungen durch eine Wartezeit sah ich einen Vater, der ca. 30 Minuten unablässig auf sein Smartphone starrte ohne seinen ca. 12 jährigen Sohn auf einer Bank, an seiner Seite zu beachten. Indoktriniert von einer Werbeflut, die uns suggeriert, was wir für ein erfülltes Leben brauchen, bedienen wir fleißig die Interessen der Wirtschaft und nicht mehr die Interessen der Herzen derer, die unsere Gesellschaft später tragen sollen. Wir ersticken in Unsinnigkeit, kiloschweren Werbezeitschriften und verarmen in den Werten, die wir den Kindern mitgeben sollen.Die Politik macht selbiges seit Jahrzehnten vor, indem diese Verträge, Prinzipien, Moral und Werte wie gesellschaftlichen Positionen verwässert und wie Kanzlerin Merkel unsere Demokratie zu einer wirtschaftskonformeren Gesellschaft einstimmen will! Der Fisch stinkt also längstens vom Kopfe her. Ein Gehalt reicht mittlerweile nicht mehr um wie früher alle Kosten zu decken. Beide Elternteile müssen nun ran, um die familiären Kosten mit all dem Überflüssigen, was durch Werbung aufoktroyiert wurde zu decken und viele, allzu viele Eltern landen in erdrückenden Schulden, wie in den Medien zu lesen ist. Weihnachten ist mittlerweile zu einem schrillen Kaufrauschevent verkommen und seines ursprünglichen Inhalts entkernt worden. Besinnung und Nachdenken sind zu Fremdwörtern verkommen, besonders wenn Menschen mit Ohr- oder Kopfhörern durch die Straßen laufen, sich zudröhnen ohne einmal ihrem Gehirn die Chance zu geben in sich hinein zu hören um ihre wirklichen Bedürfnisse zu entdecken.Es findet eine Erosion unserer Moral, Kultur und Werte statt und dieses wird nicht einmal bemerkt, weil die Konsummaschine brummt und eine trügerische Sicherheit vortäuscht. Das böse Erwachen kommt spätestens, wenn die Demographie erbarmungslos zu schlägt und offenbart, dass wie sogar den Nachwuchs versäumt haben und andere von außen Kommende das nachholen.Frohe Weihnachten.

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fpa 14.12.2017, 19:56
101. Gar nicht so einfach

Anschließend werden dann Fragen zum Text gestellt. Man findet die Fragen auf Seite 100 des Dokumentes. Zum Teil sind das einfache Multiple Choice Fragen, zum Teil Fragen zu Zusammenhängen oder Kausalitätsbeziehungen, und zum Teil die Aufforderung zu einer ausführlichen Umformulierung von kurzen Zitaten in wörtliche Rede ("Was meint er damit?").

Auf jeden Fall hat das wenig zu tun mit "Ganzwortmethode" oder "Buchstabenschleifen", etc. Ja selbst mit Vorlesen nicht unbedingt. Ich erinnere mich sehr gut, meine Kinder es z.B. Krabat vorgelesen zu bekommen. Aber ehrlich gesagt, mir ging es dabei um Gefühle, meiner und die meiner Kinder. Auf die Idee, Details abzufragen oder Interpretationen, auf die Idee bin ich jedenfalls nie gekommen.

Ich denke nur, viele Beiträge hier - jeder schimpft auf etwas anderes - werden dem Test und seinen Ergebnissen einfach nicht gerecht. Denn selbst für einen gebildeten Erwachsenen ist das nicht ohne. Wenn man mich damit getestet hätte, hätte ich (mit Hochschulabschluss) durchaus meine Probleme damit gehabt. Sprich, ich hätte nachlesen müssen, um alle Fragen beantworten zu können. Denn für mich war der Inhalt der geschichte einfach zu langweilig, um mir alles zu merken. Wenn das aber mir passieren darf, warum darf es dann nicht auch einem 10-jährigen passieren?

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TS_Alien 14.12.2017, 19:58
102.

Wenn man die seit Jahren in den privaten Sendern laufenden Armutsdokus gesehen hat, sieht man kleine Kinder, die sich völlig normal verhalten. Sie sind aufgeweckt und neugierig. Einige Jahre später versagen etliche dieser Kinder in der Schule. Das liegt nicht am Schulsystem. Das liegt an den Eltern. Die sind meistens keine guten Vorbilder.

Selbst wer in Deutschland arm ist, kann seinen Kindern sinnvolle Bücher und Spielzeug kaufen. Aber Kippen und Bier sind vielen dieser Eltern wichtiger.

Wer in einer größeren Stadt wohnt, hat auch Zugang zu öffentlichen Bibliotheken. Dort gibt es viele gute Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Kostenlos!

Bildung ist wichtig. Leider sehen das viele Menschen anders.

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fpa 14.12.2017, 20:02
103. #94 ist nur 1/5 der Geschichte aus dem IGLU Test

Zitat von fpa
"Marie und das rote Huhn" von Prue Anderson
Anschließend werden dann Fragen zum Text gestellt. Man findet die Fragen auf Seite 100 des Dokumentes. Zum Teil sind das einfache Multiple Choice Fragen, zum Teil Fragen zu Zusammenhängen oder Kausalitätsbeziehungen, und zum Teil die Aufforderung zu einer ausführlichen Umformulierung von kurzen Zitaten in wörtliche Rede ("Was meint er damit?").

Auf jeden Fall hat das wenig zu tun mit "Ganzwortmethode" oder "Buchstabenschleifen", etc. Ja selbst mit Vorlesen nicht unbedingt. Ich erinnere mich sehr gut, meine Kinder liebten es z.B. Krabat vorgelesen zu bekommen. Aber ehrlich gesagt, mir ging es dabei um Gefühle, um meine und um die meiner Kinder. Auf die Idee, Details abzufragen oder Interpretationen, auf die Idee bin ich jedenfalls nie gekommen.

Ich denke nur, viele Beiträge hier - jeder schimpft auf etwas anderes - werden dem Test und seinen Ergebnissen einfach nicht gerecht. Denn selbst für einen gebildeten Erwachsenen ist das nicht ohne. Wenn man mich damit getestet hätte, hätte ich trotz Hochschulabschluss durchaus meine Probleme damit gehabt. Sprich, ich hätte nachlesen müssen, um alle Fragen beantworten zu können. Denn für mich war der Inhalt der Geschichte einfach zu langweilig, um mir alle Details merken zu können. Wenn das aber mir passieren darf, warum darf es dann nicht auch einem 10-jährigen passieren?

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asb311 14.12.2017, 20:10
104. Unangenehme Wahrheiten

Nach 35 Jahren Lehrerdasein kann ich aus täglicher Erfahrung jedes Wort des Verfassers unterschreiben. Ich habe meine Kinder (=Schüler) geliebt und ich weiß aus den Rückmeldungen, Sie mich auch. Aber gegen faule, frustrierte und unfähige Eltern kann ein Lehrer nur viel zu wenig gegenwirken. Dafür müsste man manche Kinder adoptieren. Ich hätte es gemacht, wenn es möglich gewesen wäre. Leider konnte ich sie letztlich nur bedauern.

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osterbuckel 14.12.2017, 20:16
105. Alles Quatsch

In unserer einklassigen Dorfschule hat jeder lesen gelernt. Es gab keine Bücher zu Hause und niemand hat den Kindern vorgelesen, denn alle waren Bauersleut, die für derlei Dinge keine Zeit hatten. Es gab keine Schulbibliothek. Die Fibel und das Lesebuch waren die einzigen Quellen. Geschrieben wurde auf Schiefertafeln.
Das Versagen ist ausschließlich ein Versagen der Schulen und der Schulpolitik.

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im_ernst_56 14.12.2017, 20:22
106. Gibt es vielleicht noch weitere Ursachen?

Ich frage mich manchmal, ob nicht die Ablenkung durch digitale Medien und das Fernsehen bei Eltern wie Kindern bei entsprechenden Voraussetzungen die Lese- und Schreibschwäche fördert. Mein jüngerer Bruder hat sich mit gut fünf Jahren ohne äußeren Anstoß das Lesen und Schreiben selbst beigebracht. Er war krankheitsbedingt längere Zeit ans Bett gefesselt. Radio und Fernsehen gab es nicht, nur diverse Bücher und ein Fußballalbum. Ich frage mich weiter, ob nicht die Schule etwas falsch macht. Früher wurden in der Grundschule die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen trainiert und zwar so, dass auch die Leistungsschwächeren ein zumindest durchschnittliches Niveau erreichten. Bei Rechtsschreibfehlern im Dikat musste man eine "Berichtigung" schreiben. Ich habe den Eindruck, dass aus der modernen Pädagogik das Prinzip Training durch Wiederholung, das gerade Leistungsschwächeren hilft, verschwunden ist.

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mr_scrooge 14.12.2017, 20:24
107. es läuft vieles falsch

meine Mutter, alleinerziehend, ohne irgendeinen Schulabschluss, hatte vor 50 Jahren beschlossen, dass es ihren Kindern später besser gehen soll und hat jedwede Energie darein gesteckt, ihre Kinder zu erfolgreichen und gebildeten Erwachsenen zu machen. Das Ergebnis: 3 promovierte Ärzte, die seit vielen Jahren mittels ihrer Steuern dem Staat zurückgeben, was sie an Ausbildung bekommen hatten. Ich kann das Gewimmere ehrlich gesagt nicht mehr hören, noch ertragen. Wer es besser haben möchte, soll sich auf seinen Allerwertesten setzen und was tun und wer für seine Kinder eine bessere Zukunft haben möchte, für den gilt das gleiche. Hört endlich auf, das Versagen immer bei anderen zu suchen, erkennt euch und stellt euch den Herausforderungen. Fleischhauer hat sicher prinzipiell recht, bloß der gezogene Schluss ist falsch. Schon wieder soll der Staat was richten, was die Leute nicht hinbekommen? Nein, wir selbst sind für uns verantwortlich. Aber es ist ja immer sooooo einfach, die Fehler bei anderen zu suchen und keine Verantwortung fürs eigene Schicksal zu übernehmen. Daran wird dieses Staatswesen schweren Schaden nehmen.

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helisara 14.12.2017, 20:35
108.

Zitat von jebeb
.. zerstört Familien, denn es wird heutzutage von Frauen, also auch von Müttern, erwartet, dass sie arbeiten gehen. Alleinerziehende haben es da besonders schwer. Die von der Arbeit erschöpften Eltern können sich nicht richtig um ihre Kinder kümmern. Es liegt also nicht an den Eltern alleine, sondern am gesellschaftlichen Umfeld. Das darf man nicht ignorieren.
Das ist Schwachsinn. Meine Mutter war auch voll berufstätig und hat trotzdem meine Hausaufgaben kontrolliert und mit lesen und rechnen geübt. Damals (in der DDR) war es normal, dass Kinder nach der ersten Klasse lesen und schreiben können. Eine Bekannte (aus dem Osten), zog nach der Wende nach Baden-Württemberg. Als sie ganz selbstverständlich davon ausging, dass ein Zweitklässler schon richtig lesen und schreiben sollte musste sie sich belehren lassen, dass man dies von dem Kind noch nicht erwarten könne.

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cave68 14.12.2017, 20:40
109.

Zitat von TS_Alien
Wenn man die seit Jahren in den privaten Sendern laufenden Armutsdokus gesehen hat, sieht man kleine Kinder, die sich völlig normal verhalten. Sie sind aufgeweckt und neugierig. Einige Jahre später versagen etliche dieser Kinder in der Schule. Das liegt nicht am Schulsystem. Das liegt an den Eltern. Die sind meistens keine guten Vorbilder. Selbst wer in Deutschland arm ist, kann seinen Kindern sinnvolle Bücher und Spielzeug kaufen. Aber Kippen und Bier sind vielen dieser Eltern wichtiger. Wer in einer größeren Stadt wohnt, hat auch Zugang zu öffentlichen Bibliotheken. Dort gibt es viele gute Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Kostenlos! Bildung ist wichtig. Leider sehen das viele Menschen anders.
ich kann ihnen da nur zustimmen...ich kann diesbezüglich mal empfehlen die Spiegel-TV-Reportage Der Abstieg von Pirmasens aufzurufen.
Dort werden Beispiele gezeigt,Verantwortliche und Menschen aus prekären Verhältnissen ,den Kinder gezeigt und auch Kindergärtnerinnen und Schuldirektoren interviewt.
Es sind beileibe nícht nur Migrantenkinder (in dem Film so gut wie gar keine) sondern generell Menschen die weder für sich noch für ihre Finanzen und schon gar nicht für ihre Kinder Verantwortung übernehmen können.
Da wird leider stumm stundenlang auf den Fernseher geglotzt...da wird den Kindern keine Grenze aufgezeigt (in dem Fall dürfen die Kinder ungehindert die Tapeten vermalen)...um die schulischen Leistungen wird sich natürlich auch nicht gekümmert...von Büchern ganz zu schweigen.
Dass diese prekären Familien auch überdurchschittlich viele Kinder haben und auf der anderen Seite viele Akademiker kinderlos bleiben macht die Problematik nicht kleiner.
Dass diese Kinder später selbst einmal ihre eigenen Kinder genauso (v)erziehen ergibt sich dann leider auch von selbst....wer Selbstverantwortung nie erfahren hat kann sie auch schwerlich weitergeben....

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