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Knesset-Wahl: TV-Moderator wird Israels Königsmacher
DPA

Israels Premier Netanjahu hat eine schwere Wahlschlappe erlitten. Im Amt bleiben kann er nur, wenn er mit der neuen Partei der Mitte koaliert, die von dem populären TV-Moderator Jair Lapid angeführt wird. Die Presse ruft den Newcomer zur wichtigsten Figur in der Jerusalemer Politik aus.

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ewspapst 23.01.2013, 12:17
1.

Zitat von sysop
Israels Premier Netanjahu hat eine schwere Wahlschlappe erlitten. Im Amt bleiben kann er nur, wenn er mit der neuen Partei der Mitte koaliert, die von dem populären TV-Moderator Jair Lapid angeführt wird. Die Presse ruft den Newcomer zur wichtigsten Figur in der Jerusalemer Politik aus.
Das kann uns friedliebende Bürger nur freuen.
Vermutlich wird es denn nun hoffentlich nichts mit dem ständig angekündigten Angriff auf den Iran und man sieht dort auch keine A-Bombe mehr, wie es uns Netanjahu ständig mitteilte.

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Duzend 23.01.2013, 12:20
2. Jair Lapid ist ja eh beliebt, aber...

Zitat von sysop
Israels Premier Netanjahu hat eine schwere Wahlschlappe erlitten. Im Amt bleiben kann er nur, wenn er mit der neuen Partei der Mitte koaliert, die von dem populären TV-Moderator Jair Lapid angeführt wird. Die Presse ruft den Newcomer zur wichtigsten Figur in der Jerusalemer Politik aus.
...darf man lapidar feststellen, dass auch er ganz dazu angetan ist, das bisherige System eher zu stützen und zu zementieren, statt es zu erneuern? Ich hatte es heute früh schon versucht, aber man scheint meine Hinweise zur Relativierung seiner positiven Darstellung nicht zu wollen. Er hatte auch schon Auftritte wie diesen,

Jair Lapid and His Guests on TV

und das sollten ruhig alle wissen dürfen. Daran, wie eisern er für den Fall seiner Regierungsbeteiligung an seinen zuvor geäusserten Grundsätzen wird festhalten können, wird man erkennen, wie ernst er es mit dem Wandel (auch seinem eigenen) und der Erneuerung meint.

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ein anderer 23.01.2013, 12:30
3. ...

Zitat von sysop
Israels Premier Netanjahu hat eine schwere Wahlschlappe erlitten. Im Amt bleiben kann er nur, wenn er mit der neuen Partei der Mitte koaliert, die von dem populären TV-Moderator Jair Lapid angeführt wird. Die Presse ruft den Newcomer zur wichtigsten Figur in der Jerusalemer Politik aus.
Ein Wandel wäre durchaus angebracht, aber dazu müsste auch das Militär überzeugt werden. Das könnte sich als hoffnungslos erweisen, da sich innerhalb der letzten 2. Jahrzehnten das Militär in den höheren Rängen von den liberalen Kräften befreit hatte. Sozusagen alle die die Visionen Rabins geteilt hatten wurden entweder aus dem Militär gedrängt oder Kaltgestellt. Nur die Gegner sind aufgestiegen.
Klar, für die meisten Demokratien spielt das Militär nur eine untergeordnete politische Rolle, nicht aber in Israel.

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willi45 23.01.2013, 12:40
4. Die liberale Mitte wehrt sich!

Das ist ein gutes Zeichen für Israel: radikale politische Positionen und auf Kosten der anderen leben, das darf so nicht weitergehen. Wenn die Palestinenser ernsthafter Frieden und Aussöhnung anstebten, könnten auch in Israel die Scharfmacher an Unterstützung verlieren. Vor 15 Jahren war es schon einmal so weit, bevor Rabin ermordet wurde. Hoffnung keimt auf.

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juttaweise 23.01.2013, 13:18
5.

die entfernten Nachbarn sahen es wohl ähnlich: Qatar finanziert den Wahlkampf Netanyahus:
Livni: le Qatar a financ la campagne lectorale de Netanyahu

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WolfThieme 23.01.2013, 14:08
6. Neese

Warum habe ich eigentlich wochenlang in allen Medien lesen müssen, wie sicher Netanjahus Wiederwahl sei? Welche Experten und Kaffeesatzleser waren da am Werke? Mein Vater konnte auch am Samstagmorgen erklären, weshalb sein Verein gewinnen würde und am Samstagabend, weshalb er verloren hat. Bei Niedersachsen haben die Prophezeiungen auch nicht gestimmt. So füllt man die Seiten.

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Atheist_Crusader 23.01.2013, 14:17
7.

Ich weiß ja nicht ob Lapid tatsächlich besser sein wird für Israel und die Region als Netanjahu... fest steht für mich nur, dass Netanjahu an Macht verlieren musste, damit überhaupt wieder etwas in Bewegung geratn kann. Ob es dann auch tatsächlich tut... time will tell.

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elikey01 23.01.2013, 14:37
8. Mit dem Vorziehen

Zitat von sysop
Israels Premier Netanjahu hat eine schwere Wahlschlappe erlitten. Im Amt bleiben kann er nur, wenn er mit der neuen Partei der Mitte koaliert, die von dem populären TV-Moderator Jair Lapid angeführt wird. Die Presse ruft den Newcomer zur wichtigsten Figur in der Jerusalemer Politik aus.
der eigentlich erst im Frühherbst fälligen Wahl wollte Bibi Fakten für seine aggressive und insb. nach der Anerkennung eine UN-Beobachterstatuts der Palästinenser weiter forcierte Siedlungspolitik im Westjordanland schaffen.

Er hat sich mit dem Vorziehen der Wahl ohne Not und aus purer eigennütziger Machtarroganz gewaltig verzockt.

Seine Politik schreckte selbst nicht vor (jüngsten) friedlichen Zeltstadt-Demonstrationen von Palästinensern auf privatem palästinens. Grund- und Bodenbesitz zurück, sondern räumt und zerstört sie innerhalb weniger Std.
Soviel staatliches Unrecht unter einem überheblichen Premier befeuert lediglich nahezu zwangsläufig die Hamas. So wird der Eindruck erweckt, dass die Angriffe aus Gaza förmlich als Rechtfertigung für Annektion und Säbelrasselpolitik willkomen sind - ein übles Geschäftsmodell.

Offensichtlich erkennen immer mehr Israelis die falsche Politik dieses Premier, die ihnen weder Frieden noch Sicherheit bescheren konnte und würde und sie zunehmend in der Welt isoliert.
Sie haben ein deutliches (und wie ich finde kluges) Votum abgegeben, auch hinsichtlich der zunehmenden Ultra-Orthodoxen, die den Staat verachten und ihn lediglich als "Dienstleister" für Kindergeldzahlungen, die Müllabfuhr u.ä. betrachten, ansonsten jedoch mehrheitlich weder zum Gemeinwohl beitragen, noch ihre Existenz aus eigener Erwerbsarbeit sichern.

Viel Glück, Israel, auf einem besseren Weg in eine sicherere Zukunft für euch, für Palästina (Zweistaaten-Lösung) und ganz Nah- und Mittelost.

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Delphianer 23.01.2013, 14:42
9.

Zur schnellen Orientierung ist das wohlsortierte Ergebnis auf dem Aufmacher von Haaretz (http://www.haaretz.com/) wohl am besten geeignet.

Erstens: herausragend wie sich "König Bibi" Nethanyahu wieder mal selbst ein Bein gestellt hat. Bis Mai letzten Jahres hatte seine Koalition noch 94 Abgeordnete. Den jetzigen Scherbenhaufen hat er wohl vor sich, weil er sich eindeutig auf Rechts festgelegt hat und zudem Likud mit den Konsorten des ultrarechten Rassisten und Berufswiderlings Avigdor Liebermanns (s. Wikipedia) vereinigt hat.

Nun wird hier auf eine Koalition Likud-Beiteinu mit der Partei des Fernsehmannes spekuliert. Die hätten dann 50 Abgeordnete im 120 Mitglieder Parlament. Dann bräuchten die also noch Partner von Rechts oder Links. Fernsehman will die arbeitsscheuen Orthodoxen nicht mehr durchfüttern: ob da die religiöse Schas-Partei (11 Abgeordnete) mitspielt? Fernsehmann will mit den Palästinensern verhandeln. Das dürfte dem ultrarechten Chefcharismatiker Naftali Bennett von der "Habait Hayehudi" ("Jüdische Heimat," oder sowas, 11 Abgeordnete) nicht gefallen. Also brauchen sie dann einen Partner von Mitte oder Links. Shelly Yachimovich von der Arbeiterpartei (15 Abgeordnete) hat schon gesagt, dass sie auf eine Koalition mit Nethanyuahu gar keine Lust hat (Nethanyahu hat ihr letztes Jahr Ehud Barak und einige andere Abgeordnete abspenstig gemacht). Mit Ex-Aussenministerin Tzipi Livni von der der Hatnuh (8 Abgeordnete), hat es sich Bibi schon ganz verscherzt. Tzipi hat nämlich gesagt, sie will Friedensverhandlungen, und Bibi sagte dass er sie zur Thematik für irrelevant hält.

Soweit ich informiert bin, hat "Bibi" jetzt sechs Wochen Zeit zur Regierungsbildung. Viel Spaß sei ihm gewünscht. Gleich danach braucht der fast bankrotte Staat Israel einen neuen Haushalt.

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