Forum: Politik
Kolumbien: Lieber Rache als Frieden
AFP

Kolumbien hätte mit einem Referendum Geschichte schreiben können. Doch die Bevölkerung lehnte einen Friedensvertrag mit den Farc-Rebellen knapp ab. Eine Niederlage internationalen Ausmaßes.

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skeptikerjörg 04.10.2016, 09:34
30. Gerechtigkeit, nicht Rache

Also zunächst einmal hat Uribe Recht, wenn er feststellt, die FARC sind in erster Linie Terroristen und Drogenhändler. Er hätte ergänzen können Mörder. Linksrebellen waren sie vielleicht zu Beginn ihres Kampfes, aber schon mindestens 30 Jahre nicht mehr. Dann kommt aber das "aber": Es ging um einen FriedensVERTRAG, der kolumbianische Staat hat nicht die Macht und ist nicht in der Position, ein FriedensDIKTAT durchzusetzen. Vertrag heißt, zwei Seiten verhandeln und nur wozu beide Seiten Ja sagen, kann vereinbart werden. Heißt, man muss Kröten schlucken. Ob die Zugeständnisse an die FARC die Aussicht auf Frieden aufwiegen, darüber hatte die Bevölkerung zu entscheiden. Und auch, ob die objektiven Verbrechen von Polizei, Armee und rechten Paramilitärs in diesem Krieg ebenfalls straffrei bleiben sollten. Und natürlich ist der ausgehandelte Vertrag ungerecht, im Sinne von Gerechtigkeit, aber er barg eine Chance zum Frieden.
Darüber hinaus zeigt auch dieses Beispiel, dass Plebiszite für solch komplexe uns elementare Vorgänge ungeeignet sind. Brexit lässt grüßen! Oder Victor Orbans Volksbefragung zur Flüchtlingsfrage.

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roithamer 04.10.2016, 09:45
31. Ich kann das Volk verstehen

Wenn man sieht, welchen Einfluss die Genossen aus der ehem. DDR hier bei uns nach der Wende bekommen haben, ist es klug und weise, dem Einfluss des Sozialismus einen Riegel vorzuschieben. In Kolumbien ist die Situation noch um einiges prekärer, es ist nicht zu erwarten, dass die Farc ihre abstrusen Ideen als gescheitert ansieht. Und gerade die urbanen Zentren, die vom Terror weitgehend verschont geblieben sind, haben nun keinen Bock auf demokratische Sozialistenführer.

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sonntag500 04.10.2016, 09:52
32. Wir sollten uns mit Empörung und Analysen zurück halten.

Keiner von uns weiß, was in diesem Vertrag steht.
Soviel man hört, sollte es eine Straffreiheit für die Mörder der FARC-"Rebellen" geben.
Ein Schlag ins Gesicht der Familien der Opfer!
Auch sollen finanzielle Zugeständnisse, wie eine zweijährige Übergangsrente für die Mörder geben, was den Opfern auch aufstößt.
Zumal sie keinerlei Opferentschädigung bekamen.
Ich kann die Ablehnung dieses "faulen Vertrages" verstehen.

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politik-nein-danke 04.10.2016, 10:09
33.

Zitat von chinawoman
die die am meisten betroffen waren stimmten für Frieden, in den weniger betroffenen Städten dagegen. Die waren dafür mehr der Propaganda ausgesetzt. FARC-Rebellen sitzen doch nicht sofort in Parlamenten, dahin müssten sie doch erst gewählt werden. Ich hatte mir für das Land eine positive Abstimmung erhofft. Es wäre ein Zeichen in die Welt gewesen.
Sie sind falsch informiert, die FARC-Rebellen hätten Parlamentssitze bekommen und zwar ohne Wahl.....

Und zu ihrer Feststellung das in den weniger betroffenen Städten dagegen gestimmt wurde - nun die weniger betroffenen Städte liegen in der Nähe zu Venezuela...und die haben in den letzten Monaten erlebt was "marxistisch-leninistisch" angehauchte Politiker bewirken. Als halb verhungerte Venezualaner die kolumbianischen Städte überrannt haben um Lebensmittel zu ergattern....

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_unwissender 04.10.2016, 10:11
34. Ähnlichkeiten?

Zitat von cato.
... Was soll daran Paradox sein, dass die Regionen die von einer Forstsetzung des Konflikts besonders negativ betroffen sind, an einem Frieden um jeden Preis ein Interesse haben, während jene die nicht in Gefahr sind sich ihre Prinzipien leisten können.
Sind Ähnlichkeiten mit uns bekannteren Gegenden zufällig?
Das klingt fast nach deutscher Wirklichkeit ...

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vitalik 04.10.2016, 10:20
35.

Zitat von skeptikerjörg
Also zunächst einmal hat Uribe Recht, wenn er feststellt, die FARC sind in erster Linie Terroristen und Drogenhändler. Er hätte ergänzen können Mörder. Linksrebellen waren sie vielleicht zu Beginn ihres Kampfes, aber schon mindestens 30 Jahre nicht mehr. Dann kommt aber das "aber": Es ging um einen FriedensVERTRAG, der kolumbianische Staat hat nicht die Macht und ist nicht in der Position, ein FriedensDIKTAT durchzusetzen. Vertrag heißt, zwei Seiten verhandeln und nur wozu beide Seiten Ja sagen, kann vereinbart werden. Heißt, man muss Kröten schlucken. Ob die Zugeständnisse an die FARC die Aussicht auf Frieden aufwiegen, darüber hatte die Bevölkerung zu entscheiden. Und auch, ob die objektiven Verbrechen von Polizei, Armee und rechten Paramilitärs in diesem Krieg ebenfalls straffrei bleiben sollten. Und natürlich ist der ausgehandelte Vertrag ungerecht, im Sinne von Gerechtigkeit, aber er barg eine Chance zum Frieden. Darüber hinaus zeigt auch dieses Beispiel, dass Plebiszite für solch komplexe uns elementare Vorgänge ungeeignet sind. Brexit lässt grüßen! Oder Victor Orbans Volksbefragung zur Flüchtlingsfrage.
Warum nehmen Sie an, dass durch die Ablehnung dieses Vertrages kein Frieden mehr möglich ist? Die beiden Seiten haben einen Vertrag ausgearbeitet und zwar nicht, weil ihnen die Menschen und Opfer so am Herzen liegen, sondern weil der Kampf nicht fortgeführt werden kann.
Wenn man andere Quellen bemüht, dann stellt man fest, dass der Friedensvertrag Punkte enthält, welche mit einer Demokratie nicht vereinbart werden können.
Der Artikel enthält leider kaum Informationen zu den Hintergründen, sodass man hier kaum eigene Meinung bilden kann.

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Chico73 04.10.2016, 10:27
36. Sehr einseitige Darstellung

Was mich ungemein an der Berichterstattung insb. in diesem Artikel als auch insgesamt in vielen deutschen Medien über die Bürgerkrieg-Situation in Kolumbien stört ist, dass hier nach wie vor die FARC mehr oder minder Stark Mystifiziert und der Pathos einer linken ploitischen Guerilla-Truppe angedichtet wird. Das ist sie schon lange nicht mehr. Seit bestimmt 10-15 Jahren handelt es sich schlicht um eine Drogenproduzierende Terror-Truppe, die ein ganzes Land in Geiselhaft genommen hat.
Und nun soll dem so mirnichtsdirnichts mit einer General-Amnestie ein Ende gemacht werden, ohne dass diese Greul irgendwie aufgearbeitet werden. Natürlich haben das Militär und die Polizei und die Regierungsschergen, viele Politiker und zuletzt nicht auch die CIA dabei ebenfalls viel Blut an den Fingern - auch das wäre mit dem Friedendvertrag unter den Teppich gekehrt worden. Ich kann das schon gut verstehen, dass hier ein Teil der Bevölkerung sich gegen wehrt. Und mit Rache hat dies wohl kaum etwas zu tun, vielmehr mit Aufarbeitung, Gerechtigkeit und Mut.

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Larnaveux 04.10.2016, 10:40
37. Überaus ärgerlicher und einseitiger Artikel

Zunächst einmal: Vermutlich können unter uns Lesern nur die wenigsten ansatzweise verstehen, was genau die Menschen in Kolumbien bewegt. Kaum einer dürfte dieses Land tiefgehender kennen. Ich auch nicht. Insofern kann ich nicht sachlich beurteilen, was genau der Vertrag aussagt, wie Alternativen aussähen (wobei zu vermuten ist, dass momentan niemand so recht weiß, wie Alternativen wirklich aussehen), was die Menschen tatsächlich bewegt.

Was mich aber mächtig ärgert, ist die absolut einseitige Darstellung des Artikels hinsichtlich des Wahlergebnisses. Wer dem Vertrag zustimmte, handelte dem Schreiber, Herrn Ehringfeld, zufolge Argumenten aufgeschlossen. Wer den Vertrag ablehnte, der war hingegen emotional. Und nicht nur das! Nein, wer den Vertrag ablehnte, ließ sich auch noch von Hass leiten. Ganz im Gegenteil zu den bedachten und sachlichen Befürwortern des Vertrages. Was Herr Ehringfeld da nicht alles weiß. Bewundernswert!

Ich möchte den Spieß mal umdrehen. Ich behaupte, dass die Menschen in den fernen Städten viel rationaler entscheiden, viel rationaler sehen konnten, dass durch den Vertrag Massenmörder und Verbrecher nicht nur straffrei ausgehen, sondern auch noch ein erhebliches Mitspracherecht in die Politik des Landes bekommen. Genau deshalb haben die Menschen sich vollkommen rational gegen den Vertrag entschieden. Die Menschen auf dem Land, der FARC, den Mordbrennern, aber auch korrupten Polizisten und Soldaten und brutalen Schlägern viel näher und viel betroffener, sie lassen sich hingegen von ihren Sorgen und ihrer Angst leiten. Natürlich wollen sie in Ruhe leben, und so schließen sie ganz emotional auch bereitwillig einen Pakt mit dem Teufel, der FARC. Nur um weiterleben zu können. Sie schlucken eine Kröte, weil sie Angst haben. Eine ganz starke Emotion. Ende des Spieß-Umdrehens.

Natürlich ist meine Darstellung überzeichnet. Nur: Das ist die Sichtweise von Herrn Ehringfeld definitiv ebenfalls. Mich ärgert die Unterstellung, dass Menschen, die mit Mördern keine Verträge schließen wollen, sich nur von Hass leiten lassen und nicht rational sind, Menschen, die mit Mördern paktieren, aber sachlich agieren. Ich verstehe sehr wohl, dass man im Leben immer mal gezwungen ist, gewaltige Kröten zu schlucken, insofern war beispielsweise der Besuch Sadats in Jerusalem sensationell, sowohl von ägyptischer als auch von israelischer Seite. Natürlich, das kann ich verstehen, ist eine tief verwurzelte Rebellenorganisation wie die FARC nicht einfach auslöschbar wie ein Pickel. Natürlich muss man auch mal über seinen Schatten springen.

Aber der Artikel von Herrn Ehringfeld bleibt dennoch ein einseitiges Pamphlet.

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Chico73 04.10.2016, 10:41
38. sehr treffende Darstellung

Zitat von skeptikerjörg
Also zunächst einmal hat Uribe Recht, wenn er feststellt, die FARC sind in erster Linie Terroristen und Drogenhändler. Er hätte ergänzen können Mörder. Linksrebellen waren sie vielleicht zu Beginn ihres Kampfes, aber schon mindestens 30 Jahre nicht mehr. Dann kommt aber das "aber": Es ging um einen FriedensVERTRAG, der kolumbianische Staat hat nicht die Macht und ist nicht in der Position, ein FriedensDIKTAT durchzusetzen. Vertrag heißt, zwei Seiten verhandeln und nur wozu beide Seiten Ja sagen, kann vereinbart werden. Heißt, man muss Kröten schlucken. Ob die Zugeständnisse an die FARC die Aussicht auf Frieden aufwiegen, darüber hatte die Bevölkerung zu entscheiden. Und auch, ob die objektiven Verbrechen von Polizei, Armee und rechten Paramilitärs in diesem Krieg ebenfalls straffrei bleiben sollten. Und natürlich ist der ausgehandelte Vertrag ungerecht, im Sinne von Gerechtigkeit, aber er barg eine Chance zum Frieden. Darüber hinaus zeigt auch dieses Beispiel, dass Plebiszite für solch komplexe uns elementare Vorgänge ungeeignet sind. Brexit lässt grüßen! Oder Victor Orbans Volksbefragung zur Flüchtlingsfrage.
Danke, sehr treffende Darstellung.
Ich finde es trotzdem sehr mutig, dass so ein "Kuhandel" zwischen den FARC-Mördern und Terroristen und den Verbrechern der Polizei, Armee und Paramilitärs eben nicht so einfach durch ein Parlament durchgewunken wurde, sondern dass die Bevölkerung hierzu gefragt wurde.
Natürlich war dies eine Chance für den Frieden - aber halt auch ein Chance für die beteiligten Kriegs-Parteien hier sämtliche Gräueltaten unter den Teppich zu kehren und nicht zu Verantwortung gezogen zu werden.
Echter dauerhafter Frieden kann m.E. so nicht entstehen.

Ich glaube dieses Abkommen war das Paradebeispiel für einen gelungen Plebiszit. So komplex war die Frage und die damit verbundene Entscheidung und Konsequenz nicht - im Gegensatz zur Brexit-Abstimmung. Man sollte hier höchstens eine Pflicht zum Gang zur Wahlurne diskutieren...

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funnymoney 04.10.2016, 10:51
39. Ohne...

... grundsätzlich etwas gegen direkte Demokratie zu haben, muss man glaube ich feststellen, dass bei Resultaten aus Volksbefragungen oftmals weniger politische Klugheit oder Vernunft als vielmehr diffuse Massenemotionen deren Eltern sind. Man muss sich grundsaetzlich fragen, ob man das als Staat mit demokratisch gewählter Regierung moechte. Es ist praktisch, dass im Zweifel immer der Vox Populi die Schuld aufgehalst werden kann, andererseits muss man als Regierung akzeptieren, dass eben jenes wankelmütige Volk, oftmals beinflusst von begabten Hobby- Populisten, einen immer vor sich her treibt.

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