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Kommentar zum Sturz von Despoten: Diktatur kann erträglicher sein als Anarchie
AP

Saddam Hussein, Gaddafi - und bald Assad? Wenn Despoten stürzen, scheint das ein Grund zur Freude. Doch was der Diktatur folgt, ist oft noch schlimmer.

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Norbert Rost 29.09.2014, 06:37
1. Anarchie und Anomie

Sehr geehrte Frau Hoffmann,

dem Artikeltenor kann ich gut folgen und wundere mich nur, warum diese Aspekte 2014 ERNEUT diskutiert werden müssen. Jeder halbwegs gebildete Mensch wußte das schon vor dem letzten Irak-Krieg.

Was mich am Artikel stört ist aber die Wortwahl. "Anarchie" bedeutet die Abwesenheit von Herr-Schaft und ist keineswegs gleichbedeutend mit "Chaos". Das Wort, nach dem Sie suchen sollten, ist Anomie, die Abwesenheit sozialer Regeln und Gesetze. Dem aufgeklärten Bürgertum auf diesem Planeten stünde es gut zu Gesicht, wenn es sowohl die harte Herrschaft von Diktatoren wie auch die völlig Regellosigkeit kritisieren würde. Anarchie meint im Wort-Sinne, dass kein Mensch über den Menschen herrschen würde. Allerdings erlaubt es die Anomie in den gescheiterten Staaten sehr wohl, dass terrorisierende Mörder ihren Nächsten beherrschen: Durch Mord und Angst. Mit Anarchie hat das nur wenig zu tun.

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poly.kerl 29.09.2014, 06:37
2. IS ist keine Anarchie

Ich befürchte die großen Flächeneroberung der IS sind nur mit Unterstützung eines großteils der Bevölkerung möglich. Es entsteht eine neue Ordnung, die auf den Willen der dortigen Mehrheit beruht. Zusammenbruch der postkolnialen Strukturen, eine neue Ordnung (unter der auch ich nicht leben möchte), anderer keine Anarchie

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fabse09 29.09.2014, 06:49
3. Die Entscheidung...

...über solch ein Thema sollte immer noch der Bevölkerung des Landes, die darunter zu leiden hat, selbst überlassen werden. Eine TED-Abstimmung mit drei Antwortmöglichkeiten, die von Lesern durchgeführt wird, die sich in keinster Weise solche existenziellen Nöte mehr vorstellen können: Das ist mal zynisch!

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fleischwurstfachvorleger 29.09.2014, 06:51
4. Diktatur der GroKo?

Was kommt danach? Was kommt nach Merkel?

Unser Land wird bespitzelt.

Grundrechte werden eingeschränkt.

Korrupte Politiker sind nur bedingt verfolgbar

Weitreichende Entscheidungen werden am Volk vorbei gefällt, um wirtschaftliche Interessen bedienen zu können: Aufnahme neuer Staaten in die EU, Bankenkrise, Außenpolitik, Abhöraffäre, Bundeswehrskandale, ESM

Mit CETA, TTIP und TiSA sollen wir gänzlich entmachtet werden.

Auch wir Leben also in einer Diktatur.

Was kommt danach?

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erasmus89 29.09.2014, 06:52
5. Natürlich ist Demokratie

und was wir darunter definieren für uns ein elementares Gut. Jedoch können und dürfen wir nicht mehr unsere Maßstäbe an Staaten legen, deren Strukturen gänzlich anders sind. Natürlich müssen wir Zivilgesellschaften stärken. Das Problem aber an westlicher Krisenbewältigung sind die zahlreichen undemokratischen und verbrecherischen Angriffskriege, Sabotagen und Morde in sich konsolidierenden Staaten gewesen, vom Iran über Irak und Syrien, über Ägypten bis Libyen, über Chile bis Venezuela. Die westlichen Neokonservativen mit ihrer irren Ideologie zerstören die Reputation westl. Demokratien durch ihre geopolitischen Spinnereien. Die Geheimdienstskandalen, die sich herauskristallisierenden Demokratiedefizite in der Wirtschaft und den politischen Strukturen führen weiterhin zu einer Infragestellung der Demokratie. Auch bei uns können dadurch Fragmentierung, Revanchismus und Bürgerkriege entstehen, sollten die westl. Regierungen nicht auf die Stimmen ihrer Völker hören. Edward Snowden ist das Synonym für die Auflehnung gegen die immer autoritärer geführten Demokratien.

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Atheist_Crusader 29.09.2014, 06:53
6.

Wir müssen uns mal von dieser fast schon religiösen Begeisterung für Demokratie befreien. Speziell wenn man den Stand der Demokratie in der westlichen Welt betrachtet, ist das nicht unbedingt ein Produkt, mit dem man hausieren gehen sollte.

Und seien wir doch mal ehrlich: Wie viele Leute wollen schon wirklich wählen, wer über sie bestimmen soll? Das Ganze ist eigentlich nur ein Mittel zum Zweck der Bedürfniserfüllung... und wenn man die Zuverlässigkeit politischer Kandidaten und Systeme betrachtet: ein ziemlich lausiges.
Menschen wollen Arbeit, Wohlstand, Sicherheit, Konsum, die Dinge tun die sie tun wollen (der Rest kann ruhig verboten werden) und dass die Leute die sie nicht mögen unter Kontrolle gehalten werden. Und dann geht es weiter auf den üpersönlichen Listen: Selbstverwirklichung, Bildung oder auch bloß schnelle Autos. Aber die Typen die einen Verarschen selbst aussuchen? Das kommt irgendwo auf Platz 412 gleich nach dem Urlaub in Irland und vor den neuen Gartenmöbeln.

Die Demokratie wie sie gepredigt wird ist ein Ideal, für das man ein erleuchtetes, altruistisches und gebildetes Volk bräuchte wie es nirgends auf diesem Planeten existiert. Die Demokratie wie sie hier und heute existiert ist oft gar nicht so weit weg von einer Diktatur. Gesichter wechseln, Parteien wechseln, aber ändern tut sich nicht viel.

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theodorheuss 29.09.2014, 06:56
7. Vollkommen zutreffender Artikel

Ich frage mich bloß immer, warum weiß und erkennt das gemeine Volk solche Dinge bereits im Vorfeld, die Politiker aber nicht? Gestern bei Jauck sagte doch allen ernstes eine SPD Politikerin das sie von der Islamisierungswelle in D / EU vollkommen überrascht worden sei. Wie kommt eine solche Wahrnehmungsstörung zustande? Da wird einem doch Angst und Bange wenn man all diese Relativierungsversuche im Nachhinein, wenn das Kind breits in den Brunnen gefallen ist, hört. ICH habe all diese Dinge ( und mit mir Millionen ) präzise vorausgesagt, einfach durch logisches Denken frei von politischem Kalkül und Subjektivität. Aber hier liegt scheinbar das Problem, die wertfreie, Parteibuchunabhängige Denke fehlt den Politikern.

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BeatDaddy 29.09.2014, 06:58
8. Warum Assad stürzen?

Darum geht es doch gar nicht...Es geht um die ISIS. Die müssen unschädlich gemacht werden. Was geht die Amis ein Diktator an? Die leben doch selbst in einer Diktatur der Waffenlobby, getarnt als Demokratie durch Repräsentanten....Der Präsident ist schon zu Beginn der zweiten Amtszeit eine "Lame Duck" und alle, die ein zweites Mall gewählt wurden haben zum Ende Ihrer Amtszeit irgendwo auf der Welt Kriege angezettelt oder sie für unverzichtbar gehalten! Und was haben diese Kriege gebracht außer nur noch mehr Krieg und Leid der Betroffenen? Richtig! Mehr Umsatz und Einfluss für die Waffen- und Kriegslobby in Amerika...Und Merkel kriecht diesen Kriegstreibern und "einzigen Wahrern" der Freiheit ohne nachzufragen in den Hintern, obwohl sie vorher aufs Übelste von denen ausspioniert wurde...welch ein Glück bomben wir nicht mit und wenn es nur aus dem Grund ist, dass niemand mehr in die Bundeswehr investiert hat!

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dauersinnkrise 29.09.2014, 07:02
9. schnöde Realpolitik?!

Erstaunlich, wie selbst die anscheinende Rückkehr zur Vernunft an der Hybris des Westens festhalten kann. "Der Sturz von Diktatoren gibt vielerlei Grund zur Freude"? Als wäre das ein Wert an sich. "Westliche Politik sollte daher in Zukunft dem Funktionieren eines Staates höheren Wert beimessen." Über Souvernität reden wir gar nicht mehr. Der Westen entscheidet, was sein darf und was nicht! Nein, nicht Stabiltät zu schätzen, klingt nach "schnöder Realpolitik". Realpolitik heißt Streben nach Interessenausgleich im Rahmen des Machbaren. Das bringt u. a. Stabilität. Zeit, das sich die "freiheitlichen Demokratien" daran erinnern, und aufhören der Beliebigkeit einer moralisierenden Propagander zu folgen, die nur die Interessen des Stärkeren verschleiert. Letzteres funktioniert doch sowieso immer weniger.

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