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Kommentar zum Sturz von Despoten: Diktatur kann erträglicher sein als Anarchie
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Saddam Hussein, Gaddafi - und bald Assad? Wenn Despoten stürzen, scheint das ein Grund zur Freude. Doch was der Diktatur folgt, ist oft noch schlimmer.

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Meconopsis 29.09.2014, 08:43
90. Lehren aus dem Chaos

Ich hoffe sehr, dass sowohl die USA, wie auch die Europäer nach all den vielen militärischen Abenteuern und grandiosen Misserfolgen der vergangenen 20 Jahre endlich eines gelernt haben: Demokratie lässt sich nicht herbeibomben. Eine demokratische Gesellschaft kann ein Volk nur in einem lang anhaltenden Reifeprozess erwerben. Dafür braucht es ein hohes Bildungsniveau, sowie ein im Kern gerechtes und verlässliches Justiz- und Sicherheitssystem mit einem nicht zu hohen Maß an Korruption. Und es braucht, zumindest bis zu einem gewissen Grad pluralistische Medien und idealerweise auch einen säkularen Staat. Erst dann entsteht überhaupt der politisch denkende, informierte Bürger.

Das alles aber lässt sich nicht aufoktroyieren und in einem kurzen Zeitraum aus dem Boden stampfen, so wie die Amis in ihrer skrupellosen Selbsterhöhung und Selbstüberschätzung der Welt Demokratie bringen möchten. Vor so einer Art von Demokratie kann man eigentlich nur Angst haben. Nur eine viele Jahrzehnte anhaltende friedliche und selbstgesteuerte Entwicklung kann am Ende eine stabile Demokratie hervorbringen.

Wenn das Aufbegehren zu früh kommt, kann es durchaus im Sinne des gesamten Staatswesens und der Gesellschaft sein, wenn entsprechende Aufstände im äußersten Fall auch mit Gewalt niedergeschlagen werden. Wenn, wie auf dem Platz des Himmlischen Friedens damals geschehen, eine studentische Elite demokratische Reformen fordert, so muss man immer beachten, dass es sich dabei nicht ansatzweise um den Ausdruck eines Mehrheitswillens der Bevölkerung gehandelt hatte.

Also - gebt diesen Ländern Zeit, mischt euch nicht ein - weder militärisch, noch mit irgendwelchen Stiftungen. Die Tätigkeit der us-amerikanischen, aber auch der deutschen, parteigetragenen Stiftungen sehe ich sehr kritisch. Man züchtet sich eine kleine Elite heran, die im jeweiligen Volk keineswegs verankert ist... vordergründig sollen demokratische Strukturen entwickelt werden, in Wirklichkeit geht es aber um Machtpolitik. Das katastrophale Ergebnis einer so herangezogenen Elite sehen wir gerade in der Ukraine.

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Kessl 29.09.2014, 08:43
91. Stabilität ist seine Frage des politischen Systems

Es geht doch nicht um das politische System. Solange etwas im Fernsehen läuft und der Bauch voll ist funktionieren alle Systeme. Siehe China, eine zufriedene Diktatur. Auch Syrien und der Irak (vor 1990) vielen in diese Kategorie.
Andererseits ist die Demokratie im Westen eine Farce, siehe TTIP das niemand will aber alle kriegen werden.
Das alte und bewährte Konzept für funktionierende Systeme? Brot und Spiele! Oder glaubt wirklich irgendwer ein Rumpsteak schmeckt in einer Demokratie anders als in einer Diktatur?

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doomsdaydevice 29.09.2014, 08:44
92. Anarchie ist ein Appell an die Intelligenz der Menschheit!

...und die Menschheit scheitert. Der freie Wille ist wie die Demokratie eine Utopie. Würde jeder einzelne Mensch alles dafür tun, diese beiden Utopien zu verwirklichen, an sich arbeiten, sich bilden, Egoismen zurückzustellen, dann wäre die entstehende Gesellschaft deckungsgleich mit der Anarchie.
Anarchie mit Chaos gleichzusetzen ist auch nur ein subtiler Versuch die Ängste derer zu schüren die zu dumm sind Veränderung als Chance zu begreifen. Mit Verbreitung dieser Informationen erhält man Machtstrukturen, verfestigt sie & sorgt dafür das sogar die Deppen, gegen die Politik gerichtet ist, sie unterstützen (Diktatur ist besser, wa ;-) ...und jetzt mehr innere Sicherheit&NATO Kriegsspielchen)

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SichtausChina 29.09.2014, 08:45
93. Die wahren Verbrecher sind USA und Verbuendete

Eine absolute Monarchie, die Frauen wie Vieh handelt ist zurzeit mit den USA verbuendet um das multikulturelle Syrien mit weitgehender Gleichberechtigung zu bekaempfen. Assad hielt die multireligioese Gesellschaft friedlich zusammen, bis die USA das Umland destabilisierten und Staatsfeinde massiv foerderte. Diktatur oder nicht ist den USA egal. Von Allende bis Yanukovich: demokratisch gewaehlt zu sein, schuetzt vor US Terror nicht.

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European 29.09.2014, 08:46
94. Fremdherrschaft ist ein Verbrechen

es ist nicht anderes als Ausbeutung und Unterdrückung, Kolonialismus in der einen oder anderen Schattierung.

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Sachsenimker 29.09.2014, 08:47
95. Und wer bitte schön

entscheidet was Anarchie ist.
Könnte es der entfesselte Kapitalismus sein?

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stinkfisch1000 29.09.2014, 08:47
96. Na endlich

Für diese Erkenntnis hat man hier im Westen aber lange gebraucht. Habe seinerzeit das Gejubel um den "Arabischen Frühling" schon nicht verstanden. Der diskursive mainstream hier in Deutschland wird halt halt von naiven Salondemokraten bestimmt, die wenig von den Mechanismen verstehen, die in anderen, vor allem ärmeren Ländern wirken. Wir sollten endlich aufhören, die Welt an unserer "Demokratie" genesen lassen zu wollen.

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Meconopsis 29.09.2014, 08:47
97. Simplemind

Zitat von simplemind
Sehr geehrte Frau Hoffmann, was Sie betreiben ist geistige Brandstiftung und Volksverdummung. Anstatt sich der Frage zu stellen warum es leider fast nie klappt dass korrupte und diktatorische staatliche Strukturen durch demoktratisch und am Wohle der Bürger orientierte ersetzt werden, suggerieren Sie das es besser ist diese hinzunehmen. Leider zeugt das Abstimmungsergebnis der Umfrage wie sehr dies Brandstiftung auf fruchtbaren Boden fällt. Wer sich zu dem Thema eine aufgeklärtere Meinung machen möchte dem empfehle ich das Buch "Warum Nationen scheitern". Ich grüße in Ihrem Namen noch all die Menschen deren Rechte in unseren schönen heutigen Diktaturen mit Füßen getreten werden und die gerade in Saudi Arabien, Nordkorea, Russland, diversen afrikanischen Staaten und künftig auch im Islamischen Kalifat gefoltert werden.
Ihr Name ist wohl Programm. Zu einer differenzierten Analyse sind Sie offenbar nicht bereit.

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melea 29.09.2014, 08:48
98. Evolution

Das ist blanker Zynismus. Nie sind Diktaturen "erträglicher", ihr Sturz erfordert jedoch einen vorbereiteten Prozeß, der bereits einen realistischen und umsetzbaren Plan für "den Tag danach" enthält, wie ihn die Westmächte damals 1945 für Deutschland hatten. Wenn zB die Herren Rumsfeld und Bremer nach dem Sturz Saddam Husseins um Irak erstmal alle gewachsenen Strukturen der Gesellschaft und Verwaltung auflösen und 400.000 Angehörige der Streitkräfte unbezahlt nach Hause schicken, wie bitte soll das nicht zu hass und Chaos in der Irakischen Bevölkerung führen? Der "Fluch der 'guten' Tat".

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Wildes Herz 29.09.2014, 08:49
99. Anarchie

Der Begriff "Anarchie" wird in diesem Artikel in einem völlig falschen Sinn verwendet. Anarchie bedeutet die Abwesenheit von Herrschaft; ein Idealzustand, der als solcher im Grunde reine philosophische Theorie ist und praktisch noch nirgendwo erreicht wurde, da es immer und überall Menschen gibt, die danach trachten, über andere Menschen Herrschaft auszuüben.

Wo immer aber Herrschaft ausgeübt wird - sei es durch einen Diktator, sei es durch einen entfesselten Mob, eine oppositionelle Bürgerkriegspartei oder marodierende Banden - herrscht eben gerade KEINE Anarchie.

Das heutige Syrien, Libyen & Co. sind somit geradezu Musterbeispiele für Länder, in denen es KEINE Anarchie gibt. Es gibt wohl kaum ein Land das so weit von Anarchie entfernt ist wie das heutige Syrien. Wie kann man dann aber ausgerechnet dieses Land mit dem Begriff "Anarchie" in Verbindung bringen? Oder gar behaupten, dort herrsche Anarchie?

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