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Kommentar zum Sturz von Despoten: Diktatur kann erträglicher sein als Anarchie
AP

Saddam Hussein, Gaddafi - und bald Assad? Wenn Despoten stürzen, scheint das ein Grund zur Freude. Doch was der Diktatur folgt, ist oft noch schlimmer.

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chagall1985 29.09.2014, 08:16
60. Das Hauptproblem ist doch folgendes

Mit Demokratien kann man kein Geld verdienen.
Es gibt bei uns keine mächtige Interessengruppe die daran Interesse hat.
Mit Krieg lässt sich Geld verdienen.
Mit Diktatoren die Waffen kaufen auch.
Aber Schulen, Polizisten, Juristen und Lehrer kosten nur Geld.

Wer soll daran ein Interesse haben in Staaten wie Afghanistan oder Irak?

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wekru 29.09.2014, 08:18
61. peinlicher Artikel

Hätte die Autorin mal ein Buch zur Soziologie des Staates von Franz Oppenheimer gelesen, wären dem Leser die aufgezeigten Schlussfolgerungen erspart geblieben.
1. Alle Staaten entstehen als Diktaturen, weil sie das Resultat einer Eroberung durch fremde Völker oder ethnischen Minderheiten sind. Ausnahmen davon kennt die Geschichte so gut wie nicht.
2. Wenn Diktaturen von außen zerschlagen werden, müssen die Eroberer konsequent in die Nachfolge des vertriebenen Herrscheres eintreten. Das habe ich auch schon vor 10 Jahren gesagt und die Prognose publiziert, wonach der Irak zerfallen wird weil die USA wohl Strukturen zerstört haben, aber nicht wirklich konsequent das eroberte Land ihrem eigenen Staat einverleibt haben.
3. Wenn Diktaturen sich von innen heraus wandeln, etwa wie bei der Französischen Revolution, dann ist vorher ein intellektuelles Bürgertum herangewachsen und hat sich das alte System desavouiert. Auch die DDR musste nicht mit Waffengewalt von außen befreit werden. Und genau so zerlegen sich auch Diktaturen irgendwann selber.
Man muss sich also schon genauer anschauen was da gerade der Fall ist. Saddam Hussein zu stürzen und nicht in die Nachfolge einzutreten war ebenso falsch wie die Demokratiebewegung Syriens in staatlicher Gewalt ersticken zu lassen. Syrien hatte die Intellektuellen und ein Bürgertum, das für den Wandel bereit stand. Im Irak hingegen gab es überhaupt keine Bewegung in diese Richtung.
Ergo: was bereits wankt, sollst Du stoßen, aber was eisern steht in Ruhe lassen bis es wankt. Im übrigen laufen alles Revolutionen so, auch in großen Unternehmen. Die Nachfolger formieren ihre Truppen und warten auf den günstigen Moment der Schwäche. Nicht immer ist das nachfolgende System sofort viel perfekter, aber oft in wichtigen Punkten fortschrittlicher, bis ein neuer Nachfolger wieder einen Schritt weiter geht. So folgt einer grausamen Diktatur manchmal auch eine milde Diktatur und nicht gleich die Demokratie. Man sollte also lernen, den Prozess zu verstehen, der von der grausamen Herrschaft über viele Stufen in die Freiheit führt. Und hätte das syrische Regime sich ein kleines Stück bewegt, wäre es zu den Aufständen gar nicht gekommen. Die Geheimdienste wollten jedoch von ihrer Macht im Staat nicht ablassen und da, nicht bei Assad, lag das Hindernis zum Wandel. Assad war dem restlichen System über Jahre hinweg immer voraus, hätte das Volk hinter sich sammeln können und die Strukturen, gegen die der Aufstand anrennt, vielleicht überwinden können, wenn man ihm bei Zeiten unterstützt hätte. Aber Syrie war halt jedem egal und nun ziehen die Apparatschicks dort ihr Ding durch und Assad muss nach ihrer Pfeife tanzen, sonst ist er selber auch tot.

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Iggy Rock 29.09.2014, 08:18
62.

Warum war denn die Weimarer Republik instabil? Weil Nazis, ebenso wie einige Kommunisten und die Forderungen der Westmächte, sie kontinuierlich destabilisierten.

Der Westen hat heute ein elementares Problem, weil er nicht mehr in der Lage ist zu begreifen, dass die freiheitliche Demokratie nur dort etabliert werden kann, wo mindestens mehr als die Hälfte der Bevölkerung das auch will. Da helfen keine Studentenproteste, keine verfolgten Homosexuellen, keine Inhaftierten Einzelpersonen, das sind zu wenige. Mit heimgekehrten Politmarionetten oder Oligarchen mit eigenen Interessen, kann man keine echte Demokratie begründen.

Zudem hat verrät der Westen seit 13 Jahren seine eigenen Werte. Mir fällt es schwer, die Gräueltaten der IS abscheulich zu finden, solange Guantanamo noch existiert, jährlich tausende Zivilisten bei westlichen Bomben und Raketenangriffen sterben und so manch ein widerlicher Kriegverbrecher, aus westlichen Reihen, mit dem blauen Auge davon kommt, selbst wenn er sich zu Hause vor Gericht verantworten muss.

Kurios finde ich allerdings, dass man notorisch auch in Reihen unserer Bundesregierung nicht begreifen will, dass Russland wie auch China den westlichen "demokratischen Wechsel" als Staaten nicht überleben würden. Dass solche Länder, mit derart vielen unterschiedlichen Kulturen, die fast keinen gemeinsamen Nenner haben, sich nur auf starke Regierungen stützen können.

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kamy 29.09.2014, 08:20
63. Guido

Da fällt mir doch glatt der Westerwelle ein. Wurde der nicht so arg gescholten, als er die Enthaltung Deutschlands bei der Abstimmung zum militärischen Eingreifen in Nordafrika, rechtfertigte? Sagte er nicht sinngemäß, dass man immer darauf achten müsste , was am Ende dabei heraus käme?
Dass man einen FDP Politiker auch mal Recht geben muss ... tja.

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humptata 29.09.2014, 08:21
64. Wer ist Christiane Hoffmann?

Den Namen muss man sich merken, sie ist unter den ganzen Blinden, die mir seit Jahren weismachen wollen. dass es besser sei, einen Assad aus dem Amt zu jagen, zumindest schon mal einäugig.

Wir brauchen nur die aktuelle Lage in den Staaten, über die einer der Frühlinge hinweggebraust ist, anzusehen - Katastrophengebiet!

Und jetzt fokussieren die ganzen Demonstrationsclaqueure ihre Aufmerksamkeit auf Hongkong. Endlich kriegen die Chinesen auch was ab!

Vorsicht, Leute, wenn das da losgeht, dann gnade uns Gott!
Das sind 56 verschiedene Ethnien mit mehr als 1,3 Milliarden Menschen, zum großen Teil noch etwas unterzivilisiert.

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kurtliberal 29.09.2014, 08:22
65. Anarchie = ohne Herrschaft

Zitat: "Diktatur kann erträglicher sein als Anarchie"
Das sagen natürlich alle Autoritären, Diktatoren und Möchtegernmachthaber.
Die Anarchie ist in keinster Weise unerträglich. Unerträglich sind diejenigen welche Macht über andere Menschen ausüben wollen. Wenn die Mehrheit der Menschen selbstbewusst begreifen würden, dass niemand das Recht hat über sie zu bestimmen, würden sie auch jeden Ansatz eines Versuches der Bevormundung sofort zurückweisen. Das Problem ist, dass so viele Menschen an eine Autorität glauben. Dieser Glaube macht sie letzten Endes immer zu Untergebenen.

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somasemapsyches 29.09.2014, 08:23
66. Genau DAS

hat Peter Scholl-Latour immer wieder betont.
Der Westen, vor allem der amerikanische Obertrottel damals hätten auf ihn hören sollen.
Die Amerikaner haben die Büchse der Pandora geöffnet.
Schließen lässt die sich nicht mehr...nur ab und zu etwas abdecken.

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heinzpeter0508 29.09.2014, 08:23
67. Ein guter Artikel Frau Hoffmann

schon seit Jahren habe ich das gleiche Verständnis erlangt, dass in gewissen der Neuzeit hinterherhinkenden Regionen eine Diktatur für das Grossteil der dortigen Menschen eine bessere Lebensform ist als was danach kommen kann oder tatsächlich kam. Gerade in den muslimischen Ländern ist das der Fall, wie man an den von Ihnen erwähnten Ländern feststellt. Islam und Demokratie, das passt ganz einfach nicht zusammen. Unsere EU Politiker, als auch die Amerikaner, verstehen diese Gesellschaften nicht, und sie sind der Meinung, dass unser Verständnis von Demokratie diesen Ländern mal so einfach mal beibringen kann. Dieses Verständnis war und ist falsch. Ich habe selbst 7 Jahre in Saudi Arabien gearbeitet und gelebt, einer ziemlich stringenten Diktatur, und es waren gute Jahre für mich und meine Familie dort. Doch oberstes Gebot ist dort Klappe halten, sich jeglicher Kritik gegenüber Religion und Staatsführung enthalten. Dann geniest man ein komfortables Leben. Man muss sich halt anpassen, ebenfalls wie heute ein Angestellter in einem westlichen Unternehmen, besonders in einem US Unternehmen. Wer da die Klappe aufmacht, den Chef oder die Geschäftsführung kritisiert, der ist seinen Job innerhalb Stunden los. So geschehen bei Eurodisney in Frankreich, da ist auch nichts mit Demokratie, denn der Boss hat immer recht und alle unter ihm tanzen nach seiner Pfeife.

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spmc-122226439819235 29.09.2014, 08:24
68. Richtiger Denkansatz,aber

der Kampf gilt nicht den Despoten oder der Volksbefreiung,sondern nur den Rohstoff und dem alleinigen Marktzugang für einen einzigen Staat und der heißt USA.Diesem Ziel werden Menschrechte ,Verträge und der letzte Rest Moral untergeortnet.
Den "befreiten Völkern" geht es so schlecht ,wie in den letzten 50 Jahren nicht,aber was ist dies gegen amerikanische Freiheit !

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sushiboi 29.09.2014, 08:25
69. versagende Staaten sind schlechteste Wahl

zumindest für das einfache Volk. Und es ist eigentlich auch kaum anzunehmen, dass dies den Verantwortlichen in den Machtzentren nicht schon längst klar (geworden) ist.

Apropos Kungelei: wir waren uns bisher nie zu schade mit Diktatoren zu kungeln, solange sie unseren Zielen nützlich waren. Und auch der Übergang zwischen den verschiedenen Gesellschaftsformen ist recht fließend, ein genaue Einteilung kaum möglich. Wenn wir Kungelei soforet unterbinden wollten, könnten wir uns ab morgen auch nach Erdölalternativen umsehen. Die können nicht ohne uns, wie wir nicht ohne sie. Embargos treffen meist die, die sowieso schon nichts haben und wie das Ergebnis der erfolgreichen Unterstützung "demokratischer" Kräfte in einem Land aussieht, kann man gerade in der Ukraine bewundern. es gibt nur ein Prinzip, was funktioniert, das der Nichteinmischung. Dies muss Vorrang vor allem anderen haben.

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