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Kommentar zum Sturz von Diktaturen : Ohne Schützenhilfe

Es nützt einfach nichts, wenn wir uns die Welt schön reden. Auch Außenpolitik muss die Realität im Blick haben.

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mijaps 04.10.2014, 14:15
10. Auf einem Auge blind

All diese Artikel und Kommentare über die schlimmen Diktaturen und ihre Helfershelfer beschreiben immer und immer wieder ausschließlich bestimmte politisch korrekte Sachlagen. Über die Diktator-Brüder Castro kein Sterbenswort. Über die superreichen Blutsauger der selbsternannten Chavez-Nachfolger in Venezuela, die ihre Totschläger nachts in die Wohnungen von oppositionellen Studenten schicken und ansonsten den Kokainhandel weltweit zu 80% unter ihre Kontrolle gebracht haben - kein Sterbenswort. Da kann man doch solche Artikel wie diesen da oben überhaupt nicht mehr ernst nehmen...

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jbond007 04.10.2014, 14:23
11. die welt ist so wie die menschen sie machen

ein haifischbecken eben, in dem der staerkere ueberlebt. demokratie funktioniert nur dort, wo es eine kritische masse an aufgeklaerter, gebildeter, zivilisierter bevoelkerung gibt. sie gibt es nicht in der arabischen welt, mit der ausnahme von tunesien und libanon. dort, wo eine demokratische staatsform das schwache individuum bzw. minderheiten nicht effektiv vor diskriminierung schuetzt, herrscht das recht des staerkeren. wir sollten nicht vergessen, dass unsere ach so humane demokratie nur deswegen funktioniert, weil es den meisten leuten gut geht. kippt diese balance, wird auch bei uns wieder das recht des staerkeren herrschen. vergesst niemals, dass der mensch ein wolf ist. in der westlichen welt herrscht momentan nur deswegen frieden, weil wir ihn uns leisten koennen. es geht den meisten gut. nur weil wir saturiert sind, leben wir im westen in frieden. und nur weil wir saturiert sind, kommt die killernatur des menschen (im grossen und ganzen) im westen nicht zum vorschein. wenn aber kontrollmechanismen fehlen, dann wird der mensch zur bestie. wir sehen es in syrien/irak bei dem IS: vornehmlich europaeer und kaukasier (tschechenen) treten als perverse schlaechter in erscheinung, die anderen menschen vor laufender kamera bei lebendigem leib den kopf abschneiden und sich an deren qualen ergoetzen. so und nicht anders ist die welt. der westen muss endlich kapieren, dass sein humanismus und demokratie nicht universell gewuenscht bzw. installierbar sind. er muss auch kapieren, dass er diese seine werte nur mit gewalt wird verteidigen koennen. der westen wird nur ueberleben koennen wenn er wieder bereit ist, fuer seine werte zu sterben.

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Sonia 04.10.2014, 14:24
12. Sie sind super, Frau Hoffmann,

ran an das Machbare, hinschauen zu was unsere Werteexporte geführt haben. Sie mischen, endlich mal, diese verkrusteten, voreingenommenen, oft abgestimmt wirkenden, Schreibkollegen auf. Ja, so war mal der Spiegel, wie sie heute sind. Mõgen Sie noch viele streitbare Artikel schreiben. Es muss darüber nachgedacht werden, wie die Welt besser wird. Da lief einiges schief und läuft schief.

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Leitfossil 04.10.2014, 14:28
13. Äqidistanz. Der Sargnagel westlicher Demokratie

Was zur Besichtigung freigegeben wurde, ist eine Krise der westlichen Medien. Deren Leitinstanz ist die New York Times und CNN. Es ist die Huldigung der Äquidistanz, die wiederum ein Projekt der UN ist. Eine UN, deren überwiegende Mitglieder eben keine Demokratien westlich Zuschnitts sind. Dort stellt die Organisation für Islamische Zusammenarbeit den größten Interessensblock.
Es ist also kaum mehr möglich, sich gegen antiwestliche Regierungs- und Gesellschaftsnormen zu positionieren, da dies erfolgreich mit Begriffen belegt wurde, deren Aussprechen allein für eine sofortige Medienkampagne und den Sturz der betreffenden: westlichen Politiker sorgte.

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ptree 04.10.2014, 14:31
14. Traurig...

Frau Hoffmann, es scheint wohl eher so zu sein, dass Sie sich Ihre These schönreden.
Wer sind denn eigentlich die Menschen, die die Stabilität vorziehen?
Ja, selbst unter Stalin und Hitler (oder auch jedem anderen Diktator) konnten einige ganz gut leben, übrigens auch in der von der IS besetzten Zone.
Pech hatten und haben ja nur die, die anders denken oder nicht bestimmten Kriterien entsprechen.
Ihre iranischen Freunde in allen Ehren, aber fragen Sie doch einmal die Menschen, die in den Foltergefängnissen in Syrien vor sich hin vegetiren oder dort die einfachen Bürger, ob sie nicht vielleicht doch etwas mehr Hilfe vom Westen erwarten.
Ihnen zufolge ist jedoch anscheinend alles wunderbar oder zumindest doch ganz erträglich, den Kampf gegen den IS sollte man also wohl schleunigst der Stabilität wegen beenden, oder?
Dass bisher Unmengen von Fehlern bei den letzten Interventionen oder Einmischungen des Westens begangen wurden ist vollkommen richtig, ist jedoch eine ganz andere Frage.

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pauli96 04.10.2014, 14:32
15. Die Diskussion ist richtig

Der Spiegel, vereint mit allen deutschen Leitmedien, hat in den letzten Jahren genau dieses kritische Hinterfragen vermissen lassen.
Man ist nicht für Giftgaseinsatz gegen die eigenen Bevölkerung, wenn man die Frage aufwirft, was kommt nach Sadam und Assad.
Man ist nicht gegen Demokratie, wenn man die Gefahren benennt und darauf verweist, das ausgewiesene Feinde der Demokratie durch demokratische Wahlen legitimiert werden (Hitler, Muslimbrüder, Ahmadinedschad...)
Man ist nicht für Putin oder gegen die Freiheit der Ukraine, wenn man Bedenken hat, die diffizile Situation mit Klischees und Schwarzweißansichten zu beschreiben.
Willkommen zurück, liebe Spiegelredakteure im Kreis der Fragenden!

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Schlechtes Gewissen 04.10.2014, 14:33
16.

Zitat von recitator
Menschen nicht beizustehen, wenn sie gefoltert, missbraucht und ermordet werden, ist eine fürchterliche Vorstellung. Hilfe zu verweigern, mit der Begründung, dass es vielleicht noch schlechter wird, ist ein zynisches Argument, das gerne gebracht wird, um sich selbst nicht die Finger schmutzig zu machen. Gerade wenn Europa mal wirklich gebraucht wird, kommt der Ruf wieder nach den starken USA oder in Europa vielleicht noch nach England und Frankreich. Alles wie gehabt.
Da ist überhaupt nichts zynisch. In all diesen Ländern hatten die Menschen unter der Diktatorenherrschaft ein besseres Leben als jetzt. Insgeheim wünscht sich der Westen doch Gadaffi und Saddam Hussein zurück.
Es ist nicht möglich, anderen unsere Demokrativorstellungen aufzuzwingen.

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Spiegelkritikus 04.10.2014, 14:44
17. Die traurige Realität im Blick haben

Die Realität im Blick zu haben bedeutet vor allem zu erkennen, daß der Westen und insbesondere die USA generell mit doppelten moralischen Standards arbeiten und das ständige Propagieren von Freiheit und Demokratie in erster Linie zur Legitimation der eigenen Interessenverfolgung dient.

Die USA haben seit 2001 den arabischen Raum systematisch destabilisiert, mit Subversion, Bestechung, Umsturz und Krieg.
Allemal wurde das Banner der hehren westlichen Werte geschwungen, um die Machenschaften zu rechtfertigen (übrigens auch in der Ukraine). Diktatoren werden gestürzt und man hinterläßt einen gewaltigen Scherbenhaufen, der zu noch mehr Unheil führt und die Amis wie bei IS veranlaßt, erneut einzugreifen.

Realismus bedeutet auch nicht zu ignorieren, daß die USA Despoten wie Saddam Hussein erst aufbauen und für ihre Zwecke einspannen, um sie später aufgrund veränderter Interessenlage zu beseitigen (das gilt übrigens auch für Osama Bin Laden und die IS-Dschihadisten, die von den USA gegen Gaddafi und Assad ins Feld geschickt wurden).

Realismus bedeutet zu sehen, daß die USA der Brandstifter Nr. 1 auf dieser Welt sind. Nicht von ungefähr fordern die im Artikel erwähnter Iraner, der Westen solle sich bloss raushalten. Sie wissen um die Heuchelei der USA und ihre rücksichtslose Interessenverfolgung zu Lasten anderer Völker.

Kurzum: Not tut eine realistische, nicht ideologisch und medial verblendete Einschätzung der US-Politik, die Moral schlicht durch eine egoistische "Staatsraison" ersetzt.

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lupenrein 04.10.2014, 14:45
18. ................

Es wäre erst einmal sehr zu begrüssen, wenn die EU
selbst eine Demokratie wäre. Das ist sie aber per definitionem nicht.
Jene, die Demokratie und Freiheit bringen wollen, meinen in erster Linie ihre eigene, quasi was sie als Demokratie deklarieren und vor allem ihre eigene Freiheit und die spezielle Freiheit , die sie gerne in befriedeten, von Diktatoren gesäuberten Ländern
zur Verfolgung ihrer Interessen wünschen.

Sie sollten aber verstehen , dass nichr alle Länder und ihre Bürger "befreit" werden wollen.
Actio est reactio.
Aktuelle Beispiele gibt es derzeit zuhauf......

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BoMbY 04.10.2014, 14:50
19.

Deutschland unterstützt genügend diktatorische Regimes (Katar, Usbekistan, etc.). Und dann noch ein paar Rebellengruppen, wie jetzt gegen ISIS. Ist doch toll - so kann man den Konflikt an welchem die deutsche Rüstungsindustrie ordentlich Geld verdient möglichst lange am Leben halten, und verdient gleich doppelt.

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