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Konservatismus: Man darf gespahnt sein
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Die CDU ist momentan weder konservativ, noch pragmatisch - das ist ein Problem, nicht nur für sie selbst, für die ganze Gesellschaft. Jens Spahn könnte das ändern.

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Nur ein Blog 02.07.2018, 13:16
110.

Zitat von im_ernst_56
Bei der Gleichung links = progressiv = fortschrittlich fällt mir immer dieser alte Kalauer ein: Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen großen Schritt weiter. Kann sein, dass der noch aus DDR-Zeiten stammt.
Das glaube ich nicht - das vierteilige Schema mit zwei Achsen galt im Westen mindestens bis zur Jahrtausendwende als Axiom.

Progressiv und konservativ galt nicht als "politische Ausrichtung", sondern als Methode, politische Ziele zu erreichen. Verkürzt gesagt, geben Progressive grundsätzlich Neuerungen den Vorzug, weil sie glauben, dass Fortschritt nur eine Richtung kennen könne, nämlich aufwärts. Dass "neu" nicht zwingend besser ist, ist eine Geschichtslektion, die überhaupt nicht mehr beachtet wird. Im Ostblock waren Konservative grundsätzlich "die Reaktion", "Revisionisten", Verhinderer des gesellschaftlichen Fortschritts.

Der Kalauer, "gestern standen wir am Abgrund - heute sind wir einen Schritt weiter!" war auch im Westen weit verbreitet.


Konservativ galt die Methode, Bewährtes oder scheinbar Bewährtes erst dann über Bord zu werfen, wenn was Neues als "besser" empfunden wurde.


Heute ist konservativ eher ein Synonym für mindestens Fortschrittsverweigerung, wenn nicht gar für Rechtsextremismus oder gar Faschismus.


Die Idee des Artikels ist doch eindeutig und bekannt unter dem Namen repressive Toleranz:

Jens Spahn ist, wie der Artikel wiederholt und die Kommentare zeigen, höchst unbeliebt bei Links-Grün. Also schreibt man ihn zum konservativen Hoffungsträger hoch, um die Botschaft zu platzieren: "Der ist noch der beste der Konservativen, deren Hoffnungsträger! Wie (schlecht für das Land) sind da erst die Übrigen!"

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im_ernst_56 03.07.2018, 16:05
111. @ 110 - Nur ein Blog: Was ist konservativ?

"Heute ist konservativ eher ein Synonym für mindestens Fortschrittsverweigerung, wenn nicht gar für Rechtsextremismus oder gar Faschismus."

Als konservativ innerhalb der CDU gelten alle, die nicht den Weg der Parteivorsitzenden mitgehen wollen und ihre Politik intern kritisieren. Wolfgang Bosbach, der sich inzwischen zurückgezogen hat, galt als Konservativer. Als Jungstar der Konservativen gilt Philipp Amthor. Die Frage, wer konservativ ist oder nicht, wird ja heute fast ausschließlich an der Flüchtlingsfrage, der Integration, am Verhältnis zum Islam festgemacht, nachdem die Ehe für alle durch ist. Da es in der Flüchtlings-/Migrationsfrage keinen mit rein rationalen Argumenten zu beschreitenden Königsweg gibt, liegt es nahe, dem jeweils anderen ein Etikett anzukleben. So kommt es, dass für konservativ für Linke ein Synonym für Fortschrittsverweigerung, wenn nicht gar für Rechtsextremismus und Faschismus gilt. Allerdings werden diese Etiketten so inflationär verwendet, dass sich das abnutzt. Übrigens verweigern sich auch Konservative nicht der Digitalisierung und sind für schnelles Internet überall.

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