Forum: Politik
Kopftuchverbot an Schulen: Diskutiert das bitte woanders
Getty Images

Ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahre sei zulässig, heißt es in einem neuen Rechtsgutachten. Aber allein die Debatte darum ist schon diskriminierend - und in Deutschland völlig fehl am Platz.

Seite 1 von 19
go-west 29.08.2019, 23:23
1. Die bekannte Aussage Merkels

zu dieser Doktrin dürfte wohl von einem großen Teil der Bundesbürger nicht geteilt werden. Toleranz und Pluralismus sind grundsätzlich gut, es muss jedoch immer hinterfragt werden, ob eine religiöse Ideologie mit politischem und gesellschaftlichen Gestaltungsanspruch unterm Strich eine positive Auswirkung auf die Menschen und deren Leben in Freiheit hat oder eher eine ablehnende Haltung ihr gegenüber angebracht ist.

Beitrag melden
emil_erpel8 29.08.2019, 23:23
2.

Wieviel einfacher wäre das Zusammenleben, wenn Religion in den privaten Bereich verbannt wäre und niemand das Recht hätte, seine Religion in der Öffentlichkeit anderen unter die Nase zu reiben. Das wäre echte Religionsfreiheit im mehrfachen Sinne.

Beitrag melden
rheinschwimmer 29.08.2019, 23:26
3. Um das alles abzukürzen:

Bitte haltet Religion komplett fern aus dem öffentlichen Leben.
Dazu gehören Kopftücher, genauso wie Kippas, genauso wie Kreuze (!) und hört auf jeden Sch.... mit Religionsfreiheit zu entschuldigen!
Danke.

Beitrag melden
lacleman 29.08.2019, 23:26
4.

Von Diskriminierung und fehlender Gleichberechtigung ist die Frau in Ländern mit islamischer Bevölkerungsmehrheit weitaus mehr betroffen als bei uns.

Wir können das hier sehr wohl diskutieren, ohne uns den Vorwurf des Rassismus anhören zu müssen.

Menschen unter 14 sind in Deutschland Kinder und da ist Selbstbestimmung eher die Ausnahme als die Regel.

Beitrag melden
beckervision 29.08.2019, 23:26
5. Danke Schwester.

Du hast mir aus der Seele gesprochen. Meine Tochter möchte auch im kommenden Jahr das Kopftuch tragen. Sie wurde in der Grundschule, als Sie Freitags mit Kopftuch zur schule ging, gemobbt. Sie würde aussehen wie eine Oma etc… Zum Glück ist Sie, in der Sache, selbstbewusst genug um auch Antworten zu geben. Es hat Sie aber trotzdem geärgert. Privat trägt Sie es fast jedesmal wenn wir das Haus, für einen Spaziergang oder zum einkaufen, verlassen. Nur in der schule würde sie gerne es erst im nächsten Jahr es anziehen. Denn dann kommt Sie in ein weiterführende Schule, wo Sie nicht alle kennen… In sha Allah —> So Gott will...

Beitrag melden
peterbraun 29.08.2019, 23:30
6. Von der Homepage der Deutschen Islam Konferenz:

langes Zitat, aber lesenswert:

"Prof. Dr. Rotraud Wielandt
Die Vorschrift des Kopftuchtragens für die muslimische Frau: Grundlagen und aktueller innerislamischer Diskussionsstand.

.... Sure 24 / 31 beginnt mit den folgenden Sätzen:

“Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen die Augen niederschlagen, und sie sollen darauf achten, dass ihre Scham bedeckt ist, den Schmuck, den sie tragen, nicht offen zeigen, soweit er nicht (sc. normalerweise) sichtbar ist, ihren himar über den Schlitz (sc. des Kleides) ziehen und den Schmuck, den sie tragen, niemandem offen zeigen, außer ihrem Mann, ihrem Vater, ihrem Schwiegervater, ihren Söhnen, ihren Stiefsöhnen, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und ihrer Schwestern, ihren Frauen, ihren Sklavinnen, den männlichen Bediensteten, die keinen Geschlechtstrieb haben, und den Kindern, die noch nichts von weiblichen Geschlechtsteilen wissen. ...”

... Festzuhalten bleibt, dass der Imperativ des Koran an dieser Stelle nicht lautet, die Frauen sollten ihren Kopf mit dem himar bedecken, sondern vielmehr, sie sollten den Schlitz ihres Kleides und damit ihr Décolleté mit diesem damals allgemein üblichen Bestandteil der altarabischen Frauenbekleidung bedecken. ....
.....
Und er (der Staat) wird darauf zu achten haben, dass kleine Mädchen, die noch nicht geschlechtsreif sind, innerhalb der Schule weder von ihren Eltern noch von sonst jemandem einem Druck in Richtung auf eine Verhüllung ihres Kopfes ausgesetzt werden. Eine solche Praxis der Verhüllung kleiner Mädchen kann, wie wir gesehen haben, nicht mit einer religiösen Vorschrift des Islam gerechtfertigt werden. Sie wäre im übrigen unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung eines sexuell unnötig aufgeladenen Klimas in der Schule, das dem im Koran begründeten islamischen Sittlichkeitsideal ebenso widerspräche wie der christlichen Ethik und den allgemein akzeptierten Maßstäben zivilisierter Mitmenschlichkeit, sogar eher kontraproduktiv. Denn jedes Kopftuch, das erkennbarermaßen aufgrund der Anschauung getragen wird, dass das weibliche Haupthaar verhüllt werden muss, weil von ihm eine sexuelle Reizwirkung ausgehen könnte, markiert logischerweise umgekehrt auch seine Trägerin als potentielles Sexualobjekt. Was das für die Persönlichkeitsentwicklung von noch relativ kleinen Mädchen und für das Verhalten von Jungen ihnen gegenüber bedeuten kann, muss die öffentliche Schule aufgrund ihres allgemeinen Erziehungsauftrags mit berücksichtigen. .....

Beitrag melden
peterbraun 29.08.2019, 23:33
7. Kopftuch, Burka etc. haben direkt nichts mit dem Koran zu tun

sondern sind wohl nur traditionelle Ausprägungen der Ungleichbehandlung.
Als wir Anfang der 1970er Jahre in Kairo gelebt haben, sahen wir in Kairo kaum kopftuchtragende Frauen. Nur sehr traditionell verhaftete Frauen und auf dem Lande hat man Kopftücher gesehen. Burka so gut wie nie.
In den letzten Jahren war ich nun wieder mehrfach in Ägypten und das Straßenbild hat sich komplett gewandelt. Nur sehr wenige Frauen wagen sich noch ohne Kopftuch auf die Straße. Nur die Mutigen oder die Aufgeklärteren.
Ein Riß geht dabei auch durch die Familien. Die eine trägt aus "religiösen" Gründen ein Kopftuch - die andere nicht, weil es der Koran nicht wirklich explitit vorschreibt, wie sie sagt.
Eine andere Freundin hat es früher getragen weil sie meinte, daß eine gute Muslima dazu verpflichtet sei. Heute trägt sie es auch nicht mehr, da auch sie sagt es stehe nicht so im Koran. Gefragt ob sie denn jetzt verstärkt verbaler oder gar tätlicher Anmache ausgesetzt sei, verneinte sie. Es sei eher umgekehrt gewesen. Das Kopftuch habe sie in keiner Weise geschützt. Sie wurde mit Kopftuch viel häufiger belästigt. Ohne Kopftuch nur noch sehr selten.
Das sind für mich doch recht erstaunliche Aussagen von Frauen, die in einer muslimisch geprägten Welt leben. Sicherlich eher die Ausnahmen.

Was sollen wir Außenstehenden denn nun von dieser ganzen Diskussion halten ? Ich für meinen Teil fühle mich an der Nase herumgeführt - von Muslimen die ein rückwärtsgewandtes traditionnelles Menschenbild legitimieren wollen. Die Reglementierung und Zurücksetzung der Frauen über die vermeintlichen "KORANISCHEN" Vorschriften sind nur der sichtbare Teil.
Der Hinduismus macht uns hier im "Westen" keine Angst. Der Islam aber anscheinend schon. Die Innensicht der Muslime, ihre Religion sei friedvoll und tolerant, widerspricht dabei leider diametral der Außensicht. Warum nur ? In der Wirtschaft würde man von einem Marketingproblem sprechen. Hier sind die Muslime in der Pflicht die Grundlagen für eine klarere Sicht auf den Islam zu legen. Zieht erst einmal den Balken aus dem eigenen Auge, bevor Ihr den Splitter in unserem Auge seht. Die friedvollen und toleranten Muslime müssen sich endlich vehement ihren inneren Problemen zuwenden, stellen und lösen (oder zumindest Lösungswege suchen). Es bringt nichts uns Außenstehenden ständig Rassismus und Intoleranz vorzuwerfen wenn nicht einmal Sunniten und Schiiten sich einig sind.
Und eigentlich, im inneren meines Herzens, will ich mich nicht ständig von irgendeiner Religion, bedrängt fühlen. Die gläubigen Menschen sollen ihren Glauben haben, mich aber nicht damit behelligen. Zur Zeit ist es aber so, dass ich mich mit den Religionen besser auskennen muß, als die Gläubigen selbst, weil sie mir Ammenmärchen über ihre Religion als die letzte und wahre Auslegung darbieten wollen. Und welcher dieser ungezählten Wahrheiten soll ich denn nun Glauben schenken ? Mein Fazit: KEINER.

Beitrag melden
ossimann 29.08.2019, 23:35
8. Verstehe ich nicht .

Das Kopftuch ist ein Symbol des Islam . Ich glaube nicht das die Mädchen am Kopf frieren . Man grenzt sich somit ab , schon im jüngsten Alter , man ist auf Symbolik aus , nicht auf Integration . Das Kopftuch hat nur diese eine Funktion . Das man gleich mit der Diskriminierungskeule kommt ist echt lach haft . Man stelle sich vor man würde in islamische Länder mit blanken Busen am Strand liegen oder mit Shorts die so kurz sind das der Schlüpfer (sofern darunter) rausschaut dort rumflaniert wie lange es dauert bis wegen Unsittlichkeit eingeschritten wird . Wer dort lebt oder urlaubt muss sich den Sitten und Gebräuchen anpassen . Warum ist das hier eine Diskriminierung ? So kann eine Integration nicht gelingen , sofern diese überhaupt gewollt ist , denn die Unterwürfigkeit des deutschen Staates ist schon als Schwäche vorm Islam zu interpretieren . Der Glaube sei frei und jedem im privaten Bereich gegönnt , aber hat im öffentlichen Leben zu Hause zu bleiben . Das gilt auch für den Kruzifix Hype in bayrischen Gefilde , er sollte im Gotteshaus verbleiben oder eher mal am Wanderweg sein Darsein fristen .

Beitrag melden
peterbraun 29.08.2019, 23:36
9.

So ganz spontan und unüberlegt zeigt sich auch bei mir der Wunsch das Kopftuch zu verbieten. ABER bei genauerem Nachdenken: Das ist sicherlich nicht der richtige Weg und keine Lösung.

Die Träger von Thor Steiner Klamotten erfüllen mich auch nicht mit Freude. Denn sie zeigen mit der Kleidung wes Geistes Kind sie sind. So wie wir alle mit unserer Kleidung das sichtbare Bild unserer Werte zeigen und zu welcher Gruppe wir gehören oder gehören wollen.

Die Kleidung zu verbieten ist absurd - aber über die Werte dahinter zu diskutieren ist es nicht.

Und so sehe ich die Kopftuch-Diskussion im Kern. Ist das Weltbild das sie ausdrückt, für uns hier, gewünscht oder tolerierbar ? Und da sehe ich eben zur Zeit auch einen ganz großen Gesprächsbedarf. So wie wir auch über das Gedankengut der Thor-Steiner-Träger sprechen müssen.

Die diskutierten Kleidungsvorschriften für muslimische Frauen sind KEINE religiösen. Sind NICHT direkt vom Koran verfügt. Sie sind tradierte Vorschriften, so wie es auch bei uns in nicht ferner Vergangenheit, tradierte Kleidungsvorschriften für Frauen gab, von denen sich die westlichen Frauen freigekämpft haben. Sie haben sich nicht im engeren Sinn nur die freie Kleidungswahl erstritten, sie haben sich ihre Stellung in der Gesellschaft erstritten. Die freie Kleiderwahl ist nur der sichtbare Ausdruck dessen. (Bauchfreie Tops mit Leggins gehören eben auch dazu - obwohl es meistens die Falschen tragen. Muß ich auch aushalten)

Vor diesem Hintergrund sehe ich die tradierten muslimische Kleidervorschriften nicht als Ausdruck der Religion, sondern als Audruck eines Weltbildes, das nicht so einfach mit unserer westlichen Weltsicht zusammenpaßt. Und eben auch ganz bewußt nicht zusammenpassen will. Das bauchfreie Top ist wohl eher das Kind "westlich" geprägter sinnfreier Mode und macht uns hier deshalb keine Sorgen. Das Kopftuch etc. ist der bewußte Ausdruck eines gewollten Gegenentwurfes mit missionarisch politischem Ansatz. Darüber müssen wir eben sprechen, nicht verbieten.

Beitrag melden
Seite 1 von 19
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!