Forum: Politik
Krawalle in Chemnitz: Kommt politische Bildung an Sachsens Schulen zu kurz?
Getty Images

Nach den rechten Aufmärschen in Chemnitz stellt sich die Frage, ob sächsische Schulen den Kindern die Demokratie ausreichend nahebringen. Zwei Lehrer berichten, wie schwierig das ist.

Seite 1 von 15
donjoga 30.08.2018, 06:47
1. Geschichte

Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit von 1970 bis 1980 in der DDR. Witze mit rassischem, antisemitischen und diskriminierenden Hintergrund waren Gang und gäbe, trotz Gehirnwäsche des Lehrkörpers. Ich glaube, und das sehe ich auch an meiner 14jährigen Tochter, die in Bayern in die Schule geht, dass die Signale aus dem Elternhaus kommen müssen. Lehrer, die sich politisch neutral verhalten müssen, können kaum Heranwachsende beeinflussen . Leider höre ich immer wieder Von meiner Tochter, wie Mitschüler, die auch selbst teilweise einen Migrationshintergrund besitzen, über Ausländer herziehen.

Beitrag melden
fördeanwohner 30.08.2018, 06:55
2. -

Es bedarf einer ganz bestimmten "Kultur des wertschätzenden Miteinanders" und gelebte Toleranz bei gleichzeitiger Durchsetzung von Maßnahmen gegen Verstöße. Das heißt, vermeintliche freie Meinungsäußerung muss genau beobachtet werden. Wenn SuS sich z.B. a la Sarrazin äußern, dann muss man das aufgreifen und darf es nicht "neutral" stehen lassen, weil es ja Meinung ist.
Schule muss nicht immer "neutral" sein, sondern soll vermitteln zu hinterfragen. Wenn bereits das nicht passiert, dann kann jede/r denken, was er/sie will, ohne es mal zu reflektieren. Dass das kein Weg sein kann, sollten wir gerade in Deutschland nach zwei besonders wenig nachdenklichen Zeiten wissen.

Beitrag melden
manchmal_dafür 30.08.2018, 06:57
3. Politik hat sich entfernt

Steht ja schon im Artikel: Der Herd für rechtes Gedankengut sitzt zu Hause. Was sollen Lehrer da bewirken? Ein Problem ist doch auch, dass sich die Politik vom Bürger entfernt hat. Machtgeile Politiker, die Politik in erster Linie für Lobbyisten machen und sich nur von einer Legislaturperiode zu nächsten hangeln, haben dazu beigetragen, einen Verdruss zu schaffen, den Rechte jetzt ausfüllen. Nicht dass diese besser oder weniger auf den eigenen Vorteil bedacht wären-Gott bewahre- aber sie schaffen anscheinend ein Feindbild was es bequem macht, seinem Ärger Luft zu machen. Was man dagegen tun kann? Ich habe leider keine Ahnung!

Beitrag melden
mronkey 30.08.2018, 07:09
4. Demokratie lernen im undemokratischen System Schule

Schülerinnen und Schüler sollen in der Schule zu demokratischen und mündigen Bürgerinnen und Bürgern werden. Natürlich ist hier die Basis der elterlichen Erziehung wichtig, doch erst in der Schule kann man lernen, mit vielen anderen fremden Menschen einigermaßen gut zurechtzukommen. Leider aber ist unser Schulsystem in großen Teilen immer noch im vorletzten Jahrhundert stecken geblieben. Warum sonst fällt vielen der Gedanke der Inklusion so schwer? Schule ist immer noch ein Ort, in dem eine weitgehend autoritär auftretende Lehrkraft fremdbestimmte Inhalte den Lernenden aufzwingt. Wie aber soll in so einem System eine demokratische Grundhaltung entstehen? Die Schülerinnen und Schüler haben die kleinen geheuchelten Partizipationsangebote längst durchschaut und wissen, dass es am Ende um die Note geht und dass sie daher nach der Pfeife der Lehrkräfte tanzen müssen. Also: Um Demokratie zu vermitteln müssen die Kinder und Jugendlichen echte Demokratie erfahren! Und das bedeutet ein Ende der outputorientierten Lehrpläne, der krassen Hierarchien und zumindest eine starke Reform der Bewertungspraxis

Beitrag melden
jufo 30.08.2018, 07:10
5. Das kann die Schule nicht retten

Schule kann nicht alle gesellschaftlichen Defizite ausbügeln. Die Gedichte finde ich gut, das zweite ziemlich anspruchsvoll.

Beitrag melden
lisa_s 30.08.2018, 07:29
6. Politische Bildung

Politische Bildung kommt in allen Bundesländern zu kurz. Die Fächer Geschichte und Politik werden an den Rand gedrängt zu Gunsten von Informatik und Wirtschaft. Auch ganz groß in Mode sind wieder die Naturwissenschaften. Alle diese Fächer haben ihre Berechtigung, sollten aber im bewährten Gleichgewicht unterrichtet werden.

Beitrag melden
egoneiermann 30.08.2018, 07:36
7.

Diskussionen sind immer gut, aber ich kann mich noch gut an meine Schulzeit in den 70ern erinnern, wo ich in in BaWü den ganzen konservativen Mist lernen musste, den die CDU (Filbinger) damals als richtig erachtete. Das hat mein Verhältnis zum Staat eher verschlechtert und genauso wird es auch passieren, wenn man heute im Osten nur mit dem Zeigefinger ran geht.

Beitrag melden
im_ernst_56 30.08.2018, 07:43
8. Natürlich ist immer die Schule schuld

Ich wette, dass diejenigen, die in Chemnitz mit marschiert sind, die Schule durchschnittlich vor 20 Jahren verlassen haben. Es werden sogar welche dabei gewesen sein, deren Schulzeit in DDR stattgefunden hat. Bekanntlich hat sich rechtes Gedankengut in den neuen Bundesländern schon kurz nach dem Fall der Mauer ausgebreitet. Und dann sollen ja auch noch Demonstranten aus anderen Bundesländern angereist sein. Welchen Sinn hat es zu recherchieren, wie der Gemeinschaftskunde-/Sozialkundeunterricht in Sachsen heute ausgestaltet ist? Fast gar keinen. Und noch was, liebe SPON-Redakteure: Häufig bildet sich eine bestimmte politische Auffassung erst später. Da ist die Schule dann nicht verantwortlich.

Beitrag melden
lazyfox 30.08.2018, 07:50
9. Raubbau - in der Landwirtschaft heißt das Prinzip Raubbau

Raubbau meint, viele wissaen das, wenn einem System soviel Ressourcen entzogen werden, dass es sich nicht regenerieren kann, die Substanz schrumpft, es bringt immer weniger Ertrag - es stirbt. So geht es dem Bildungssystem (Belastung Inklusion, zu wenig Lehrer), welches natürlich auch dem Bestand der Demokratie dient. So geht es auch der Bundeswehr, so geht es der Infrastruktur (Brücken, Wasserversorgung), so geht es dem Sozialsystem (Renten, Pflege, etc.). Naja, die Banken haben wenig auszuhalten (zu wenige vielleicht, um endlich solide zu wirtschaften) , den Autoherstellern geht es gut (dürfen betrügen, Politik guckt zu) und Lebensmittel und Pharmakonzerne haben auch nichts auszustehen vollständige Herstellerangaben, funktionierender Verbraucherschutz ist der deutschen Politik nicht wichtig. Obwohl uns seit Jahren eine GoKo regiert, lässt die Politik Raubbau und Verfall in vieln Bereichen zu oder fördern ihn sogar, um aktuelle Wirtschaftszahlen zu schonen. Und darunter leiden eben auch die Schulen und ganz sicher auch die Demokratie-Erziehung.

Beitrag melden
Seite 1 von 15
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!