Forum: Politik
Krawalle in Chemnitz: Kommt politische Bildung an Sachsens Schulen zu kurz?
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Nach den rechten Aufmärschen in Chemnitz stellt sich die Frage, ob sächsische Schulen den Kindern die Demokratie ausreichend nahebringen. Zwei Lehrer berichten, wie schwierig das ist.

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kizfonis 30.08.2018, 09:42
60.

Zitat von ex_Kamikaze
das die Ossis mehr von Politik verstehen als die Wessis. Warum? Sie haben die Gestaltungserfahrung des Jahres 1989 und mit der ehemals marxistsichen Erziehung einen gesamtheitlicheren Ansatz. Das die marxistische Auslegung Unsinn ist wissen alle. Aber sie .....
Wenn das, was sich in Sachsen immer wieder an rechtsextremer Gesinnung und Prolligkeit offenbart die alternative zum westlichen Überlegenheitsmoralismus sein, dann ist dieser aber für mich das kleinere ÜBEL.

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madameping 30.08.2018, 09:43
61. Es ist auf jeden Fall eine Frage nach dem Elternhaus

Ich kann hier den Foristen nur zustimmen, dass es am Elternhaus liegt, inwieweit sie die Bildung ihrer Kinder beeinflussen.

Meine Eltern haben mir vom zweiten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus erzählt, als ich noch nicht in der Grundschule war. Natürlich auf kindgerechte Weise und behutsam. Aber ich wurde herangeführt. Mit 10 Jahren bekam ich eine Religionslehrerin, die uns von dem Mädchen Anne Frank erzählte, von ihrem Tagebuch, ihrem Leben im Dachgeschoss und ihrem Tod. In den darauffolgenden Sommerferien fuhren meine Eltern mit mir zum Lager Bergen-Belsen und erklärten es mir. Seither hat sich, ich spreche nur von mir, eine Einstellung gegen den Nationalsozialismus und alle seine noch so angeblich "gemäßigten" Auswüchse gefestigt.
Es liegt keineswegs an den Lehrern, sondern am Elternhaus, denn dort beginnt die Prägung.
Aber die Lehrer können Jugendliche dennoch beeinflussen und wenigstens zum Nachdenken anregen...

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biesi61 30.08.2018, 09:44
62. Die Schule sollte zum Denken anregen und Argumentieren lehren!

Dazu gehört didaktisches Geschick und natürlich auch der Mut, kontroverse Themen bevormundungsfrei anzusprechen. Für noch erheblich wichtiger halte ich aber das gemeinsame Lernen von Kindern unterschiedlicher sozialer, kultureller, ethnischer und religiöser Herkunft. Wo das in großer Breite geschieht, gibt es praktisch keine rassistischen Konflikte. Diese konzentrieren sich auf Regionen, in denen solch gemeinsamer Schulbesuch nicht möglich ist! Leider zerstört auch das deutsche System von immer mehr Privatschulen diese einfachste aller Möglichkeiten zum Erwerb sozialer und interkultureller Kompetenz! Ihr Fehlen führt zu einer immer stärkeren Segregation in der deutschen Gesellschaft!

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wasistlosnix 30.08.2018, 09:45
63. Die Sucht nach der Macht

Der Mensch strebt danach besser zu sein als der andere. Umso entfernter die andere Person ist um so überlegener fühlt sich der Mensch. Ein Moslem fühlt sich religiös einem Christen überlegen und vice versa.
Wir deutschen sind die besseren Fussballer, schuld am ausscheiden haben einzel Persone denen wir uns überlegen fühlen. Denn wir hätten die Fehler nicht gemacht.
Das zieht sich durch unser ganzes Leben. Wenn mein Nachbar, bei dem ich abgeschrieben habe, die Aufgabe richtig gehabt hätte. Dann hätte ich eine bessere Note. Der Lehrer hat die falsche Aufgaben gestellt.

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kizfonis 30.08.2018, 09:45
64.

Zitat von hinterwäldler2
"Sachsen hat das leistungsfähigste Bildungssystem in Deutschland. Zu diesem Schluss kommen das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in einem aktuellen Vergleich der Bundesländer, dem Bildungsmonitor......
Leistung und Intelligenz schützen aber nicht vor gesellschaftlicher Hirnverbranntheit. Beispiel: Sarrazin, der mit Sicherheit nicht dumm ist, aber dämlich schreibt.

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max-mustermann 30.08.2018, 09:46
65.

Zitat von ruhepuls
Es ist schon richtig, dass sich die Politik vom Bürger entfernt hat. Aber umgekehrt stimmt es auch: Die Bürger haben sich von der aktiven Politik entfernt. Heute erwarten viele von den Politiker "gute Politik" und meinen damit vor allem die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse, im Sinne von "Mehr für mich". Es werden Wunschzettel geschrieben - und von den Politiker erwartet, dass sie diese möglichst gut erfüllen.
Könnte vielleicht daran liegen das wir uns nun schon seit Jahrzehnten anschauen dürfen das die "Wunschzettel" der Wirtschaft und Konzerne von der Politik mit vollem Eifer (über)erfüllt werden (Parteispenden und Aufsichtsratsposten sei dank), Also erwartet der Bürger zu Recht das auch mal seine "Wunschzettel" an der Reihe sind. Im Amtseid unserer Politiker heißt es nämlich immer noch "zum Wohle des deutschen Volkes" und nicht "zum Wohle der Konzerne".

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PH-sauer 30.08.2018, 09:47
66. Eins ist sicher!

Nach dieser Geschichte wird sich Sachsen auf Jahrzehnte hin nach ausländischen Investoren umsehen müssen. Dies geschieht mit Recht, denn wie soll ein internationales IT-Unternehmen Fachleute aus Asien oder Afrika dorthin bekommen? Sachsens Gloria wird nun in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit münden!

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caliper 30.08.2018, 09:47
67.

Zitat von egoneiermann
Diskussionen sind immer gut, aber ich kann mich noch gut an meine Schulzeit in den 70ern erinnern, wo ich in in BaWü den ganzen konservativen Mist lernen musste, den die CDU (Filbinger) damals als richtig erachtete. Das hat mein Verhältnis zum Staat eher verschlechtert und genauso wird es auch passieren, wenn man heute im Osten nur mit dem Zeigefinger ran geht.
Ich glaube nicht, dass das ein spezifisches ostdeutsches Phänomen ist. Auch in Baden-Württemberg gab es schon mal die Republikaner, die an der Grenze oder darüber hinaus operierten.

Im übrigen kennen wir noch gar keine Zahlen über den Anteil derer, die hier mit rechter Gesinnung Jagd auf unschuldige Migranten gemacht haben. Obwohl jeder ein Handy dabei hatte gibt es kaum Aufnahmen und schon gar keine Veröffentlichungen. Wir wissen also nicht ob es 10, 100 oder 1000 der Demonstranten waren, die Sachbeschädigungen, Körperverletzungen oder in anderer Form gehetzt haben. Zehn Nazi-Anhänger würden sich auch in jeder West - Großstadt zu solchen (Un-)Taten hinreißen lassen, wenn ein entsprechender Anlass vorliegt.

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DiStefano8472 30.08.2018, 09:48
68. Uns hat eine Serie "erzogen"

Ich kann mich erinnern, dass politische Bildung auf mehrere Fächer verteilt war. Zum einen im Ethik-Unterricht, in Geschichte und später in Gemeinschaftskunde. Damals habe ich das aber irgendwie nur als Information aufgenommen und nicht verinnerlicht.
Was uns viel mehr beeinflusst hat - und das sagen alle bei mir im Freundeskreis (alles Mitte 30er) - war die Serie StarTrek The Next Generation. Das dort gezeigte und gelebte Idealbild einer Gesellschaft hat sich in unser Leben und Handeln eingebrannt. Kein Lehrer hat das geschafft, was Captain Jean-Luc Picard gelungen ist. Wenn sich Teenager die aktuelle StarTrek-Serie anschauen, dann bleiben diese Lehren leider aus.

Was die Serie leider nicht vermitteln konnte, das ist ein Lösungsansatz für die aktuellen Probleme. Wie kann man den Vorurteilskreislauf durchbrechen? Eine Gruppe Migranten im Chemnitzer Einkaufszentrum belästigt 2 junge Frauen, Menschen mit rechter Gesinnung lassen sich anstacheln, gehen auf die Straße verüben rechte Gewalt, die Welt ist entsetzt, die Spiegel-Forum ebenfalls, die Chemnitzer - nein besser - fast alle Sachsen werden als rechter Mob abgestempelt, usw. usw. Ich weiß nicht so recht, wie sich diese Spirale der Überreaktionen durchbrechen lässt - auf jeden Fall nur durch Besonnenheit und nicht durch Emotionalisierung und Gewalt.
Vielleicht kann das aber nur gelingen, wenn sich die Medien wieder als neutrale Berichterstatter und nicht als profitausgerichtete Meinungsmacher verstehen. Wenn wir einen Weg finden, aus der kapitalistischen Ellenbogengesellschaft auszubrechen und den tatsächlichen Schritt ins transparente Informationszeitalter machen. Ich war lange Zeit optimistisch, dass sich die Gesellschaft zwangläufig immer weiter hin zum in StarTrek gezeigtem Idealbild entwicklen wird. Die letzten Jahre hat sich diese Entwicklung leider wieder gedreht...

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bammy 30.08.2018, 09:50
69.

Zitat von hinterwäldler2
"Sachsen hat das leistungsfähigste Bildungssystem in Deutschland. Zu diesem Schluss kommen das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in einem aktuellen Vergleich der Bundesländer, dem Bildungsmonitor 2018, der an.....
Und Sie machen mit dem Begriff "Teddybärenwinker" keine Stimmung. Was fehlt da noch? "Bahnhofsklatscher" "Gutmenschen". Man sollte auch sich selbst reflektieren.

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