Forum: Politik
Krawalle in England: Gesellschaft vor der Kernschmelze

Mit den Krawallen von London erlebt der*Westen sein soziales Fukushima. Aber wer hatte denn gedacht, die Vermehrung des Reichtums durch einige Wenige bei gleichzeitiger Verelendung der Vielen könne so weitergehen?

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will-shakespeare 18.08.2011, 06:59
1. Sehr treffende Analyse!

Mit dieser Zustandsbeschreibung haben Sie es exakt auf den Punkt gebracht. Wir brauchen unbedingt ein neues demokratisches und soziales Gesellschaftsverständnis fern von dogmatischen Ideologien wie Kapitalismus oder Sozialismus, denn die Londoner Verhältnisse sind sonst wohl nur einen Steinwurf entfernt.
Gegenwärtig scheint unser Parteiensystem derart festgefahren zu sein, dass sich die potentiell fortschrittlichen politischen Kräfte gegenseitig aus Gründen von Parteidisziplin und Machtkalkül blockieren und neutralisieren oder wie etwa im Fall von Joschka Fischer und G. Schröder komplett von den Verlockungen der Konzerne korrumpieren lassen.
Aber wie lässt sich der notwendige Wandel des Systems außerparteilich bzw. überparteilich organisieren?

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gosub 18.08.2011, 07:06
2. Sehr guter Artikel

Zitat von sysop
Mit den Krawallen von London erlebt der*Westen sein soziales Fukushima. Aber wer hatte denn gedacht, die Vermehrung des Reichtums durch einige Wenige bei gleichzeitiger Verelendung der Vielen könne so weitergehen?
dieser Artikel kommt der Wahrheit denke ich sehr nahe, insbesondere, weil er mit der plumpen links-rechts-Einteilung aufräumt und die wahren Probleme der Systeme (Kapitalismus, Sozialismus) analysiert. Man ahnt, dass ein besseres Gesellschaftssystem eine parlamentarische Demokratie mit Zutaten wie Mindestlohn und auch halbwegs angemessener Besteuerung der Reichen und Superreichen sein könnte. Vielleicht sollte man auch den Lobbyismus etwas einschränken, Waffengesetze verschärfen, Steuerflüchtlinge härter verfolgen und diese Kapital-Transaktionssteuer einführen.

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tsuggitschuggi 18.08.2011, 07:09
3. Klischees statt Analyse

Zitat von
Aber wer hatte denn gedacht, die Vermehrung des Reichtums durch einige Wenige bei gleichzeitiger Verelendung der Vielen könne so weitergehen?
Sie können natürlich versuchen die Verelendung der breiten Masse gegen jede Empirie herbeizuschreiben... aber wundern Sie sich dann bitte auch nicht, wenn die Menschen sich dann anderen Medien zuwenden.

Die Abgehängten in Europa haben in erster Linie ein Problem mit der eigenen inneren Einstellung. Mit der Einstellung zum Lernen, zum Arbeiten... zum Leben allgemein.

Das Problem ist nicht die materielle, sondern die geistige Armut.

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Ganzgeber 18.08.2011, 07:13
4. Reich vs arm?

Die linke Presse, einschließlich SPON, versucht mit allen Kräften, die Krawalle als Konflikt zwischen reich und arm zu deuten. Tatsächlich zeigen sich die Folgen einer verfehlten Einwanderungspolitik. Beachte: Chinesen scheinen an den Krawallen komischerweise nicht beteiligt zu sein. Aber natürlich wird der Mob nur durch die pöse pöse Gesellschaft zum Vandalismus gezwungen... blabla... den Sozialismus in seinem Lauf... blabla.

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heinervogel 18.08.2011, 07:15
5. Sehr guter Beitrag

Zitat von sysop
Mit den Krawallen von London erlebt der*Westen sein soziales Fukushima. Aber wer hatte denn gedacht, die Vermehrung des Reichtums durch einige Wenige bei gleichzeitiger Verelendung der Vielen könne so weitergehen?
Klasse Beitrag, mit Sicherheit werde ich mich in der zukunft öfters an Augsteins Worte erinnern.

Und vorallem, er hat sehr schön die fundamentalen Probleme der deutschen Linken erläutert, die eine gesellschaftliche Bewegung, und zwar die Verteidigung der Demokratie und nicht des Sozialismus oder der DDR, weiterhin verhindert. Es wird wohl nochmal mehrere Jahrzehnte dauern, wenn die alten Kader abgekratzt sind, dass die Jungen das Ruder in die Hand nehmen und endlich das linkssein anders definieren, nämlich ein besonderes Verständnis für Demokratie und die Verteidigung deren moralischen und humanitären Pfeiler.

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Trouby 18.08.2011, 07:16
6. .

Wird man uns entscheiden lassen?

Das ist die entscheidende Frage! Ist die Demokratie nicht schon kaputt, weil mittlerweile nahezu alle großen Parteien mehr oder weniger neoliberal oder zu links sind und wir gar keine richtige Wahl haben?

Haben wir uns nicht mir der Freigabe der Finanzmärkte einen neuen Adel gezüchtet, der nun maximalen Einfluss auf die Politik hat und wir daher wieder näher an einem Feudalsystem sind, als uns lieb ist? Zwar mit anderen Mitteln, aber für die Gesellschaft fast identisch.
Ansonsten ist der Artikel sehr gut und beschreibt das eigentliche Problem: Mehr Gesellschaft und Unterstützung für die parlamentarische Demokratie. Freiheit bei gleichzeitiger Kontrolle der Märkte, vor allem der Marktakteure. Dabei sollte sich der Gesetzgeber wesentlich weniger darum bemühen, dass die Anzahl der zu öffnenden Fenster in einem Bürogebäude geregelt wird, sondern dass alle Menschen zu fairen Bedingungen Arbeit bekommen.

Mindestlohn ist hier eines der wichtigen Stichwörter, natürlich flankiert von einer Überwachung der Arbeitszeiten (was nutzt ein Mindestlohn von 8 Euro/Std., wenn der Arbeitnehmer bei 4 Std. Bezahlung 8 Std. arbeiten muss?).

Wobei ich Chancen sehe, dass sich bei einem Regierungswechsel zu Rot-Grün hier endlich etwas tut. So gesehen schadet uns die Linke seit Jahren mehr als dass sie nutzt: Ohne die Linke lägen die Chancen auf eine sozialdemokratische Regierung, die diesen Namen auch verdient, seit Jahren deutlich höher.

Wie der Artikel sagt: Die Linke besetzt die Bezeichnung links in einer Art und Weise, die diese diskreditiert.

Gleichzeitig soll die CDU bitte mal wieder eine echte konservative Partei werden, denn die brauchen wir genau so wie eine gute Sozialdemokratie!

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roberto3 18.08.2011, 07:18
7. Die Verelendung der Presse

Sehr geehrter Herr Augstein,

wenn Sie die Ursache für die Kernschmelze suchen wollen, müssen Sie nur mal sich und ihre anderen Schreiberlinge anschauen. Die vierte Macht im Staate versagt schon seit 10 Jahren auf ganzer Linie.
Das linksliberale Geschreibsel, das Sie hier auch verbreiten, das, ebenso wie die Mauer,die EU,die Misachtung des Grundgesetzes à la Frau Merkel,zig Millionen Tote, Billionen von Staatschulden,Bankenrettungen, versuchte Firmenrettungen, die "Antifa", Wirtschaftsflüchtlinge, Menschen die wenn man die monatliche H4-Überweisung außer Acht lässt, keinen Bezug zum Land haben, das ist links! Und Frank Schirrmacher als konservativ zu bezeichnen ist doch weit hergeholt.
Also lassen Sie bitte in Zukunft wieder Herrn Fleischauer ran wenn es um die Frage geht, was denn nun konservativ und wo links ist.

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Valdy 18.08.2011, 07:19
8. Selten

habe ich so einen interessanten und nachdenkswerten Artikel gelesen wie diesen. Das tragische an dieser Sache ist, dass sowohl dem linksliberalen als auch dem bürgerlichen Lager jegliche Utopie und Idee abhanden gekommen ist; zum Leidwesen aller.

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Zyniker2008 18.08.2011, 07:22
9. Die gute Nachricht dazu

Es ist unwahrscheinlich, dass ähnliche Bilder sich auch in den Städten Deutschlands wiederholen werden. Leider ist der Grund dafür nicht,dass Deutschlands Gesellschaft fortschrittlicher und vernünftiger ist, sondern dass der normale Bürger keine Zeit hat für sowas, weil er nach seinem schlechtbezahlten Hauptjob und dem 400€-Nebenjob einfach zu müde und obrigkeitshörig ist, um etwas zu riskieren.

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