Forum: Politik
Kreml-Chef im "Bild"-Interview: Putins doppelte Botschaft
REUTERS/ Sputnik/ Kremlin

Er mäßigt seine Rhetorik, wirbt für ein Anti-Terror-Bündnis mit dem Westen, hofft aufs Ende der Sanktionen: Russlands Präsident Putin gibt sich in einem Interview plötzlich entgegenkommend. Doch von ein paar Positionen rückt er nicht ab.

Seite 1 von 12
HeisseLuft 12.01.2016, 14:23
1. Verstehe ich nicht

Das mit den Sanktionen verstehe ich nicht. Wieso sollen die weg? Ich denke sie nützen der breit diversifizierten russischen Wirtschaft?

Beitrag melden
Bernd.Brincken 12.01.2016, 14:25
2. Kommunikation

Als alter Russland-Versteher kann ich erst einmal zustimmen, und den Westen auffordern, die ausgestreckte Hand anzunehmen.
Man muss allerdings an Russland gerichtet auch sagen, dass die Kommunikation von dort unnötig lapidar war, was die Haltung zur Ukraine betrifft. Wenn dort durch den Maidan-Putsch rote Linien überschritten wurden, und so ist es ja offenbar gewesen, dann sollte die (i.a. durchaus ausgeschlafene) Kreml-Diplomatie in der Lage sein, das deutlich und frühzeitig zu sagen.
Also in diesem Falle z.B. auch zu der Zeit, als Janukowitsch noch versuchte, RF und EU gegeneinander auszuspielen (s. detailiierten Spiegel-Bericht dazu), selbst den Kontakt zur EU aufzunehmen, und etwa deutlich zu machen: "Wenn die Ukraine sich dem Westen zu- und uns abwendet, werden wir auf der Krim ein Referendum durchsetzen, das absehbar mit dem Anschluss an Russland ausgeht."
Das hätte manche Irritation vermieden.

Beitrag melden
crma 12.01.2016, 14:31
3. Arbeitszeugnis

Wenn mir jemand sagt, ich sei ehrlich stets behmüht nehme ich das nicht als Kompliment, SPON scheinbar schon.
Putin macht, was für Putin und Russland das Beste ist - Überraschung! Glaubt wirklich einer, er sieht Russland nicht als Weltmacht? Glaubt wirklich einer er schätzt Merkel für ihre offene, bemühte Art? Verdummung auf einem neuen Level.

Beitrag melden
Robert Redlich 12.01.2016, 14:33
4. Realpolitiker Putin

Ehrlich gesagt ist das, was er zu diesen Themen sagt, deutlich realistischer, als was unsere Politiker derzeit noch von sich geben. Natürlich wird Assad irgendwann abtreten müssen, wenn es gelingt, einen Frieden am Verhandlungstisch zu erreichen. Gut, dass Russland ihm das Angebot macht, sicher verschwinden zu können. Das vergößert die Chancen auf Frieden. Und natürlich wird die Krim russisch bleiben. Was oder wer bitte sollte das ernsthaft ändern? Man könnte die Abstimmung wiederholen, unter Aufsicht der OECD. Aber jeder weiß, dass das Ergebnis das Gleiche wäre. Also fordert das niemand. Und dass Russland bei einem NATO-Beitritt von Georgien oder der Ukraine sofort hart reagieren würde, hat er auch deutlich gemacht. Die Europäer werden das innerhalb der NATO mit Sicherheit tunlichst nicht unterstützen. Insgesamt ist also zwischen dem Westen und Russland ein Status Quo erreicht, den es nun zu stabilisieren gilt. Das wäre Realpolitik.

Beitrag melden
rieberger 12.01.2016, 14:38
5. Schwieriger Partner, schwieriger Nachbar

So wie die USA ein schwieriger Partner sind, ist Rußland ein schwieriger Nachbar.
Warum Putin die Hand ausstreckt, ist nebulös, seine Motive dies bezüglich mit dicken Fragezeichen versehen.
Aber - er streckt die Hand aus und er ist und bleibt unser Nachbar, ob wir das gut finden oder nicht.
Diese ausgestreckte Hand darf der Westen nicht reflexartig abweisen, weil sie von Putin kommt. Vielleicht steckt darin ein Zeichen, um den Ukraine- bzw. Krimkonflikt friedlich losen zu können.
Schließlich gibt es genügend gemeinsame Schnittmengen der Europäer mit Rußland, sei es sicherheitspolitisch, energietechnisch oder auch wirtschaftlich. Diesen Schnittmengen steht in der momentanen Situation allerdings der benannte Krimkonflikt im Wege.
Die USA als schwieriger Partner werden dieses Szenario aus ihrem Blickwinkel, der ausschließlich ihrem nationalen Interesse dient, betrachten. Ob ihnen als Protagonist der NATO an einer Kooperation gelegen ist, darf ruhig auch mit dicken Fragezeichen versehen werden. sie haben ihre Hilfstruppen in Polen und dem Baltikum, da diese sich direkt von Rußland bedroht sehen. Nach dem Krimkrieg durchaus auch nachvollziehbar.
Trotzdem muß dieser europäische gordische Knoten gelöst werden. Und das geht nun mal ohne Rußland nicht.

Beitrag melden
otto_iii 12.01.2016, 14:39
6. 647

Der Verfall des Ölpreises lässt Putin kompromissbereiter werden.

Zugleich merken die Europäer langsam, dass sie Bedrohung unserer Gesellschaften aus dem arabischen Raum weit größer ist als die Bedrohung aus Russland, und dass eine "Bekämpfung der Fluchtursachen" ohne russische Kooperation illusorisch ist.

Gute Voraussetzungen um den sinnlosen Konflikt in der Ukraine bald zu beenden.

Beitrag melden
HeisseLuft 12.01.2016, 14:40
7. Ahja

Zitat von Bernd.Brincken
Also in diesem Falle z.B. auch zu der Zeit, als Janukowitsch noch versuchte, RF und EU gegeneinander auszuspielen (s. detailiierten Spiegel-Bericht dazu), selbst den Kontakt zur EU aufzunehmen, und etwa deutlich zu machen: "Wenn die .....
Das hätte vielleicht manche Irritation vermieden. Insbesondere bei den Gutwilligen, sie wären rechtzeitig gewarnt gewesen. Und wäre diplomatisch komplett irre gewesen.

Im Ernst also - sie werfen Russland nicht vor, dass es über seine Nachbarstaaten bestimmen will. Sondern dass es seine Hegemonialmachtträume nicht offensiv angekündigt hat? Mit einer klaren, unmissverständlichen und rechtzeitigen Erpressung gegenüber der Ukraine?

Mit solchen Leuten baut man doch gerne ein gemeinsames Haus Europa.

Beitrag melden
stuhlsen 12.01.2016, 14:47
8. Journalistische Extraklasse

Bin wahrlich kein Freund von BILD, aber was Diekmann und Blome hier abgeliefert haben, ist Journalismus vom Besten. Alle relevanten Themen wurden abgefragt, Putin hat auf alles geantwortet. Vor vielen, vielen Jahren konnte man solche Top-Interviews noch im (gedruckten) SPIEGEL lesen. Lang ist's her.

Beitrag melden
omop 12.01.2016, 14:48
9. Westen ist gut beraten..

endlich wieder gute Beziehungen zu Russland aufzubauen. Das Aufheben der Wirtschaftssanktionen würde für beide Seiten eine Win-Win-Situation darstellen.

Beitrag melden
Seite 1 von 12
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!